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Amnesty zu Jacinta Francisco Marcial

amnesty international vom 24.08.2009

  URL: http://www.amnesty.de/2009/8/19/mexiko-freiheit-fuer-jacinta-francisco-marcial
Dort auch ein Interview mit Jacinta als Audio.

Amnesty International hat Jacinta Francisco Marcial zur gewaltlosen politischen Gefangenen erklärt und verlangt von den mexikanischen Behörden ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.

Die Organisation erklärt, dass Jacinta Francisco Marcial ein faires Verfahren verweigert wurde. Sie befinde sich nur deshalb im Gefängnis, weil sie aufgrund ihrer marginalisierten Position als arme indigene Frau nur eingeschränkten Zugang zur Justiz gehabt habe.

Jacinta Francisco Marcial, Mutter von sechs Kindern, eine indigene Frau vom Volk der Otomí aus Santiago Mexquititlán, Querétaro, befindet sich seit August 2006 im Gefängnis Centro de Readaptación de San José El Alto in Haft. Man legt ihr die Entführung von sechs Angehörigen der mexikanischen Bundeskriminalpolizei zur Last. Die Polizisten gaben an, von Jacinta Francisco Marcial und anderen Standbesitzern während einer Razzia gegen Raubkopierer auf dem Markt von Santiago Mexquititlán im März 2006 als Geiseln gehalten worden seien.

"Jacintas Fall ist ein Skandal" sagt Rupert Knox, Mexiko-Researcher bei Amnesty International. "Das Verfahren war eine Farce und ein klares Beispiel der zweitklassigen Justiz, die Indigene in Mexiko oft erfahren."

"Jacintas Geschichte zeigt, wie das mexikanische Strafjustizsystem missbraucht wird, um die Schwächsten unfair zu verurteilen. Sie wurde wegen ihrer Volksgruppe, ihres Geschlechts und ihres sozialen Status ins Visier genommen," fügt Rupert Knox hinzu.

Hintergrund

Am 26. März 2006 betraten sechs in Zivil gekleidete Angehörige der Bundespolizei den Markt von Santiago Mexquititlán. Ihren Angaben zufolge waren sie auf der Suche nach Drogen und raubkopierten DVDs. Als sie versuchten, Waren zu konfiszieren, kam es zu Auseinandersetzungen, und Händler stachen die Reifen von mehreren Polizeiwagen kaputt.

Nach Zeugenaussagen beendeten die Händler ihre Proteste noch am selben Tag, nachdem der regionale Polizeichef ihnen für den angerichteten Schaden eine Entschädigung zahlte. Am Abend erstatteten die sechs Polizisten bei der Staatsanwaltschaft Anzeige und gaben an, von den Demonstranten über mehrere Stunden als Geiseln festgehalten worden zu sein.

Am 3. August 2006, mehr als vier Monate nach den Ereignissen, wurde Jacinta Francisco Marcial festgenommen und zur Generalstaatsanwaltschaft gebracht. Man teilte ihr mit, sie wegen eines gefällten Baumes befragen zu wollen. Erst als man sie ins Gefängnis brachte, erfuhr sie, dass sie beschuldigt wurde, gemeinsam mit zwei anderen Frauen die Polizisten entführt zu haben.

Das einzige Beweisstück gegen Jacinta Francisco Marcial war ein Foto in einer Lokalzeitung, auf dem zu sehen war, wie sie hinter einer Gruppe von Demonstranten vorbeigeht. In ihren ursprünglichen Aussagen vom 27. März 2006 hatten die Polizeibeamten Jacinta Francisco Marcial nicht erwähnt. Erst einen Monat später, als das Foto in der Zeitung erschienen war, bezichtigten die Polizisten die Indigene, an dem vermeintlichen Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Zu keinem Zeitpunkt wurden weitere Beweise für ihre Beteiligung vorgelegt, und während der Verhandlung musste keiner der Beamten erscheinen, um die Aussagen zu bekräftigen oder Jacinta Francisco Marcial zu identifizieren.

Damals sprach Jacinta Francisco Marcial sehr wenig Spanisch und war sich daher über die Konsequenzen der Geschehnisse nicht im Klaren. Ihr wurde weder ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt, noch klärte der ihr zugeteilte Pflichtverteidiger sie über ihre Rechte auf. Jacinta Francisco Marcial gab an, der Anwalt habe sich darauf beschränkt, wortlos in einer Ecke des Gerichtssaals zu sitzen, während sie gezwungen war, Dokumente zu unterschreiben, die sie nicht lesen konnte.

Im Gespräch mit einer Vertreterin von Amnesty International, die sie im Gefängnis besuchte, erklärte Jacinta Francisco Marcial: "Die erste Nacht, die ich in meiner Zelle verbrachte, nieselte es und es war sehr kalt. Die Gitterstäbe zum Gefängnishof waren offen. In diesem Moment fühlte ich mich elendig, denn ich wusste, dass ich nichts Falsches getan hatte und konnte nicht verstehen, warum sie mir das antaten. Und in diesem Moment begann ich zu weinen, ich weinte und fragte mich "Was nun?". Und als ich hörte, wie sich Türen öffneten, dachte ich "hoffentlich lassen sie mich gehen". Ich ging zur Tür um zu schauen, ob mich jemand befreien würde, aber nichts geschah."

Am 17. Juli 2009 kam die mexikanische Menschenrechtskommission zu dem Schluss, dass es in dem Verfahren gegen Jacinta Francisco Marcial schwere Verfahrensfehler und falsche Beweismittel gegeben hatte. Die Frau befindet sich weiterhin in Haft und wartet auf das Ergebnis eines neuen Prozesses.

 Quelle:  
  http://www.amnesty.de/2009/8/19/mexiko-freiheit-fuer-jacinta-francisco-marcial 
 

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