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Mexiko: Grippe-Epidemie ohne Tamiflu

medico internat. (CH) vom 30.04.2009

  Die Lage in Mexiko wie auch in Zentralamerika ist aufgrund der Epidemie sehr angespannt. Mexikanische Ärzte informieren uns, dass Präventionsmaterial wie Schutzmasken seit Tagen ausverkauft sei. Es gibt keine oder nur eine sehr geringe Anzahl wirksamer Grippemittel.

Pressemitteilung 30.04.09.

Der fehlende Zugang zum Gesundheitswesen zeigt sich im aktuellen Gesundheits-Notfall mit grösster Deutlichkeit: Während hier Tamiflu-Dosierungen in Millionen in Pflichtlagern vorrätig sind, hat es andernorts nicht mal genügend Medikamente, um das medizinische Personal zu schützen. Kein neues Phänomen: "Der Zugang zu Medikamenten gleicht der Erreichbarkeit des Mondes", meinten unsere Partnerärzte aus einem anderen Erdteil. Aber die Diskussion um Schweinegrippe und Tamiflu bringen den Missstand auf den Punkt.

Der Tamiflu-Graben in der Welt

Es ist klar, dass das Tamiflu nach bisherigen Erkenntnissen "nur eingeschränkt nützt und nur, wenn es sofort angewandt wird", so der medico-Arzt Andreas Wulf. Dennoch kann man anhand des Tamiflu die krasse Ungleichheit des Zugangs zu medizinischer Versorgung verdeutlichen:

Die Schweiz besitzt ein Pflichtlager für 25% der Bevölkerung, also für jeden 4. Bewohner in der Schweiz. Die Zahlen in Deutschland sind ähnlich.

Die mexikanischen Gesundheitsbehörden haben letztes Wochenende eiligst den ganzen Tamiflu-Vorrat von Roche Mexiko aufgekauft, das waren 400’000 Schachteln. Was zur Folge hatte, dass jetzt die Apotheken leer geräumt sind. Mit dem Vorrat in Händen der Gesundheitsbehörden wäre im Schnitt in Mexiko jeder 250. Bürger versorgt, wenn denn die Medikamente rechtzeitig an Grippe-Kranke im Frühstadium abgegeben würden, was zu bezweifeln ist.

Im Bundesstaat Oaxaca, wo der erste Fall der Schweinegrippe an einer am
13. April verstorbenen Steuerberaterin in Oaxaca Stadt nachgewiesen wurde und inzwischen 53 Menschen wegen schwerer Lungenentzündung in ärztlicher Behandlung sind, gab der Gesundheitsminister vollmundig bekannt, es habe genügend Medikamente, nämlich insgesamt 450 Dosierungen. Das entspricht jedoch bei einer Bevölkerung von 3.6 Millionen in diesem indigenen Bundesstaat bloss einer einzigen Tamiflu-Packung pro 8000 Personen!

Aus dem Norden von Chiapas wissen wir von unseren Partnern vor Ort, dass die Treffen mit dem lokalen Gesundheitsministerium leider erfolglos verlaufen sind: Es gibt für die 400’000 EinwohnerInnen im Raum Palenque momentan KEINE der beiden Medikamente Tamiflu oder Relenza und es sind auch keine Medikamente aus der Hauptstadt unterwegs. Es wird vermutet, dass die Bundesbehörden die Medikamente für die Behandlungen in den Städten konzentrieren. Da die Fallzahlen in den Städten wie Mexiko Stadt oder Oaxaca Stadt jedoch weiter steigen, befürchten unsere Partnerorganisationen eine Ausweitung auf die ländlichen Gebiete.

Aktiv in Prävention und gegen Privatisierung des Gesundheitswesens

Trotz der fehlenden Medikamente sind unsere Partnerorganisationen aktiv, treffen zusammen mit den Gesundheitsverantwortlichen in den Gemeinden Vorkehrungen und bauen die Grippeprävention vermehrt in ihre Arbeit ein, so das Colectiva de Mujeres in Masaya in Nicaragua mit einem Faltblatt: Informacion y prevencion de la influenza

Doch letztlich muss mehr geschehen, denn es geht nicht an, dass in der globalisierten Welt die Reichen ängstlich auf ihren Vorräten sitzen und auf die Grippe aus Mexiko warten, während sich dort und anderswo heilbare Krankheiten ausbreiten. Die drohende Grippe-Pandemie ist Ausdruck einer unmenschlichen Weltordnung, auch im Bereich Gesundheit. So forschen Pharmaunternehmen lieber, da gewinnbringender, zu neuen lifestyle-Präparaten denn für Medikamente gegen tödliche Armutskrankheiten.

Die wachsende Ausgrenzung grosser Teile der Weltbevölkerung vom Zugang zur Gesundheit denunzieren die Kampagnen von medico international. So schreibt Moni Streule von medico international schweiz im Artikel Globale Ökonomisierung von Gesundheit: "Wettbewerb, Privatisierung und Konkurrenz treiben die Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung voran und gefährden dadurch wichtige Ziele der Gesundheitspolitik wie Solidarität und gleichberechtigten Zugang zu einer qualitativ hoch stehenden Gesundheitsversorgung." Nun zeigt der Fall der Pandemie, dass die Privatisierung und Unterversorgung vor allem die Armen trifft, aber in der globalisierten Welt auch auf die reichen Länder zurückschlägt.

Auch Mike Davis, Autor des Buches „Vogelgrippe“, warnt in der WOZ davor, anlässlich der drohenden Epidemie das Ganze aus dem Blick zu verlieren: "Das Entscheidende ist letztlich, den grösseren Zusammenhang herzustellen: von der verfehlten Pandemiestrategie der WHO, dem weiteren Zerfall der weltweiten Gesundheitsversorgung, den grossen Pharmakonzernen, die lebenswichtige Medikamente in ihrer Kontrolle behalten, und der Katastrophe der industriell und ökologisch aus den Fugen geratenen Tierproduktion."

Helfen Sie mit, die Präventionsmassnahmen in Mexiko und Zentralamerika zu verstärken und unterstützen Sie uns im Kampf für den Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle.

Philipp Gerber, Kommunikation medico international schweiz

Aktueller Hinweis:

Die medico-Veranstaltung vom 2. Mai zum Thema Folter in Guerrero findet statt, die beiden Gäste aus Mexiko befinden sich seit über einer Woche in Europa und sind gesund und munter.
Schmutziger Krieg und Widerstand in Guerrero/Mexiko
http://www.medicointernational.ch/content/view/145/79/
Samstag, 2. Mai 2009, 19.30 Uhr, Zeughaus 5, Kanonengasse, Zürich


medico international schweiz
Quellenstrasse 25
Postfach 1816
8031 Zuerich
Tel. 044 273 15 55
Spendenkonto: PC 80-7869-1

 Quelle:  
  http://www.medicointernational.ch/content/view/44/77/ 
 

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