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Antwort von Gaspar Llamazares, Leiter der Izquierda Unida (Vereinte Linke) an Subcomandante Marcos

La Jornada vom 26.12.2002
übersetzt von Dana

  Sehr geehrter Subcomandante Marcos:

Erlauben Sie mir Ihnen als erstes dafür zu danken, dass Sie sich an unser Land erinnern, besonders zu einer Zeit da die Hitze des kriegerischen Irrsinns, der diesen Planeten durchkreuzt, die Probleme für den Zapatismus und die Indigenen Völker zusätzlich verschärft. Wir müssen Ihnen für die Bemühung danken, auch unsere Probleme auf sich zu nehmen, besonders jetzt, da Sie selbst viele Ihrer eigenen Hoffnungen zerstört sehen, und Ihr Schweigen von jenen nicht gehört wurde, die von Ihrem Schrei aufgerüttelt werden sollten.

Seit dem 11. September 2001 ist die Demokratie auf der ganzen Welt besonders gefährdet gewesen, aber nicht nur durch die mörderische Gewalt des islamischen Fundamentalismus, oder andere Arten des Terrorismus, sondern auch durch den neoliberalen Fundamentalismus, der Mexiko soviel Schaden zugefügt hat, und der im Augenblick durch seine kriminelle Logik, die Küsten von Galizien, Asturien, Kantabrien und des Baskenlandes verwüstet hat.

Ein Fundamentalismus, der auf beispielhafte Art durch die Bush Regierung repräsentiert wird, und die Mittel, die sie in der letzten Zeit in Gang gesetzt hat: das Raketenabwehrsystem, die Autorisierung der Ermordung von Gegenspieler, die Gründung von Institutionen für informative Vergiftung, die Destabilisierung der Demokratie in Venezuela, die Aufrechterhaltung der Repression in Palästina, der Handelsimperialismus oder die Kriegsvorbereitungen gegen den Irak für die Kontrolle über die Erdölfelder dieser Zone.

Und auch seine Vorhaben für den Rest Lateinamerikas sind uns nicht entgangen. Der Puebla-Panama Plan ist nichts anderes als eine indirekte Art den Kontinent zu disziplinieren und seine Hegemonie aufrechtzuerhalten. Wir haben die Folgen dieser Politik bereits in Argentinien gesehen, aber es sieht nicht so aus als hätte man daraus die nötigen Lehren gezogen.

Auch Spanien ist teilweise für diese Generalisierung des Neoliberalismus auf dem lateinamerikanischen Subkontinent verantwortlich, der sich so eindeutig in der mangelnden Bereitschaft der derzeitigen und früheren Regierungen zeigt, sich so eminent gerechten Fragen anzunehmen, wie die Rechte und die Identität der indigenen Völker.

Diese Verantwortung zeigt sich auch in die Anhängerschaft der Aznar Regierung für die Bush Regierung. Wie Sie wissen gehorchen die Nationalregierungen nicht immer ihren eigenen Bürgern. Das ist etwas, was die meisten Völker dieser Erde schlucken müssen. Und hier treten Sie auf den Plan. Die Würde des Zapatismus ist immer ein Hindernis für die Pläne der Mächtigen und die Verantwortlichen der schlechten Regierung gewesen. So wie jetzt in Montes Azules, ist jenen, die nicht an die Rechte glauben die Sie repräsentieren, jeder Vorwand recht um Profite zu machen.

Wir möchten Sie wissen lassen, dass Die Vereinte Linke heute genauso wie früher, jede Aggression gegen die indigenen Gemeinden verurteilt, sowie die Vermarktung der Güter und Landgebiete, die durch die Völker die sie immer bewohnt haben, Eigentum der Menschheit sind. Sich jenen zu widersetzen, die versuchen das Leben in eine Ware zu verwandeln, heißt sich der Ungerechtigkeit zu widersetzen. Die Kriegslogik, die die Welt durchzieht (und die Sie in Ihren Brief an die spanischen politischen Führer erwähnten) versucht die Realität in zwei große Gruppen zu simplifizieren: jene, die auf Seiten dieses Herrschtriebs stehen, und jene, die als Verdächtige katalogisiert werden, einfach nur weil sie sich diesen Diktaten nicht beugen wollen

Wir sind in unser Land daran gewöhnt, dass alle die sich daran erinnern, dass es die Wahrheit mehrere Schattierungen hat, verdächtig und beschuldigt werden den Terrorismus zu unterstützen, dieses Gebrechen, dass allen Spaniern so viel Schaden zugefügt hat, und das Sie so eindringlich kritisiert haben. Und jene, die uns beschuldigen sind die gleichen, die sich später nicht scheuen mit diesem Problem Wahlkampf zu betreiben.

Wir danken Ihnen dafür, dass Sie in ihrem Brief nicht die geringste Nachsicht für den Terrorismus der ETA gezeigt haben. Und es erschüttert uns, wie Sie, so kohärent wie wir es vom Zapatismus gewohnt sind, in Ihrer Opposition gegen die Terroristen bis zur letzten Grenze gehen, bis zu dem Punkt, an dem Sie sich selbst als Opfer für das irrationale und mörderische Verhalten der Gruppe anbieten. Jeder, der Sie oder die EZLN nach Ihrem Brief an die ETA als Komplizen des Terrorismus darstellen möchte, wird zwangsläufig als Lügner dastehen.

Aber das ist nicht ausreichend, denn auch wenn niemand Sie mit der ETA in Verbindung bringen kann, werden sie Ihnen früher oder später irgendeine Verwandtschaft zu Bin Laden anhängen (oder mit dem Mulá Omar, der in einem alten Wagen aus Afghanistan entkommen ist), um den Kampf um die Würde, den Sie darstellen in Verruf zu bringen.

Wie auch immer, und um auf vertrauterem Boden zurückzukehren, möchten wir Ihnen sagen, dass die Schattierungen manchmal über die Entfernung eines Ozeans und in dem kurzen Zeitraum eines Briefes nicht klar zu sehen sind. Es gibt Themen die so lange Zeit verheddert geblieben sind, dass man sich leicht verfangen kann, wenn man nicht sehr gut weiß wo die einzelnen Fäden sich befinden.

In Ihren Briefen haben wir einige Fragen vermisst, die Teil der Positionierung der Vereinten Linken zum Verhalten der ETA sind, eine Bande, die wir ohne zu zögern als mörderisch bezeichnen. Es ist die uneingeschränkte Verurteilung ihres verbrecherischen Verhaltens, durch den wir den Schmerz der Opfer als unser eigenes begreifen, sowie das Hinausschieben jeglicher Diskussion mit jenen die erpressen, bedrohen und ermorden, bis die Einstellung ihrer Gewalt eine Tatsache ist. Etwas das, wie Sie auch erkennen konnten, nicht Teil ihrer Pläne zu sein scheint.

Aus unserer Sicht, ist der Terrorismus der direkte Gegensatz der reformierenden Linken. Und es ist wichtig, dass die Widerstandsformen, die zum Beispiel die Zapatisten angesichts der Jahrhunderte der Unterdrückung und des Elends entwickelt haben, nicht mit den terroristischen Aktivitäten einer Organisation verwechselt werden, die den Willen des baskischen Volkes weder vertritt, noch behaupten kann diesen in irgendeiner Form zu repräsentieren. Ihre Gewohnheit, jene die nicht mit ihnen übereinstimmen so schnell als Verräter und schlechte Patrioten zu bezeichnen, sind unseren Traditionen und dem gesunden Menschenverstand fremd

Die baskische Gesellschaft ist politisch sehr plural, wie die verschiedenen Projekte zeigen, die von den Bürgern dieses Landes realisiert werden. Es gibt keine gute Basken und schlechte Basken, wie einige behaupten. Deshalb muss jede Lösung die als demokratische gelten will, von einem Prinzip der Integration geleitet werden, das einen größeren Konsens erzielt als seinerzeit der Statut von Guernika.

Nichtsdestotrotz haben wir immer auf die Notwendigkeit eines politischen Dialoges bestanden, der mit dem Einverständnis aller demokratischen Parteien begonnen werden muss. Aus diesem Grund haben wir uns angesichts dessen, was wir als ein Verschließen aller Türen betrachten, einem anti-terroristischen Pakt widersetzt der uns ausschließend erscheint. Und genauso haben wir gegen ein Parteingesetz gestimmt, das die Demokratie verletzt und kein Problem löst. Desgleichen haben wir uns enthusiastisch zugunsten der Dialoginitiative positioniert, die von Elkarri in Gang gesetzt wurde. Immer, so wie sie es tun, von der scharfen Verurteilung aller Morde ausgehend: ob nun an einen Zivilisten, einen Parteirat, einen Militär oder eines Polizisten: es gibt keine Morde, die zu rechtfertigen wären. Wir glauben weder an die Gewalt, noch wird der Waffengebrauch durch das spanische Szenario auf irgendeine Weise rechtfertigt. Diese Haltung, konform mit dem was wir denken, verleiht uns zusätzlich die Legitimität um der Regierung die schlechte Behandlung eines Problems vorzuwerfen, das seitdem die Regierung der Populären Partei im Jahr 2000 die absolute Mehrheit erzielt hat, nur schlimmer geworden ist.

Jenseits dieser Schattierungen, schulden wir Ihnen Dank für Ihre Bereitschaft sich für eine friedliche Lösung durch Dialog für ein politisches Problem einzusetzen, das den Aufschwung der Rebellion in Spanien erschwert, das Bürgern und Parteien so viel Zeit raubt, das andere Probleme überschattet und die demokratische Normalität so sehr erschwert, besonders für jene von uns die glauben, dass nur eine radikale Demokratie die schlechte Regierung der Welt in Ordnung bringen kann. Die Interesse, die sie zeigen, ist auch die unsere. In einer zunehmend globaleren Welt war der Ausspruch niemals gültiger, dass "nichts menschliches mir fremd ist".

Wir danken Ihnen auch für Ihre Demut, sich bei all jenen zu entschuldigen, die sich von einige Ihrer Briefe provoziert gefühlt haben. Es ist ein weiteres Zeichen der wahren Größe des Zapatismus. Die spanische Gesellschaft, deren Bevölkerung heute auch die Antwort erbringt, dass die Regierung unfähig ist der schrecklichsten europäischen Umweltkatastrophe der letzten Jahre zu begegnen, wird auch, wie Sie ganz richtig erkannt haben, den Dialog als Lösung des baskischen Konfliktes fordern. Die Vereinte Linke wird sich immer auf diesen Pfaden des Dialoges befinden

Aber glauben Sie nicht, dass wir das Relevanteste vergessen. Die Vereinte Linke verfolgt mit große Aufmerksamkeit die Evolution (oder Involution) der Anerkennung der Identität und der Rechte der indigenen Völker. Wir glauben, dass das Ley Indigena [der Regierung] das Problem nicht gelöst hat, da es die vorherigen Abkommen, die mit Ihnen ausgehandelt wurden nicht einhält. Deshalb ist es gerecht, dass die zapatistische Stimme wieder in allen Ecken der Welt gehört wird. Die ganze Unterstützung und Solidarität der Vereinten Linken als drittgrößte Spanische politische Macht gilt Ihnen.

Mit dem selben Verständnis, den Sie unseren Problemen entgegengebracht haben, senden wir Ihnen eine Umarmung, in der festen Hoffnung, dass das beginnende Neue Jahr unseren Völker Frieden und Gerechtigkeit bringen wird. Es wird eine Freude sein, wenn es dazu kommt, Sie in diesem Land willkommen zu heißen, wo Sie viele und sehr gute Freunde haben. Und da Sie, wie wir wissen, gerne den Abschiedsgruß des guten Ritters Don Quixote verwenden, gestatten Sie mir mich von Ihnen mit einem herzlichen Vale zu verabschieden.

Madrid, 25. Dezember 2003

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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