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Neue Auseinandersetzungen bei VW in Mexiko:

 

Lieber Arbeitszeitverkürzung als Entlassungen?

junge welt vom 15.07.2003
Gerold Schmidt (npl)

  José Luis Rodríguez Salazar ist Generalsekretär der VW-Betriebsgewerkschaft im mexikanischen Puebla. Salazar verhandelt derzeit mit dem Management über dessen Forderung nach Entlassung von 2 000 Beschäftigten. Begründung ist ein Absatzeinbruch der Marken Jetta und New Beetle auf dem US-Markt

F: Hat die Unternehmensleitung zugestimmt, über Arbeitszeitverkürzung zu sprechen, oder besteht sie auf Entlassungen?

Sie ist grundsätzlich zu Verhandlungen bereit. Unser Vorschlag ist eine vorübergehende Vier-Tage-Woche. Über die Lohnfrage ist bisher noch nicht gesprochen worden. Am Ende werden alle Gewerkschafter im Betrieb über das Ergebnis noch einmal abstimmen. Die Verhandlungskommission hat keinen Blankoscheck.

F: Gibt es Kontakte mit deutschen Gewerkschaften?

Wir stehen in ständiger Kommunikation mit der IG Metall und den VW-Kollegen in Wolfsburg. Sie sind über die Lage hier informiert.

F: Welche Auswirkungen hätten die Entlassungen in der Region?

Die Folge wäre eine soziale Krise vor allem in der Stadt Puebla, weniger ausgeprägt, aber ebenso tragisch im gesamten Bundesstaat und im angrenzenden Tlaxcala. Die Zulieferindustrie wäre ebenfalls betroffen. Insgesamt wären bis zu 7000 Arbeitsplätze gefährdet, das hieße 7000 Familien ohne Einkommen.

F: Gleichzeitig zur Entlassungsdiskussion stehen Verhandlungen über einen neuen Lohntarifvertrag an. Wird da nicht eine Strategie der VW- Führung sichtbar, durch die Androhung von 2 000 Kündigungen bessere Karten in den Lohnverhandlungen zu haben?

Dieses Szenarium erleben wir Jahr für Jahr. Es ist eine Art Brauch geworden, uns eine kritische Unternehmenssituation zu präsentieren. In der Vergangenheit konnten wir trotzdem gute Ergebnisse erzielen. Natürlich wird der Produktionsrückgang Einfluß haben. Das Unternehmen wird die schwierige Marktsituation als Argument anführen, um die Lohnerhöhung so gering wie möglich zu halten. Wir wollen zuerst das Problem des Produktionsrückganges ohne Entlassungen lösen und dann den Tarifvertrag angehen. Wir sind in der Lage, beides zu bewältigen.

F: Sind Entlassungen aus Sicht der Unternehmensführung überhaupt die bessere Lösung?

Ja. Ihr könnte nichts Besseres passieren. Die Stammbelegschaft würde verringert, und die entlassenen Arbeiter stünden aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation in der Region als erste Kandidaten für die Wiedereinstellung bereit, wenn 2005 die Serienproduktion des Jetta A5 beginnt. Die Einarbeitungskosten wären gespart, und die Neueinstellung geschähe auf Grundlage einer niedrigeren Lohntabelle. Die Unternehmensleitung spekuliert darauf. Sie wissen, daß es möglicherweise zu keinem Konsens über verkürzte Arbeitszeit mit Lohneinbußen kommt.

F: Im März 2002 haben die Gewerkschaftsmitglieder in ähnlicher Lage den Vorschlag ihrer Führung für einen Lohnverzicht abgelehnt und statt dessen Entlassungen von Kollegen im Betrieb zugestimmt. Wenig solidarisch, wie viele damals meinten. Kann so etwas diesmal wieder passieren?

Es kann sich wiederholen, wenn die Einbußen für die Arbeiter sehr groß sind. Im letzten Jahr waren sie nicht ausreichend informiert. Diesen Schuh haben wir uns anzuziehen. Die Arbeiter wurden bei der Abstimmung sozusagen ins kalte Wasser geworfen. Heute wissen sie besser Bescheid und sind sich der Bedeutung der Solidarität mehr bewußt.

F: Was wäre die Ideallösung für die Gewerkschaft?

Verteilte Lasten. Einen Beitrag der Arbeiter, aber genauso des Unternehmens und der Regierungen auf Landes- und Bundesebene. Andernfalls zeichnet sich eine Konfrontation zwischen Gewerkschaft und Unternehmen ab, die wir uns nicht unbedingt wünschen.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2003/07-15/019.php 
 

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