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»Die sozialen Proteste werden wieder stärker«

junge welt vom 30.07.2009
Interview: Anna Dobelmann

 
Mexikos Polizei foltert und schüchtert ein. Gespräch mit Catalina Gonzales Rosas, Trinidad Ramirez Velazquez und Rubén Valencia Núñez

Sie sind zur Zeit auf Einladung des Ökumenischen Büros München auf einer Informationstour in Deutschland. Worum geht es Ihnen dabei?

Ramirez Velazquez: Wir wollen auf die Kriminalisierung sozialer Proteste in Mexiko aufmerksam machen. Zwölf Aktivisten sind noch immer in Haft, weil sie im Jahr 2006 den Widerstand angeführt haben sollen, der sich gegen die Vertreibung der Blumenhändlerinnen von Texcoco richtete. Verurteilt wurden sie wegen versuchter Entführung.

Was genau ist damals in Texcoco passiert?

Ramirez Velazquez: Am Mittwoch, dem 3. Mai 2006, gegen sieben Uhr hielt die Staatspolizei etwa 60 Blumenhändlerinnen davon ab, ihre Verkaufsstände auf dem Marktplatz von Texcoco, etwa 30 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt aufzustellen. Damit brachen die Polizisten eine Vereinbarung mit dem Bürgermeister von Texcoco. Doch die Händlerinnen wehrten sich und baten zudem die Bewohner des benachbarten Ortes San Salvador Atenco um Hilfe. Die besetzten die Straße, die von ihrer Stadt nach Texcoco führt. Daraufhin rückten Hunderte Polizisten an, um die Blockade aufzulösen. Die Demonstranten nahmen elf Polizisten als Geiseln, übergaben sie aber noch am selben Tag dem Roten Kreuz. Insgesamt wurden bei den Protesten mehr als 50 Personen verletzt und 100 festgenommen. Ein 14jähriger Junge wurde am Nachmittag erschossen.

Wie sind Sie davon betroffen?

Ramirez Velazquez: Sowohl mein Ehemann als auch der von Catalina wurden zu langjährigen Haftstrafen, nämlich zu 112 bzw. 67 Jahren Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.

Wie sind die Haftbedingungen Ihrer Ehemänner?

Gonzales Rosas: Meinen Mann Felipe behandeln sie wie einen Schwerverbrecher. Als sie ihn festnahmen, wurde er zusammen mit einem Hund in eine Dunkelzelle gesperrt. Sie sagten ihm, wenn er sich bewegt, wird der Hund ihn beißen. Zwei Tage lang bekam er nichts zu essen. Später zogen sie ihm eine Kapuze über und schlugen ihn. Auch andere inhaftierte Aktivisten werden geschlagen. Ärztliche Versorgung bekommen sie nur nach mehrfacher Nachfrage.

Auch in Oaxaca, im Süden Mexikos, geht der Staat hart gegen soziale Bewegungen vor. Wie sieht denn dort der Alltag der Menschen aus?

Valencia Núñez: Aktivisten werden auf der Straße überfallen und mißhandelt. Die Regierung versucht die Bevölkerung einzuschüchtern. Es fahren ständig Polizeitransporter durch die Straßen, ihre Besatzungen zielen mit Maschienengewehren auf Passanten; Helikopter kreisen über der Stadt. Außerdem patroulliert das Militär, obwohl die Verfassung den Einsatz der Armee im Inneren verbietet. Die Regierung bezahlt Jugendgangs, um Mitglieder der APPO zu ermorden. Fünf Jugendliche wurden schon auf diese Weise ermordet.

Kann man überhaupt etwas gegen diese massive Einschüchterung tun?

Valencia Núñez: Nachdem 2006 die Aufstände niedergeschlagen wurden, waren die Menschen natürlich vollkommen gelähmt. Doch mittlerweile werden die sozialen Proteste wieder stärker.

Welche Rolle spielen die Medien in dieser Auseinandersetzung?

Valencia Núñez: Die Medienlandschaft in Mexiko ist sehr stark monopolisiert. Die meisten stellen Aktivisten als Kriminelle dar. So geben sie uns die Schuld an der ökonomischen Krise und der Instabilität des Landes. Die einzige Möglichkeit, unsere Themen und Anliegen zu verbreiten, sind die lokalen Radios der Bewegung.

Weitere Informationen:
www.oeku-buero.de (deutsch);
www.atencolibertadyjusticia.com (spanisch)

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2009/07-30/044.php 
 

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