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Atenco: Bericht der ausgewiesenen Spanierin Maria Sostres

Poonal vom 09.05.2006

  (Mexiko-Stadt, 8. Mai 2006, poonal).- Unter den am 3. und 4. Mai in San Salvador Atenco Festgenommen waren auch zwei Spanierinnen, eine Deutsche, eine Chilenin und ein Chilene. Alle fünf wurden aus Mexiko ausgewiesen. Die mexikanische Tageszeitung "La Jornada" veröffentlichte am 8. Mai Auszüge aus einem Gespräch, das sie mit Maria Sostres und Cristina Valls in Barcelona geführt hat

Maria Sostres hat der Tageszeitung und einem Freund über ihre Festnahme in San Salvador Atenco am 4. Mai, den Transport in das Gefängnis Santiaguito und ihre Deportation nach Spanien berichtet:

"Wir waren als Fotografinnen nach Mexiko gekommen, um mit den indigenen Gemeinden in Chiapas zu arbeiten und schlossen uns der Anderen Kampagne an. Als wir erfuhren, was in Atenco geschah, machten wir uns auf den Weg dorthin. Wir erreichten Atenco in der Nacht, an den Ein- und Ausgängen der Gemeinde waren bereits Barrikaden errichtet. Es war etwa 6 Uhr morgens, als die Polizei angriff.

Es waren 3.000 Polizisten, wir waren höchstens 300 Personen. Sie beschossen uns mit allem, was sie hatten: Von Tränengas bis zu scharfer Munition. Wir flohen vor der Polizei ins Dorf. Aber die Straßen waren voll mit Greiftruppen. Schließlich öffnete uns eine Frau die Tür zu ihrem Haus. So versteckten wir uns zu acht, zwei Stunden lang dort in einem Zimmer. Wir hörten, wie die Polizei begann, Haustüren einzutreten, angeblich, um nach entführten Polizisten zu suchen. Auf diese Weise fanden sie uns, drücken uns mit dem Gesicht zu Boden, zogen uns Kapuzen über und fesselten unsere Hände. Im Innenhof des Hauses wurden wir nach unseren Namen gefragt und gefilmt, sie begannen uns zu beschimpfen und zu schlagen. Anschließend warfen sie uns auf die Ladefläche eines Transporters, schlugen uns mit Knüppeln und traten auf uns ein.

Wegen unserer spanischen Herkunft beschimpften sie uns als Etarras (Mitglieder der ETA), nannten uns Nutten und so weiter. Später wurden wir auf ein größeres Fahrzeug umgeladen. Dort riefen sie uns namentlich auf, ich glaube wir waren achtunddreißig, dann fielen sie über die Frauen her. Sie machten alles mit uns. Da wir Säcke über den Köpfen hatten, konnten wir nicht sehen wer, sie waren. Ich konnte nur die Stiefel der Polizisten erkennen und dass der Boden voller Blut war. Und ich hörte die Schmerzensschreie der Anderen. Die sexuellen Übergriffe will ich nicht näher beschreiben. Aber sie zogen uns aus, sie zerrissen die Kleider und unzählige Hände begrapschten meinen Unterleib.

Versuchten wir, mit einander zu sprechen schlugen sie uns wieder, beschimpften und verhöhnten uns. All das passierte während der Fahrt von Atenco nach Toluca. In Toluca wurden wir in das Gefängnis Santiaguito gebracht, wo Nicht-MexikanerInnen von MexikanerInnen und Männer von Frauen getrennt wurden. Fünf Minuten nach unserer Ankunft nahmen sie uns die Säcke vom Kopf und die Handschellen ab. Sie reinigten mir meine blutig geschlagene Nase. Aber mein Hemd und meine Hose waren völlig zerfetzt und mein BH fehlte. Mein ganzer Körper schmerzte.

Sowohl den Leuten im Gefängnis, als auch später auf der Migrationsbehörde erzählten wir, was die Polizisten mit uns gemacht hatten, welchen Erniedrigungen wir ausgesetzt waren. Aber sie alle sagten uns, dass das nicht ihr Problem sei. Sie drohten uns Haftstrafen von bis zu einem Jahr an. Man zwang uns, irgendwelche Dokumente und Erklärungen zu unterschreiben. Auskünfte erhielten wir keine, es kamen nur ständig neue Anwälte, die auch nicht mehr sagten als, dass wir ein lange Zeit im Gefängnis verbringen würden. Wir begannen zu glauben, sie würden eine Anklage erfinden und wir wohl nicht mehr so schnell aus dem Knast kämen.

Auf der Migrationsbehörde bekamen wir Besuch vom spanischen Konsul in Mexiko. Auch ihn informierten wir über die erlittenen Erniedrigungen und Menschenrechtsverletzungen. Der Konsul meinte, man würde dem nachgehen, gewährte uns jedoch keine Rechtshilfe und beschränkte sich darauf, unsere Familien in Spanien zu benachrichtigen

Gegen fünf Uhr wurden wir zu einem Auto geführt, auf die Frage, wohin wir gebracht würden, behaupteten sie, auf eine Behörde in Polanco, doch sie fuhren uns direkt zum Flughafen. Wir erklärten, dass uns die Einsatzkräfte in Atenco alles geklaut hätten, doch sie lachten nur. Ohne medizinische Versorgung und ohne rechtliche Unterstützung wurden wir mehrere Stunden in einer Arrestzelle auf dem Flughafen festgehalten. Dort wurden wir nochmals gefilmt und bedroht. Schließlich wurden wir in ein Flugzeug nach Paris gesetzt und bis nach Barcelona von zwei mexikanischen Polizeibeamten begleitet. Noch immer leide ich unter den Folgen der Misshandlungen. Zuletzt war ich im Krankenhaus, weil mir Blut aus den Ohren lief."


Quelle: poonal
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