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»Den Konzernen geht es um die Kontrolle«

Poonal vom 12.03.2009
Gerold Schmidt, Mexiko-Stadt

  (Berlin, 12. März 2009, npl).- Interview mit Johannes Rieger vom Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe über bäuerlichen Widerstand gegen Genmais in Mexiko

Gerold Schmidt: Herr Rieger, wie kommt ein junger bäuerlicher Produzent aus der Region Hohenlohe, dessen elterlicher Betrieb Saatgut heimischer Gräser und Wildkräuter erzeugt und vermarktet, nach Mexiko?

Johannes Rieger: Ich bin im Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe und der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft aktiv. Im Sommer 2008 hatte das Bündnis Besuch von mexikanischen BauernvertreterInnen, die sich gegen den Anbau von Genmais engagieren. Nun war es ein Gegenbesuch. Wir wollen uns austauschen beispielsweise über Saatgutrecht, die Bedrohung einheimischer Sorten durch gentechnisch veränderte Züchtungen sowie den Einfluss der internationalen Konzerne dabei. Dabei ist im Fall Mexikos der Mais besonders wichtig, denn es handelt sich um das Ursprungsland dieser Feldfrucht.

Gerold Schmidt: In Deutschland und Europa gibt es eine heiße Diskussion um den gentechnisch veränderten Mais Mon 810 von Monsanto. Wie sieht die Situation in Mexiko aus?

Johannes Rieger: In Mexiko ist Genmais für den Konsum durch Menschen und Tiere offiziell verboten. Doch gerade erst hat die mexikanische Regierung mit der Erlaubnis für die experimentelle Nutzung von Genmais ein Einfallstor geöffnet. Nicht umsonst nennen viele kritische Organisationen das reformierte mexikanische Gesetz über Biosicherheit das "Monsanto-Gesetz". Außerdem gibt es bereits seit Jahren eine illegale Verseuchung über den Import von gentechnisch verändertem Mais aus den USA. Mexikanische Bauern haben die Maiskörner zum Teil zur Aussaat benutzt, ohne zu wissen, was sie da in den Boden setzen. In verschiedenen Regionen des Landes ist inzwischen Genmais nachgewiesen worden. Die mexikanischen Bauern und Gruppierungen, die sich im "Netzwerk zur Verteidigung des Mais" zusammen geschlossen haben, werfen ihrer Regierung vor, die mittelfristigen Gefahren herunter zu spielen und bewusst die Augen vor der illegalen Verbreitung des Genmais zu verschließen. Sie gehen davon aus, dass es sich um eine klare Strategie von Konzernen und möglicherweise der Regierung handelt, einfach vollendete Tatsachen zu schaffen.

Gerold Schmidt: Monsanto und andere Zuchtunternehmen führen höhere Erträge und stärkere Widerstandsfähigkeit ihrer Produkte an.

Johannes Rieger: Daran sind zumindest Zweifel erlaubt. Und: Den Konzernen geht es um Gewinn und Kontrolle des Marktes, nichts anderes. Sie wollen die ganze Handelskette vom Saatgut bis hin zum abgepackten Lebensmittel kontrollieren. In Deutschland wird versucht und durchgesetzt, unter anderem über Patentierungen auch auf den Nachbau von gekauftem Saatgut Lizenzgebühren zu erheben. Bei den MexikanerInnen stieß ich mit dieser Information auf ungläubiges Interesse, als ich dies auf einem Forum und während meiner einwöchigen Reise vortrug. Das ist in Mexiko zumindest beim Mais noch undenkbar. Besonders die Millionen Kleinbauern – im Gegensatz zu Deutschland dort noch nicht ausgestorben – arbeiten mit eigenem Saatgut und tauschen es untereinander. Dagegen steht der Anspruch der Saatgutkonzerne. Jahrelang machte Monsanto ganz offen Werbung mit dem Spruch: "No food shall be grown that we don’t own". Beim Genmais kontrollieren sie bereits 80-90 Prozent des Handels weltweit, dazu kommen nur noch vier, fünf weitere Firmen, darunter Bayer. Viele mexikanische Bauern haben Angst, dass die Vielfalt der über tausend einheimischen Maisvarianten verloren geht, wenn das Saatgut in Mexiko unter die Kontrolle weniger Anbieter von wenigen ausgewählten Züchtungen geht – sei es illegal eingeführter Genmais oder seien es Hybridsorten.

Gerold Schmidt: Wird das Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe den Kontakt nach Mexiko halten?

Johannes Rieger: Wir haben einen ständigen Informationsaustausch mit einer kleinbäuerlichen Organisation im Hochland des Bundesstaates Oaxaca vereinbart. Dort wurde bereits vor acht Jahren Genmais entdeckt, der den Vermutungen nach aus Saatgut stammte, dass eine staatliche mexikanische Behörde in den USA einkaufte und über ihr Verteilernetz verbreitete. Die Bauern dort versuchen dagegen, die traditionelle milpa, den Maisanbau traditioneller Sorten im Verbund mit anderen Feldfrüchten, zu verteidigen und außerdem auf chemische Dünger- und Schädlingsbekämpfungsmittel zu verzichten. Seit Jahren sind sie im Netzwerk zur Verteidigung des Mais aktiv.


Quelle: poonal
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 Quelle:  
  http://www.npla.de/poonal/producer/2009/2009-12-ger.shtml#MEXIKO 
 

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