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Stimmen aus Oaxaca

Indymedia vom 08.08.2007

  Die hier veroeffentlichten Interviews stammen vom Freitag den 3.8.2007. Aufgenommen wurden sie auf dem besetzten Zocalo(zentraler Platz) in Oaxaca. Interviewt wurden ein Mitglied von CODEP(eine an den Marxismus-Leninismus angelehnte Organisation), ein Philosophieprofessor, eine Jurastudentin und ein Sekundarlehrer. Bei den Uebersetzungen wurde einiges Zusammengefasst, trotzdem wurde versucht moeglichst nah an dem Gesprochenen zu bleiben. Bei den Aussagen ist zu Beruecksichtigen, dass sie noch vor den Wahlen aufgenommen wurden. In schriftlicher Form sind hier nur die Interviews mit dem Philosophieprofessor und der Jurastudentin veroeffentlicht. Interview mit dem Philosophieprofessor

1. Was ist dein Beruf?

Ich habe Philosophie studiert.

2. Wie alt bist du?

Ich bin 38 Jahre alt. Im Moment arbeite ich als Journalist fuer ein lokales Medium zum Thema "alternative Projekte in indigenen Gemeinden".

3. Bist du Mitglied einer Organisation?

Im moment nicht. Ich arbeite unabhaengig.

4. Wie lange beteiligst du dich schon an der Bewegung?

Seit einem Jahr also seit der Gruendung der APPO

5. Was meinst du: Wie hat sich die APPO von ihrem Beginn bis Heute entwickelt?

Also es ist ein sehr interessantes Thema. Denn es ist ein Raum wo viele Richtungen vertreten sind, von der gemaessigten Linken bis zur radikalen Linken. Es ist schwer zu bestimmen welche die gute und welche die schlechte Linke ist. Jede hat ihre Konzepte....

6. Was Galubst du: Wie wird sich die APPO in Zukunft entwickeln?

Die Zukunftsaussichten sehen etwas grau aus fuer die zukunft der APPO. Wieso? Weil es sehr viel Protagonismus gibt. Es gibt halt einige, die sich die Zustimmung, den Applaus ernten wollen, anstatt die Einheit zu staerken und sich fuer die Forderungen der Bevoelkerung stark zu machen. Ich glaube die Situation sieht etwas schwierig aus aber nicht unmoeglich. Fuer viele Jahren waren die NGOs fuer sich alleine und die sozialen Bewegungen auch. Der Raum, den die APPO geschaffen hat, ermoeglichte es diese Kraefte zu vereinen. Also der Kampf in der Zukunft scheint nicht einfach aber auch nicht unmoeglich.

7. Was haelst du von den verschiedenen ideologischen Stroemungen in der APPO?

Das ist das Schoene und Interessante in diesem Freiraum. Die Sache ist nicht homogenisiert, sondern es gibt verschiedene Ausdrucksformen. Ich finde es wichtig, dass dieser Raum verschiedene einschliesst. Von denen, die nicht an die jetzige Wahlprozedur glauben, bis zu denen die glauben, dass man ueber Wahlen, mit friedlichen Mitteln Raeume erarbeiten, gewinnen kann, um die Aenderungen vorzunehmen, die dieser Bundesstaat benoetigt.

8. Was haelst du von der Rolle der Frauen in der APPO und in der Bewegung?

Es ist interessant. Es ist kein neues Phaenomen. Ich glaube der Kampf der Frauen gibt es schon seit sehr vielen Jahren. Ich glaube dass die Frauenbewegung sehr gestaerkt aus der jetzigen Bewegung herausgeht. Und ich finde sie tragen sehr viel zu den Mobilisierungen bei. Da sind glaub ich zwischen 60-70 % Frauen. Und auch in den Campamentos(Besetzungen von Plaetzen,etc) sind mehr Frauen als Maenner. In diesem freiraum, der von der APPO geschaffen wurde, sind die Frauen, ihr Ausdruck, dieser wachsende Akteur konsolidiert. Aber dieser Akteur ist nichts neues. Sie kaempfen schon seit Jahren. Diesen Raum, der die APPO schuf, ist wichtig fuer die Entfaltung dieser Bewegung. Vorwaerts!

9. In wie fern hat dich die Repression betroffen oder betrifft dich immer noch?

Die Repression geht weiter. V.a durch Einschuechterungen: das Ueberwachen deiner Familie, deiner Arbeit, die Einschuechterungen durch Patrouillen oder auch die Nachbarn, die mit der PRI sympathisieren, die dir vorwerfen, dass du destabilisierst, ein Radikaler bist, die Wirtschaft schwaechst, die Kultur zerstoerst. Aber das stimmt nicht. Schlussendlich sind sie die, welche die sozialen Netze zerstoert haben.

10. Wirst du wählen gehen? Warum wirst du wählen? Welche Partei wirst du wählen?

Ja ich werde waehlen gehen. Ich glaube noch sind Wahlen eine Moeglichkeit Dinge zu veraendern. Ich sehe mich als Teil einer eher reformistischen Stroemung, welche in Wahlen eine Moeglichkeit sieht. Ich werde die Partei waehlen, die, naja ich glaube es ist nicht die Perfekte aber noch das kleinste Uebel. Also PRD. Auch um die Struktur von 50 Jahren PRI-Herrschaft zu brechen. Wenn eine Partei geht und eine neue kommt, dann hat die noch keine gefestigten Strukturen und es ist einfacher mit ihr zu verhandeln.

11. Wie siehst du den Kampf der Bewohner oaxacas im nationalen Kontext?

Ich glaube es war ein sehr wichtiger Zuender. Wie zu seiner Zeit Chiapas mit dem bewaffneten Aufstand. In dieser Situation, wo der nationale Kazikismus enthauptet ist und sich deswegen der regionale wieder staerker formiert, ist es wichtig, dass auf regionaler Ebene dieser bekaempft wird. Im Vergleich zum Zapatismus, der eine indigene Bewegung darstellt und bewaffnet ist, sind hier Gewerkschaften, Studentenbewegung, indigene Organisationen, die Frauen und auch die Kirche vertreten.

12. Was hälst du von der "Anderen Kampane"?

Die "Andere Kampagne" klingt spannend. Nur bemuehte man sich nicht andere einzubeziehen. Als die "Andere Kampagne" nein zu den Wahlprozessen sagte fuehlten sich viele Gruppen die in irgendeiner Weise Sympathien fuer die PRD oder eine sonstige Partei hegten, ausgeschlossen und stiegen aus. Ich denke, dass das strategisch nicht sehr klug war von der zapatistischen Bewegung. Dadurch wurde dieser Prozess etwas geschwaecht. Ich sage aber nicht, dass es schlecht sei. Ich finde es ist ein wichtiger und guter Ausdruck im nationalen Kontext.

13. Was wird passieren wenn Ulises geht? Wird der Kampf der APPO weiter gehen?

Der Ruecktritt von Ulises ist ein Schritt und nicht das Hauptziel der Bewegung oder der APPO. Man muss sehen, dass es nicht genuegt den Fahrer des Buses auszuwaechseln, man muss alle Passagiere auswaechseln. Es geht nicht darum ein Formwechsel zu vollziehen sondern eine tiefgreifende Veraenderung, ein Strukturwandel, eine andere Beziehung zwischen Regierung und Gesellschaft. Ich glaube das waere der erste Schritt.

14. Was ist deiner Meinung nach das Ziel der APPO/der Bewegung?

Ich glaube vor allem eine einschliessende(partizipatorische?) Wirtschaft. All die sozialen Bereiche vorwaertsbringen, die Defizite aufzeigen wie Bildung, Kommunikationsmedien und auch Indigenen Gemeinden(von den 52 Indigenen Staemmen sind 16-17 in Oaxaca) mehr Aufmerksamkeit widmen. Diese indigenen Gemeinden muessen an der Seite der anderen stehen auch was Technologie und Produktion betrifft, schlicht alles. Ich schlage vor halbkommunale Betriebe zu schaffen, sowie es vorher Halbstaatliche gab. Es braucht auch Betriebe in den Gemeinden selbst, um diese vorwaerts zu bringen und die Migration etwas zu bremsen. Ich glaube in diese Richtung muesste das ganze gehen. Das ist aber keine Aufgabe fuer jetzt.

15. Willst du noch etwas hinzufügen?

Ich moechte den Leuten sagen, die im Moment zu Leaderpositionen kommen und auch sonst allen Compañeros, die schon seit Jahren dabei sind, dass sie Demuetig bleiben. Diese Art der Demut um zu dienen wie sie Sub Comandante Marcos hatte. Gehorchend befehlen. Ich glaube das fehlt uns noch sehr. Das moechte ich allen Compas ans Herz legen, dass wir demuetiger unsere Schwaechen akzeptieren. Wenn sich in diesem Prozess einige Leader verkauft haben, dann ist das nicht wichtig, da es sowas immer gibt. Das heisst aber eben nicht, dass dies die Bewegung schwaechen muss, sondern im Gegenteil sie staerken kann. Einfach, dass man daraus lernen kann. Zum anderen haette ich gerne, dass man kurz einhaelt um die Erfahrungen zu sammeln und zu systematisieren und zu schauen was haben wir aus dieser Bewegung gelernt um diese zu staerken. Die Sachen, die wir erreicht haben zu staerken und aus unseren Schwaechen zu lernen.
Interview mit der Jurastudentin

1. Was ist dein Beruf?

Ich bin studentin

2. Was studierst du?

Jura

3. Wie alt bist du?

23

4. Bist du Mitglied einer Organisation?

Nein ich bin einfach nur eine Bürgerin

5. Wie lange beteiligst du dich schon an der Bewegung?

Ich beteilige mich seit, kurz vor dem 14. Juni an der Bewegung. Ich habe das Glück die Tochter von Lehrern zu sein, so war ich bereits mit dem Vertraut, was man Planton nennt. Bei dieser Gelegenheit hatte ich bereits gemerkt, dass die Regierung hier in einer sehr direkten Art und Weise, gegen die Lehrergewerkschaft gegenan ging. Während das Fernsehen und das Radio vor dem Hintergrund vieler Fotos, Stimmung gegen die Lehrer machten. Ich habe schnell gemerkt, dass dieses Jahr etwas anders ist. Das dieses jahr der Governeur etwas gegen die Lehrer hat. Und als dann das mit dem Planton geschah, hatte ich genug, von dem was hier passierte.

6. Was meinst du: Wie hat sich die APPO von ihrem Beginn bis Heute entwickelt?

Gut, die Warheit ist, dass es für mich im Dunkeln geblieben ist, wie genau die Dinge APPO entstanden ist. Vielleicht, waren einfach viele von uns etwas apathisch, wegen der sozialen Situation in unserem Bundesstaat. Ich persönlich würde sagen, dass aus der Ggewerkschaft der Lehrer entstanden ist, und nicht direkt aus anderen Organisationen. Ich sehr es, so dass es seit dem 14. 6. noch andere Organisationen gibt, die sich aktiv in der Bewegung einbringen. Als die Bürger auf die Strasse gingen. Um für das was sie für richtig oder gegen das was sie für falsch hielten, zu kämpfen, entstand in diesem Moment, auf eine sehr spontane Art und Weise, wie ein inneres Bedürfnis der Bürger, die APPO. Eine Alternative. Nicht? Eine andere Art der Regierung zu machen. Um diesem System zu zeigen, dass wir uns organisieren können. Dass wir nicht von ihnen abhänging sind, weil wir sie nicht brauchen, weil wir es selbst machen können. Dieses Systems, war noch nicht fertig, für ein Abenteuer, wie es die APPO ihm bescherte. Nun haben wir tatsächlich alle eine Stimme innerhalb einer Versammlung. Wo wir alle eine Meinung haben können, wo wir alle unsere Einstellung auf eine freie Art und Weise kundtuen können. Wir konnen sagen ja, ich binn einverstanden oder nein, ich bin nicht einverstanden. Und dass ist wunderbar. Ich glaube, dass die APPO auf eine spontane Art und Weise zu funktionieren begann, welche sich gefestigt hat. Wir mussten uns zwar wieder estwas zurücknehmen, da es am Anfang etwas zu viel Opportunismus gab, aber zurzeit versuchen wir, dass wieder zu beheben. Damit diese Bewegung weitergeht, ohne den ganzen eingeschläusten Verrätern die es waren, die so viel zunichte gemacht haben innerhalb der APPO.

7. Was Galubst du: Wie wird sich die APPO in der Zukunft entwickeln?

Diesbezüglich habe ich eine sehr gegensätzliche Position. Denn man muss sich bestimmter Notwendigkeiten in einer solchen Bewegung bewusst sein. Denn jeder versucht frei zu sein, zu denken und Entscheidungen zu fällen. Dies ist aber manchmal auch ein Hindernis der APPO. Denn wir haben nicht verstanden, dass wir auchmal eine Foderung, einer politischen Organisation beiseite lassen müssen, um zusammen für die Einwohner von Oaxaca zu kämfen. Manchmal werden innrhalb der APPO diskussionen geführt, die für mich keine Bedeutung haben. Sie streiten sich wegen Dingen, wegen denen sich die Organisationen nicht bekämpfen sollten. Mich als Bürgerin oaxacas, interessiert es nicht ob, deine Fahne rot oder gelb ist, das was ich will ist, dass du für deine Mitmenschen kämpfst und für das Gemeinwohl. Und ich glaube das sie vergessen, dass die APPO in ihrem Uhrsprung für das Wohl der Einwohner von Oaxaca entstand und nicht zum Wohle einiger weniger Organisationen. Die APPO ist nicht für die Organisationen, sondern für die Einwohner oaxacas. Ich glaube, dass sie das vergessen haben. Ich glaube, dass es sehr gut ist, dass es verschiedene Meinungen gibt, aber es wäre besser, wenn diese Meinungen gut durchdacht wären. Damit sich die Organisationen nicht in einem Moment im debatieren velieren. Das ist es was ich glaube und ich werde davon nicht abweichen. Nein! Ich glaube das es diesbezüglich innerhalb der APPO noch einige Verhandlungen geben muss.

8. Was meinst du zu der Rolle der Frauen in der APPO ?

Es war wirklich überraschend als die Frauen am 1.August(2006) zu dieser Demo gingen. Es war wunderbar. Wunderbar zu sehen, dass es nicht Frauen waren wie zu früheren Zeiten, die hinter einem Mann standen, sondern Frauen, die die Initiative ergreifen. Und sie haben bewiesen, dass sie mutig sind, mehr als viele Maenner. Zu diesem Zeitpunkt lachten wir über die Männer, als sie uns sagten "die Frauen haben Canal 9 besetzt". Zu Beginn war das einfach belustigend, denn das war ja so nicht geplant. Dann stieg der Mut erst recht und sie sagten: Dieser Sender gehöert den Oaxaqueñas, den nehmen wir uns jetzt, denn wir sind Oaxaqueñas. Und sie dann plötzlich da zu sehen und ihre schlichten Worte zu hören; unsere eigene Stimme zu hören in diesem Radio, dass vorher der Regierung gehörte... Ich glaube sie haben ein bisschen Konsolidierung erreicht, ein bisschen Partizipation aller Frauen. Und hoffentlich wird sich das wiederholen können; dass wir sagen wir sind Frauen und müssen raus um zu kämpfen. Das ist nicht nur ein Kampf der Männer, wie es in den vorigen Jahren der Fall war. Nein. Wir sind Frauen, wir haben Ideen, wir zeigen Initiative und darum können wir mit den Männern kaempfen. Wir sind nicht mehr als sie, wir wollen nicht mehr sein als sie. Wir wollen nicht Femministinnen sein und die Männer beiseite lassen. Wir muessen verstehen, wie es ein Compañero ausdrueckte, dass die Menschheit wie 2 Fluegel ist. Solange die 2 Fluegel nicht vollständig reif sind, wird die Menschheit nicht fliegen können. Wenn wir das verstehen und auch die Männer, auch wenn unsere machistische Ideologie das nicht erlaubt, sich die Männer etwas hierfuer öffnen, werden wir verstehen, dass weder wir ohne sie können, noch sie ohne uns.

9. In wie fern hat dich die Repression betroffen oder betrifft dich immer noch?

Die Reression begann schon lange vor dem 14. 6, aber wir haben sie nur nicht wahrgenommen. Ich ging mit einer rosa Brille durchs Leben. Die Regierung regierte, alles ging seine Wege. Wir wussten schon, dass sie uns bestahlen, aber wir sagten uns das sind halt schlechte Abgeordnete. Nach dem 14. 6. wurde uns dann bewusst, woran wir uns da gewöhnt hatten. Dass das nicht sein dürfte und wir begannen zu verstehen und uns zu fürchten. Während dessen begann die Repression, auf einem so hoheren Niveau, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich als Juradtudentin sah, wie sie das Recht missbrauchten, wie sie die Persönlichkeitsrechte verletzten und wie sie die Menschenrechte verletzten. Es gibt keinen Anstand mehr. Manchmal frage ich meine Eltern, wofür ich eigentlich Rechtswissenschaften studiere. Was bringt mir das, welchen Wert hat das noch. Ich glaube das hat mein Leben sehr stark verändert. Jetzt geht man nicht mehr mit der gleichen Unbefangenheit auf die Strasse, weil man nicht mehr weiss, ob sie einen nicht doch an der nächsten Ecke mitnehmen. Nur weil du für sie wie ein Rebell aussiehst, oder weil sie dich für jemand von der APPO halten. Und du weisst nicht, ob sie dich mitmehmen, dich töten oder verschwinden lassen, einfach weil sie gerade lust dazu haben. Ich glaube, dass das viele Menschen verändert hat. Denn wir haben keine Sicherheit mehr, jetzt sehe ich die Polizei nicht mehr als Hütter der Ordnung, sondern als Verbrecher im Auftrag des Staates. Das hat mich emotional und psychisch sehr beschäftigt. Es gibt Wunden die nicht aufhören wollen zu bluten und es gibt Tote die Gerechtigkeit fordern. Es gibt sehr viel Blut das geradezu nach Gerechtigkeit brennt. Ich glaube, dass das Ganze auch etwas positives für mich hat. Denn wenn wir es hier in Oaxaca soweit gebracht haben, dann können das auch die Menschen woanders ebenfalls schaffen. Denn ich liebe diesen Staat und ich werde mich nicht aufgeben, nur wegen irgend einem Nichtsnutz oder nur wegen der Kugel eines Nichtsnutzes, dem es einfällt ein ganzes Volk zu unterdrücken. Ich werde deswegen nicht innehalten.

10. Wirst du wählen gehen? Warum wirst du wählen? Welche Partei wirst du wählen?

Ja, ich werde Wählen gehen. Warum werde ich wählen? Weil ich glaube, dass das letzte bischen Hoffnung ist, die uns bleibt für unsere pazifistische Bewegung. Das ist die letzte Möglichkeit, die wir irgend einer politischen Partei geben uns zu zeigen, dass sie in der Lage ist, für das Volk zu kämpfen. Ich werde die Koalition (Koalition für das Wohl aller) wählen. Nicht weil sie die beste wäre, sondern weil sie weniger schlimm ist. Die PRI (Partido Revolucionario Institucional) habe ich nie gewählt und werde ich nie wählen. Für die PAN (Partido Acción Nacional) haben wir bereits einmal gestimmt und sie haben uns betrogen. Uns bleibt nur noch die PRD (Partido de la Revolución Democrática) und die Koalition, aber ich sage dir, das ist die letzte Chance, die wir einer Partei geben. Wenn sie uns ebenfalls zeigen, dass sie nicht in der Lage dazu sind, sie uns zeigen, dass sie ebenfalls wissen wie man unterdrückt und wenn sie auch nur auf der Seite einiger weniger sind. Dann macht es keinen Sinn die gleichen oder die gleiche Klasse von Leuten zu wählen, die nur im Diskurs von der Linken sind und in Wirklichkeit auch dem Mandat der Mächtigen folge leisten. Das ist zumindestens von mir aus das letzte mal, dass ich an einer Wahl teilnehme. Wenn ich nicht sehe, dass sich etwas ändert, dann nicht. Dann müssen wir nach anderen Methoden suchen, ich meine damit die Organisation des Volkes. Dann müssen wir sagen gut, wir können uns selbst organisieren, ohne der Hilfe von politischen Parteien. Denn sie sind bereits im Prozess ihrer Dekadenz. Sie haben ihre Versprechen nicht gehalten haben, genau wie sie die Erwatungen ihres Volkes nicht erfüllt haben, welches ein anderen Lebensstiel gefordert hat. Also ich persönlich werde wählen, aber möglicher Weise ist es dass Letzte mal.

11. Wie siehst du den Kampf der Bewohner oaxacas im nationalen Kontext? Atenco, Chiapas

Ich glaube, dass Oaxaca de Juárez ein Symbol des Widerstandes und des Kamfes für die Würde, sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene ist. Ich glaube, dass das ein Beispiel für viele Gemeinde auf nationaler Ebene sein kann. Und dass sie wissen, dass wenn wir unsere Stimmer erheben konnten, dann können sie das auch. Man sagt, dass hier dier Revolution des 21. Jahrhunder geboren wird, aber ich weiss das ich nicht. Aber es könnte sein, dass sich von hieraus der Samen, in die verschiedenen Staaten der Republik verteilt. Ich glaube, wenn wir es schaffen, dass ganze Land zu überzeugen. Nicht weil es nicht an ihnen war, das Tränengas abzubekommen, oder weil nicht sie der 25.11. der Reression getroffen hat. Das heisst nicht, dass sie nicht betroffen seien, denn es hat uns nicht getroffen, weil wir Einwohner oaxacas sind, sondern einfach nur deshalb weil wir unsere Stimme erhoben haben. Und an dem Tag, an dem sie sich erheben, wird es ihnen genauso ergehen. Dass ist nicht nur exklusiv in Oaxaca so, sonder landesweit. Und ich glaube, dass wenn sie es schaffen das zu verstehen und wenn auch ander das verstehen, dann weden wir eine grosse landesweite Bewegung werden und dieses kapitalistische Sysem zerstören können, welches uns in die Misere, in eine Tragödie führt. Wir müssen aber auch die grossen Ressoursen des Landes sehen und verstehen dass Mexiko den Mexikanern gehört. Denn dann können wir es schaffen, dass die Mexicaner sich zusammenschliessen und Mexico verteidigen.

12. Was hälst du von der "Anderen Kampane"?

Ich habe nur wenige Informationen über die Andere Kampane, aber ich glaube, dass alle Fronten, die sich auf nationaler Ebene aufgetan haben, auch wenn sie noch so klein sind, wichtig sind. Denn das bedeutet, dass auch in anderen Orten des Landes dieses Bewusstsein gibt. Das bedeutet, dass diese Leute in anderen Teilen des Lands auch kämpfen und Widerstand leisten und das seit 1994. Das sind Menschen, die sehr viele gesehen haben, die mehr Erfahrung haben als wir. Wir haben nur ein Jahr an Erfahrung, während sie mehr als 10 Jahre an Erfahrung haben. Ich glaube, dass ihre Erfahrung uns helfen kann. Wir müssen lernen, zu verstehen, dass wir nicht isoliert sind, sondern dass sie uns helfen können, so wie wir ihnen helfen können mit unseren Erfahrungen, welche andere sind als ihre. Wir können unsere Erkenntnisse zusammentragen. Das ist nur eine Frage der Kommunikation und der Bereitschaft, von beiden Seiten.

13. Was wird passieren wenn Ulises geht? Wird der Kampf der APPO weiter gehen?

Ich glaube, dass das ganze nicht mit dem Abgang von Ulises endet, sondern dass der Kampf weiter geht. Ulises ist nur die Spitze des Eisbergs. Er ist das was man sieht, aber dahinter stehen viele verschiedenen Interessen, die der nationalen Oligarchie und die des Imperialismus der USA. Erinnern wir uns daran, dass sie hier versuchen, das was sie den Plan Puebla Panama nennen durchzusetzen, der uns sehr stark betreffen wird. Es passt ihnen nicht, dass eine Gruppe von Aufständischen das verhindert. Nein, ich glaube nicht, dass der Kampf nur gegen Ulises Ruiz gerichtet ist. Ich glaube, dass wir im Moment einen grossen Groll gegen Ulises hegen, weil er das Gesicht der Repression war. Aber er ist nicht der Feind, der Feind ist weiter dahinter. Wir müssen die Leute davon überzeugen, dass der Kampf nicht mit dem Abgang von Ulises endet, denn nach ihm kommt ein Neuer und der wird genau das Gleiche machen und wieder die Interessen einiger weniger vertreten. Das was wir brauchen ist ein radikaler Wechsel. Nicht nur in Oaxaca, auch in Mexico. Das ist ein langer Kampf, aber ich glaube wir sind bereit dafür. Als wir damit anfingen, abgesehen davon, dass es der Anfang war, war es eine grosse Verantwortung. Das war kein Spiel. Wir gingen nicht raus um zu sagen: "Komm wir sehen mal was passiert oder komm wir gehen auf den Barrikaden spielen." Wir wussten dass es eine Verantwortung war und wir haben sie auf uns genommen. Genauso so wie unseres Leben, unsere Zeit, unserer Arbeit in den Kampf, hineingestckt haben. Und so werden wir weitermachen. Den das was wir haben, ist Überzeugung und eine tiefe Liebe zu unserer Erde und wir werden weiter dafür kämpfen, bis sich die Dinge ändern.

14. Was ist deiner Meinung nach das Ziele der APPO?

Ich glaube das man das endgültige Ziel der APPO noch nicht wirklich festgelegt hat. Ich glaube, dass jede Organisation ihre eigenen Ziele verfolgt und jede hat andere Ansichten. Ich als Bürgerin glaube, dass die APPO zum Wohle oaxacas alsauch mexikos entstand. Ich glaube, dass die APPO einfach ein Beispiel ist, wie ein Staat oder ein Volk sich organisieren und protestieren kann. Ich glaube, dass die APPO die Erwartung von uns allen ist, die Dinge zu änderen. Ich hoffe, dass die APPO nicht verschwindet und dass die Betrüger sie nicht zerstören. Und ich hoffe, dass die Überzeugung der Menschen stärker ist als jede Repression. Auch hoffe ich, dass Oaxaca von der Wurzel aus verändert wird, so wie man es letztes Jahr bereits gesehen hat. Letztlich weiss ich nicht welche die entgültigen Ziele der APPO sind, da sie sich bisher noch nicht öffentlich festgelegt haben. Manche sagen das Ziel sei der Sozialismus, andere sagen es sei nur ein Wechsel der Regierung. Ich würde sagen es ist ein radikaler Wechsel. Es befindet sich viel Geld in den Händen einiger weniger, während die Mehrheit mit sehr wenig Geld auskommen muss und dass gefällt mir nicht. Ich hoffe, dass die Menschen, die ich leiden sehe, die Leute die ich weinen sehe, weil sie für sich und ihre Kinder nichts zu essen haben, die Menschen die keine Schuhe haben, die Menschen die keinen Pullover haben, um sich vor dem Wetter zu schtüzen. Dass diese Menschen es eines Tages haben werden. Denn die Dinge werden sich ändern. Ich glaube, dass ein System nicht wirklich das Leben der Menschen verändern kann. Ich glaube, dass wir daran arbeiten müssen. Ich will nicht die ganze Schuld dem Kapitalismus geben, sondern unserem Egoismus. Wir sind Erdenbürger und das Ziel ist, dass wir bessere Erdenbürger werden. Wir werden die Dinge in diesem Staat ändern können, dank der vielen Menschen die an sie (die Armen) Denken. Sie Merken, dass es die Unternehmer nicht stört. Sie (die Armen) haben uns dazu gebracht, an das Blut zu denken, welches vergossen wurde. Sie haben uns dazu gebracht daran zu denken, dass die Waisen nicht schweigen dürfen. Dass die Wittwen nich schweigen dürfen. Ich bin selbst nicht direkt betroffen, aber ich glaube dennoch, dass wir das ändern müssen. Nicht nur das System, sondern uns selbst als Erdenbürger. Wir müssen aufhören nur unsere eigenen Interessen zu sehen und es herausschreien, vom innneren unseres Herzens, nicht weil sie mich zwingen, sondern vor allem weil wir Brüder sind. Wenn wir das Heute verstehen würden, wäre der Kampf vorbei. Denn dann wären sie nicht hier, weder Ulises Ruiz, noch seine Verbündeten. Aber wir haben es noch nicht verstanden und deshalb müssen wir es weiter versuchen und den Menschen verständlich machen, dass der Hass oder sich nur im Kreis zu drehen, uns nicht weiter bringt. Wir müssen lernen uns zu lieben, als Oaxacaner. Und wenn es die Menschen nicht von allein verstehen, dann müssen wir es ihnen halt beibringen. Und so können wir die Dinge ändern und zu Übereinkünften gelangen. Damit sie sich nicht gegenseitig bekämpfen. Einfach damit sie für das Wohl oaxacas kämpfen, ohne sich davon beeinflussen zu lassen, wen sie gerade vor sich haben.

15. Willst du noch etwas hinzufügen?

Nur, dass auf internationaler Ebene sich diese Nachricht verbreite. Ich möchte, dass sie uns helfen, dass sie von der mexikanischen Regierung verlangen, dass sie für Gerechtigkeit sorgt. Ich weis nicht auf welche Art und Weise, sie es hören wollen, aber es ist dringend notwendig. Wir Können das nicht mehr auhalten, die Grenzen unserer Geduld sind überschritten. Uns Tote zu bescheren ist nicht gerecht. Wenn wir uns friedlich erheben, antworten sie mit Kugeln oder Tränengas. Das ist nicht gerecht. Ich glaube, dass sie das auf internationalem Niveau wissen sollten, damit das was hier passiert, nicht wieder passiert. Wir wollen das nicht, wir brauchen das nicht, das einzigste was wir bitten ist Gerechtigkeit, das ist es was uns gebührt. Und ich sehe darin keinen einzigen Delikt. Das ist meine Petition, dass sie etwas auf internationalem Niveau machen mögen. Das sie ihre Stimmen für Oaxaca erheben. Nicht für die APPO, sondern Oaxaca. Denn wer Hilfe braucht, ist Oaxaca. Denn auch wenn es die APPO einmal nicht mehr gibt, wird die Miserie weitergehen. Die APPO ist nicht das Problem. Wir sind nicht das Problem. Nur weil wir uns manifestiert haben. Wenn sie sich der APPO entledigen, wird sich nichts ändern. Der Hunger und die Miserie werden weiter existieren. Das fehlen an Möglichkeiten, an Arbeit, an Bildung, denn die Dinge würden sich nicht ändern. Darum müssen die Menschen anfangen zu reden, sich zu manifestieren um Oaxaca zu unterstützen, als Bürger, nicht als Bundesstaat. Nicht in einer Abhängigkeit, sondern als Einwohner Oaxacas. Wir müssen für Gerechtigkeit, Gleichheit sorgen. Für die Möglichkeit, der Welt zu sagen, dass wir keine Verbrecher sind, dass wir bloss unsere Heimat lieben und dass wir bereit sind für sie zu kämpfen. Wenn sie dass nicht verstehen. Wie schade! Aber wir sind keine Verbrecher! Es gibt viele Leute hier, die sehr besorgt sind und leider bedrohen und beschuldigen sie uns. Einfach weil sie in einer anderen Ralität leben. Das ist das einzige, was ich bitte. Weder auf persönlicher Ebene, noch auf der einer Gruppe. Es ist für meine Heimat. Weil ich sehe wie es ist und weil ich möchte, dass sich das ändert.

16. Was hälst du von dem vermeitlichen Attentat des EPR (Ejército Popular Revolucionario)?

Ich habe meine Zweifel, ob dass die EPR war. Es ist nicht klar, besonders, da es in der Zeit kurz vor den Wahlen geschah und die Regierung nicht will, dass das Volk wählen geht. Ich glaube das hier ein Klima der Angst und des Terrors geschaffen werden soll, damit die Menschen nicht wählen gehen. Aber das ist delikat, denn wenn sie nicht Wählen gehen, gewinnt die PRI die auch sonst immer gewonnen hat. Ich glaube nicht, dass es das EPR war und wenn sie es doch wahren, dann war es ein grosser Fehler. Denn es gäbe andere strategisch bessere Orte, als ein Modegeschäft für Marken Kleidung. Ich glaube, dass das EPR etwas intelligenter ist, als dass sie solche Orte aussuchen würden, die niemanden als ein para Personen treffen. Die keinerlei Bedeutung innerhalb des Staates haben. Ich glaube das EPR hätte sich fundamentale Punkte des Staates ausgesucht. Gerade da die Wahlen bevorstehen. Aber nein, ich glaube nicht das es das EPR war. Und wenn sie es doch waren, dann haben sie sich getäuscht. Und wenn sie es doch gewesen sind, dann wäre ihre Aktion ins Rückenmark des Staates gegangen. Ich glaube, dass ist nur ein Vorwand, um den Staat zu militarisieren. Denn das einzigste, was ihnen jetzt noch fehlt ist, uns zu militarisieren.

- Es stand ja auch in der Zeitung, dass auf grund der Aktion der EPR nun 600 bis 800 Soldaten zur Überwachung der Wahl kommen sollen.

Ja. Was sie suchen ist ein Deckmantel um die Militarisierung zu legitimieren. Um zu töten und zu massakrieren. Ich spüre, dass es das ist, was uns recht gibt. Denn wenn jemand seine Argumente verliert und nicht mehr verhandeln kann, weil er politische schon längst verloren hat, ist das einzigste was ihm bleibt, ist zu unterdrücken und das ist es was der Staat macht. Das zeigt uns, dass er bereits verloren hat. Das zeigt, dass wir recht haben. Wir fühlen uns zufrieden, dass wir das erreicht haben und dass soll die Welt sehen. Das hat viel Blut gekostet und das hat uns nicht gefallen. Aber das ist ein Teil des schmutzigen Krieges, den uns der Staat aufzwingt. Aber das zeigt nur die Schwäche des Staates.

Links zu den Audios: http://oaxaca.reisebloggo.de/

 Quelle:  
  http://de.indymedia.org/2007/08/190150.shtml 
 

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