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Wenn »La Esperanza« stirbt

 

Lateinamerika: Gefängnisse als Menschenhalden. Täglicher Kampf ums nackte Überleben

junge welt vom 11.09.2004
Diego Cevallos (IPS), Mexiko-Stadt

  Mit dem Diebstahl einer Brille nahm das Unheil seinen Lauf. Wegen dieses Kleindelikts verbüßt der 24jährige David Pastor derzeit eine fünfjährige Haftstrafe im »Varonil Norte«, einem Männergefängnis in Mexiko-Stadt. Sein Leben hinter Gittern ist ein täglicher Kampf ums Überleben, wie ihn in der gesamten Region rund 650 000 Lateinamerikaner führen müssen. »Wenn du nicht stark bist und dich nicht wehrst, hast du keine Chance«, schildert Pastor. »Du mußt dir deinen Nachtplatz erkämpfen und immer auf der Hut sein, selbst im Schlaf.«

Ursprünglich für 4 892 Insassen ausgelegt, sitzen im Varonil Norte 8 500 Menschen. Derart überlastet sind die meisten lateinamerikanischen Gefängnisse, Aufstände und Gewalt die Folge. Tausende Menschen vegetieren in den Knästen, die Bagatelldelikte oder das Fehlen eines fähigen Rechtsbeistands in diese gnadenlosen Höllen brachten. »Die Haftanstalten der Region haben wenig mit Orten gemeinsam, an denen Insassen für begangenes Leid bezahlen und auf eine Rückkehr in die Gesellschaft vorbereitet werden, sondern sie sind zu menschlichen Abladeplätzen und Verbrechensschmieden verkommen«, konstatiert das lateinamerikanische Institut der Vereinten Nationen für Verbrechensprävention und den Umgang mit Straftätern (ILANUD).

Beispiele dafür gibt es genug. So starben im salvadorianischen Gefängnis mit dem euphemistischen Namen La Esperanza (Hoffnung) Ende August 31 Menschen, während im Mai in Honduras mehr als 100 Gefangene bei einem Brand starben, der nicht rechtzeitig gelöscht werden konnte.

Mißachtung der Menschenrechte und Überbelegung bedingen sich gegenseitig in Lateinamerikas Gefängnissen. Daß Häftlinge regelrecht zusammengepfercht werden, stellte das im costaricanischen San José angesiedelte ILANUD in 18 Ländern der Region fest, in 15 war die Lage besonders bedrohlich. Dort wurden die Kapazitäten um das 120fache überschritten.

Vernichtend fällt auch das Urteil der Lateinamerikanischen Kommission für die Rechte und Freiheiten von Arbeitern und Völkern (Comisión Latinoamericana por los Derechos y Libertades de los Trabajadores y los Pueblos − CLADEHLT) aus. Die regionalen Haftanstalten seien für einen hohen Prozentsatz der Häftlinge der Beginn der Laufbahn zum Kriminellen und für die Mehrheit »der tägliche Kampf, dem Tod einen Tag mehr abzutrotzen«. Die Mordrate im Strafvollzug ist 25mal höher als außerhalb und die Zahl der Selbstmorde um das Achtfache größer.

In Brasilien drängen sich 210 000 Menschen in den Zellen zusammen, in denen ursprünglich 180 000 Menschen Platz finden sollten. Dort will die Regierung von Staatspräsident Luiz Inacio da Silva nun Abhilfe schaffen. Dafür will sie zusätzliche neun Millionen US-Dollar im Jahr bereitstellen. »Wir können die Haftanstalten nicht abschaffen, sie aber humaner gestalten«, sagte dazu der Justizminister Marcio Thomaz Bastos unlängst bei der Ankündigung der Reform.

Indes hat sich David Pastor im mexikanischen Varonil Norte, wo er mit weiteren drei Häftlingen in einer Zelle sitzt, mit den Auswirkungen des mexikanischen Strafvollzugssystems auf seine eigene Person abgefunden. »Wenn ich hier rauskomme, werde ich nicht mehr der alte sein«, meint er. »Dafür habe ich viel zuviel gesehen.«

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2004/09-11/007.php 
 

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