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Keuchhusten und ärztliche Versorgung in Chiapas

Proceso vom 19.06.2007
von Isaín Mandujano
übersetzt von Dana

  Als Follow-Up zur Denuncia der Junta der Guten Regierung von Oventik zum Ausbruch einer Keuchhustenepidemie in der Los Altos Zone von Chiapas, hier ein Artikel der Proceso, mit Informationen über die gesundheitliche Lage in den indigenen Gemeinden, mit einem guten Schuss Regierungspropaganda.


Desinformationskrieg um die ärztliche Versorgung in Chiapas

Proceso, 19. Juni 2007

Chankolom, San Juan Cancuc, Chiapas, 18. Juni, 2007 (apro). Antonio Mendoza Hernández, ein Tzeltal Indigena und Vater von sieben, kam am Nachmittag in die Zapatistische Mikroklinik "Santa María", mit vier seiner jüngsten Kinder. Alle Kinder litten an schwerer Unterernährung.

Ofelia, seine drei Jahre alte Tochter weinte unaufhörlich. Antonio, 9 Jahre, und Rosalinda, 7 Jahre alt, husteten ununterbrochen.

"Es geht ihnen allen so", berichtet der Vater über seine Kinder, und es ist wahrscheinlich, dass der 9-Monate alte Victor, der schweißgebadet auf dem Rücken seiner Frau Cristina schläft, in den kommenden Tagen ebenfalls Symptome der Krankheit aufweisen wird, die in der Region wütet.

Sie sind anderthalb Stunden marschiert, um die Klinik zu erreichen. Die Kleinen laufen barfuß und ihre Kleidung sieht schmutzig aus. Ofelia hört nicht auf zu weinen. Der Vater der erkrankten Kinder scheint an diese Tragödie gewöhnt zu sein; er wirkt eher melancholisch und sucht ein wenig Trost in der Bemerkung, dass "andere Kinder in andere Häuser bereits gestorben sind."

In der erst kürzlich eröffneten Klinik − an der ein ausgeblichenes Schild mit den Initialen der EZLN hängt − nimmt man sich ihrer an, kann aber nur sehr wenig Hilfe anbieten.

Das dortige Personal von der internationalen französischen Organisation "Ärzte der Welt", arbeitet ohne Unterlass um alle Patienten, die täglich dazukommen, untersuchen zu können.

Nichtsdestotrotz, nur wenige Tage nachdem die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (spanische Initialen OPS), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ein Büro in Tapachula eröffnet und die Regierung von Chiapas mit dem "internationalen Zertifikat für ihre Errungenschaften in Gesundheitsfragen" ausgezeichnet hatte, räumten die Zapatisten bereits mit der offiziellen Scharade auf.

Sie informierten, dass in einigen Gemeinden im Tal von San Juan Canuc, mindestens 14 Indigenas an Keuchhusten gestorben sind, und Dutzende weitere mit dem Erreger infiziert waren. Insbesondere wiesen sie auf die Gemeinden Chankolom, Iwiltik, El Rosario, Tzajal Ukum, Yocwitz, Bakelchan und La Palma hin. Die Krankheit war entdeckt worden, nachdem eine große Gruppe indigener Zapatisten in der gesamten Zone mobilisiert worden war, um die Lage zu erkunden.

Die Zapatistischen Mikrokliniken in Agua de León, Estación, Magdalena, 16 de Febrero, Nueva Libertad, San Juan Cancuc, Zinacantán und Oventic, mobilisierten Pflegepersonal −darunter 25 Impfärzte, 19 Promotoren für allgemeine Medizin, eine mobile Ambulanz, einen Doktor, einen Hilfsarzt und sechs Übersetzer.

Mitglieder der Generalkoordination des Zapatistischen Autonomen Gesundheitssystems bestätigten die Krankheit und den Tod von 14 Minderjährigen, und später informierten sie, dass die staatlichen Gesundheitsbehörden versuchten, das Problem vor den Indigenas auf verdächtige Art und Weise zu verbergen, da sie durch die Publizierung der Situation Gefahr liefen, die Zuwendungen des Oportunidades-Programms der Bundesregierung zu verlieren.

Nachdem die Zapatistische Junta der Guten Regierung die Situation beklagte, zog der Gesundheitsminister des Bundesstaates jedoch nach, und leugnete sowohl den Ausbruch einer Epidemie als auch die durch sie geforderten Todesopfer.

Die Kulisse

Gestern wurde Proceso von den Mitarbeitern des Gesundheitsministers persönlich dazu eingeladen, die Situation in der Zone zu verifizieren. Nach einer zweistündigen Fahrt, die teilweise durch die Bezirke von San Juan Chamula, Chalchiuitán and Chenalhó bis nach Pantelhó führte, weil die Asphaltierung nur bis dorthin führt, trafen wir nach einer anstrengenden, für Autos unpassierbaren Wegstrecke, in Chankolom ein.

Die Kulisse war jedoch bereits aufgestellt worden: zwei Impfposten, emsig herumlaufendes medizinisches Personal, und Lehrer, die Vormittagsunterricht erteilten. Ein Klassenzimmer war mit einer Klimaanlage ausgestattet worden, um die Reporter zu empfangen.

Lorenzo Santis Hernández, Präsident des Gesundheitskomitees der Gemeinde war bereits mit seiner Gruppe Gesundheitspromotoren anwesend. Sie begannen damit, jegliche Todesfälle durch Keuchhusten abzustreiten. Nichtsdestotrotz gaben sie zu, dass mehr als 25 Familien, die der EZLN angehörten, sich außerhalb ihrer Aufsicht befanden.

Sie stritten die Notfallsituation ab, die von den Zapatisten ausgerufen worden war, priesen die offizielle medizinische Versorgung und erklärten sich vollkommen zufrieden mit der Zuwendung, die ihnen zuteil wurde.

Leticia Montoya Liévano, Leiterin des 2. ärztlichen Zuständigkeitsbereichs, mit Sitz in San Cristóbal de las Casas und Alfonso Torres Aguilar, Direktor der Netzwerke und Diensteistungen des Gesundheitsministeriums, waren anwesend, ebenso wie andere Staatsbeamte, die zu den Aussagen der Nicht-Zapatisten beipflichtend nickten.

Nur vier Kilometer Fußmarsch von der öffentlichen Schule entfernt, in einem Talkessel hinter einem Berg, befindet sich jedoch der rebellische Teil von Chankolom. Hier ist die kürzlich eröffnete Zapatistische Mikroklinik Santa María zu finden.

Die Grundmauern sind aus Zement, aber der Fußboden ist immer noch aus Lehm. Die Beine des Personals von "Ärzte der Welt" sind bereits von Flohbissen übersät. Die internationale französische Organisation ist auf Ersuchen der Zapatisten in die Zone gekommen.

Einer von ihnen, der seinen Namen auf Anweisung der Junta nicht angeben wollte, erklärte, dass bereits von mehreren toten Kindern die Rede war, und ihm sogar die Gräber gezeigt wurden, in denen die Kleinen begraben worden waren.

Er bestätigte die Fälle von Keuchhusten, aber der endgültige Beweis würde erst nach einer Laboranalyse in der Zapatistischen Klinik in Oventic feststehen. Der Ausbruch der Epidemie war nur deshalb bereits bekannt gegeben worden, weil alle durchgeführten Tests, positiv verlaufen waren.

"Zwölf Kinder wurden am Morgen eingeliefert und untersucht worden, sie alle litten an Hustkrämpfen, die für Keuchhusten symptomatisch sind", erklärte er Proceso gegenüber. Nur kurze Zeit später würde Antonio Mendoza Hernández von Tragik gebeugt eintreffen: alle seine Kinder husteten unkontrolliert, und fürchteten sich, weil andere bereits gestorben waren.

Mendoza Hernández besaß kein Peso, seine zerlumpten Kinder waren ausgehungert, und auf die Frage hin, was er in der Situation tun würde, war er nahe daran, in Tränen auszubrechen: "in den Wald gehen und essbare Kräuter suchen."

Wasser ist hier knapp. Die Situation in der Region ist dramatisch. Es gibt keine einzige Quelle oder einen Fluss, aus dem man Wasser schöpfen könnte. Die Schlucht von Los Altos ist das ärmste, was in ganz Chiapas gibt. Zehn der 17 ärmsten Bezirke Mexikos sind hier zu finden. Die Wasserknappheit in dieser Zone hat eine Epidemie von Trachomen hervorgerufen, eine Bindehautentzündung, an deren Folgen viele Indigenas erblinden. Die "Ärzte der Welt" beziehen ihr Wasser in großen Behältern aus San Cristobal, prangern jedoch an, dass die Bevölkerung nach kleinen Quellen in den Bergen suchen, oder auf den Regen warten muss.

Juanitas Kind

Juanita traf in der Mikroklinik mit ihren drei Kindern ein. Eins davon ist vier Jahre alt, sieht aber aus als wäre es zwei. Es trägt ein langes Hemd, das ihm bis zu den Knien reicht, man kann aber sehen, dass es keine Hosen trägt. Seine gelb verfärbte Augen, der aufgeblähte Bauch und die entzündeten Wangen sind Anzeichen schwerer Unterernährung, wie ein Arzt anmerkt. Sein 3-Jahre alter Bruder kann kaum noch laufen, er kriecht über den schmutzigen Boden und spielt mit den Steinen; sein 7-Jahre alter Bruder hat Tränen in den Augen. Durch die Unterernährung sind sie alle kleinwüchsig. Die frühe Kindheit scheint das schwierigste Alter im Leben einer Person zu sein.

Seine Mutter spricht ein wenig Spanisch und erklärt, dass ihre Kinder angefangen hätten zu husten, und sie könne nicht in die andere Klinik gehen, die der Regierung, weil sie Zapatisten waren, deshalb war sie zu diesem Gesundheitszentrum der Rebellen gekommen um Hilfe zu suchen. Aber die Staatsbehörden haben das Vorhandensein von Keuchhusten in der Urwaldzone rundweg abgestritten, obwohl sie letzten Endes einräumen müssen, dass in dieser Zone etwa 2000 Indigenas aus zehn Gemeinden jeder offiziellen ärztlichen Versorgung entbehren.

Torres Aguilar, Leiter der Netzwerke und Dienstleistungen des Gesundheitsministeriums, erklärte, sie hätten die "Ärzte der Welt" mit Impfmitteln und Medikamenten ausgestattet, gibt aber zu, dass diese Maßnahme nicht ausreichend ist, weil diese nur wenig Personal haben.

Von der Notwendigkeit zum Dialog

Am Freitag Morgen stritt Gesundheitsminister, Javier Castellanos Coutiño, erneut jede Möglichkeit eines Ausbruchs von Keuchhusten in der Zapatistischen Zone ab, der von der Junta der Guten Regierung der indigenen Rebellen mit Hauptsitz in Oventik seit Mittwoch denunziert wurde.

Er wies darauf hin, dass die Bevölkerung von San Juan Canuc an anderen Krankheiten leide, die etwa vier Todesfälle durch Infektionen der Atemwege gefordert hatten. Er erklärte sogar, nach einer "Rundreise" durch zehn Gemeinden des Tales, zwischen den Bezirken Cancuc und Pantelhó, keine Anzeichen einer solchen Epidemie vorgefunden zu haben. Er gab zu, dass acht Kinder im Krankenhaus von San Andrés Larráinzar interniert waren, die aber "bald heimgeschickt werden."

Der Staatsbeamte führte weiter aus, dass das Programm "Karawanen für gesundes Atmen" bereits seit einigen Wochen unterwegs war, und dass diese Karawanen auch begonnen hätten in die Zapatistischen Zonen vorzudringen, die darum ersucht hätten.

Er sagte es sei traurig, dass medizinische Versorgung "politisiert wird oder parteiisch ist", die frei von Politik und Ideologie sein sollte, wenn durch sie das Leben tausender Kinder gerettet werden könne, die an heilbaren Krankheiten sterben.

Der staatliche Anführer der Gewerkschaft der Angestellten im Gesundheitsbereich, Victor Hugo Zavaleta Ruiz, erklärte, dass die Situation in den indigenen Zapatistischen Gemeinden sehr ernst sei. Bevor sich die Regierung Chiapas von der Weltgesundheitsorganisation oder der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation als gesunder Bundesstaat auszeichnen lassen will, sollte sie zunächst Wege finden, die Rebellen einzubeziehen, um die Anzahl derer, die von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen sind, nicht noch weiter zu reduzieren. Obwohl den Angestellten der Gesundheitsbehörde der Zugang zu diesen Regionen untersagt ist, sei die Regierung stets dazu verpflichtet, unablässig darauf zu beharren den Dialog zu suchen, um die Impfung von Kindern zu ermöglichen, die an heilbare Krankheiten sterben.

Er betonte, dass das Auftreten von Keuchhusten in der Region eine massive Intervention des gesamten Apparats der Gesundheitsfürsorge erfordere. "Die Zapatisten müssten gestatten, dass medizinische Berater hereinkommen, um die Kinder versorgen, und dass die Regierung die Zapatistischen Kommandanten aufsucht und mit ihnen ein Dialog führt, damit Tausende von Kinder Zugang zu den Impfungen hat", erklärte Zavaleta Ruíz.

 Quelle:  
  http://www.proceso.com.mx/noticia.html?sec=2&nta=51653&nsec=Estados 
 

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