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Anatomie einer Krise

 

Wie wirkt sich die wirtschaftliche Krise auf das tägliche Leben der MexikanerInnen aus?

Zapapres-Import vom 23.02.1998

  ZAPAPRES, 23.02.1998

Am 1. Januar 1994 offenbarte sich der Weltöffentlichkeit durch den bewaffneten Aufstand in Chiapas die grausame Realität, in der Millionen Indígenas und verarmter Bauern im Süden Mexikos leben. Mexiko ist ein Land, acht mal so groß wie Deutschland, mit rund 90 Millionen BewohnerInnen. Es ist ein Mosaik unterschiedlichster Gebräuche, Sprache und Lebensformen.

Die mexikanische Republik besteht aus 32 Bundesländern mit sehr verschiedenen geografischen und sozialen Bedingungen. In den großen Städten des Landes ist die wirtschaftliche und politische Macht konzentriert. Dadurch wird eine einheitliche wirtschaftliche und politische Analyse sehr kompliziert. Wir, die MexikanerInnern, sind mit dem Wort Krise gut vertraut. Seit mehreren Jahrzehnten besteht die Wirtschaftspolitik der herrschenden Staatspartei PRI aus Korruption, Plünderungen und Bereicherungen für einige wenige. Die Kosten dafür werden der Mehrheit aufgebürdet, den ärmsten Bevölkerungsschichten, die dadurch unsere Gesellschaft aufrechterhalten.

Produkte des alltäglichen Lebens wie Fleisch, Milch und Eier, die zu den Grundnahrungsmitteln gehören, sind aus dem Speiseplan tausender Familien verschwunden. Die Löhne verfolgen nutzlos die Preise, ohne diese je zu erreichen. Zur Zeit beträgt der gesetzlich bestimmte Mindestlohn 38 Pesos − weniger als 5 USDollar
- täglich; ein Kilogramm Fleisch kostet über 55 Pesos (mehr als 7 Dollar), ein Liter Milch 4,25 Pesos, was rund 0,5 Dollar entspricht.

In einer Großstadt wie Guadalajara kostet der Fahrpreis im Bus 2 Pesos (1/4 Dollar). Die Fahrt vom Heim zum Arbeitsplatz verschlingt ein Großteil des Lohnes und dauert oft Stunden. Denn um die weiten innerstädtischen Entfernungen zu überbrücken, muß man auch noch oft umsteigen.

Die Krise wirkt sich verheerend aus auf die ärmsten Bevölkerungsschichten in allen Lebensbereichen wie z.B. Gesundheit, Ausbildung, Bekleidung, Beschäftigung, etc. Tausende Männer, Frauen und Kinder werden immer wieder auf die Straße geworfen und bieten dann dort alle Arten von Produkten bis hin zu akrobatische Übungen an, um überleben zu können. Dies bedeutet gleichzeitig die Verschärfung von Problemen wie die Prostitution und das Leben von Kindern auf der Straße.

Aber auch die sogenannte Mittelschicht kämpft mit ernsten Schwierigkeiten. Viele Familien der Mittelschicht hatten die Möglichkeit hatten, einen Kredit zum Hauskauf zu erhalten. Nun befinden sie sich in der Notlage, ihr Haus zu verlieren, obwohl sie es bereits bezahlt hatten − Denn nach den unzähligen Abwertungen des Pesos sind die Kreditzinsen bei den Banken astronomisch gestiegen.

Auf dem Land ist die Situation noch weitaus schlimmer: die Bezeichnung "campesino" ist gleichbedeutend mit dem Bild einer sehr armen, schlecht gekleideten und bildungslosen Person. Dies mag sehr hart und vielleicht auch abwertend klingen, aber die traurige Lage der LandarbeiterInnen ist nun mal die Realität: immer wieder wurden und werden sie vom System im Stich gelassen; außerdem ist ihr Leben dem Zufall der Dürren, Überschwemmungen und Plagen ausgesetzt.

Der Mangel an Mitteln für ländliche Entwicklung ist derart gravierend, daß tausende Campesinos ihre Herkunftsorte verlassen müssen um dann nur die Elendsgürtel der Städte zu vergrößern. Auf der Suche nach Arbeit zieht es diese Wanderarbeiter bis in die USA. In viele Orten leben nur noch Frauen, alte Menschen und Kinder sowie eine Restbevölkerung, die ständig kommt und geht.

Bauern, die über mehr Möglichkeiten verfügten, konnten Bankkredite für den Erwerb von Maschinen, Saatgut und Düngemittel erhalten. Aber nun sind sie einem Druck an unbezahlbaren Schulden ausgesetzt. Aber solange es Hunger gibt, besteht die Notwendigkeit fort, sich zu organisieren, um für bessere Lebensbedingungen zu kämpfen. Bei diesem Versuch sind tausende Männer, Frauen und Kinder im ganzen Land umgekommen. Denn es ist für die mexikanische Regierung leichter gewesen, die Bevölkerung zu unterdrücken, als die Situation des Elends zu bekämpfen.

Seit vielen Jahren rechtfertigen Armee und Polizeikräfte Mord und Folter sowie das Verschwinden-Lassen von Campesinos mit dem Vorwand, gegen den Drogenhandel zu kämpfen. Sicherlich zwingt das Fehlen von Alternativen auf dem Land viele Campesinos zum Anbau von berauschenden Pflanzen. Diese Campesinos verkaufen in Wirklichkeit jedoch nur ihre Arbeitskraft an diejenigen, die hinter dem lukrativen Geschäft mit den Drogen stehen. Es ist allgemein bekannt, daß sowohl Regierung und Streitkräfte mehr als nur in den Drogenhandel verwickelt sind.

Die Geschichte Mexikos ist voll gespickt mit korrupten Regierungen, die sich nur selber bereichert haben an der Ausbeutung der Landes und an dem Ausverkauf des Landes an Transnationale Monopole. Mexiko wurde dazu bereit gemacht, einem weltweiten Wirtschaftssystem zu dienen, das sich heutzutage Neoliberalismus nennt. Die Maßnahmen zur Durchsetzung dieses Systems werden schon seit viele Jahre angewendet.

Zum Beispiel ist der Bereich der Bildung stark segmentiert worden: Während in Mittelschulen eine große Anzahl an Technikern für den Dienst im neuen Wirtschaftssystem herangebildet wird, wird der Zugang zu einer wissenschaftlichen Ausbildung im Hochschulbereich immer stärker eingeschränkt.

Auch die Rahmenbedingungen im staatliche Bildungssektor sind sehr schlecht: Den Lehrern werden sehr niedrige Löhne gezahlt. Viele Personen benutzen einen Lehrerstelle oder Universitätsposten nur dazu, um Kontakte zu pflegen, und haben überhaupt kein Interesse an der Entwicklung ihrer Schüler. Der Mangel an Unterrichtsmaterialien und das Fehlen guter Lernsysteme führt außerdem dazu, daß viele Absolventen des öffentlichen Bildungssektors nicht die gleichen Möglichkeiten haben, wie die Abgänger aus privaten Institutionen.

Die Mißstände im öffentlichen Bildungssektors zeigen sich aber auch bereits in der Grundschule: Tausende von Kinder im ganzen Land können ihre ersten sechs Schuljahre nicht beenden, weil die Mittel fehlen oder es an vielen Orten nicht einmal eine Schule oder Lehrer gibt.

Die Korruption der Herrschenden, die Arbeitslosigkeit und Armut auf dem Land und in den Städten, die Mißstände im Bildungssystem − all dies schließt sich zu einem Teufelskreis zusammen, von dem Millionen von Menschen betroffen sind. Diese werden sich ohne Zweifel früher oder später einen Ausweg suchen. Die Zapatistas, viele Nicht-Regierungs-Organisationen und alle diejenigen, die sich diesem Prozeß verpflichtet haben, haben dazu einen Weg in Würde eingeschlagen.


Quelle: Zapapres
ZAPAPRES e.V.
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 Quelle:  
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