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Worte der EZLN bei der Eröffnung des Treffens der Indigenen Völker

EZLN vom 11.10.2007
übersetzt von Dana

  Worte der EZLN bei der Eröffnung des Kontinentalen Treffens der Indigenen Völker von Amerika.
Vicam, Sonora, Mexiko. 11. Oktober 2007.

Zapatistische Armee Der Nationalen Befreiung. Mexiko.

Brüder und Schwestern:

Durch meine Stimme spricht die Stimme der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.

Und durch meine Stimme grüßen Sie die zapatistischen Männer, Frauen, Kinder und Senioren, Indigenas von Maya Abstammung, die in den Bergen des mexikanischen Südostens leben und kämpfen.

Wir grüßen die Völker, Nationen und Stämme, die Wurzel und Fundament dieses Kontinents sind.

Wir grüßen die viele Farben, die in sich die Farbe der Erde tragen.

Wir grüßen die indigenen Völker des Nordwesten Mexikos, die uns bei sich aufgenommen haben: die Kumiai, die Pai Pai, die Kiliwa, die Cucapá, die Tohono Odham, die Comcaá, die Pima, die Mayo Yoreme, die Raramuri, die Guarijío.

Und ganz besonders grüßen wie die Yaqui Männer und Frauen, die uns empfangen und auf deren Land und unter deren Himmel, die Worte der ursprünglichen Kulturen von Amerika sich treffen.

Wir grüßen die traditionellen Autoritäten von Vicam und der anderen anwesenden Gemeinden des Yaqui Stammes.

Wir grüßen das Nationale Indigene Kongress, Stimme und Gehör das uns zusammenruft.

Wir grüßen die Frauen und Männer von Sonora, von Mexiko, von Amerika, der ganzen Welt, die uns unterstützen und uns begleiten.

Um zu diesem Treffen der Indigenen Völker von Amerika zu gelangen, hat man alles gegen sich: die Entfernungen, die Sprachen, die Grenzen, die Regierungen, die Lügen, die Verfolgungen, die Tode, und die falschen Einteilungen, die uns der von oben aufzwingt.

Und wie all unsere Träume in der Nachtwache, die uns jene von oben aufzwingen, schien es am Vorabend, vor einigen Stunden, vor einigen Tagen, vor einigen Monaten, vor einigen 515 Jahren, noch unmöglich.

Es sind Delegationen und Repräsentanten von Völkern, Nationen und Stämmen zugegen, die Amerika von Alaska bis Patagonien das Leben geschenkt haben.

Aus vielen Ecken erreichen uns das Hören und das Wort.

Zuweilen werden wir ihren Gesang hören, zuweilen ihr Schweigen.

Zuweilen werden wir ihre Farbe sehen, zuweilen ihre Erinnerung.

Deswegen grüßen wir jene, die hier anwesend sind, und jene, die hier sind, aber nicht anwesend.

Und mit Erinnerungen grüßen wir, mit Geschichten.

Am anderen Ende Mexikos, in den Bergen des Südostens, erzählt man sich eine Legende, dass wenn der Mond ein Schatten ist, der die kaum erkennbare Wunde eines gekrümmten Lichtkratzers trägt, eine Frage sich in dem Raum abzeichnet, den die allerersten Götter, jene, die die Welt hervorbrachten, geschaffen haben, damit die Haut sich der Zärtlichkeit entgegen streckt, die lindernd ermüdet.

Und die Legende erzählt, dass die Frage sich auf dem nächtlichen Dach der indigenen Völker des ganzen Kontinents wiederholt, wann immer der Mond am Himmel neu ist.

Die gleiche Frage erscheint am Himmel Nordamerikas, im Lande HAUDENOSAUNEE der Nationen Mohawk, Oneida, Cayuga, Onondaga, Seneca und Tuscarora, über dem TSONERATASEKOWA, dem Großen Baum dessen Blätter stets frisch sind; sie steigt über dem Land der Wayúus auf und breitet sich bis zum Himmel der Mapuche aus, im fernsten Süden des Kontinents.

An jedem Neumond, eine alte Frage:

Wird es Leben für die Erde geben, die allererste Mutter?

Und unsere Ältesten, die Wächter der Erinnerung, erzählen, dass die Antwort nicht geschaffen wurde als die allerersten Götter die Welt hervorbrachten.

Sie erzählen, dass die Schöpfer sie als Mittelstück des großen Weltpuzzles bis zum Schluss übrig ließen.

Sie erzählen, dass sie sie in das Dach der Welt einsetzten, und sie derart gestalteten, dass nur gerade so viel von ihr sichtbar wäre, um nicht völlig vergessen zu werden.

Dann kam das Geld, Herrscher des Todes, um über diese Länder zu herrschen.

Es brachte Zerstörung und nannte sie "Modernität".

Es brachte Raub und Plünderung und nannte sie "Zivilisation".

Es brachte Zwang und nannte ihr "Demokratie".

Es brachte Vergessen und nannte es "Mode".

Denn die Frage, so erzählen unsere Weisen, ist in den Geldgewölben von Wall Street, in den Glastürmen der großen Konzerne, in den Bunkern der schlechten Regierungen, die auf dem ganzen Kontinent Schmerzen verursachen, nicht einmal zu erkennen.

Und sie erzählen, dass deshalb nur die ursprünglichen Völker diese Frage und andere am Himmel lesen können, die vom Anbeginn der Welt zurückgeblieben sind, seit den ersten Schritten dieser Erde.

Seitdem, so erzählen unsere Ältesten, sind viele Antworten ausprobiert worden, Gesänge entstanden, Tänze, Sprachen, Farben von Stoff und Haut, Worte, Geschichte, Kultur, Erinnerung.

Der von oben, der Herrscher, das Geld, hat nur eine einzige Antwort, solide wie sein Bankkonto, ausgiebig wie seine Habsucht, wachsend wie sein Ehrgeiz.

"Nein", antwortet das Geld, "nein, es wird kein Leben für die Erde geben".

"Es wird Geschäfte geben", argumentiert es, um nicht zu sagen "es wird Tod geben".

In unseren ursprünglichen Völkern, Nationen und Stämmen hingegen, ist die Antwort zersplittert, in viele Stücke gebrochen, über Kalender und Geographien verstreut, verloren zwischen den Grenzen, die der Tod errichtet hat und regiert.

Vor 515 Jahren fand uns der Herrscher manchmal zerstritten vor, manchmal gespalten, immer uneins.

So eroberte er dann das gespaltene Blut, das durch die Erde vereint war.

515 Jahren, in denen unsere Völker, Nationen und Stämme versucht haben, Widerstand zu leisten, zu überleben und zu kämpfen.

Diese Geschichten von Schmerz und rebellischer Würde werden nun gehört werden.

Wir werden uns zu Gehör und Wort machen um zu erkennen, wer wir sind und wo wir stehen.

Genannt sein wird der Schmerz unseres Blutes, und genannt sein wird der Verantwortliche: das Geld.

Genannt sein werden die Erfahrung und die Weisheit, und genannt sein werden unsere Völker.

Genannt sein werden unser Forderungen; die Gerechtigkeit, die wir wollen, die Demokratie, die wir brauchen, die Freiheit, die wir verdienen.

Genannt sein wird das, was uns gehört und uns entrissen wurde und wird.

Zuhören werden unsere Herzen, und die Herzen unserer Leute.

Dann werden wir vielleicht herausfinden, dass die Antwort auf die die Erde, die allererste Mutter wartet, das "ja" zum Leben, das sie fordert, bereits anfängt sich an unsere Himmeln abzuzeichnen, dann nämlich, wenn sie kollektiv sein werden, wenn dieser Kontinent die Stimme zurückerlangt, die heute mit Feuer, Vergessen und Lärm zum Schweigen gebracht wird.

Die allererste Stimme, die ursprüngliche, unsere.

Dann wird vielleicht, wie der Neumond, der heute seine Reise vom Schatten zum Licht beginnt, die Antwort, die Leben sein wird, beginnen, sich in unsere Kindern abzuzeichnen, in ihrem Weg, in ihren Schritten, in ihrer Gesellschaft.

Dafür werden wir vielleicht rückwärts und sehr weit weg blicken müssen, wie unsere Leute zur Erinnerung rufen; wir werden heute und hier würdig sein müssen, wie unsere Leute, zur Rebellion rufen; und wir werden Welten durchwandern müssen, die noch nicht existieren, aber die Hand erwarten, die sie formen wird, den Mund, der sie singen wird, den Schritt, der sie gehen wird, wie unsere Leute zum Kampf rufen.

Brüder und Schwestern:

Es ist unsere Entscheidung, dass bei diesem Anlass, unsere eigene Geschichte als Zapatisten schweigt. Wir wissen, dass unsere Schmerzen in den Schmerzen anderer indigener Brüder und Schwestern benannt sein werden, so wie unsere Träume und Hoffnungen benannt sein werden, und die Kämpfe, die geführt werden, um sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Heute, wie bei anderen Gelegenheiten, wollen wir lediglich die Brücke sein, damit Ihre Stimmen von einer Seite zur anderen laufen können, damit sie großzügiges Gehör finden, damit ihre Farben gesehen werden und ihre Erinnerungen sich zeigen.

So sprachen unsere Chefs und Chefinnen, die Wächter:

Auf das der Andere und die Andere sprechen, und unser Herz hört.

Auf das der eine und die andere lehren, und unser Herz lernt.

Auf das unser Schweigen Gruß, Ehrerbietung, Respekt und Dankbarkeit an jene ist, die uns von Kanada bis Chile daran erinnern, dass wir noch nicht besiegt sind, dass die Schlacht weitergeht, und dass der Sieg das Leben in eine andere Welt sein wird, eine Welt, in der alle Welten passen, die wir sind und sein werden.

Auf das es so sein wird.

Vielen Dank.

Aus Vicam, Sonora, Mexiko, Amerikanischer Kontinent, Planet Erde, Sonnensystem. Im Namen unserer indigenen zapatistischen Männer, Frauen, Kindern und Alten.

Subcomandante Insurgente Marcos
Mexiko, Oktober 2007

 Quelle:  
  http://www.encuentroindigena.org/?p9 
 

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