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Angemessen hartgesotten

 

Geschwindigkeit der Träume: EZLN-Sprecher Subcomandante Marcos wird immer literarischer

junge welt vom 22.03.2005
Von John Ross*

  Man kann die zapatistische Rebellion im Süden Mexikos auch als einen seit elf Jahren andauernden Literaturworkshop betrachten. Und zwar geleitet von Subcomandante Marcos. Das Thema sind die indigenen Traditionen und die Kultur des revolutionären Kampfes. Das vergangene Jahr war in dieser Hinsicht äußerst produktiv. Marcos wartete mit über 30 neuen Episteln, Essays, Anklageschriften, Solidaritätsgrüßen und politischen Aufsätzen auf. Wie schon in den vergangenen elf Jahren erschien fast jede Schrift zuerst in der linken mexikanischen Tageszeitung La Jornada. Zu den Veröffentlichungen des Subcomandante gehörten die dreiteilige Serie »Die Geschwindigkeit der Träume« und eine weitere Serie mit dem Titel »Ein gelesenes Video«. In acht Folgen präsentierte Marcos dabei eine detaillierte Analyse des ersten Jahres der »Juntas de Buen Gobierno« (Juntas der Guten Regierung), die nun das autonome zapatistische Territorium verwaltet.

Zu Marcos‚ letztjährigen Schriften zählte auch eine harsche Debatte mit dem Staatsanwalt von Mexiko-Stadt, Bernardo Batíz, über den angeblichen Selbstmord zweier Aktivisten darüber hinaus gab es eine offizielle Liste der beim Aufstand von 1994 gefallenen Zapatisten sowie Solidaritätsbotschaften für einen verhafteten chilenischen politischen Gefangenen und verfolgte Globalisierungsgegner.

Diese politische Verbrüderung stieß nicht überall auf positive Resonanz. Während einer Hommage an den verstorbenen katalanischen Krimiautor Manuel Vazquez Montalban unterschlug dessen mexikanischer Verleger Sealtad Alatriste beim Verlesen eines Briefes von Marcos mehrere Abschnitte, in der die Stadt Guadalajara für die Mißhandlung und Verhaftung von Globalisierungskritikern im vergangenen Mai gerügt wurde (neun befinden sich noch immer in Haft). Gegen diese Zensur protestierte der Nobelpreisträger José Saramago, der die Zapatistas bereits dreimal besucht hat. Auch Montalban war zu Marcos gefahren und hatte im Anschluß ein buchlanges Interview mit ihm unter dem Titel »Der Herr der Spiegel« veröffentlicht. Überhaupt wird das EZLN-Gebiet gern von Intellektuellen bereist; auch die kürzlich verstorbene Susan Sontag, Regis Debray oder der Uruguayer Eduardo Galeano waren schon da. Muß er sich gerade nicht um solche Gäste kümmern, steht der Subcomandante im Briefverkehr mit dem Anglo-Franzosen John Berger und korrespondiert periodisch auch mit Carlos Fuentes oder dem prominenten mexikanischen Sozialkommentator Carlos Monsivais.

Sein eigenes literarisches Schaffen ergänzte Marcos im vergangenen Jahr Jahr durch eine Reihe Kindergeschichten. Stories wie »Panfila, die Hexe« hat er für Radio Insurgente aufgenommen, den Kurzwellen- und Internetsender, der die zapatistischen Gemeinden im Urwald und im Hochland miteinander verbindet. Diese Sendungen sind nicht der erste Vorstoß Marcos‚ auf den Kinderbuchmarkt. »Die Geschichte der Farben«, sein erster Versuch auf diesem Gebiet, nimmt eine Seite des heiligen Buches der Maya, des Popul Vuh, zum Ausgangspunkt, um zu erzählen, wie der Ara-Papagei seine Farben erhielt. Von der zweisprachigen englisch-spanischen Ausgabe wurden bislang fast 30 000 Exemplare verkauft.

Nun nimmt sich Marcos auch des Genres des Kriminalromans an. Zu Ehren von Vazquez Montalban tat er sich auf der Buchmesse von Guadalajara mit dem mexikanischen Krimiautor und linken Historiker Paco Taibo II zusammen. »Muertos Incomodos«, »Unbequeme Tote«, heißt die »Novelle für vier Hände und 20 Finger«, die jeden Sonntag in der La Jornada erscheint. Sie stellt eine Art literarisches Pingpong-Spiel dar, bei dem der Subcomandante ein Kapitel schreibt und Taibo II das nächste. Genregetreu kramte Taibo II seinen ramponierten, gutherzigen, irisch-baskisch-mexikanischen Privatdetektiv Hector Belascoaran Shayne hervor, der bereits mehrmals getötet worden war, den der Autor jedoch, von den Lesern gedrängt, immer wieder zum Leben erwecken mußte. Marcos‚ Detektiv ist ein Tojolabal Maya mit dem Decknamen »Elias Contreras«, der darauf beharrt, überhaupt kein Detektiv zu sein, sondern ein Vertreter der zapatistischen Ermittlungskommission.

»Muertos Incomodos« ist Marcos‚ bislang ehrgeizigster Vorstoß in die literarische Welt. Sowohl der Subcomandante als auch Taibo II haben einen lebhaften, beißenden Schreibstil, angemessen hartgesotten und gespickt mit falschen Hinweisen, wie es sich für einen soliden Krimi gehört. Das Buch wird vom mexikanischen Verlagshaus Planeta veröffentlicht werden. Alle Einnahmen werden den indigenen Gemeinden im Süden des Landes zukommen. In deutscher Übersetzung soll das Buch bei Assoziation A erscheinen.

* Der Journalist John Ross ist Autor des US-Kultbuchs »Murdered by Capitalism − a Memoir of 150 Years of Life and Death on the American Left«. Übersetzung aus dem Amerikanischen von Dana Aldea

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2005/03-22/030.php 
 

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