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Mehr als 20.000 Indigenas feiern den neunten Jahrestag des Zapatistischen Aufstandes

 

EZLN Kommandantur bricht das Schweigen und nimmt San Cristóbal ein

La Jornada vom 01.01.2003
Hermann Bellinghausen
übersetzt von Dana

  San Cristóbal de las Casas, Chiapas, 1. Januar. Mit der bisher größter Ansammlung von Unterstützungsbasen der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN), wurde die Stadt San Cristóbal heute nacht von mehr als 20.000 Indigenas und Campesinos buchstäblich eingenommen. Aus allen Regionen des Bundesstaates zusammenströmend, schallten etwa 20.000 Macheten in den Händen der Tzotziles, Tzeltales, Choles, Tojolabales und Zoques wie Glockenschläge durch die Avenida Insurgentes, während der mehr als drei Stunden, die ihre scheinbar unendliche Kolumne brauchte um den zentralen Marktplatz der Stadt zu füllen.

Die Demonstration fand ihren Abschluss mit einem Auftritt der Kommandantur der zapatistischen Bewegung. Die Comandantes Esther, David, Tacho, Fidelia, Omar, Míster und Bruce Lee, wandten sich an die Menge mit sieben Ansprachen, wodurch, falls darüber noch Zweifel geherrscht haben sollte, die fast zwei Jahre lange Schweigeperiode der EZLN endgültig gebrochen wurde.

In den Ansprachen brachte das Klandestine Revolutionäre Indigene Komitee der EZLN wiederholt seine Unterstützung für Subcomandante Marcos zum Ausdruck. "Wir sagen ihnen, wenn Subcomandante Marcos sagt er unterstütze den politischen Kampf der Völker, sagen das alle zapatistischen Männer, Frauen und Kinder", erklärte Comandante Míster. Comandanta Esther richtete "einige Worte" an Señor Vicente Fox: "Ich sage Dir nur, dass das Volk von Deinen Betrügereien enttäuscht ist."

Nachdem sie die drohende Räumung von Montes Azules erwähnte, fragte die Comandanta, in den gleichen weißen, geblümten Schal gehüllt, wie auf dem Marsch zum Bundeskongress vor fast zwei Jahren: "Wo ist der Frieden? Es kümmert Dich gar nicht, dass die Bemühungen derer zerstört werden, die Dich zum Präsidenten gemacht haben."

Wenige Tage zuvor sagten die Indigenas: "Sie werden San Cristobál vergrößern müssen, damit wir alle darin Platz finden." Heute nacht zeigte es sich, dass dies keine Aufschneiderei war: die Zapatisten überfluteten die Strassen und der Platz vor der Kathedrale konnte sie nicht alle fassen. Experten zufolge passen hier bis zu 18.000 Leute. Heute reichte das nicht aus. Tausende Indigenas mussten während der Versammlung auf den angrenzenden Strassen bleiben.

Die Manifestation, kriegserfahren wie nur wenige, endete gegen Mitternacht mit dem Anzünden Tausender Fackeln, die die Luft mit ihren Flammen rot erleuchteten. Und sie ließen wieder die Macheten erschallen, die Holzfälleräxte, die Spaten und andere Farmwerkzeuge. Seit dem Morgengrauen versammelten sich vor der Stadt Tausende Indigenas aus dem Hochland, aber der Aufmarsch begann nicht vor 18:00 Uhr, als die letzten Kontingente aus den Aguascalientes von La Realidad eintrafen, die fast 15 Stunden lang unterwegs gewesen waren.

Die Slogans, die den ganzen Tag auf Banner und Schilde hochgetragen worden waren, wurden diese Nacht von den zapatistischen Unterstützungsbasen pausenlos hinausgerufen. "Die drei Staatsgewalten sind rassistisch. Fox ist genau wie Zedillo. Die PAN ist genau wie die PRI". Wieder und wieder riefen sie: "Nein dem Terrorismus von Bush und Bin Laden", und verkündeten ihre Unterstützung für den "politischen Kampf" des baskischen Volkes.

Sie entboten den "Argentinischen Rebellen" ihre Bewunderung und ihre Grüße, und riefen die "Globalisierung der Rebellion und Würde" aus. Sie unterstützten auch "den Kampf von Salvador Atenco (ohne den San), und ersuchten "hört nicht auf zu kämpfen, denn wir Zapatisten wollen Freiheit", genau wie die Italienischen Disobbedienti. In Italien hatten sich diese Nacht Tausende von ihnen versammelt, um sich der zapatistischen Versammlung in San Cristóbal direkt anzuschließen.

Mit Hochrufe auf Subcomandante Marcos, dem CCRI, die Autonomen Bezirke und die EZLN Aufständischen, unterstrichen die Demonstranten die Botschaft, die von den Comandantes David und Omar gegen Mitternacht ausgesprochen wurde: "Wir kommen um ihnen zu sagen, das wir hier sind und weiterhin leben. Wir haben uns nicht ergeben. Wir sind weder gespalten noch zerstritten. Wieso sollten wir untereinander kämpfen, wenn es immer noch jemanden gibt, gegen den wir kämpfen müssen."

Immer wieder die "schlechte Regierung" von Vicente Fox anklagend, äußerten die Zapatisten aus fast 40 autonomen Bezirke harte Kritiken an die politischen Parteien, die sich aus Eigeninteresse geweigert hatten das COCOPA Gesetz zu bewilligen, "weil es ihnen zuwiderläuft Frieden in Chiapas zu haben".

In der härtesten aller Ansprachen, bezeichnete Comandante Tacho den PAN Senator Diego Fernández de Cevallos als einen "Fürsprecher von Verbrecher", und klagte ihn an sich gegen den Frieden in Chiapas zu stellen "weil er noch vor 2006 Präsident anstelle von Vicente Fox sein will, und das Land in eine große Hacienda verwandeln möchte". Der PRI-Senator Manuel Bartlett, so Tacho, stellte sich gegen das COCOPA Gesetz und den Frieden, um die US Behörden zufrieden zu stellen, die gegen seine mögliche Beteiligung am Drogenhandel ermittelten.

Über die PRD sagte er, dass diese Partei das sogenannte Bartlett-Cevallos-Ortega Gesetz im Senat einhellig unterstützt habe "im Austausch für Wahlsieg in Michoacán", und erklärte, "wenn nur ein einziger Senator nein zum Gesetzeserlass gesagt hätte", dann hätte das Gesetz von neuem diskutiert werden müssen.

An den Regierungsbeauftragten für den Frieden, Luis H. Alvarez gewandt sagte Esther: "Sie konnten wählen, entweder so zu sein wie Camacho oder wie Rabasa, und Sie haben sich für Rabasa entschieden", und verkündete, dass die EZLN Gemeinden ihm den Zugang durch die kontrollierten Gebiete nicht mehr gestatten würden, da er "in den Gemeinden Geld verteilt" um diese zu spalten, und erzähle, die Zapatisten seien "gespalten" und "andere Lügen".

In ihrem strengen Bericht über "die Lage im Land und auf der Welt", versäumte es die Generalkommandantur der EZLN nicht die Operation von Televisión Azteca gegen CNI, Kanal 40, zu erwähnen. Sie räumten ein, die Kommentatoren von Kanal 40 seien bezüglich den Zapatisten nicht immer objektiv gewesen, dennoch brachte Comandante Tacho die Unterstützung der Zapatisten für die Arbeiter der angegriffenen TV-Station zum Ausdruck. " Wir können nicht zusehen wie die Informationsarbeit behindert wird, und wir zum Schweigen gebracht werden".

Comandanta Fidelia wandte sich mit eine bewegende Rede an die Frauen, die "ausgebeutet, verachtet und missbraucht" werden, und Comandante Míster bekräftige erneut, das Recht der Indigenas die Lage der Welt zu kennen "sich eine Meinung zu bilden und zu entscheiden". Er klagte die Regierung an "rassistisch" zu sein, da sie ihnen vorwerfe, sie würden die Welt nicht kennen, und hätten kein Recht z.B. über den Kampf des baskischen Volkes zu sprechen.

Angesichts der "Globalisierung des Todes", die von den Mächtigen aufgezwungen wird, verkündete Míster das Rechte aller "die Freiheit zu globalisieren".

Den Zapatisten sagte er "wir sollten uns nicht fürchten über den politischen Kampf der Basken zu sprechen", und sprach besonders der Selbstbestimmung Venezuelas und dem "rebellischen Volk von Argentinien" seine Unterstützung aus.

Die Stadt San Cristóbal empfing die zapatistische Besetzung mit Schweigen und verschlossenen Türen und Fenster, und seine Bewohner lauschten dem Klang der Macheten und Tausender Stimmen, die riefen, dass sie sich nicht ergeben. Comandante Bruce Lee erklärte: "Wir müssen nicht die Regierung um Erlaubnis bitten frei zu sein", und er verteidigte das universelle Menschenrecht auf Rebellion. "Wir müssen für gar nichts um Erlaubnis bitten" endete er.

Die zapatistische Demonstration heute Nacht ist auch eine Bestätigung der Zugehörigkeit zur Welt und des starken Bürgerbewusstseins der modernen indigenen Völker Mexikos. Sie wissen, dass sie nicht nur in der Lage sind zu lernen, sondern Mexiko und der Welt auch etwas beizubringen.

Während sich der Marktplatz von San Cristóbal in dieser Nacht füllte, ersuchte eine Stimme am Mikrofon: "Compañeros, sehen wir zu ob wir jene die vorne stehen, noch etwas weiter nach vorne bringen können ". Dies scheint eine gute Metapher für den Abschluss dieses Abends zu sein, der mit Rauch und Flammen auf dem Marktplatz und einem Echo von Stimmen und Farmwerkzeuge endete. Der zivile indigene Zapatismus ist eine reife Frucht. Der Rassismus der Mächtigen wird sie nicht mehr aufhalten können. "Dieser Kampf hat kaum begonnen", sagte David auf Tzotzil und Spanisch, in der letzten Ansprache der zapatistischen Comandantes.

Die Nacht war von Fackeln übersät. "Zünden wir ein großes Licht an, damit die Völker sehen, dass wir die Rebellion weiterführen", sagte David zum Schluss.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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