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Marcos. Die Teufel des neuen Jahrhunderts

EZLN vom 24.02.2001
übersetzt von Dana

  Februar 2001

(Zapatista Kinder im Jahr 2001, das siebente Jahr des Krieges gegen das Vergessen)

An die Jungen und Mädchen von Guadalupe Tepeyac im Exil

"Miguel Kantun, von Lerma ist Canek’s Freund. Er schrieb ihm ein Brief und schickte ihn an seinen Sohn um ihn zu einem Mann zu machen.

Canek antwortete ihm und sagte er würde seinen Sohn zu einem Indigena machen."

"Canek. Geschichte und Legende eines Maya Helden"

Ermilo Abreu Gómez.

Dies ist kein politischer Text. Er handelt von zapatistischen Jungen und Mädchen, von jenen die waren, jene die sind, und jene die noch sein werden. Es ist daher, ein Text über Liebe... und Krieg.

Kinder können Kriege und Liebe schaffen, Verständnisse und Misverständnisse. Unberechenbare und unbewusste Zauberer, machen sich Kinder im Spiel daran den Spiegel zu erschaffen den die Welt der Erwachsenen vermeidet und verabscheut. Sie haben die Macht ihre Umgebung zu verändern, und zum Beispiel eine alte, zerfallende Hängematte in ein modernes Flugzeug zu verwandeln, ein Cayuco in einen Wagen um nach San Cristobal de Las Casas zu fahren. Eine einfache Kritzelei, gezeichnet mit dem Stift mit dem sie La Mar für solche Gelegenheiten versorgt, gibt ihnen die Artillerie um eine komplizierte Geschichte zu erzählen, in der "letzte Nacht" Stunden oder Monate umfassen kann, und "bald" "das nächste Jahrhundert" bedeuten könnte, in dem (bezweifelt das irgendwer?) sie Helden und Heldinnen sind. Und das sind sie, aber nicht nur in ihre fiktiven Geschichten, sonden auch, und mehr als alles andere, in der Tatsache dass sie indigene Jungen und Mädchen in den Bergen den mexikanischen Südostens sind.

Neun sind die Kreise von Dantes Inferno. Neun sind die Kerker die indigene Kinder in Mexiko umgeben: Hunger, Unwissen, Krankheit, Arbeit, Misshandlung, Armut, Furcht, Vergessen und Tod.

In den indigenen Gemeinden von Chiapas beträgt die Unterernährung der Kinder 80%. 72% der Kinder schaffen es nicht einmal das erste Schuljahr der Grundschule zu vollenden. Und in allen indigenen Häuser müssen Jungen und Mädchen ab dem 4. Lebensjahr Feuerholz hacken und schleppen um essen zu können. Um diese Kreise zu durchbrechen müssen sie sehr viel kämpfen, immer, sogar seitdem sie Kinder sind. Sie müssen fürchterlich kämpfen. Manchmal müssen sie ein Krieg führen, ein Krieg gegen das Vergessen.

Ich sagte dass dies ein Text über Jungen und Mädchen ist die gewesen sind. Da bei Gentlemen und Pferde "Damen zuerst" gilt, werde ich mit dieser Erinnerung beginnen die hofft nicht wiederholt zu werden.

Ich spreche von "Paticha". Ich habe schon früher von ihr gesprochen, und durch sie von allen Niegeborenen des mexikanischen Kellergeschosses. Es ist bereits viel Gutes oder Schlechtes über die Ursachen des zapatistischen Aufstandes geschrieben worden. Ich nehme diese Gelegenheit wahr um einen anderen Ausgangspunkt vorzuschlagen: die zapatistischen Niegeborenen, das heisst, ein Grossteil der zapatistischen Kinder. Es kommt selten vor das indigene Familien in Mexiko nicht drei oder vier Kinder zählen die vor dem fünften Lebensjahr gestorben sind. Tausende in den Bergen des mexikanischen Südostens, Zehntausende in diesem von der "Modernität" der Regierung verlassene Abstellkammer: die indigene Völker, die ursprüngliche Bewohner dieses Landes.

Als sie weniger als fünf Jahre alt war starb Paticha an einem Fieber. In nur einigen Stunden brannte ein Fieber ihre Jahre und ihre Träume aus.

Wer war für ihren Tod verantwortlich? Welches Gewissen wurde mit ihrem Verschwinden bereichert? Welcher Zweifel beseitigt? Welche Furcht überwunden? Welcher Mut blühte auf? Welche Hand bewaffnet? Wieviele Tode wie Patichas machten den Krieg möglich, der in 1994 begann?

Diese Fragen sind wichtig, weil der Tod von Paticha ein versteckter Tod war. Wie ich bereits sagte, wurde sie nicht einmal als verstorben betrachtet, da sie so weit es die Mächtigen anging, niemals geboren wurde. Und schlimmer noch, die Niegeborene namens Paticha starb in der Dunkelheit der Nacht, im Vergessen.

Dunkelheiten wie ihr Tod sind es jedoch, die die unvollkommene Nacht dieses Landes erhellten, in 1994...

I.

Und um über fruchtbare Dunkelheiten zu sprechen, es sollte eine wissenschaftliche Erklärung geben um zu verstehen wie eine dunkle Wolke das kraftvollen Glitzern eines leuchtenden Blitzes aus sich freisetzen kann. Es gibt viele ideologische Erklärungen, aber noch bevor jemand das Wunder eines Nachtsturmes in Zeremonien, Büchern und Kolloquien verstehen lernt, hat die Dunkelheit bereits Klarheit geschaffen, die Nacht ist dem Tag gewichen, und das wildeste Feuer ist bereits zu einem frischen Wind geworden.

Und so geschieht es, dass dies ein besonders finsteres Morgengrauen ist. Nichtsdestotrotz, zur Überraschung der brilliantesten Meteorologen (oder einfach um ihnen zu widersprechen), strömten Lichtstrahlen durch den östlichen Horizont, trockene Zweige von Licht die von dem leuchtenden Baum herabfielen den die Nacht hinter sich verbirgt. Die Nacht ist auf dieser Weise ein schwarzer Spiegel, ein Schatten der sich in gelb und orange bricht. Ein Spiegel. Der Rahmen wird von den vier Himmelsrichtungen eines Horizontes von Oben und Unten, Bäume und dunkles Grau gebildet. Ein Spiegel der von der dunklen Seite des Spiegels aus gesehen wird. Die dunkle Seite eines Spiegels, warnend über das was sich dahinter befindet, es versprechend...

Alle Geschichten sind mit Schatten bevölkert. In der zapatistischen Geschichte sind nicht einige wenige von unserem Licht skizziert worden. Wir sind voller stiller Fussschritte die nichtsdestoweniger, die Rufe möglich machten. Es gab viele die still blieben damit die Bewegung schreiten möge. Viele schattenhafte Gesichter die es möglich machten dass andere Gesichter klar wurden. Jemand sagte dass der Zapatismus erfolgreich war weil er wusste wie man Netze webt. Ja, aber hinter unserem gibt er viele Weber mit geschickten Hände, von grossem Einfallsreichtum, von vorsichtigen Schritte. Und während sich ein glühendes und kurzes Licht über jedem Knoten des Rebellennetzes der Vergessenen der Welt erhebt, weben sie weiterhin neue Muster und Umarmungen in den Schatten...

Und da wir von Weber und Umarmungen sprechen, ich riss mich los von La Mar´s Wärme und Kühle im Bett und stand auf um einen kurzen Spaziergang zu machen, in deser Dämmerung in der der Februar seinen Delirium wiederholt und die Ankunft des Märzhasen ankündigt. Und genau dort, wo der Berg das Land des Nachtes von unten ist, gerieten einige Leuchtkäfer in Aufregung über die feuchte Wärme die einen Sturm ankündet.

Ein kleiner Schatten schluchzte nahe der Hängematte. Ich näherte mich bis ich ein kleines Männchen ausmachen konnte, klein, mit Schnurrbart und recht fortgeschritten an Jahre und Gewicht. Zwei zerlumpte Flügel aus rotem Karton, ein Paar kleiner Hörner und ein Schwanz der einer Pfeilspitze endete liessen ihn wie ein Teufel aussehen.

Ja, ein Teufel, ein ziemlich übel zugerichteter Teufel. Ein armer Teufel... "’Armer Teufel’ von wegen !" brummte die kleine Gestalt

Ich war nicht eingeschüchtert. Auch wenn mich mein Kopf und meine Beine drängten weit wegzulaufen, ich bin der Mann des Hauses (na schön, der Hütte, aber ich glaube Sie verstehen mich), und ich sollte La Mar nicht im Stich lassen, die die Frau des Hauses ist. Nach so vielen Pedro Infante Filme bin ich gestählt worden um das Haus zu beschützen, und seit "Martín Corona" und "Hier Kommt Martín Corona", muss ich meine Impulse die Flucht zu ergreifen bremsen. Nun, zumindest nicht ohne La Mar zu warnen die, wie ich schon sagte, die Frau des Hauses ist dessen Mann des Hauses ich bin.

Und so unternahm ich keinen Versuch eines "strategischen Rückzuges", und wie ich es immer tue wenn ich von panischer Angst ergriffen werde, zündete ich meine Pfeife an und fing an zu reden. Ich machte einige müssige Kommentare über das unbeständige Wetter, und da ich sah dass keine Anwort erfolgte, wagte ich...

"Da sie sich gerade anhören was ich denke..."

"Du könntest genauso gut auch schreien," antwortete das Männchen.

"Und nenn mich nicht Männchen!" kreischte er.

"Luzbel, nenn mich Luzbel," beeilte er sich meine Gedanken zu unterbrechen. "Luzbel? Das klingt wie.. wie... Ist das nicht der Engel der in seinem Stolz gegen den christlichen Gott aufbegehrte und zur Strafe in die Hölle geschickt wurde?" sagte ich.

"Dieser Mist. Aber so war es nicht. Geschichte, mein unglücklicher Sterblicher, wird von den Siegern geschrieben. In diesem Fall, Gott. Was passierte war in Wirklichkeit ein Problem um Gehälter und Arbeitsbedingungen. Eine Gewerkschaft, ganz gleich wie engelhaft sie sein mag, war nicht Teil des göttlichen Plannes, also entschloss sich Got die Ausschliessungsklausel geltend zu machen. Die käuflichen Schreiber nahmen es auf sich unseren gerechten Kampf zu verleumden, und so gingen wir..." sagte Luzbel während er sich hinsetzte und es sich am Fuss eines Huapac gemütlich machte.

An diesem Punkt wurde mir klar wie klein er war, aber ich sagte nichts. Ich schätze mein Schweigen ermutigte ihn weiterzusprechen, und das passierte dann tatsächlich auch, denn Luzbel began eine Geschichte − passend für einen Teufel − voller furchtbaren Schrecken und Grausamkeit zu erzählen. Seine Geschichte schien eine Tragödie zu sein, eine Komödie, oder Teil des Krieges...

II.

Luzbel schwieg ein bisschen... Ausser den Sternen von oben und von unten (die Leuchtkäfer) gab es nichts anderes in der äusseren Nacht. Ich zündete meine Pfeife wieder an. Mehr um das Licht des Feuerzeuges zu nutzen um die Gestalt des kleinen Teufels zu betrachten als aus dem Wunsch zu rauchen. Neun Rauchkreise kamen aus meiner Pfeife. Als der letzte von ihnen verschwand, sprach er.

Die Geschichte die mir Luzbel erzählte könnte die Empfindlichkeit der guten und gewissenhaften Christen verletzen, etwas das nicht sehr empfehlenswert ist, vor allem in den heutigen Zeiten, wenn der hohe Klerus versucht die Uhr der Geschichte zurückzudrehen. Aber da ich nicht um Nachsichtigkeit wetteifere − und da ich bereits die Hölle kennengelernt habe die die Macht den Armen aufzwingt − habe ich nichts zu befürchten. Ich habe auf jeden Fall meine Pflicht erfüllt und die Leser gewarnt und sie daran erinnert dass ich lediglich wiedergebe was mir Luzbel erzählt hat, nämlich:

"Der Gott der Reichen und der Geschäftsbücher war sehr zufrieden mit dem Freihandelsabkommen, den Schritt zur Ersten Welt, wirtschaftliche Globalisierung und all dieser Müll, das mehr wie ein Produkt der Hölle schien als des Himmels, da wir Teufel solcher Schrecken nicht fähig wären.

"Jedenfalls, was passierte war das Gott, so wie er sollte, ein Schutzengel für alle Kinder der Generation des Freihandelsabkommens ernannt hatte. Es gibt nicht viele Engel, und die Arbeit als Schutzengel für Kinder wird sehr schlecht bezahlt. Aber jemand namens Gabriel, ein pro-management Anführer, ein Erzengel um genau zu sein, trieb die Lohngruppe an um die Quote zu erfüllen. Es gab einige Proteste aber nicht viele. Und so würde jedes Kind der NAFTA seinen eigenen Schutzengel haben.

"Aber wie es ergab sich dass ihr, die Zapatisten, euch entschlossen habt euch am 1. Januar 1994 in Waffen zu erheben und alles zu verändern, sogar die göttliche Erinnerung. Denn wie es sich herausstellte hatte sich Gott nicht an die indigenen Kinder erinnern. Es ist nicht so dass er sie ignoriert hatte, oder dass er daran dachte sie loszuwerden, er war sich nur einfach nicht ihrer Existenz bewusst.

Der Gott der Geschäftsbücher und der Reichen ist ein Arbeitsgeber wie alle anderen, aber von sehr alter Schule. Und so glaubte er, dass während der Neoliberalismus sich darum kümmerte alle zapatistische Kinder in eine andere Welt zu befördern, er seine göttlichen Pflichten erfüllen und jedem zapatista Kind einen Schutzengel zur Seite stellen müsste.

"Aber da keine Schutzengel mehr verfügbar waren, fing er an Teufel zu rehabilitieren. Um das zu erreichen, zwang er uns ein erniedrigendes Handelsabkommen zu unterzeichnen dass die diabolische Souveränität der Hölle verletzte. Die Hölle hatte mit wirtschaftlichen Probleme zu kämpfen und jemand namens Sankt Peter hatte unsere Schwierigkeiten ausgenutzt um uns einen finanziellen Kredit zu gewähren, mit einer, wie man das erwarten kann, diabolischen Klausel.

"Wie auch immer, Tatsache ist, dass Gott die Arbeitskraft des Inferno zu seiner Verfügung haben konnte, zu unfairen Bedingungen und ohne Einfluss auf die Migrationsrestriktionen die uns Teufel beim Überschreiten der Himmelsgrenze aufgezwungen wurden. Fast ohne dass uns das bewusst wurde, waren wir plötzlich Angestellte zweiter Klasse, unter dem Befehl desjenigen der uns ausgewiesen hatte." Luzbel brach mit etwas das wie ein Schluchzen klang ab. Dann fuhr er fort...

"Und so, aus der Extra-Territorialität seiner Finanzmacht, liess uns Gott als "Schutzengel" derer arbeiten, die in der Erste Welt Euphorie vergessen wurden, die indigene Kinder. Und jetzt, anstatt gute Gewissen zum Sündigen zu verführen, unschuldige Seelen zu pervertieren, Geschäftsführer zu sponsern, den PAN-Gouverneuren von Queretaro zu inspirieren, den Bischof Onésimo Cepeda zu beraten oder Fox’ postelectorale Kampagne zu entwerfen, geben wir auf die Kinder des Kellergeschosses acht, unter miserablen Arbeitsbedingungen.

"Und so sind wir jetzt ’Schutzteufel’!"

"Wirklich! Für eine miserable Bezahlung zwingt uns Gott (der, das darf man nicht vergessen, der Gott der gesamten Schöpfung ist, auch der Hölle) zapatista Kinder zu beschützen. Zu denken dass es immer noch welche gibt die sich was auf die göttliche Güte einbilden...!"

III.

Luzbell war für ein Moment still, und ich nutzte das aus um ein paar Worte zu kritzeln. Und glauben Sie mir, ich war selbst überrascht. So sehr dass ich sofort einige Zeilen an Don Eduardo Galeano schrieb, damit er in eins seiner Bücher berichten konnte: "Datum: Der Beginn des dritten Jahrtausends. Don Galeano: Im neoliberalen Mexiko am Anfang des 21. Jahrhunderts, sind zapatistische Kinder so arm dass sie noch nicht einmal Schutzengel haben. Stattdessen haben sie Teufel bei sich, einen kleinen Schutzteufel.

Während stürmischer Nächte in den Bergen des mexikanischen Südostens, beten die Kinder: "Diablito de la Guarda, dulce compañía, no me desampares, ni de noche ni de día" ("Schutzteufelchen, süsser Gefährte, verlass mich nicht, weder bei Nacht noch Tag"), und so geht das...

Vale. Salud und nada de mate.

Der Sup."

(Ende des Briefes an Galeano).

Gut, ich habe nicht vor das Redaktionsteam mit noch mehr Dialogsatzzeichen verrückt zu machen, also werde ich einfach nur wiedergeben was diesen "Schutzengel" unglücklich machte.

IV.

Es ergab sich dass es Luzbel zufiel der Anführer eines Schwadrons von "Schutzteufel" zu sein. Ich weiss nicht wie viele Schwadronen nötig sind um alle zapatistische Kinder zu bewachen (von denen es ziemlich viele gibt), aber Luzbel bekam ein höllischer, schrecklicher, diabolischer Job. Er musste sich kümmern um: Beto, Heriberto, Ismita, El Andulio, Nabor, Pedrito, Toñita, Eva, Chelita, Chagüa, Mariya, Regina, Yeniperr, und, zuletzt − der grösste aller Schrecken! − Olivio und Marcelo.

Als er beauftragt wurde Betos "Schutzteufel" zu sein wurde Luzbel verzweifelt. Und das lag nicht an dem hektischen Lebens dieses Kind-Soldaten, das mit seiner Schleuder einen Panzerwagen, einen Hummer mit Granatwerfer, als auch einen "Black Hawk" Hubschrauber der NAFTA Generation herausforderte. Noch an sein unermüdliches Auf- und Abklettern von Hügeln und Abhängen, auf der Suche nach Feuerholz für sein Zuhause. Nein, was Luzbel zur Verzweiflung trieb (und ihn veranlasste um ein Schützlingswechsel zu ersuchen) waren Betos Fragen.

"Wie weit weg ist die grosse Stadt? Ist sie grösser als Ocosingo? Wie weit ist das Meer? Wofür ist so viel Wasser da? Wie leben Leute die im Meer leben? Wie gross ist eine Schleuder die einen Hubschrauber erlegen kann? Wenn das Zuhause und die Familie des Soldaten woanders sind, wieso kommt er her um uns unsere Häuser wegzunehmen und uns zu verfolgen? Wenn das Meer so gross wie der Himmel ist, warum drehen wir sie nicht um damit die Hubschrauber und Flugzeuge der Regierung ertrinken?"

Fragen wie diese waren es die Luzbels Arbeitswechsel motivierten. Aber es wurde nicht viel besser für ihn, denn sie beauftragten ihn sich um Heriberto zu kümmern...

"Es war schrecklich," gestand Luzbel. "Dieses Kind hasst die Schule wie ein Minister für öffentliche Erziehung, und die Lehrer wie ein pro-managment Gewerkschaftsleiter. Er zieht es vor nach Süssigkeiten und Schokolade zu jagen. Du solltest mal sehen wie man ihm nachrennen muss wenn er das Knistern einer Schokoladenverpackung hört!"

Nach Heriberto kümmerte sich Luzbel um Ismita.

Luzbel berichtete mir das Ismita eines Tages Ärger mit Marikerr hatte (so heisst das Mädchen, das ist nicht meine Schuld), weil er gesagt hatte sie hätte einen Ast aus Ismitas Nunce (ein Fruchtbaum) abgebrochen. Aber wie konnte sie es abbrechen wenn sie so klein war und der Baum so gross?, fragte ihn Luzbel. "Sie hat daran gezogen und den Ast abgebrochen," sagte Ismita und sah Marikerr vorwurfsvoll an, die auf ein Kinderüberfall auf den "Aguascalientes" Laden aus war. Der Überfall war von Luzbel organisiert worden weil, wie er sagte, Kinder sich auf alles vorbereiten sollten, sogar zu regieren. Ismita müsste um die 10 Jahre alt sein, aber chronische Unterernährung hat ihm die Statur eines vier Jahre alten Kindes verliehen. Ismita macht seine winzige physische Erscheinung durch moralische Grösse wett. Er verzieh Marikerr nicht nur den Ast von seinem Nuance abgebrochen zu haben, sondern bot ihr auch noch einen Softdrink und Kekse an die er während des Überfalles auf den Laden erbeutet hatte. "Weil keiner teilt," sagte Ismita zu Luzbel als dieser protestierte.

Grosszügigkeit weckt nicht die Leidenschaft der Hölle, also kümmerte sich Luzbel um Andulio weiter.

Nachdem er eine grosse Strecke gelaufen war, erreichte Luzbel das Zuhause von Andulio, er mit dem strahlenden Lächeln. Wir lernten Andulio während jener schrecklichen Tage der Verfolgung von 1995 kennen. Der Mai war damals ein heisser Wind, Tage und Nächte verbrennend, und Andulio verbrachte die ganze Nacht in einem Baum und versuchte das Lied eines Truthahnes nachzuahmen. Er kam uns nicht oft nahe, aber wir fanden heraus dass er uns akzeptiert hatte als er eines Nachmittags nach einem Kassettenrekorder fragte und zum Rhythmus eines Corrido zu tanzen anfing. La Mar fragte ihn dann, vor einem Plakat wo der Sup wäre. Andulio zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, drehte sich dann um und zeigte auf mich. Der Sup konnte sich nicht gleichzeitig auf dem Plakat und in der Türöffnung befinden, und so, als er auf mich in Person zeigte, bekräftigte er seinen philosophischen Materialismus. Ich hatte vergessen zu erwähnen dass Andulio ohne Hände geboren wurde, eine genetische Missbildung hinterliess Stummel am Ende seiner Arme.

"Dieses Kind mag keine Hände haben, aber er hat ein Lächeln dass zu Engelhaft ist," sagte Luzbel um seinen neuen Wechsel zu rechtfertigen. Und so kam er zu Nabor.

Mit Nabor lief es auch nicht besser. Mit drei Jahren hinter sich hat Nabor eine Libido die Casanova beschämen würde. Luzbel konnte nicht mehr tun als zu erröten und ging sofort zu einer anderen Gemeinde. Und so kam er nach Guadalupe Tepeyac in Exil.

In dieser Tojobal Gemeinde, die von der mexikanischen Bundesarmee aus ihren Häusern vertrieben wurden, fiel es ihm zu der "Schutzengel" − verzeihung, "Schutzteufel" − von Pedrito zu sein. Pedrito ist ein Guadalupe Kind das im Exil geboren wurde. Als das Erste Interkontinentale Treffen für Menschlichkeit und Gegen den Neoliberalismus eröffnet wurde, brachte ihn seine Mutter zu Welt. Mit drei Jahren auf dem Rücken ist Pedrito Linos Freund, ein anderes Kind von Guadalupe. Lino wurde am 9. Februar 1995 geboren, er war kaum ein paar Stunden alt als er von Soldaten aus seinem Haus vertrieben wurde.

Um auf Pedrito zurückzukommen, es ergab sich dass er nicht zur Schule gehen wollte. Ich hatte bereits gedroht seinen Fall an die Gemeindeversammlung weiterzugeben, aber nichts half. Ich drohte ihm an dass wenn er nicht hingehen wollte, ich ihn in einem Kommunique an die Menschen von Mexiko und alle Völker und Regierungen der Welt denunzieren würde. Pedrito sah mich nur an, zuckte die Schultern und sagte "schicken Sie´s doch, ich kann noch nicht mal lesen." La Mar verteidigte ihn und sagte er sei kaum drei Jahre alr, und Pedrito starrte sie nur an und sufzte verliebt. Aber das ist eine andere Geschichte, wir sind jetzt dabei wie Luzbel sich um Pedrito kümmert. Irgendwann mal entschloss sich Pedrito Pferdchen zu spielen. Sie liegen richtig wenn sie sich vorstellen dass es an Luzbel fiel das Pferd zu sein. Und sie raten richtig wenn sie vermuten dass Luzbel kündigte. "Dieses Kind zog den Gurt zu fest an," sagte er als Rechtfertigung.

V.

Nach Pedrito entschloss sich Luzbel zu einem sanfteren Geschlecht hinüberzuwechseln und widmete sich der Fürsorge eines zapatista Mädchens: Toñita.

Luzbel fühlte sich nicht gestört von um Toñitas Neigung die Liebe zu verachten, "weil sie wehtut" (zu meiner Empörung charakterisierte er ihre Neigung als "gesund"). Weder davon, noch davon wie eine Puppe angezogen werden zu müssen von einer Toñita die entschlossen war seine Flügel abzuschneiden.

"Du wärst nicht der einzige gewesen dem sie abgeschnitten worden wären, sagte ich grollend.

Der "Schutzteufel" ertrug das alles, aber er konnte nicht das ständige Zerbrechen und Kleben von Teetassen tolerieren das das Leben der zapatista Mädchen ist...

Und so kündigte Toñitas "Schutzteufel" und ging um sich um Eva zu kümmern. Er hielt es nicht lange aus. Während er sich zum zigsten Male "Schule für Vagabonden" ansah schlief er ein und Eva ergriff die Gelegenheit um einige Blümenchen und ein "Viva el EZLN" auf seine Flügel zu sticken. Die Verlegenheit zwang Luzbel zu emigrieren.

Nach Eva folgte Chelita. Ein dunkelhaariges Mädchen von sechs oder soeben, mit schwarzen Augen wie Sterne. Luzbel passierte dasselbe was mit allen passierte, all Chelita ihn ansah fror er ein (keine passende Temperatur für einen Teufel), sie liess ihn durch den Himmel schweben (keine empfehlenswerte Richtung, wegen der Ausweisung, etcetera) und sie entlockte ihm ein "Ave Maria Purísima!", was ziemlich entschieden, zu viel war. Luzbel fühlte sich als ob sie ihm die Seele herausgerissen hätten − verzeihung, als ob sie ihm die Flügel ausgerissen hätten − als sie ihn von seiner Fürsorge für Chelita wegholten und befahlen bei Chagua zu bleiben.

Chagua, wie ihr Name andeutet, heisst nicht "Chagua" sondern Rosaura, aber niemand nennt sie wie sie heisst. Sie muss um die 8 Jahre alt sein. In einer kleinen Bande kriegerischer Kinder, ist der Anführer kein Junge sondern ein Mädchen, Chagua. Sie ist die erste und schnellste beim Bäumeklettern um Zikaden zu fangen, sie ist die wildeste und zielsicherste bei Kämpfen mit Steinen und Schlamm, sie ist die erste die sich ins Gewühl wirft, und bis jetzt hat sie noch niemand um Gnade bitten gehört. Dennoch, wenn sie sich uns nähert geschieht etwas seltsames: Chagua ist ein zärtliches und süsses Mädchen die La Mar umarmt und bittet ihr eine Geschichte zu erzählen oder ihr Haar zu machen, oder sie umarmt sie nur und bleibt ruhig, und seufzt von Zeit zu Zeit.

Luzbel kündigte nicht wegen der Verwirrung die von Chaguas "Zärtliche Wut verursacht wurde, sondern weil er während eines Zankes mit einem Stein am Kopf getroffen wurde, und die Beule die es an seinem Schädel verursachte verpasste ihm ein drittes Horn, das ihm überhaupt nicht gut stand. Und so ging er um sich um ein anderes Mädchen zu kümmern, Mariya.

Mariya muss um die sieben Jahre alt sein, und in ihrem Dorf ist sie die zielsicherste mit einer Schleuder. Wir entdeckten dies, wir und ihr Dorf, während eine unserer Reisen durch diese Gebiete.

Nachdem wir mehrere Stunden lang marschiert waren, brachen La Mar und ich unter dem Türsturz einer Hütte zusammen. Wir hatten noch kaum unseren Atem wiedererlangt als Húber, Saúl, Pichito und eine unbestimmbare Anzahl von Kindern mit gleichfalls unbestimmbare Namen ankamen. Alle hatten sie ihre Schleuder mitgebracht und baten um einen Wettschiessen um herauszufinden wer am besten zielte. Mariya sass bereits neben La Mar und sagte gar nichts. Ohne aufzustehen organisierte ich die Runden und gab an dass sie eine Dose in 10 Schritte Entfernung aufstellen sollten. Jeder einzelne zielte auf sie, aber die Dose blieb stehen.

Als ich fragte ob jeder drangekommen war sagte La Mar: "Mariya fehlt noch." Zu jedermanns Empörung schloss sich Mariya an und borgte sich eine Schleuder.

Ein Murmeln der Missbilligung ging durch die Männergruppe (ich befand mich nicht darunter, nicht weil ich als Feminist gelten wollte, sondern weil ich nicht die Kraft hatte aufzustehen um mein Geschlecht zu unterstützen).

Mariya warf den Jungs einen schnellen Blick der Verachtung zu, und das reichte damit sie verstummten. Es herrschte ein Schweigen der wenig mit Spott zu tun hatte und viel mit Erwartung...

Mariya zog die Schleuder an, schloss ein Auge − so wie es von Schleuderhandbücher angeordnet wird − schoss, und die Dose sprang mit einem metallischen Krachen auf.

Mariya und La Mar brachen in Jubelrufe aus: "Die Frauen haben gewonnen!" Wir Jungs blieben schockiert, zerknirscht und mit offenem Mund stehen. "Macht euch keine Sorgen," sagte ich ihnen als Trost, "Nächstes mal halten wir das Wettschiessen ohne Mariya ab." ich glaube nicht dass ich irgendjemanden überzeugte.

Luzbel stammt aus der "Alten Schulen," das heisst: Schleuder sind nicht für Mädchen. Und so erlebte er das was wir eine "Krise des Macho Gewissens nennen, die über ihn kam als Mariya in dem rauhen und "ehemals" männlichen Sport des Dosen Schleuderschiessens siegte. Und so kam es dass Luzbel woanders hinging.

In einer anderen Gemeinden kümmerte sich Luzbel um Regina, ein etwa neun bis zehn Jahre altes Kind, das sich benahm als ob es 30 wäre. Erwachsen und verantwortungsvoll, ist Regina Schwester und Mutter ihrer kleinen Brüder und Schwester, Leibwächter der Insurgenten, die beste Tortillabäckerin des Viertels, und eine Sonne wenn sie lächelt. Trotz seiner Erfahrung mit höllischen Verbrennungen, kündigte Luzbel als er das Verbrennen seiner Finger beim Umdrehen der Tortillas im Ofen nicht mehr ertragen konnte. "Es waren nicht die Verbrennungen," erzählte mit Luzbel, "sondern dass ich um vier Uhr morgens aufstehen musste um Feuer zu machen, Mais zu mahlen und die Tortillas zu machen. Und das war nur der Beginn des Tages." An Schlafmangel leidend und mit verbrannten Fingern, ging Luzbel dazu über sich um Yeniperr zu kümmern.

Yeniperr ist ein hervorragendes Beispiel des Vogels der die Maschine erobert. Wenn die Hubschraubers Tiefflüge über die Gemeinden machen, verfolgt sie Yeniperr mit Fragen. Angesichts solcher furchtbaren Geschosse zieht sich die kriegerische Maschine zurück, und Yeniperr fährt damit vor zwischen Papageien und Hummel herumzuflattern. Wenn Yeniperr fliegt verirrt sie sich oft und hat nichts zu befürchten, es sei denn Capirucho und Capirote sind irgendwo in der Nähe.

Luzbel hielt es kaum einige Tage mit Yeniperr aus. Laut dem was er mir erzählte, war es nicht die Furcht vor den Regierungshubschrauber und Flugzeuge die ihn um einen Arbeitswechsel bitten liessen. "Dieses Fliegen hat mir noch nie gelegen. Deshalb bin ich ein gefallener Engel," sagte Luzbel und rieb sein Hinterteil. Sie hätten es niemals tun dürfen, aber es ergab sich dass sie Luzbel wegen Personalmangel die Sorge für zwei Kinder zuwiesen: Olivio und Marcelo, das heisst, Capirucho und Capirote. VI. Olivio, oder der selbsternannte "Sergeant Capirucho", vertraute mit an "Sup werden zu wollen wenn er gross ist. "Und Sie Sup, was wollen sie werden? fragte er mich, wohlwissend dass die Erfüllung seiner Ambitionen mich ohne Job lassen würde. "Ich?" fragte ich um Zeit zu gewinnen, "Ich werde ein Pferd sein, ein junges Pferd, und ich werde dahin gehen, ganz weit weg." und ich deutete auf einen unbestimmten Punkt am Horizont. "Sie können Sergent sein," tröstete mich Olivio, während er eine kleine Turteltaube bemerkte die herumflatterte, unbeeindruckt von Capiruchos hierarchische Ambitionen und der furcteinflössenden Schleuder in seinem Gürtel.

"Korporal Capirote," antwortete Marcelo wenn sie ihn fragen wie er heisst. Ohne irgendeine Scham, und wahrscheinlich von den militärischen Privilegien seines Ranges Gebrauch machend, ging er wohin er immer wollte und fing an nach Süssigkeiten und Schokolade Ausschau zu halten, unglaubliche Geschichten erzählend, oder machte sich daran die Frauen beim Baden auszuspionieren.

Olivio und Marcelo, Capirucho und Capirote. Diese Jungs legen es darauf an sich gegenseitig zu verwirren wenn sie Gedichte rezitieren. Ihr Repertoire umfasst vier Gedichte, und sie erfinden immer Wege sie miteinander zu vermischen. Das Ergebnis? Das spielt keine Rolle, solange sie am Ende ein Bonbon oder eine Schokolade kriegen, wenn sie "kleine Murmeln" zeichnen können, oder stets erfolglos nach Saatkrähen jagen gehen. Capirucho und Capiruto glauben dass es für Liebesmangel kein besseres Heilmittel gibt als zusammen eine gute Saatkrähe zu essen.

Diese zwei Zwerge, verzeihung, Kinder, haben überladene Batterien. Sie sind etwa sieben Jahre alt, und sie weiten den Radius ihrer Aktivitäten Tag für Tag weiter aus. Sie verfolgen die "Erello" (eine Salamanderart die bis zu einem Meter lang wird) zwischen Dornen und Acahuales, aber sie kommen nicht sehr nah an ihr ran. Sie haben Luzbel von einem Ende zum anderen geschleppt, seine Flügel waren voller Dornen und Kratzer, und sie füllten seine Taschen mit Steinchen (für die Schleuder), und sie "rösteten sein Gehirn" mit ihrem ständigen Geplapper. Die Nächte reichten für Luzbels Erholung nicht aus, und er würde ihnen in der Frühe nachfolgen müssen um nach Muschel, Krabben und Schrimps zu fischen, auf die Kaffeefelder zu gehen, oder sich von Ameisen, Bienen oder irgendeines der anderen "wilde" Tiere der Gemeinde stechen zu lassen, einen abgeflachten Ball zu kicken, alles zu essen was sie in ihrer Reichweite und Höhe finden, und ihnen beim Nacherzählen von Abenteuern zuzuhören die sich nie erreignet hatten. Aber was Luzbel am meisten deprimierte war dass sie ihn zu einer Zielscheibe für Schiessübungen mit der Schleuder gemacht hatten.

Luzbel ist jetzt alt, sein Alter reicht zurück bis zur Anbeginn der Zeit. Ich sage das nicht damit Sie Mitleid mit ihm haben, sondern damit Sie ihn verstehen. Ich kenne Capirucho und Capirote, und bin sicher dass die Aufgabe für sie Sorge zu tragen auch Gott selbst (der zufälligerweise auch nicht jung ist) erschöpfen würde.

Deshalb überraschte mich Luzbel nicht als er mir erzählte dass er die Fürsorge für zapatistische Jungen und Mädchen endgültig aufgab. "Ich werde lieber nach Kosovo oder Rwanda gehen, oder an irgendeinem anderen Ort an dem die UN ihrer Mission nachgeht Kriege zu fördern," sagte Luzbel und stand auf. "Dort ist es bestimmt ruhiger als hier."

Und als er sich gerade anschicken wegzugehen fügte er hinzu:

"Oder die Diözese von Ecatepec oder die oberen Ränge der mexikanischen Geschäftswelt, was auf das selbe hinausläuft. Dort gibt es Korruption, Lügen, Empörungen, Diebstahl und alle diese Übel die besser zu orthodoxe Teufel passen wie ich es einer bin."

Ich verstand Luzbel´s Verzweiflung und Trostlosigkeit. Ich bin sicher er hätte es vorgezogen keine Engelgewerkschaft zu gründen zu versuchen wenn er gewusst hätte, dass er später diesen Kindern nachlaufen werden müsste. Beim Licht eines Leuchtkäfers fügte ich dem Brief an Eduardo Galeano noch ein Postscriptum hinzu:

"P.S. Das mehr Details anführt. − Don Eduardo: in den indigenen Berge von Mexiko lebt Gott nicht. Der Teufel auch nicht, noch nicht einmal wenn sie ihn bezahlen...

Es dämmerte jetztfast, also verabschiedete ich mich von Luzbel und kehrte zu La Mar zurück.

VII.

Die Mehrheit der indigenen Jungen und Mädchen von Guadalupe Tepeyac im Exil wurden fern ihrer Heim geboren und aufgezogen. Eine andere politische Partei regiert in Mexiko, und diese Kinder werden weiterhin als Geisel gehalten (nun von jene selbsternannten "Förderer der Veränderung"), um die Ergebung zu erzwingen. Was hat sich für diese Kinder verändert? Die Geschichte ihrer Gemeinde klingt für sie wie ein Märchen, es liegt so weit zurück in Zeit und Raum, dass ihnen die Rückkehr dorthin wie eine sehr lange Reise erscheint. Kompliziertes und kleinliches politisches Kalkül und ein dummer Stolz waren es die sie aus ihrem Dorf verjagt haben, und was sich weigert ihnen das zurückzugeben was ihnen gehört.

Nicht nur in diesem nomadischen Dorf, sondern in allen zapatistischen Gemeinden, wachsen Jungen und Mädchen auf und werden zu Jugendliche und Erwachsene inmitten eines Krieges. Aber anders als man vielleicht annehmen könnte, handeln die Lehren die sie von ihre Gemeinden erhalten nicht von Hass und Rache, noch weniger von Verzweiflung und Trauer. Nein, in den Bergen des zapatistischen Südostens, wachsen die Kinder auf indem sie lernen das "Hoffnung" ein Wort ist das in der Gemeinschaft ausgesprochen wird, und sie lernen in Würde und Respekt vor Andersartigen zu leben. Vielleicht ist eins der Unterschiede zwischen diesen Kindern und jenen aus anderen Gegenden, dass diese von Kleinauf lernen den Morgen zu sehen.

Mehr und mehr Jungen und Mädchen werden in den Bergen des mexikanischen Südostens geboren werden. Sie werden Zapatisten sein, und als solche, werden sie nicht in der Lage sein ein Schutzengel zu haben. Wir "arme Teufel werden uns um sie kümmern müssen bis sie gross sind. Gross wie wir, die Zapatisten, die kleinsten von allen...

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens.

Subcomandante Insurgente Marcos.
Mexiko, Februar 2001.


* "Armer Teufel" − als solcher wurde Subcomandante Marcos anfang Februar von Bischof Onésimo Cepeda bezeichnet.

 Quelle:  
  http://enlacezapatista.ezln.org.mx/ 
 

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Jugendherberge »Bad Hersfeld« (Hessen), Lutherstraße 2, 36251 Bad Hersfeld

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Jugendherberge »Bad Hersfeld« (Hessen), Lutherstraße 2, 36251 Bad Hersfeld

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