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Einsatz gegen Paz y Justicia verhindert Reorganisierung der paramil. Gruppe

La Jornada vom 15.09.2002
Hermann Bellinghausen
übersetzt von Dana

  San Cristóbal de Las Casas, Chiapas, 14. September - Die Festnahme der Paz y Justicia Mitglieder am Freitag warf einige Fragen auf: gibt die Staatsregierung die Existenz paramilitärischer Gruppen nun zu, oder nicht? Und sind das die einzigen deren Existenz offiziell anerkannt wird? Die übrigen — die neulich Morde und Verletzungen in Ocosingo, Altamirano, Chilón und Chenalhó verursacht haben — sind sie "nur Einbildung", wie die PRI Organisation gegen die heute ermittelt wird, es während der gesamten Amtszeit der Zedillo Regierung gewesen ist?

Nur Polizeikräfte aus Chiapas (Das staatliche Amt für Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft, die Sektorpolizei) waren an dem Einsatz in Miguel Alemán und Tzaquil beteiligt. Das erklärt die relative Nachlässigkeit der Staatsbeamten, die keine Bundesverstärkung hatten, und die minimale Anzahl der Waffen, die im Besitz der Festgenommenen gefunden wurden. In Regierungskreisen gab es gestern den Verdacht, dass die Paramilitärs gewarnt worden seien. Jedenfalls sahen sie es kommen.

Heute hätte eine Versammlung stattfinden sollen, um die Führung von Paz y Justicia neu zu strukturieren, im Vorraum zu Montes Azules. Seit Donnerstag, hatten Delegierte der Organisation die Regierung beschuldigt, sie versuche die Versammlung "zu kontrollieren und herumzuschubsen", und die Restrukturierung von Desarrollo Paz y Justicia zu "blockieren". Der gestrige Einsatz hat die Organisation praktisch daran gehindert ihre Leitung neu zu organisieren.

Es gibt sie, es gibt sie nicht.

Am Tag der Polizeiaktion in Miguel Alemán und Tzaquil zur Festnahme der Mitglieder der PRI Organisation Desarrollo Paz y Justicia (oder was davon übriggeblieben ist), veröffentlichte der staatliche PRI Führer ein von ihm verfasster Text mit dem Titel "Paramilitärs in Chiapas". Darin stritt der PRI Anführer Aquiles Espinosa García, jede Verbindung zwischen seine Partei und diese Art Gruppen ab. Als "lächerliche Mutmaßungen" bezeichnete Espinosa García die Anschuldigungen, die in den letzten sechs Jahren gegen PRI affiliierte Organisationen erhoben worden sind.

Mindestens ein Tag vor der gestrigen angeblichen Überraschungsaktion der Staatspolizei in Tila verfasst, warnte Espinosas Dokument vor den "Denuncias und Anschuldigungen" die aus "politischen und wirtschaftlichen Interessen" gegen seine politische Institution erhoben worden sind. Er spielte auch (mit dem gleichen Ton, der in den letzten Wochen auch von andere PRIistas benutzt wurde) die Existenz bewaffneter zivilen Gruppen insgesamt herunter.

"Ein Märchen über ein Krieg niedriger Intensität, über Vertriebene, und arme aber würdige indigene Militanten, kann sich offensichtlich nicht von selbst verkaufen, ohne die Anwesenheit verschlagener Paramilitärs, die vom Staat ausgebildet, finanziert und dirigiert werden," sagte der PRI Führer ironisch über die "erfundene oder neugeschaffene Geschichte" ihrer Existenz.

Er gab jedoch zu, dass es "in einige Regionen des Staates Manifestationen von Gewalt gegeben hat. Es gibt bewaffnete Zivilisten, weil sie sich mangels eines echten Rechtsstaates selbst verteidigen mussten."

Er bemerkte: "Andere haben sich bewaffnet, um Verbrechen zu verüben, wie die Los Aguilares, die als Paramilitärs bezeichnet worden sind, obwohl ihre Handlungen die einer Räuberbande sind". Diesem Punkt stimmt sicher auch die indigene Bevölkerung von Chilón zu, deren Gemeinde von dieser Bande verwüstet worden ist. Espinosa versäumt es lediglich die Protektion zu erwähnen, die Sebastián Aguilar und seine Handlager von dem ehemaligen Gouverneur Roberto Albores Guillén erhielten, und die Nähe, die diese Angreifer jahrelang zu den Sicherheitskräften der PRI Regierung aufrechterhalten haben.

Er glaubt es sei "vollkommen falsch" angebliche "Schockgruppen unserer Partei" als Paramilitärs zu präsentieren. Dem Staatsführer entgingen auch die Widersprüche von Gouverneur Pablo Salazar Mendiguchía und anderer Beamten nicht. Er erinnerte sich, dass Salazar Mendiguchía, während seiner Zeit als PRI Senator und Mitglied der Kommission für Versöhnung und Frieden (COCOPA) — und später, als Oppositionskandidat — die Existenz dieser Gruppen abgestritten hat..

"Zwei Jahre nach diesen wütenden Denunziationen," sagte Espinosa erklärte, der gegenwärtige Gouverneur, dass "Paramilitärs nicht existieren".

Das gleiche was die PRIistas auch behauptet haben. An diesem Freitag, während Aquiles Espinosas Text publiziert wurde, lancierte der Gouverneur von Chiapas ein Angriff auf "Paramilitärs" in Tila. An der Spitze der Liste der Verhafteten stand Sabelino Torres Martínez, der ehemalige PRI Gemeinderat dieser Chol Gemeinde.

Die Achillesferse der PRI

Bereits seit 1996 fanden in den Gemeinden von Tila, Sabanilla, Salto de Agua und Tumbalá Morde, Raubzüge, Vergewaltigungen, und die gewaltsame Vertreibung Hunderter zapatistischer und PRD Familien. In dem sogenannten "Chol Krieg" — in dessen Verlauf nach den Zahlen des Menschenrechtszentrums Fray Bartolomé de Las Casas (CDHFBC), fast 300 Indigenas aus der nördlichen Region umgekommen sind, entfesselte Desarrollo Paz y Justicia die gewalttätigste Aufstandsbekämpfungskampagne, die in den Bergen von Chiapas seit 1995 ausgeführt worden ist. Mit fast vollständiger Straflosigkeit bis heute, hat dieser "Krieg" mehr Opfer gefordert als das Acteal Massaker.

Offiziell als ein Phänomen betrachtet, der mit dem Konflikt mit der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) nichts zu tun hat, wurde die Paz y Justicia Kampagne, als eine religiöse Konfrontation zwischen Katholiken und Protestanten angesehen, oder als eine Kette von "Vendettas" zwischen Gemeinden. Emilio Chuayffet, Regierungssekretär in dieser Periode, nannte es den "Priesterkrieg" (in Bezug auf Bischof Samuel Ruiz García, dessen "zapatistische Armeen" für diese Gewalt vermeintlich verantwortlich waren).

Paz y Justicia wurde von der Regierungen Ernesto Zedillo und der Interimgouverneure von Chiapas, Julio César Ruiz Ferro und Roberto Albores Guillén, bis auf die Zähne bewaffnet.

Dass General Mario Renán Castillo — damaliges Oberhaupt des Militärs im Bundesstaat — Zeuge einer offiziellen Zeremonie wurde, in deren Verlauf die Organisation Finanzierungen erhielt, wirkte sich auf seine politische Karriere negativ aus. Damals jedoch enthüllte der Vorfall die Nähe und Freundschaft zwischen dem Militär und dieser zivilen Gruppe.

Ein anderer historischer Verteidiger von Paz y Justicia Mitglieder war Gustavo Hirales, ein Mitglied der Regierungsdelegation während der Dialoge von San Andrés. Er stellte sie immer als eine "wirtschaftliche Organisation" dar — während zur gleichen Zeit die Gegend von Tila und Sabanilla in Blut getaucht wurde.

Der Leiter der Sektion 7 der Nationalen Lehrergewerkschaft (SNTE), Samuel Sánchez Sánchez — damals ein PRI Abgeordneter (und später ein flüchtiger Häftling der Salazar Regierung) — war ein Mitbegründer von Paz y Justicia. Vor sieben Jahren bemerkte Sanchez, die Schaffung der Organisation hänge zusammen mit der "Radikalisierung der Orientation zapatistischer und PRD Sympathisanten in den Ejidos und Gemeinden" (siehe den Artikel von Rosa Rojas und Gaspar Morquecho in La Jornada, 14. November, 1995).

In seinem Bericht "Weder Frieden (Paz) noch Gerechtigkeit (Justicia)", von 1996, bemerkte das CDHFBC: "Diese Gruppe wurde als Teil einer Aufstandsbekämpfungsstrategie geschaffen, die ganz offen von lokalen Politiker geleitet wurde." Das Zentrum wies auch auf die engen Verbindungen zwischen der SOCAMA (Campesino Bildungssolidarität, der SNTE) und den Ranchers von Salto de Agua, Palenque, Playas de Catazajá und der "Rancher Elite von Tila" und Desarrollo Paz y Justicia, seit deren ersten Anfänge.

Diese Grundbesitzer beteiligten sich an der Einrichtung eines ’cordon sanitaire,’ das die großen Farmen im Norden Chiapas und im südlichen Tabasco beschützte, und sie stellten ihre Weißen Garden diesem Programm zur Verfügung, das in März 1995 seinen Anfang nahm.

Die ersten Denuncias über seine Aktionen kamen von dem Ejido Emiliano Zapata, in Tumbalá, wo Gewalt und die Fabrizierung falscher Anklagen eine große Anzahl PRDistas und EZLN Unterstützungsbasen ins Gefängnis steckte. Das war nur der Anfang.

Flüchtlingscamps

Eine Flut von Paz y Justicia Feindseligkeiten folgte, und brachten Dutzende Morde, gewaltsame Vertreibungen in Masojá Shucjá (Tila) und Los Moyos (Sabanilla), die Vertreibung Hunderter Familien aus verschiedenen Gemeinden, die Zerstörung und Besetzung von Schulen und Gemeindezentren, die Schließung katholischer Kirchen, Waffenhandel und weitverbreiteter Terror hervor.

Seitdem befindet sich das paramilitärische Hauptquartier von Paz y Justicia in El Limar, Bezirk Tila, wo auch eine Basis Gemischter Operationen der Bundesarmee, eine Polizeistation und sogar ein Büro der Staatsanwaltschaft eingerichtet worden sind. Der Polizeieinsatz vom letzten Freitag erstreckte sich nicht auf El Limar oder andere Bastionen der Gruppe. Die Gruppe ist derzeit in mehrere Lager gespalten, von denen einige sich der PRD oder sogar der PAN angeschlossen, oder sich von den immer noch bewaffneten Gruppen der ursprünglichen Organisation distanziert haben.

Paz y Justicia erreichte ihren "militärischen" Höhepunkt in 1996, und hatten bis Ende 2000 indigene Gebiete und Regierungsfinanzen unter ihrer Kontrolle. Die Paramilitärs beherrschten die Strassen zu den Ejidos Miguel Alemán und Las Limas, in Tila, Los Moyos in Sabanilla, und die verschiedenen Bezirkshauptorte in der nördlichen Region.

Dieser "Krieg" führte auch zu der Gründung von Nueva Revolución, San Marcos, San Rafael und andere Flüchtlingscamps, wo Tausende Indigenas, größtenteils EZLN Unterstützungsbasen, immer noch auf Gerechtigkeit warten (und auf die Gelegenheit nach Hause zurückzukehren).

Die Gruppe von Kaziken und Lehrer, die Paz y Justicia ins Leben gerufen haben, haben die Region seit den frühen 80er Jahren geplagt. Die gleichen Namen wiederholen sich bei zahlreiche Gewalttaten der letzten 20 Jahren: Wulfrano Torres, Marcos Albino Torres, Sabelino Torres, Samuel Sánchez, Diego Vázquez, Juan Martínez Pérez. Alle aufeinanderfolgende Bezirkspräsidenten in Tila, Sabanilla, Salto de Agua, Tumbalá, Yajalón und Palenque, haben Paz y Justicia Schutz gewährt, und die Gruppe hatte immer irgendeinen Bundes- oder Staatsabgeordneten zur Verfügung, sowie die Ranchervereinigung.

In März 1995, ermordete der Bezirkspräsident von Tila, Jesús Celis Guillén, den jungen Pascual Sánchez mit einem R-15. Die Bezirkskrise, die zu dem Fall des Präsidenten führte, bezeichnete den Anfang des Chol Konfliktes. Ist es Zeitverschwendung darauf hinzuweisen, dass alle, absolut alle Akteure dieser Eskalation (außer nach 2000, als sie sich tarnten) der PRI angehörten und es weiterhin tun?

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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