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Ausharren als Form der Autonomie

La Jornada vom 23.07.2002
Hermann Bellinghausen
übersetzt von Dana

  Africa, Chiapas, 22. Juli. Durch eins dieser Zufälle der bürokratischen Evolution erscheint Africa auf den guten kommerziellen Landkarten des Bundesstaates, aber nicht Asia, die Nachbarsranch, obwohl sie fünf oder sechs mal so viele Einwohner hat.

Und das ist nicht alles. Ein grünes Metallschild mit fluoreszierenden Buchstaben — so eins wie die, die das Amt für Kommunikation am Eingang so vieler Dörfer entlang der Strasse aufgestellt hat — kündigt die wenigen Holzhütten an die Africa bilden, auf dem "Dach" der Selva Lacandona.

Asia andererseits, vielleicht weil sie nicht auf den Landkarten erscheint, verdient kein offizielles grünes Schild. In ihrem Eifer zu existieren haben die Einwohner ein Brett an dem dicksten Baum genagelt, der von der Strasse aus gesehen werden kann und mit: "Asia, Ranch" beschriftet.

Zehn vielleicht 15 Menschen leben in Africa. In Asia sind es mehr als 60. Beide von ihnen liegen an einem der Zugänge zum Biosphärenreservat, auch als Lacandón Gemeinde bezeichnet. Es sind legale Niederlassungen in dem "kritischem" Gebiet, den Regierungsbeamten, je nach den "Bedürfnissen" des jeweiligen Augenblicks, als Eigentum der Nation (oder gar der "Menschheit") beanspruchen, oder eher, als Eigentum des dezimierten Lacandón Volkes: Montes Azules.

Jetzt im Sommer ist die Vegetation so gewachsen, dass sie die Häuser von Asia und Africa verdeckt. Beide Farmen werden vollkommen von der Landschaft verschluckt, und das Einzige, das man von ihnen sehen kann, sind ihre Namen. Der Rest is Selva.

Die Kosten der Zermürbung des Widerstandes

Die Gemeinden nahe der Militärbaracken — besonders jene innerhalb der Armeebasis demonstrieren eine wenig dokumentierte Seite der Militarisierung. Eine verstörende Demonstration dafür, wie die Militärstrategie der "Herzen und Gedanken" — die danach strebt die "Herzen und Gedanken" des Feindes zu erobern, oder zumindest die der Nachbarn des Feindes — arbeitet auf Volltouren.

All diese Jahre gab es offizielle ein Gesetz für Frieden und Versöhnung in Chiapas, eine präsidentiale Friedenskommission und eine Ex Profeso Kommission von Bundesabgeordnete und Senatoren der Republik. Nichtsdestotrotz sind diese "unzufriedenen Mexikaner" — wie der ehemalige Präsident Ernesto Zedillo die Zapatisten zu der Zeit beschrieb — niemals als irgendetwas anderes als "Feinde" behandelt worden. Was hier betrieben wird ist die Strategie "dem Fisch das Wasser zu entziehen", aus den U.S. Armeehandbücher für Aufstandsbekämpfung übernommen, die in den heissen Länder von Guatemala und Südvietnam so gut getestet worden sind.

"Änderungen von Militäruniformen," steht auf ein Poster auf der Tür eines Hauses in Cintalapa. Eine schöne Tür. Ein schönes Haus, gross und gestrichen. Man kann die Singer Nähmaschinen sehen, die in einem der vielen Regierungspakets gekommen sein müssen. Ebenso ein Fernseher, ein CD Player und ein Paar Lautsprecher.

Obwohl nicht so gross wie San Quintín oder Maravilla Tenejapa, ist Cintalapa eine der wichtigsten Gemeinden in der Selva mit historischen Verbindungen zu der PRI und die, verglichen mit den meisten Dörfern der Region, relativ wohlhabend geworden ist. Es gibt eine Infrastruktur und Kommerz. Soziale Investitionen sind ein gutes Geschäft.

Fälle von Töchter aus Tzeltal Familien die Kinder von Soldaten aus den Baracken, 200 Meter vor dem Dorf haben sind gewöhnlich. Einige Mädchen haben geheiratet und zogen fort als die Truppen gewechselt wurden. Einige sind Prostituierte geworden. So viele Mädchen sind Frauen geworden, mit der Militärbasis vor der Tür.

Obwohl sie sich den Preis der Prostituierten nicht immer leisten können sollten, hat die Erfahrung aus San Quintín gezeigt, dass die jungen Soldaten eine Vorliebe für die lokalen Wildblumen haben, und dass sie auch das Geld haben. Als direkte Reflektion dieses Phänomens der Annäherung, warnen in ganz Cintalapa und dem benachbarten Peña Limonar, grosse Anzeigen an den Wänden vor AIDS, empfehlen den Gebrauch von Kondome, Familienplanung, und ganz emphatisch, Aufmerksamkeit für Frauen und Kinder.

Diese Dörfer haben eine gewisse merkantile Wirtschaft entwickelt. Es gibt eine permanente Bevölkerung von Dienstanbieter, und eine andere Bevölkerung, ebenfalls permanent, um diese zu verbrauchen. Dieses Phänomen erstreckt sich auch auf andere grosse regierungstreue Gemeinden, wie Santo Domingo und Nueva Palestina, die, obwohl sie keine Militärbasen haben, den Bedürfnissen der Soldaten ständig nachkommen.

Diese Wirtschaft, parallel zum Krieg, erklärt die Enttäuschung einiger PRI Gemeinden, die von ihren militärischen Nachbarn abhängig waren, als die Regierung Anfang 2000 einige Armeebasen (insgesamt sieben) zurückzog. Die Dörfer von Cuxuljá und El Carmen litten wirtschaftlich unter dem Rückzug der Truppen (jeweils aus Moisés Gandhi und Guadalupe Tepeyac). Andere, ebenfalls PRI-zugehörig aber traditioneller, wie Jolnachoj (in San Andrés) zeigten sich erleichtert.

Dessen ungeachtet bedeuteten Präsident Vicente Fox’ Umpositionierungen der Truppen keine Reduzierung der Anzahl der Streitkräfte in der sogenannten Konfliktzone. Neue Beweise zeigen sogar im Gegenteil eine Zunahme von Soldaten, die vor der Öffentlichkeit vertuscht, aber nicht im Alltag der Gemeinden verborgen werden kann.

Die Fox Regierung streitet es ab (oder zieht es vor es nicht explizit zu tun), aber im Grunde führt sie einen Krieg in Chiapas. Die Entsendung neuer Truppen hat nichts mit Eindämmung oder mit der Sicherung unserer Grenzen zu tun. Sie rücken Truppen vor, unter der Maske einer Waffenruhe, die mit Löcher durchsiebt ist.

Die Kosten des Autonomen Widerstandes

In diesen Gebieten der Maya Indianer ist Autonomie eine Art Geduld. Dörfer ohne Hotels, Restaurants, Cantinas, Schuhflicker, Apotheken, Gemüseläden, Weinläden, Sägereien, Autowerkstätte, Bundes- und Staatsbürokratien, Satellit-Telefone, Wassertanks und Solarzellen in den Häusern, zahlen für Fernsehantennen auf den Dächern. Sie akzeptieren keine Regierungsfinanzierungen oder Programme. Viele Dörfer haben immer noch kein Strom.

Es ist leicht die Gemeinden in Widerstand zu erkennen. An den Schildern die ankündigen, sie würden einem bestimmen Autonomen Bezirk angehören. Oder an den beeindruckenden Murals auf denen Emiliano Zapata erscheint, oder Aufständische der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung, Episoden aus ihrer Geschichte, Szenen von Krieg oder idyllische Träume, patriotische Helden oder die universelle Ikone von Che Guevara. Es gibt gewöhnlich kein Alkohol oder Betrunkene.

Aber diese Dörfer sind auch am höheren Ausmass der Verarmung erkennbar. Obwohl ihre Entschlossenheit und ihre kollektive Organisation das weniger sichtbar macht, sind die rebellischen Indianer von Chiapas die Ärmsten der Armen.

In Gemeinden, in denen zapatistische Unterstützungsbasen und Campesinos aus offiziellen Organisationen zusammenleben (wie zum Beispiel in den Ejidos von Roberto Barrios und Morelia), können die wirtschaftlichen Unterschiede herzzerreissend sein. Und sie repräsentieren immer eine Deklaration der Prinzipien an sich.

In zapatistischen Küchen mangelt es an Töpfe. Vielerorts gibt es keine Löffel oder Eimer. Nahrung ist sehr knapp. Man kann sehen, dass alle ihre Gebäude selbst gebaut sind. Auch wenn sie manchmal Zement für Schulen oder autonome Kliniken bekommen (obwohl es für die Böden ist), steht ihnen normalerweise nur Holz zur Verfügung. Das bisschen Geld das sie haben, geht für die Blechabdeckung drauf.

Auch so errichten sie zweisprachige Grundschulen, Büchereien, Treffpunkte, kleine Kliniken die selten Ärzte haben. Sie haben seit mehr als einem Jahrzehnt unter diesen Bedingungen gelebt (der zapatistische Aufstand richtete sich im Grunde genau gegen diese Vernachlässigung), und seit vier bis sechs Jahre als Autonome Bezirke, wofür sie mit Tote, Exil, Gefängnis, zerstörte und entrissene Felder und vergiftete Flüsse zahlen mussten.

Der Widerstand hunderter Gemeinden bestätigt drei Dinge: dass ihre Einwohner an der Idee gewöhnt sind; dass sie auf friedlicher Weise einem ständigen (militärischen, paramilitärischen, politischen und wirtschaftlichen ) Krieg Widerstand leisten, der offiziell nicht zugegeben wird, und dass, wie die öffentlichen Kommuniques der verschiedenen autonomen Räte zu erklären gewöhnt sind, sie keine "Brosamen" von der Regierung akzeptieren.

Eine Forderung der Rebellen jedoch erreicht eine breitere Bevölkerung. Die meisten nicht-zapatistischen Organisationen und Gemeinden in den indigenen Gemeinden von Chiapas fordern (oder wollen) die Erfüllung der San Andrés Vereinbarungen. Während er PRI Ära, gab es Gesten der Regierung die angeblich die Verträge "erfüllten". Trotz ihres Beharrens auf eine Verfassungsreform, die die Indigenas von Chiapas allgemein nicht zufrieden stellte, hat sich die Fox Regierung von Lügen im Stil von Albores enthalten. Die Regierung von Pablo Salazar Mendiguchá hat die Reform (die als Bartlett-Cevallos Gesetz bezeichnet wird) sogar abgelehnt — die gegenwärtig von den Obersten mexikanischen Gerichtshof untersucht wird, aufgrund hunderter indigener Verfassungsklagen, die im ganzen Land eingereicht worden sind.

Als Folge ihres Widerstand veröffentlichen die Autonomen Bezirke laufend Denuncias. Fast täglich setzen ihnen die öffentlichen Streitkräfte oder Menschen und Organisationen vorsätzlich zu, die politischen Parteien angehören, oder mit der Bundesarmee und andere Regierungsinstitutionen zusammenarbeiten, die sich verpflichtet hat ihre Forderungen zu erfüllen. Die Jahre verstreichen. Der Krieg schreitet fort. Die Gemeinden in Widerstand warten immer noch. "Die Regierung hört uns nicht," wiederholen sie.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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