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Sechs Tote bei Polizeieinsatz in der archäologischen Zone von Chiapas

La Jornada vom 05.10.2008
Elio Henríquez
übersetzt von Dana

 
"Warum ordnen Calderón und Sabines unsere Ermordung an während wir verhandeln?" fragt man in Chincultik
Drei Indigenas in der Ambulanz auf dem Weg ins Krankenhaus erschossen, der Fahrer wurde ebenfalls hingerichtet.

Ejido Miguel Hidalgo, La Trinitaria, Chiapas, 4. Oktober. Die gewaltsame Polizeiräumung in dieser Ortschaft forderte gestern sechs Tote, 10 Schussverletzte und eine unbestimmte Anzahl von Verhafteten. Anders als anfangs bekannt gegeben, handelt es sich bei den Todesopfern ausschließlich um Campesinos, keine Polizisten, da die Dorfbewohner weder über Schusswaffen verfügten, noch auf die Polizisten geschossen haben, wie José Vázquez López, ein Repräsentant dieses Ejidos heute bestätigte.

Er klagte an, dass die Staats- und Bundespolizisten drei Schwerverletzte hingerichtet, sowie ihren Fahrer ermordet haben, der sie in ein Krankenhaus von Comitán fahren sollte. Der Fahrer wurde vor den Augen seiner Frau getötet.

Die Dorfbewohner haben den Polizisten, die sie aus der archäologischen Zone von Chincultik vertreiben sollten, die sie seit fast einem Monat besetzt halten, 77 groß- und kleinkalibrige Waffen, sowie Schutzschilde und andere Ausrüstungsgegenstände abgenommen. Sie erklären "jetzt mehr den je" zum Kampf bereit zu sein, da die archäologische Zone von dem Ejido verwaltet wird. "Mehr noch, sie wurde mit sechs Menschenleben bezahlt".

Auf den Straßen, die von Blutspuren, Hunderten Patronenhülsen und mehrere beschädigte Polizeifahrzeuge markiert sind, herrscht eine Atmosphäre der Furcht, Trauer und Wut. "Wir fragen Präsident Felipe Calderón und Gouverneur Juan Sabines: warum haben sie befohlen uns zu töten, während wir nur ein Tag zuvor noch einen Dialog mit den Behörden geführt hatten, um das Problem zu lösen?", klagen die Einwohner an, und fordern Gerechtigkeit für die Ermordung der sechs Männer, "oder wir werden die Sache in die eigene Hand nehmen".

Am 7. September 2008, beschlossen die Einwohner von Miguel Hidalgo, wo etwa 7000 Personen leben, in einer Versammlung, die archäologische Zone von Chincultik zu besetzen, die auf ihrem Land liegt, mit dem Argument, dass das Landesinstitut für Anthropologie und Geschichte (INAH), diese "völlig vernachlässigt hat".

Seitdem "fordern wir nur 20 Pesos Einlass, anstatt 35 wie die INAH", erklärte ein Einheimischer. Wie er weiterhin ausführte, wurden an den Wochentagen Einnahmen von 300 bis 400 Pesos pro Tag, und am Wochenende ca. 1000-1500 Pesos pro Tag gemacht.

Die Verhandlungen mit den Behörden wurden kurz darauf eröffnet. Das letzte Treffen mit Staatsbeamten fand am letzten Donnerstag statt; darin wurde vereinbart die Gespräche fortzusetzen, da den Ejidobewohnern eine Unterstützung von mehr als 600.000 Pesos angeboten wurden, um Tomaten, Avocados und Pfirsiche anzubauen, ein Angebot, das sie anfangs zurückgewiesen hatten.

"Wir hätten nie gedacht, dass die Regierung uns angreifen würde, als ob wir Schwerverbrecher wären, weil wir uns doch in einem Dialog befanden. Aber jetzt sehen wir, dass es sich nur um eine Falle handelte, damit sie unser Vertrauen gewinnen", so Vázquez López.

Er erzählte, dass sie noch am Donnerstag die Staatsbeamten nach Chincultik geführt hatten, damit sie sich selbst von dem heruntergekommenen Zustand der Zone überzeugen konnten.

Dem Campesino zufolge trafen am Freitag Morgen Agenten der Präventiven Bundespolizei (PFP) vor den Ruinen ein, um die 25 Personen zu vertreiben, die sich dort befanden. "Sie nahmen nicht nur mehrere von ihnen fest, sondern auch Personen, die nur auf der Straße vorbeikamen", sagte José Vázquez, der an den Verhandlungen teilgenommen hatten.

Zuvor waren die Campesinos aus anderen Gemeinden gewaltsam vertrieben worden, die die Kontrolle der Seen von Montebello übernommen hatten, etwa 10 km von hier entfernt.

Seiner Aussage nach drangen die Polizisten gegen 11:30 Uhr morgens auf Lastwagen der PFP in das Dorf ein, und begannen Tränengas zu werfen, einschließlich in die Schulen, was "mentale Schäden bei den Kindern" verursacht habe.

Später trafen weitere Agenten der Präventiven Staatspolizei ein, darunter mehrere die beritten waren, um das Dorf "zu belagern". Die Campesinos, die sich mit Macheten und Stöcken verteidigten, schätzen, dass an dem Einsatz ca. 250 − 300 Uniformierte beteiligt waren.

"Die Leute fingen an sich zu verteidigen, so gut sie konnten, weil die Kinder an dem Gas erstickten. Dabei haben wir 77 Polizisten festgenommen, die wir im Ejido Versammlungshaus eingesperrt und entwaffnet haben. Die Waffen stehen unter Bewachung, genau wie die mindestens acht Fahrzeuge, darunter ein Anhänger für Pferdetransport", berichtet er.

Gegen 15:00 Uhr, so José Vázquez weiter, herrschte zwischen den Polizisten und den Dorfbewohnern trotz der Geschehnisse relative "Ruhe", aber zwischen 17:00 und 18:00 Uhr abends, als die festgenommenen Polizisten in die Aula geschafft wurden "trafen weitere Polizisten ein, um sie zu befreien. Sie feuerten mit Schusswaffen und verfolgten die Leute bis in ihre Häuser. Um ihre Compañeros zu befreien, schossen sie das Tor auf und brachen das Vorhängeschloss auf."

"Es gab keine Auseinandersetzung, weil es im Ejido keine Waffen gab. Die Polizisten, die verletzt wurden haben von den Dorfbewohner nur Schläge erlitten, aber keine Schüsse; die Leute haben sie vielleicht angegriffen, weil sie mehrere Personen getötet haben, aber es wurden von unserer Seite zu keiner Zeit Waffen eingesetzt", versichert er.

Seinen Angaben nach dauerte das Schießen etwa 40 Minuten. Währenddessen trieben die Uniformierten die Leute aus ihren Verstecken zusammen. Adrián Velasco Alfaro, 71 Jahre alt, hatte ein blutverschmiertes Ohr und sein Magen war bandagiert. Einige verletzte Nachbarn erholten sich in ihren Häusern. José Vázquez erklärte, dass die Polizisten in der Verwirrung befreit wurden.

Agustín Alfaro Calvo, der einzige der sechs Toten, der nicht aus Miguel Hidalgo stammte, sondern aus dem benachbarten Ojo de Agua, El Ocotal, stimmte kurze Zeit später zu, die Schwerverletzten Rigoberto López Vázquez, Alfredo Hernández Ramírez und Miguel Antonio Martínez, in seinem Wagen ins Krankenhaus zu bringen, da es keine Ambulanzen gab.

"Die Polizisten holten sie im Wagen auf und erschossen die Verletzten und ermordeten den Fahrer vor den Augen seiner Frau; sie nahmen ihr eine Kette und die Ohrringe ab, sowie seine Brieftasche. Damit noch nicht zufrieden, schnitten sie Rigoberto, der gefoltert worden war, mit einem Taschenmesser ein Auge aus", erzählt er.

Wie er berichtet, wurden die Polizisten von drei Campesinos aus diesem Ejido durch das Dorf geführt, die in der archäologischen Zone arbeiteten und mit Skimasken verhüllt waren, und für sie auf das Haus des Präsidenten des Ejido-Kommissariats, Mario Morales García deuteten, das beschossen wurde".

Die Körper von Rigoberto, Alfredo und Miguel Antonio wurden noch vor dem Mittag geborgen, um sie zu bedecken, während die Leiche von Agustín nach Ojo de Agua, El Ocotal gebracht wurde. Die Leichen von Ignacio und Ricardo blieben bis gegen 13:00 Uhr in Amparo Agua Tinta.

Die Ejido-Bewohner warten auf neue Kontakte mit der Regierung, um die Waffen zu übergeben. Sie fordern Entschädigung und die Freilassung der Verhafteten.

In Tuxtla Gutiérrez ordnete der Generalstaatsaltwalt Amador Rodríguez Lozano, die Vorladung aller Polizisten an, die an dem Einsatz beteiligt waren, um toxikologische und ballistische Proben zu nehmen, sowie die Einholung des medizinischen Befundes und der Zeugenaussagen.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/2008/10/05/index.php?section=politica&article=003n1pol 
 

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