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»Marcos – Marcos – Marcos«... – Zapatour am Ziel?

Zapapres-Import vom 11.03.2001
Jutta Klaß

  «Marcos − Marcos − Marcos"... die Sprechchöre der seit Stunden auf die Ankunft der Zapatistas Wartenden werden lauter, rythmischer, begeisterter, je mehr sich der Konvoi dem Kundgebungsort nähert, unterbrochen durch E-Zeta-eLe-eNe-Rufe und andere Parolen.

Doch im Mittelpunkt steht «Marcos", der Sub, der eloquent, selbstironisch und sich doch selbst inszenierend, die Pfeife rauchend oder nur auf dem Mundstück kauend, das Gewehr durch das Handy und den Patronengurt durch eine Stabtaschenlampe ersetzt, auf der Bühne auf seinen Einsatz als Schlussredner wartet, mit seinem eigenen Bild über ihm, neben oder hinter ihm in Übergröße konfrontiert, wie auch jetzt am Sonntag auf dem Zócalo, dem Zentralplatz vor dem Präsidentenpalast in Mexico-Stadt.

Ihm und nicht den 23 zapatistischen Comandantes wurden bei den verschiedenen Zwischenstationen auf dem 3.000 km langen Marsch durch 12 der insgesamt 31 Bundesstaaten aus der Selva nach Mexico-Stadt die Geschenke übergeben, er und nicht die anderen Comandantes erhielt den «bastón de mando" (den Befehlsstab), das Zeichen der Autorität der verschiedenen Indígena-Völker.

Erst im letzten Teil der «Zapatour", konkret im Herkunftsland von Emiliano Zapata, versuchte Marcos in verschiedenen Teilen seiner Rede in Tepoztlán zum faktischen Personenkult Stellung zu beziehen: «Marcos existiert nicht. Er ist ein Schatten, eine Art Fensterrahmen...Soviel Übertragung, Angst bzw. Druck in bezug auf etwas, was letztendlich ein leerer `pasamontañas´ ist". Und etwas später, als die «Marcos, Marcos"-Rufe stärker wurden, doch noch etliche RednerInnen, darunter mehrere Comandantes auf der Redeliste standen: «Die da oben hoffen, dass wir müde werden und keine Lust mehr haben, an den verschiedenen Veranstaltungsorten auch von euch über die zahllosen vor Ort bestehenden Probleme informiert zu werden. Sie hoffen, dass sich alles auf eine Person, eine Persönlichkeit konzentriert, damit wir nicht mehr auf das hören, was auf den Spiel steht: die Stimme und Forderungen der Indígena-Völker. Deshalb danken wir euch für eure Geduld, allen zuzuhören".

Die politische Wochenzeitschrift «Proceso" hatte bereits vor Wochen auf der Titelseite auf das mediale «Duell" zwischen dem seit dem 1. Dezember regierenden Präsidenten Vicente Fox und dem «Sub" hingewiesen, mit einer Fotomontage auf der beide − wie auf den Bildern aus der Marlboro- Reklame − auf ihren jeweiligen Pferden über eine saftgrüne Wiese reiten, unter der Überschrift «Imagen vs. Imagen".

ChiaPAZ − das Wortspiel mit dem Namen des südöstlichen mexikanischen Bundesstaates Chiapas − bestimmt seit Wochen das außergewöhnlich große und durch den neuen mexikanischen Präsidenten unterstützte und geförderte mediale Interesse. PAZ = Frieden, «unidos por la PAZ" − vereinigt für den Frieden, bzw. «für den Frieden in Chiapas" lauten die Überschriften von Unterschriftensammlungen und Konzerten, die von den beiden größten Fernsehsendern inszeniert wurden, aber auch von den in allen Medien geschalteten Anzeigen der Regierung. In den Hintergrund verdrängt wurden die Positionen, Äußerungen, Drohungen der Gegner der Zapatistas, die vor dem Beginn der «Karawane für die indigene Würde" die Medien füllten, wie die folgenden Stimmen deutlich machen, die der Journalist Luis Hernandez stichwortartig zusammenfasste:

· Gründe, für die Verelendung der Indígenas − so Alberto Fernández Garza, Präsident des Unternehmerverbandes Coparmex: Alkoholismus, fehlende Liebe und "bescheuerte Auseinandersetzungen" innerhalb der Gemeinden.

· Strafmaßnahmen, die gegen die Zapatistas ergriffen werden müssten, nach Meinung von Ignacio Loyola, Gouverneur von Querétaro, dessen Familie Besitzer eines der wichtigsten Beerdigungsinstitutes dieses Bundesstaates ist: die Todesstrafe.

· Massnahmen, die laut Raúl Picard, Präsident des Unternehmerverbandes Canacintra, eingeleitet werden müssten, sobald die Zapatistas Chiapas verlassen: ihre Verhaftung.

· Meinung über Subcomandante Marcos, geäussert vom Bischof von Ecatepec, einem der Anhänger der theologischen Strömung "für die Reichen": er ist ein armer Teufel.

· Ort, an dem die Senatoren, so Enrique Jackson, Fraktionschef der PRI im Senat − die Zapatistas empfangen sollten: jedenfalls nicht im Senatsgebäude. (Mensch weiß, dass die Indios nur die Hintertüren benutzen sollen.)

· Meinungsäusserung desselben Senators über die Gesetzesinitiative der parlamentarischen Versöhnungskommission COCOPA: sie bringt dem Land nichts.

· Drohung eines mittlerweile ex-Mitglieds der Regierungspartei PAN in Morelos: Marcos und die zapatistische Karawane schaffen es vielleicht durch die große Eingangstür des Bundessstaates zu kommen, Marcos wird ihn aber nur im Sarg verlassen können, denn es stünden Heckenschützen bereit, um ihm das Ende zu bereiten, «das er verdient".

Die seit dem 24. Februar, dem Tag des Beginns der Karawane vorherrschende offizielle Politik des `Willkommen Zapatistas, auch wir, die Regierung, wollen den Frieden´ ist Teil einer Kampagne, die den Druck auf die Zapatistas verstärken soll, «den Frieden zu unterschreiben", obwohl es zur Zeit noch um alles andere als einen Friedensvertrag geht.

Noch sind die drei Minimalforderungen der EZLN für die Wiederaufnahme des Friedensdialogs nicht, bzw. nur unvollständig erfüllt: das Militär wurde erst aus 4 der insgesamt 7 geforderten Militärpositionen in der Konfliktzone abgezogen, noch befinden sich Dutzende zapatistische politische Gefangene in den Gefängnissen und die Abkommen von San Andrés, die die Rechte und die Kultur der Indígena-Völker beinhalten, wurden noch nicht in der Verfassung verankert. Nur für die erste Minimalforderung ist der neue Präsident zuständig, für die Freilassung der politischen Gefangenen nur zum Teil und die parlamentarische Verankerung der Indígena-Rechte ist Aufgabe des Parlaments, nachdem der Präsident den Gesetzesentwurf dort zur Diskussion und Verabschiedung vorgelegt hat.

Die am Sonntag mit einer Gross-Kundgebung in Mexico-Stadt zu Ende gegangene Karawane für die indigene Würde war Teil der zapatistischen Mobilisierungsstrategie, um unterstützt von den Teilnehmenden an den Zwischenkundgebungen, beim Nationalen Indigenen Kongress (CNI) und zuletzt auf dem Zócalo, die Notwendigkeit für die verfassungsmäßige Verankerung der kulturellen und rechtlichen Autonomie der Indígenas direkt im Parlament in den kommenden Tagen zu begründen, und so lange in der Hauptstadt zu bleiben, bis diese Forderung Wirklichkeit sein wird. Die Einladung des mexikanischen Präsidenten zu einem Gespräch im Präsidentenpalast lehnte Marcos vor wenigen Tagen als «Falle" ab. In einem Gespräch mit dem Journalisten Julio Scherer und Gründer der Zeitschrift «Proceso", kritisierte Marcos gleichzeitig Vicente Fox und die «politisch herrschende Klasse" als unfähig, die von der EZLN in den vergangenen Wochen lanzierten Signale richtig zu interpretieren. "Wir sind bereit, die Klandestinität zu verlassen", warten jedoch noch immer auf die Erfüllung unserer Minimalforderungen vom Dezember.

Die nächsten Tage und Wochen − vielleicht auch Monate − werden über die Lösung des Chiapas-Konfliktes , aber auch über die politische Glaubwürdigkeit der mexikanischen Regierung entscheiden. Keine der drei großen politischen Parteien hat im Parlament die für die verfassungsmäßige Verankerung der Indígena-Rechte benötigte absolute Mehrheit. Und die Gegner der Verfassungsreform sind sowohl in der Regierungspartei PAN (Partei der Nationalen Aktion), aber auch in Teilen der früheren Staats- und jetzigen Oppositionspartei PRI relativ stark. Auch Teile des Militärs, das seit 1994 eigene äußerst «profitable" Interessen, u.a. durch die Kontrolle des Waffen- und Drogenhandels in Chiapas entwickelt hat, widersetzen sich einer friedlichen Lösung. Eine «schnelle" Lösung ist nicht zu erwarten. Während die Verhandlungen zwischen der EZLN und der Regierung zumindest wahrscheinlicher geworden sind, haben andere bewaffnete Gruppen in Mexico bereits klar gemacht, dass sie sich nichts von der neuen Regierung versprechen. Kampf gegen den Kapitalismus und seine Regierung, lautet ihre Parole.


Quelle: Zapapres
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