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EZLN, Worte beim Abschluss des Indigenen Treffens in Vicam

EZLN vom 14.10.2007
übersetzt von Dana

  Worte der Sechsten Kommission der EZLN beim Abschluss des Treffens der Indigenen Völker von Amerika.

14 Oktober 2007.

Traditionelle Autoritäten des Yaqui Stammes in Vicam:

Anführer, Repräsentanten, Delegierte, Autoritäten der eingeborenen Völker von Amerika, bei diesem Ersten Treffen der Indigenen Völker von Amerika:

Männer, Frauen, Kinder und Alte des Yaqui Stammes:

Beobachter und Beobachterinnen aus Mexiko und der Welt:

Arbeiterinnen und Arbeiter der Medien:

Schwestern und Brüdern:

Groß sind die Worte, die bei diesem Treffen gehört worden sind.

Groß sind die Herzen, die diese Worte hervorbrachten.

Der Schmerz unserer Völker ist von jenen genannt worden, die ihn seit 515 Jahren erleiden: Die Plünderung und der Raub von Land und natürlichen Ressourcen, jetzt in den neuen Kleidern der "Modernität", des "Fortschritts", der "Zivilisation", der "Globalisierung".

Die Ausbeutung von Hunderttausende Männer, Frauen, Kinder und Alte, in Nachahmung der Zeiten und Methoden der Trusts und der großen Haciendas des Zeitalters, in dem die gekrönten Häupter Europas sich mit Blut und Feuer durchsetzten.

Die Repression die Militärs, Polizei und Paramilitärs den Forderungen unserer Leute nach Gerechtigkeit entgegensetzen, ist die gleiche, die von den Truppen der Konquistadoren eingesetzt wurde um ganze Bevölkerungen zu vernichten.

Die Verachtung, die uns aufgrund unserer Hautfarbe, unserer Sprache, unsere Art uns zu kleiden, unserer Gesänge und Tänze, unseres Glaubens, unserer Kultur und unserer Geschichte zuteil wird, bezeichnet uns in der gleichen Weise als minderwertig, wie vor 500 Jahren, als man darüber debattierte ob wir Tiere waren, die domestiziert werden sollten, oder Raubtiere die es zu vernichten galt.

Die vier Räder des Geldkarrens, um die Worte des Yaqui zu verwenden, rollen erneut über den Weg, der aus dem Blut und Schmerz der indigenen Völker des Kontinents errichtet wurde.

Wie schon vor 515 Jahren, vor 200 Jahren, vor 100 Jahren.

Etwas jedoch hat sich geändert.

Niemals zuvor ist die Zerstörung so groß und so irreparabel gewesen.

Niemals zuvor ist die Brutalität gegen Länder und Menschen so groß und so unkontrolliert gewesen.

Und niemals zuvor ist die Dummheit der schlechten Regierungen, die unsere Länder erleiden, so viel und so groß gewesen.

Was sie jetzt nämlich töten ist die Erde, die Natur, die Welt.

Unabhängig von Jahreszeit und Ort, fangen Erdbeben, Dürren, Orkane und Überschwemmungen an sich auf dem ganzen Planeten zu manifestieren.

Und man sagt sie wären Naturkatastrophen, während sie in Wirklichkeit von den großen multinationalen Konzerne und den Regierungen, die ihnen in unseren Ländern dienen, mit gewissenhafter Dummheit provoziert worden sind.

Das zerbrechliche Gleichgewicht der Natur, das die Welt Millionen von Jahre in gang gehalten hat, ist dabei erneut zusammenzubrechen, doch diesmal für immer.

Und da oben wird nichts unternommen, außer Erklärungen in den Massenmedien abzugeben und nutzlose Kommissionen zu bilden.

Die falschen Chefs, die schlechten Regierungen, sind Idioten, die die Glieder der Kette feiern, die sie unterjocht.

Jedes Mal wenn eine Regierung ein Finanzdarlehen des internationalen Kapitals erhält, wird dies in Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen wie ein Triumph dargestellt.

Unsere gegenwärtigen Regierungen sind die einzigen in der ganzen Geschichte, die ihre Versklavung beschleunigen, ihr danken und sie lobpreisen.

Und man sagt, es sei Demokratie, dass der Vernichtungsbefehl zur Verfügung der politischen Parteien und Anführern steht.

"Wahldemokratie" nennen die Befehlshaber den Kampf um den Einstieg in das Geschäft, in dem die Würde verkauft und die Weltkatastrophe vorangetrieben wird.

Dort oben, in den Regierungen, gibt es keine Hoffnung.

Weder für uns indigene Völker, noch für die Land- und Stadtarbeiter, noch für die Natur.

Und dieser Krieg gegen die Menschlichkeit wird von einer gigantischen Lüge begleitet.

Uns wird gesagt, wiederholt, vorgehalten und eingetrichtert, dass der Gang der Welt durch ihre Geschichte dahin führt wo das Geld befiehlt, die von oben gewinnen, und wir, die von der Farbe der Erde sind, verlieren.

Die Monarchie des Geldes präsentiert sich als Höhepunkt der Zeiten, als Ende der Geschichte, als Verwirklichung der Menschheit.

In Schulen, Massenmedien, Forschungsinstitute, Bücher, revidiert die große Lüge die Geschichte und das was sie an der Hand führt: Ort und Zeit, das heißt, die Geografie und den Kalender.

In diesen Ländern, die sie "Neue Welt" nannten, zwangen sie ihre Geografie auf.

Seit damals gab es einen "Norden", "Süden", "Osten" und "Westen", und sie wurden von Zeichen der Macht und Barbarei begleitet.

Die 7 Himmelsrichtungen unserer Ahnen (Oben, Unten, Vorne, Hinten, Diesseits, Jenseits und Mitte), wurden vergessen und an ihrer Stelle trat die Geografie von oben mit ihren Aufteilungen, Grenzen, Reisepässen, Green Cards, Minutemen, Migrationsbehörden und Grenzmauern.

Sie setzten auch ihren Kalender durch: für oben die Tage von Ruhe und Wohlstand, für unten die Tage von Verzweiflung und Tod.

Und an jedem 12. Oktober feiern sie den "Tag der Entdeckung Amerikas", der in Wirklichkeit der Tag ist, an dem der größte Krieg in der Geschichte der Menschheit begonnen hat, ein Krieg, der seit 515 Jahren anhält, und dessen Ziel die Eroberung unserer Gebiete und die Auslöschung unseres Blutes ist.

Neben diesem tiefen und ausgedehnten Schmerz, wurde auch die Rebellion unseres Blutes genannt, der Stolz unserer Kultur, die Erfahrung im Widerstand, die Weisheit unserer Ältesten.

Bei diesem Treffen wurde weit nach hinten geblickt.

Die Erinnerung ist zum unsichtbaren Faden geworden, der unsere Völker verbindet, so wie die Berge, die sich entlang des ganzen Kontinents erstrecken, diese Länder umsäumen.

Das was einige "Träume" nennen, "Utopie", "unmöglich", "Wunschdenken", "Delirium", "Wahnsinn" wurde hier auf dem Land der Yaqui, mit einem anderen Ton, mit einem anderen Schicksal gehört.

Und es gibt einen Namen für das, was wir in so vielen Sprachen, Zeiten und Arten sprechen und hören.

Es gibt ein Wort, das dem gleichen Ursprung der Menschheit entspringt, und die Kämpfe der Männer und Frauen aus allen Ecken des Planeten markiert, und definiert.

Dieses Wort ist "FREIHEIT".

Das ist es, was wir als eingeborene Völker, Nationen und Stämme ersehnen: FREIHEIT.

Und die Freiheit ist nicht vollkommen ohne Gerechtigkeit und ohne Demokratie.

Und nichts davon kann es geben, solange der Raub, die Plünderung und Zerstörung unserer Gebiete, unserer Kultur und unserer Leute weitergeht.

Eine Welt ohne Befehlshaber, scheint den Menschen von heute unvorstellbar.

Als ob es auf der Erde schon immer jemanden gegeben hätte, der sie und die Arbeitern seiner Macht unterwirft; als ob die Welt nie vollkommen sein könnte.

Es sind die eingeborenen Völker, die auf ihre Vergangenheit blicken, ihre Erinnerung bewachen und bewahren, die wissen, dass eine Welt ohne Herrscher und Beherrschte möglich ist, eine Welt ohne Kapital, eine bessere Welt.

Denn wenn wir unsere Vergangenheit, unsere Geschichte, unsere Erinnerung als Fahne erheben, beabsichtigen wir nicht zum Gestern zurückzukehren, sondern eine würdige und menschliche Zukunft zu errichten.

Uns zu treffen ist der Haupterfolg dieser Versammlung.

Es gibt noch viel zu tun, zu diskutieren, zu vereinbaren und zu kämpfen. Aber dieser erste Schritt wird ein frischer Wind für den Schmerz der Farbe der Erde sein, die wir sind.

In dem Kalender, den wir anfangen zu gehen, in der Geografie, die wir vereinbaren, geht ein gewaltiger Umsturz voran.

Für seine Arten und Mittel gibt es keine Handbücher, Rezeptbücher, Leitsätze oder Akademiker.

Es gibt hingegen die Erfahrung der eingeborenen Völker, aber jetzt mit der Unterstützung und der Entschlossenheit der Stadt- und Landarbeiter, der Jugendlichen, der Senioren, der Andersliebenden, der Jungen und Mädchen; von allen Männern und Frauen, die wissen, dass es für die Welt keine andere Chance geben wird, wenn die da oben diesen Krieg gewinnen.

Die Rebellion, die den Kontinent erschüttern wird, wird nicht die Wege und Schritte der früheren Rebellionen wiederholen, die den Gang der Geschichte geändert haben: sie wird eine andere sein.

Dann, wenn der Wind, der wir sein werden nachlässt, wird die Welt ihren langen Gang noch nicht beendet haben, und wird Gelegenheit haben mit allen gemeinsam zu einem Morgen zu werden, in dem alle Farben passen.

In dieser Zeit des Kalenders, den wir machen werden, an diesem Ort der Geographie, die wir errichten werden, wird der Mond die Frage ändern, mit der er geboren wird, und vom neuen zum Lächeln werden, das das Zusammentreffen von Licht und Schatten ankündigt.

Aus Vícam, Sonora, Mexiko.

Subcomandante Insurgente Marcos.
Mexiko, Oktober 2007

 Quelle:  
  http://www.encuentroindigena.org/?p=42 
 

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