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Tecún Umán: Nadelöhr für MigrantInnen

Presente vom 16.12.2004

  Margarita Hurtado ist für Migrationsfragen beim guatemaltekischen sozialwissenschaftlichen FLACSO-Institut zuständig.

Seit 1996 gibt es in Tecún Umán, von der katholischen Kirche unterstützt, die "Casa del Migrante" (Haus der Migranten), eine Art Oase für MigrantInnen. Kürzlich wurde eine Studie zur Menschenrechtslage der MigrantInnen veröffentlicht, die deutlich macht, dass die Zahl der Personen, die die Grenze passieren, auffällig zugenommen hat.

Der guatemaltekische Ort Tecún Umán, kurz vor der Grenze zu Mexiko gelegen, ist eine Art Flaschenhals, durch den die meisten Menschen aus Süd- und Mittelamerika auf dem Weg in den Norden müssen. Die strukturellen Gründe für die Migration sind vielfältig und reichen von den vergangenen bewaffneten Konflikten der mittelamerikanischen Region, über die Naturkatastrophen bis hin zu den wirtschaftlichen Ungleichheiten, welche durch die neoliberale Politik zugenommen haben. In den letzten zwei Jahrzehnten sind 1,24 Mio. GuatemaltekInnen (11 Mio. ist die heutige Gesamtbevölkerung) ausgewandert, 95 Prozent in die Vereinigten Staaten, wo bereits zwei Drittel ihrer Angehörigen leben.

Die im Ausland lebenden GuatemaltekInnen überweisen jährlich 1,2 Milliarden Dollar in ihr Heimatland, was fünf Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen. Dieser Wert übersteigt die Deviseneinnahmen aus dem Export von Kaffee, Zucker, Bananen und Kardamom.

Begonnen hat die Migration in Guatemala mit dem Erdbeben 1976. Einen Höhepunkt hat die Wanderungsbewegung in den 90er Jahren erlebt. Jährlich verließen über 100.000 GuatemaltekInnen das Land in Richtung USA. Die dortige Wirtschaft ist von den billigen Arbeitskräften stark abhängig, insbesondere die Landwirtschaft, die Industrie und der Dienstleistungssektor. Der illegalisierte Status der papierlosen MigrantInnen zwingt diese häufig zu ungeschützten und unterbezahlten Arbeitsverhältnissen.

Kein Schutz für MigrantInnen

Eines der Hauptprobleme der Migration besteht darin, dass keine Politik zum Schutz der MigrantInnen existiert. Auch wurde in den letzten Jahren die Migrationspolitik der USA restriktiver. Die Zahl der von den USA Abgeschobenen hat sich erhöht. In der ersten Jahreshälfte 2004 stieg die Zahl der repatriierten GuatemaltekInnen von 12.800 auf 18.400 Personen gegenüber dem gleichem Zeitraum des Vorjahres, so der Bericht der Casa del Migrante. Die meisten der MigrantInnen sind Männer. Allerdings stieg die Migration von Frauen und Minderjährigen in den letzten Jahren stark an. Viele Kinder machen sich allein auf den Weg zu ihren Eltern oder Verwandten in die USA.

Häufig werden die bezahlten Dienste eines "coyotes" (Schleuser oder Fluchthelfer) in Anspruch genommen. Dieser organisiert die Bestechungen von Behörden und den Transport. Für eine Reise von Guatemala bis in die USA fordert ein "coyote" zwischen 2.000 und
5.000 US-Dollar. Häufig verschwinden die Schleuser einfach mit dem Geld.

Der überwiegende Teil der befragten MigrantInnen hatte zwar eine Arbeit im Heimatland, gab aber an, dass der Lohn nicht für das Leben reichte. Zwei Drittel der Interviewten haben zwischen 160 und 200 Euro pro Monat verdient und lagen damit oberhalb der Mindestlöhne von 120 Euro. Viele Personen, die ihr Glück im Norden suchen, kommen nicht aus den ärmsten Familien, und die meisten von ihnen haben einen gewissen Bildungsgrad.

Padre Barilli, Direktor der "Casa del Migrante", berichtet, dass über 90 Prozent aller MigrantInnen die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko in Tecún Umán kreuzen. An den anderen Grenzstellen gibt es weniger Kontrollen, aber auch mehr Risiken. In Tecún Umán gibt es zumindest Behörden, die eine größere Sicherheit geben. Zudem ist auf der anderen Seite Tapachula, eine große Stadt, in der die MigrantInnen unerkannt bleiben.

Einsatz für Menschenrechte

Die Liste der Menschenrechtsverletzungen, die die Casa del Migrante registriert, ist sehr lang. Sie beginnt mit Korruption an den Zoll- und Einwanderstellen Mittelamerikas. Die Beamten verlangen dort zwischen zwei und sechs Dollar für die Einreisedokumente, welche kostenlos verteilt werden müssten. Die interviewten MigrantInnen berichten, dass sie Opfer von Raub und Amtsmissbrauch geworden sind, sowohl von den Einwanderungsbehörden wie auch seitens der Sicherheitskräfte. Ein Drittel der in Mexiko festgenommen Personen sind in gewöhnliche Gefängnisse gesperrt worden, die in aller Regel unhygienisch und eindeutig überfüllt sind.

In dem Durcheinander einer Stadt wie Tecún Umán operieren Gangs, darunter die berüchtigte Mara Salvatruchas. Die kriminellen Banden nutzen die Wehrlosigkeit von MigrantInnen aus und agieren auf Strecken, die von diesen genutzt werden, wie z.B. im Güterzug. Wer sich ihnen widersetzt oder kein Geld bei sich trägt, läuft Gefahr erschossen zu werden. Polizei und Regierung handeln kaum. Vielmehr nutzen sie die hohe Kriminalität um gegen die Migration zu polemisieren.

Hinzu kommen die schärferen Grenzkontrollen, die zur Folge haben, dass mehr und mehr Leute versuchen, die Grenze über das Meer zu passieren. Wie viele dabei ihr Leben im Pazifik verlieren, bleibt ungewiss.

Padre Barilli lässt keinen Zweifel an seiner Ansicht, dass Migration sich nicht eindämmen lässt, solange sich nicht die Bedingungen in den Herkunftsländern verbessern. Die Situation in Mexiko zeigt, dass auch verstärkte technische Mittel und erhöhte Repression die Migrationsströme nicht stoppen. Die MigrantInnen begeben sich in demütigende und lebensgefährliche Situationen, um in den Vereinigten Staaten zu arbeiten. Die Abschiebungen und fehlende Migrationspolitik fördert einzig den Menschenhandel und andere kriminelle Strukturen, die von dem illegalisierten Status der MigrantInnen profitieren.

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