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Das Geschäft mit den Geldsendungen aus dem Norden

Poonal vom 02.07.2002
Von Gerold Schmidt

  (Mexiko-Stadt, 27. Juni 2002, npl). — Als Rosario Marín aus Washington 200 US- Dollar an ihre Tante Teresa Martínez in Mexiko überwies, erregte dieser sonst alltägliche Vorgang durchaus Interesse — nicht nur in der Finanzwelt. Denn Marín ist nicht irgendeine lateinamerikanische Migrantin, sondern eine Mexikanerin, die vor geraumer Zeit in den USA eingebürgert wurde und es inzwischen bis zur Schatzmeisterin der Bush-Regierung gebracht hat.

Ihre Unterschrift ist zusammen mit der des Finanzministers auf die neuen Dollarnoten gedruckt. Mit ihrer öffentlichkeitswirksamen Dollar-Überweisung wollte Marín darauf hinweisen, dass die "remesas", die Geldsendungen von Migranten an ihre daheim gebliebenen Familienangehörigen, ein Wirtschaftsfaktor sind, der nicht unterschätzt werden sollte.

Fast neun Milliarden US-Dollar schickten mexikanische Migranten in den USA im vergangenen Jahr an ihre Familien, hat die mexikanische Zentralbank errechnet. Nach Daten der Weltbank empfangen nur Indien, Griechenland und Israel mehr Devisen auf diesem Weg.

Schätzungen von Aserfam, dem im September 2001 gegründeten Zusammenschluss von Devisentransfer-Unternehmen, gehen sogar vom bis zu zweieinhalbfachen Volumen der "remesas" aus. Da die meisten der Absender über keinen legalen Status in den USA verfügen und bisher kaum Zugang zu normalen Bankgeschäften hatten, könnten viele Überweisungen gar nicht richtig erfasst werden, sagt der Aserfam-Vorsitzende Jorge Romo.

Die Tendenz ist steigend: Im ersten Quartal dieses Jahres verzeichnete die Zentralbank im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von über acht Prozent. Damit entspricht das Volumen der "remesas" gut zwei Dritteln der mexikanischen Ölexporte und liegt über den Deviseneinnahmen aus dem Tourismus in derselben Zeit.

Etwa 1,25 Millionen Haushalte in Mexiko profitieren von den "remesas". Sie sind aber nicht die Einzigen. Willkürlich festgelegte Wechselkurse und die Berechnung von Kommissionen verringern die Summe, die letztlich bei den Familienangehörigen ankommt, erheblich. Manchmal sind es drei verschiedene Unternehmen, die an einem Geldtransfer gewinnträchtig beteiligt sind: Das erste nimmt das Geld in den USA an, ein zweites überweist das Geld nach Mexiko und ein drittes schließlich übergibt das Geld vor Ort.

Da die Mehrheit der "remesa"-Absender zu den schlechter Verdienenden gehört, die selten Beträge von über 200 Dollar überweisen, beträgt der durchschnittliche Wertverlust durch die Mindestgebühr 20 Prozent. 40 Prozent waren noch vor wenigen Jahren nicht außergewöhnlich.

Für die "remesas" gibt es bislang keine gesetzliche Gebührenregelung, was zu harter Konkurrenz bei dem attraktiven Kommissionsgeschäft geführt hat. Diese Tendenz wird jetzt durch eine neue Entwicklung auf dem US-Bankensektor noch verstärkt: Immer mehr Banken bieten Migranten ohne legalen Aufenthaltsstatus an, Konten zu eröffnen und Geldüberweisungen in ihre Heimat zu erledigen.

Als Voraussetzung für die Eröffnung eines Bankkontos akzeptieren die Geldinstitute neuerdings eine Ausweiskarte der mexikanischen Konsulate. Für die knapp acht Millionen Mexikaner, die ohne gültige Aufenthaltspapiere in den USA leben und arbeiten, hat das den Vorteil, dass sie kaum noch von der US-Einwanderungsbehörde identifiziert werden können.

Die Resonanz war enorm. Bis Mitte April eröffneten mexikanische Migranten bereits mehr als 80.000 neue Konten in 16 US-Bundesstaaten. Statt der prognostizierten 300 bis 400 Dollar deponierten sie im Durchschnitt das Zehnfache. Der Wells Fargo Bank, die eine Vorreiterrolle spielte, folgten inzwischen 33 weitere Bankinstitute, um von dem bisher vernachlässigten Markt zu profitieren.

Auch die immer engere Zusammenarbeit zwischen den US-Bänkern mit ihren mexikanischen Kollegen eröffnet neue Perspektiven für das "remesa"- Geschäft. Eine elektronische Geldüberweisung aus den USA auf das Konto einer Partnerbank in Mexiko ist in Sekundenschnelle und mit geringen Kosten möglich.

Die Citigroup, die im vergangenen Jahr mit Banamex die größte mexikanische Bank in einem 12-Milliarden-Dollardeal schluckte, könnte die Überweisungen gleich im internen Zahlungsverkehr verbuchen. Zumindest theoretisch müssten diese Vereinfachungen über sinkende Gebühren und den im Bankenverkehr besseren Wechselkurs auch den in Mexiko lebenden Familienangehörigen der Migranten zugute kommen.

Experten gehen davon aus, dass die durchschnittlichen Verluste für die Geldempfänger zunächst einmal von 20 auf 10 Prozent sinken könnten. In Einzelfällen wird eine Überweisung aber selbst dann noch sehr teuer sein, wenn keine Mitverdiener am Werk sind. Jorge Romo von Aserfam: "Es gibt Unternehmen, die die Geldsendung in ganz entlegende Gegenden sogar mit dem Pferd überbringen."


Quelle: poonal
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