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Droht in Nordmexiko ein Aufstand?

Zapapres-Import vom 12.10.1996

  Zu dieser Frage, über den Kampf der Maquiladora-Arbeiterinnen und sozialen Bewegungen an der Nordgrenze Mexikos und deren Verhältnis zu den politischen Parteien und vieles mehr hat ZAPAPRES mit Aurora Pelayo Anfang Oktober folgendes Gespräch geführt.

Sie war vom 21. September bis zum 13. Oktober 1996 auf Einladung von Maquiladora-Initiativen und Mexiko-Solidaritätsgruppen in der BRD zu Besuch.

gh/ZAPAPRES Mexiko Nachrichten Import

Interview mit Aurora Pelayo:

Woher kommst Du? Bei welcher Organisation arbeitest Du?

Ich bin aus Tijuana, aus dem mexikanischen Bundesstaat Baja California. Ich arbeite bei dem Komitee für die Unterstützung der ArbeiterInnen in der Grenzregion CAFOR (Comité de Apoyo Fronterizo Obrero Regional). Unsere Hauptaufgabe ist es, die Maquiladora- ArbeiterInnen über ihre Arbeitsrechte aufzuklären, weil sie in den Betrieben keine Informationen darüber erhalten.

Welche Maquiladora-Unternehmen gibt es in Tijuana?

Die wichtigsten Unternehmen, die es zu Zeit in Tijuana gibt, sind Samsung, Sanyo, Sony, Tabuchi, Hitachi, Michiwa, Kermex, Kenda de Mexico und Settler. Es handelt sich um koreanische, französische, und us-amerikanische Unternehmen.

Z.B. läßt Sanyo in drei Werken Kühlschrankteile, Fernsehgeräte, Autobatterien, Kassettenrecorder, Musikkassetten, Computer-Disketten und Festplatten herstellen. In Tijuana werden fast ausschließlich Elektronikprodukte und Komponenten gefertigt. Zum größten Teil werden dafür Frauen beschäftigt, weil es heißt, daß Frauen dafür geschickteren Hände als Männer haben. 70% aller Beschäftigten in den Maquiladora- Betrieben in Baja California sind Frauen.

In welchen Unternehmen gibt es die stärksten Verletzungen von Arbeits- und Menschenrechten?

Eigentlich in allen: Denn wenn eine Arbeiterin ihre Rechte einfordert, entgegnen ihr die ausländischen Chefs der Maquiladora-Betriebe, in Mexiko gäbe es keine Arbeitsgesetze − sonst würde sie (die Chefs) die Rechte ja kennen und darüber informieren.

Aber nicht nur die ausländischen Chefs leugnen die Existenz von Arbeitsgesetzen, auch staatliche Stellen für die Sozialversicherung oder Schlichtungskommissionen bei Arbeitskonflikten und sogar die Regierung verletzen mit Regelmäßigkeit die Arbeitsgesetze. Wir haben zwar ein sehr schönes föderales Arbeitsgesetz mit vielen tollen Paragraphen, aber alle − selbst die offiziellen Gewerkschaften − mißachten es.

Ihr werden also von keiner Gewerkschaft unterstützt?

Nein. In Mexiko werden die Gewerkschaften seit über 50 Jahren von Fidel Velázquez angeführt, der jetzt ein Alter von 96 Jahren hat. Durch ihn wird die totale Kontrolle über die bedeutendsten Gewerkschaftsverbände CTM (Konföderation der Mexikanischen Arbeiter), CROM und die COR ausgeübt. Wir sind der Meinung, daß diese Gewerkschaften ein Unternehmen innerhalb der Betriebe sind und nur dazu dienen, die Rechte der Unternehmer und nicht der ArbeiterInnen zu verteidigen.

Über die unabhängige FAT (Authentische ArbeiterInnenfront) wissen wir an der Grenze recht wenig. Sie sind unter anderem in einigen Maquiladora-Betrieben in Mexiko-Stadt aktiv. Wir haben telefonischen Kontakt, weil sie manchmal Untersuchungen über bestimmte Maquiladora-Unternehmen benötigen. Es gab z.B. einen Streik in einem kanadischen Maquiladora-Unternehmen, an dem sich 600 ArbeiterInnen beteiligten. Da rief uns die FAT an und bat uns um Informationen über den Streik. Das kanadische Unternehmen befindet sich aber nicht in Tijuana sondern wurde erst vor kurzem unter neuem Namen in Mexicali gegründet. Nun, so sieht unsere Beziehung mit der FAT aus. Der Kontakt zur FAT ist also für unsere lokale Arbeit nicht so wichtig.

Beteiligt Ihr Euch an der Umfrage über die Arbeit (consulta laboral − in Anlehnung an die zapatistischen consultas), die die unabhängigen ArbeiterInnenorganisationen im nächsten Monat durchführen wollen?

Es ist nicht das erste mal, daß wir von der Idee der Consulta hören. Es gab bereits mehrere Ankündigungen, daß diese Consulta durchgeführt werden solle. Wir wissen nicht, warum es keine Fortschritte gibt.

Wir haben schon Umfragen in Tijuana durchgeführt, aber wenn es eine Consulta werden soll, dann müßte sie im ganzen Land durchgeführt werden. Es gibt über 2.000 Maquiladora-Betriebe in Mexiko und täglich werden es mehr. Allein in Tijuana sind 700 Maquiladora-Betriebe ansässig. Schon daher ist es wichtig, daß eine umfassende Consulta durchgeführt wird.

Wie sieht in Tijuana der Kampf um Wohngrundstücke für die Familien der Maquiladora- ArbeiterInnen aus?

Seit 15 Jahren befassen wir uns mit dem Wohnproblem. Am Anfang suchten wir Grundstücke, um darauf wohnen zu können. Dann begannen wir, von der Regierung die Anerkennung der Grundstücke zu fordern. Dafür stellten wir Dokumente wie Geburtsurkunden, Wahlausweise und Mietbelege zusammen, um der Regierung zu beweisen, daß wir auch wirklich in Tijuana leben.

Wir warteten ein Jahr auf die Erfüllung unserer Forderung, aber nichts geschah. Daher entschieden wir uns, um das Gebiet, das heute im Herzen Tijuanas liegt und Segunda Etapa (Zweite Etappe) heißt, zu kämpfen. Wir trafen uns, um die Zufahrtsstraße zu sperren.

Das Gebiet wird von der Regierung des Bundesstaates sehr begehrt: In den 70er und 80er Jahren wurde das benachbarte Gebiet Primera Etapa (Erste Etappe) das auch "Cartonlandia" (Kartonland) genannte wurde, nach und nach unter Einsatz schwerer Maschinen geräumt und mit kommerziellen Einrichtungen wie Hotels und Einkaufszentren bebaut. Zwischen 1981 und 1986 befürchteten wir, das die Regierung auch unser Viertel, das in unmittelbarer Nachbarschaft von Primera Etapa liegt, räumen würde. Denn die Regierung wollte das Gebiet als Fortsetzung von Primera Etapa, um weitere Hotels und Einkaufszentren anzulegen, und als Verlängerung der Prachtstraßen.

Doch wir konnten das Recht, dort zu wohnen, verteidigen. Heute sind es 5.000 Familien mit legalisierten Wohngrundstücken. Darunter sind auch 3.000 Familien, die von uns gebeten wurden, mehr Grundstücke zu besetzen. Dabei gab es Verhaftungen und Verurteilungen von 15 Anführern von Landbesetzungen im Bundesstaates Baja California. Für uns ist die Besetzung von Grundstücken für Wohnzwecke aber ein Grundrecht, das die Konstitution gewährt. Denn gemäß der Verfassung haben alle MexikanerInnen ein Recht auf eine würdige Wohnung. Wenn jedoch die Regierung dieses Recht nicht erfüllt, dann müssen wir dafür sorgen, daß die Verfassung erfüllt wird. So haben wir in den vergangenen zehn Jahren erreicht, daß die Grundstücke legalisiert wurden und an die Wasser- und Stromversorgung und Kanalisation angeschlossen wurden. Aber dafür mußten wir jahrelang kämpfen, Straßen besetzen, einen achttägigen Marsch nach Mexicali unternehmen und dann in Mexicali einen Monat lang vor dem Regierungsgebäude Tag und Nacht demonstrieren, weil die Regierung des Bundesstaates die sozialen Forderungen nicht erfüllt. Es gibt Stadtteile, die seit 40 Jahren vergeblich auf Wasser-, Strom- und Kanalisationsanschlüsse warten, weil die Regierung diesen grundlegenden Bedürfnisse nicht nachkommt. Es war vorher so mit der PRIRegierung und heute ist die Situation unter der PAN genauso.

Vor einem Monat, am 4. September, begannen wir einen Marsch von Tijuana nach Mexicali, weil sie drei soziale AktivistInnen von uns verhaftet hatten. Einer Aktivistin wurde vorgeworfen, dem EZLN anzugehören, weil sie bei einer Landbesetzung "es lebe Zapata" gerufen hatte, das besetzte Landstück zu einem "Aguascalientes" (zapatistischer Versammlungsort) erklärt und sich (aus der Euphorie heraus) als "Kommandantin Hortensia" bezeichnet hatte. Es gibt kein wirkliches Vergehen, daß ihre Verhaftung rechtfertigen würde, aber die Regierung fühlt sich nicht wohl, denn sie fürchtet, daß sich bewaffnete Gruppen in Baja California erheben. Die Regierung glaubt, die Menschen durch die Gefangennahme sozialer AktivistInnen einschüchtern zu können. Aber wir, die schon früher einmal verhaftet und eingesperrt wurden, erklären den Verhafteten diese Umstände, machen ihnen Mut, sich nicht desillusionieren zu lassen, und geben ihnen zu verstehen, daß wir draußen weiterkämpfen.

Am Ende des Marsches sagte die Regierung die Übergabe der Gefangenen zu. Vor anwesenden Medienvertretern mußte sie unsere Anstrengungen anerkennen. Auf dem neuntägigen Marsch war ein Compañero an einem Herzinfarkt gestorben. Außerdem versprach die Regierung, den 1.250 BewohnerInnen des Stadtteils Maclovio Rojas den Landbesitz endgültig umsonst zu übertragen.

Die Gefangenen wurden aber noch nicht sofort freigelassen, weil der Gouverneur des Bundesstaates, Hector Teran, sich davor fürchtete, durch sein öffentliches Eingeständnis, daß die übertriebenen Verhaftungen ein Irrtum gewesen seien, bis zum Ende seiner Amtszeit nicht mehr glaubwürdig erscheinen zu können. Doch inzwischen befinden sich die Gefangenen auf freiem Fuß; denn bei meinem letzten Telefongespräch nach Tijuana habe ich erfahren, daß der Freilassungstermin gestern (am 11. Oktober) um 11 Uhr vormittags war.

Gibt es außer den Arbeits- und Wohnbedingungen noch andere gravierende Probleme in Baja California?

Die Probleme in Chiapas oder dort, wo das EPR (Revolutionäre Volksheer) aufgetreten ist, gibt es auch bei uns. Wir, die Arbeiterklasse, sind es leid: außer dem Wohnproblem gibt es Hunger im ganzen Land. Z.B. auf der kalifornischen Halbinsel in dem landwirtschaftlich genutzten Tal von San Quintín, wo viele indianische WanderarbeiterInnen arbeiten. Es gibt dort auch keinen mehrsprachigen Schulunterricht. Die indianischen ArbeiterInnen haben versucht, die Landstraßen zu besetzen und nach Tijuana zu marschieren. Doch der Marsch wurde gewaltsam aufgelöst, sie wurden geschlagen und eingesperrt. Am 13. September äußerte die Regierung die Befürchtung, in dem Tal könnte eine bewaffneter Aufstand ausbrechen. Es gab Hausdurchsuchungen, bei denen aber nichts gefunden wurde.

Ich möchte darauf hinweisen, daß die BewohnerInnen des Tals aufgrund der schrecklichen Wirtschaftskrise in großer Gefahr sind, zu verhungern. Sie sind nicht bereit, dies hinzunehmen. Auch wenn wir eine mögliche Entscheidung zum Aufstand nicht teilen, so soll doch klargestellt werden, daß die Regierung für die Situation nicht nur in San Quintín, in Guerrero oder Chiapas sondern im ganzen Land verantwortlich ist. Die Arbeiterklasse trägt die ganze Last der Wirtschaftskrise und Inflation. Für Dezember wird eine weiterer Fall des Peso vorausgesagt und wir wissen nicht, wie die Situation Mexiko dann aussehen wird.

Ist die rechts-konservative Partei der Nationalen Aktion (PAN), die in Baja California regiert, eine Alternative für ganz Mexiko?

Wir hatten für Baja California einen Wahlsieg der PAN erwartet. Tatsächlich hat sich etwas verändert: Es gibt eine stärkere Repression der sozialen Bewegungen. Die PRIRegierung bestand aus Schützlingen und Cliquen, die für den Staat arbeiteten. Im Gegensatz dazu ist das Fundament der PAN-Regierung die Familie: heute müssen auch Mütter und Kinder arbeiten.

Die PAN ist nur für die Unternehmer da; sie regiert bereits in drei Bundesstaaten und wenn sie Fortschritte macht, wird man uns − genauso wie gerade in Guatemala geschehen − das Streik- und Demonstrationsrecht nehmen. Im Bundesparlament hat die PAN diesbezüglich bereits mehrere Versuche unternommen, bislang jedoch vergeblich, da PRI, PRD (Partei der Demokratischen Revolution), PPS (Sozialistische Volkspartei) und PT (Partei der Arbeit) sich in diesem Punkt einig waren. Das Streikrecht stellt eine Errungenschaft der Arbeiterbewegung da, das unter großen Opfern erkämpft wurde. In Mexiko ist es Tradition, am 1. Mai der Märtyrer von Chicago zu gedenken und in Märschen das Streik- und Demonstrationsrecht zu verteidigen. Und dies will uns die PAN wegnehmen. So geschah es im Juni in Guatemala, wo die PAN-Regierung die gleiche Doktrin verfolgt, wie die PAN in Baja California.

Bist du selber in einer Partei aktiv?

Ich bin aktives Mitglied der Partei der Demokratischen Revolution (PRD). Ich gehöre in Baja California zu den GründerInnen der Partei, die ab 1987 aus der Demokratischen Front entstand, als Cuauhtemoc Cárdenas die Opposition zur Einheit aufrief. Es ist nicht immer einfach dieser politischen Partei anzugehören. In Baja California stehen der Partei nur geringe finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung. PRI und PAN haben während der Wahlkämpfe versucht, uns zu zerstören. Diese Parteien haben alle Möglichkeiten, ihre Ansichten in den Massenmedien zu verbreiten. Trotzdem haben wir unsere Positionen gehalten und ausgebaut. In den sieben Jahren ist die Mitgliederzahl stark gewachsen. In sehr vielen Ecken des Landes arbeiten unsere Mitglieder an dem Aufbau einer wirklichen Demokratie und wir sind der festen Meinung, daß die PRD eines Tages die Regierung stellen wird. Die PRD regiert bereits in vielen Landkreisen, sie verfügt über Abgeordnete in den Landesparlamenten und im Kongreß der Föderation, sowie über Senatoren. Ich bin zur Zeit in der Leitung der PRD von Baja California für die sozialen Bewegungen zuständig. Ich arbeite im ganzen Bundesstaat mit vielen verschiedenen sozialen Organisationen. Die Leitung besteht aus 12 Mitgliedern. Im Moment haben wir sehr viel zu tun, denn im Januar nächsten Jahres steht die Neuwahl der Leitung an. Im Moment gibt es nur einen PRD-Abgeordneten im Landesparlament, aber wir hoffen in Baja California mehr Sitze im Parlament und auch Posten im Senat zu gewinnen. Unser Abgeordnete engagiert sich sehr in verschiedenen Gemeinden; natürlich auch weil er die Stimmen der Menschen gewinnen möchte. Durch unsere Beteiligung an Wahlen hoffen wir, daß die Partei stärker wird, aber nicht, um als Partei die Macht zu ergreifen, wie es in der Vergangenheit in Mexiko häufig passiert ist, sondern um eine wirkliche Demokratie aufzubauen.

Einige Anführer der PRD sind der Meinung, eine Partei und soziale Bewegungen seinen nicht miteinander vereinbar. Was ist deine Meinung als langjährige soziale Aktivistin, wie sollte sich die Opposition in Mexiko am besten organisieren?

Es sind natürlich zwei verschiedene Sachen; aber ich bin der Meinung, daß die sozialen Bewegungen sehr wohl etwas mit der PRD zu tun haben. Auf einem Parteikongreß in Mexiko-Stadt wurde versucht, die sozialen Organisationen unter Druck zu setzen, als von ihnen gefordert wurde, ihre ganze Kraft in den Dienst der Partei zu stellen. Ich meine, daß diejenigen sozialen Organisationen, die erst in den letzten sieben Jahren unter dem Schutz der PRD entstanden sind, auch der Partei dienen müssen.

Aber unsere Organisation bestand schon sieben Jahre, bevor wir uns entschlossen die PRD in Baja California zu gründen. Daher akzeptiere ich es nicht, wenn unser Einsatz für die Partei in Frage gestellt wird. Außerdem sind nicht alle Mitglieder unserer Organisation auch in der PRD; daher kann auch nicht behauptet werden, wir seien eine Organisation, die ganz der PRD untersteht. Dies trifft nur für meine Person zu, weil ich als soziale Aktivistin auch Funktionen in der Partei übernehme. Aber wir verwechseln nicht soziale mit politischer Verantwortung. Wenn die Menschen die PRD wählen, dann liegt das daran, daß sie unsere Arbeit als soziale AktivistInnen in der Partei schützen.

In unserer Organisation gibt es auch Anhänger der PRI, PAN und anderer Parteien sowie Angehörige verschiedener Religionen. Niemand wird gedrängt, sich der PRD anzuschließen, und die PRD wird auch nicht alle unsere Probleme lösen. Wir arbeiten seit 15 Jahren als soziale Bewegung und sind der Partei nichts schuldig. Als die PRD von uns verlangte, Beiträge zu bezahlen, haben wir gesagt, das müsse jedes Mitglied unserer Organisation selber freiwillig entscheiden.

Was erwartest Du vom neuen Präsident der PRD?

Andrés Manuel Lopéz Obrador hat vor kurzem die Wahlen um die Präsidentschaft der PRD gewonnen. Zu seinem Team gehört auch Jesús Ortega, den wir in Baja California unterstützt haben. Wir hatten wenig Möglichkeiten, Flugblätter zu drucken oder in das Radio zu kommen; aber wir wußten, daß wir die stärkste Gruppe waren. Andrés Manuel ist ein Mensch, der auch aus den sozialen Bewegungen kommt. Er hat sehr viel Arbeit in dem Bundesstaat Tabasco geleistet: z.B. hat er sich stark für die Bevölkerung, die in den Ölfördergebieten leben, und für die Campesinos von Aguas Blancas (der Ort im Bundesstaat Guerrero, wo im Juli 1995 ein Massaker stattfand) eingesetzt. Er ist ein sehr engagierter Mensch. Zum Generalsekretär hat er Jesús Ortega bestimmt.

Wir können auf ihn zählen: Seit zwei Monaten ist er Präsident der Partei und vor 14 Tagen wurde die Leitung der PRD bestimmt. Diese hat bereits Baja California besucht und in Pressekonferenzen auf die Entwicklung der Partei und die ökonomische Situation des Bundesstaates und des gesamten Landes aufmerksam gemacht. Am 17. Oktober wird Andrés Manuel auch persönlich Baja California besuchen, um die verschiedenen Fraktionen der Partei, die bei der internen Wahl um die Leitung stritten, wieder zusammenzuführen. Sein Ziel ist es, die Partei zu einigen und zu stärken. Er hat öffentlich erklärt, daß er, wenn er die Parteifraktionen nicht von diesem Ziel überzeugen kann, von der Präsidentschaft zurücktritt. Wir wissen, daß er dieses Ziel erreichen wird, weil er ein ehrlicher und engagierter Mensch ist.

Sucht die Führung der PRD auch eine Verständigung mit dem EZLN oder dem EPR? In der Parteileitung gibt es bekannte Aktivisten, wie Heberto Castillo (der als Gegenkandidat zu Lopéz Obrador antrat), die sich intensiv mit dem EZLN befassen. Castillo ist 72 Jahre alt, er ist Senator und hat mit anderen Parlamentariern am Dialog mit der EZLN teilgenommen. Die PRD hat ein echtes Interesse an einem Austausch mit dem EZLN. Cuauhtemoc Cárdenas hat sich 1994, als er Präsidentschaftskandidat war, öffentlich mit dem Subkommandanten Marcos im Lakandonischen Regenwald getroffen. Er hat Marcos angehört und von den Problemen der Menschen erfahren. Andrés Manuel besitzt das volle Vertrauen von Cárdenas. Beide haben ein großes Interesse daran, daß die sozialen Probleme gelöst werden.

Wenn Andrés Manuel jetzt mit der gesamten Landesleitung nach Baja California kommt, dann wollen sie sich auch mit der Situation im Tal von San Quintín auseinanderzusetzen, wo es in Kürze zu schwerwiegenden Problemen kommen wird. Es ist das erste Mal, daß ein Präsident der PRD Baja California besucht, und wir sind sehr erfreut, daß er sich dafür viel Zeit genommen haben.

Du bist drei Wochen in der BRD gewesen. Was hat dich am meisten beeindruckt? Mit welchen Eindrücken kehrst Du nach Mexiko zurück?

Die Rundreise war sehr interessant für mich, weil ich die Situation und Lebensbedingungen in Deutschland kennenlernen konnte. Es gibt eine große Arbeitslosigkeit; trotz staatlicher Unterstützung ist es wie in den USA nicht einfach für die Arbeitslosen.

Ich habe viele aktive Menschen kennengelernt, die weiterkämpfen, studieren oder arbeiten. Bei diesen besteht ein großes Interesse zu erfahren, wie es in meinem Land aussieht. Es bereitet mir Freude zu sehen, das vor allem junge Frauen und Männer die ZapatistInnen solidarisch unterstützen. Diesen Menschen habe ich erklärt, daß die Probleme und Krise ganz Mexiko betreffen. Der Präsident behauptet zwar, daß es dem Land gut gehe, aber dies ist nicht wahr; es gibt große soziale Probleme.

Ich bin sehr zufrieden damit, wie ich bei allen Solidaritätsgruppen, die ich in den verschiedenen Orten getroffen habe, aufgenommen wurde. Ich war sehr überrascht darüber, wie Deutschland ist; denn ich hatte niemals erwartet, es kennenzulernen. Ich möchte mich auch bei den Compañeras und Compañeros von ZAPAPRES bedanken, die mich eingeladen haben, − eine Gruppe, die ich vor kurzem nicht einmal mit Namen kannte. Wie sind deine Erfahrungen mit der "Kampagne für saubere Kleidung" und der Begegnung mit den drei mittelamerikanischen Aktivistinnen?

Auf den gemeinsamen Treffen und Konferenzen, die wir hatten, haben wir uns über die Bedingungen in den Maquiladora-Betrieben, die Arbeitsgesetze, Löhne und wirtschaftlichen Situationen in unseren Ländern ausgetauscht und festgestellt, daß es nur wenig Unterschiede gibt. Auch wenn Mexiko ein viel größeres Land ist. Denn allein die Bevölkerung unserer Hauptstadt entspricht der Bevölkerung von ganz Guatemala. Die Situation im Maquiladora-Sektor, sei es bei Textilien oder Elektronikgeräten, ist gleich: Auf der einen Seite gibt es schlechte Arbeitsbedingungen und Ausbeutung billiger Arbeitskräfte in den Weltmarktfabriken, auf der anderen Seite stehen die hohen Dollar- Gewinne der transnationalen Konzerne. Es war wichtig, den VerbraucherInnen zu erklären, wer an den Produkten, die sie teuer einkaufen, verdient und wie prekär die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Ländern, wo die Produkte herkommen, sind.

Ich möchte mich bei allen bedanken, daß wir vier Aktivistinnen hier zusammenkommen konnten, um eure verschiedenen Aktivitäten, wie die "Kampagne für Saubere Kleidung", die Maquiladora-Initiative, die Unterstützung der ZapatistInnen und auch die Arbeit in den sogenannten Dritte-Welt-Läden, deren großes Engagement mich überrascht hat, kennenzulernen. Ich wünsche mir, daß ihr alle gemeinsam weiter aktiv seid.


Quelle: Zapapres
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