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Geplanter Flughafen gefährdet Existenz von Bauern

Poonal vom 04.06.2002
Von John Ross

  (Mexico-Stadt, 3. Juni 2002, na-poonal).- Vor sechs Jahrhunderten war dort, wo heute das Stadtviertel von Texcoco ist, ein vogelreiches Paradies an den Ufern des großen Seensystems im Tal von Mexiko. Es war die Wiege der aztekischen Zivilisation. Regiert von Nezahualcoyotl war Texcoco das kulturelle Zentrum des Reichs. Der Dichter-König, der 40 Jahre lang regierte, baute einen Staudamm von 14 Kilometern Länge, der die jährliche Überschwemmung der Insel Tenochtitlán — auf der heute die Stadt Mexiko liegt — abmilderte und den Salzgehalt, der das Wasserleben bedrohte, reduzierte.

Die spanischen Eroberer zerstörten den Staudamm, eines der größten Bauwerke seiner Art in Zentralmexiko, und die Stadt Mexiko war so lange überschwemmt, bis die neuen Bewohner schließlich alle Wälder der Umgebung abholzten. Dadurch versandete das Gewässersystem, die Seen trockneten aus und verschwanden.

Sechshundert Jahre später droht den Nachfahren der früheren Bewohner am Rande des Sees die Vertreibung von ihren Grundstücken für den Bau eines Flughafens, der 2,3 Mrd. US-Dollar kosten soll. Am 22. Oktober letzten Jahres verkündete die Regierung von Vicente Fox Pläne für den Bau eines neuen internationalen Flughafen. Dieser soll auf einem Gelände der Größe von 82.500 Hektar gebaut werden — genau auf dem Gebiet, das euphemistisch der ehemalige Texcoco-See genannt wird. Der Ort, acht Kilometer östlich des Randes von Mexiko-Stadt, trug den Sieg über ein Alternativprojekt im Bundesstaat Hidalgo davon, bei dem der Flughafen eineinhalb weitere Stunden vom Zentrum der Hauptstadt gelegen hätte.

Umweltschützer behaupten, dass der Flughafen die Zugvögel vertreiben könnte, die von den schon ziemlich reduzierten Feuchtgebieten angezogen werden. Die Entscheidung hat das Bündnis zwischen der Grünen Ökologie-Partei Mexikos (PVEM) und Präsident Vicente Fox zerbrochen.

Die Stadtplaner sind entsetzt. Laut Jorge Lagorreta, Lehrstuhlinhaber und ehemaliger Regierungsbeamter von Mexiko-Stadt, könnte der Flughafen "eine katastrophale Überschwemmung unvorstellbaren Ausmaßes" während der intensiven Sommerregen verursachen, weil Texcoco fünf Höhenmeter über Mexiko-Stadt und nur durch einen ausgetrockneten See von diesem getrennt liegt. Der Regierende Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Andrés Manuel López Obrador, hat von Präsident Fox verlangt, dass er den derzeitigen Flughafen erweitert, anstatt die Einrichtung nach Texcoco zu verlagern. Die Verjüngung des Seensystems des Tals von Mexiko liegt seit über einem Jahrzehnt auf dem Planungstisch. Architektonischen Planungen erwogen sogar die Verlegung des Flughafens auf eine Insel inmitten neuer künstlicher Seen. Als die Pläne jedoch an die Öffentlichkeit gelangten, war von den Seen keine Rede mehr. Die Behörden sagen jetzt, dass die Wiederbelebung der Gewässer dann mit den Einnahmen des Flughafens finanziert wird.

Es ist noch nicht klar, wieviel Geld die Regierung den Bauern für ihr Land bezahlen wird. Anfängliche Zahlen schwankten um acht (!) Pesos (ca. ein Euro) pro Quadratmeter, was für die fast 5000 Bewohner der betroffenen Gebiete Zahlungen zwischen 7.000 und 20.000 Pesos pro Kopf bedeuten würde. Anscheinend verlangen einige 30 Pesos pro Quadratmeter, aber im Augenblick stehen die Gebiete gar nicht zum Verkauf. "Die Erde ist unsere Mutter, wir verkaufen sie nicht", verkündete ein Transparent von Bauern bei einer Demonstration gegenüber des Nationalpalastes von Mexiko-Stadt.

Obwohl der Kampf der Bauern von Texcoco von der EZLN und den Guerrilla-Gruppen im Bundesstaat Guerrero unterstützt wird, suchen die Bauern vor allem das Bündnis mit anderen indigenen Gemeinden, Bauernorganisationen, Studenten der Universitäten und Arbeitern. Ihr Kampf wird unterstützt von Bauern aus Tepoztlan im Bundesstaat Morelos, denen es gelang, die Enteignung von Gemeindeland für den Bau eines Golfplatzes zu verhindern. Bauern aus dem am stärksten betroffenen San Salvador Atenco setzten einen Bürgermeister ab, der die Enteignung von Land für den Flughafen unterstützte, und seit dem 22. Oktober haben sie sich auf dem Platz des Ortes häuslich eingerichtet. Auf zapatistische Art erklärten die Bauern Atenco zum "rebellischen" und "autonomen Landkreis". Immer wieder lassen die Bauern und Bäuerinnen aus Atenco mit neuen spektakulären Aktionen von sich hören. In den letzten Maitagen "entführten" sie vorübergehend mehrere Angehörige einer bulgarischen Firma, die für die Vermessung des Landes von der mexikanischen Regierung angeheuert worden war. Erst einige vermittelnde Telefonate zwischen der bulgarischen Regierung und den rebellischen Bauern und Bäuerinnen ermöglichten die Freilassung der Angestellten.

Angeblich wurden 600 Polizisten in den Bezirk Texcoco abkommandiert, und es besteht der Verdacht, dass sich verdeckte Ermittler in der Gemeinde aufhalten. Die Behörden haben erklärt, dass "Subversive" die Kontrolle über den Ort übernommen hätten. Lokale Führer haben angekündigt, das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte anzurufen, um das Flughafen-Projekt wegen der möglichen Zerstörung einer wertvollen archäologischen Stätte aufzuhalten. 1999 wurden im benachbarten Tlacal 17 Fundorte entdeckt, die mindestens 5.000 Jahre alt sind. In der Zone ist alles Mögliche gefunden worden, von Mammutknochen bis zu Keramikresten.

"Dies ist das Land unserer Vorfahren", sagte der Bauernführer Felipe Álvarez. "Ihre sterblichen Überreste sind hier begraben. Jetzt wollen sie sogar die Knochen mitnehmen."


Quelle: poonal
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