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Maquilas ergreifen die Flucht

Poonal vom 26.11.2002
John Ross, Poonal 550 vom 26.11.2002

  (Mexiko-Stadt, 15. November 2002, na-poonal).- In Otay Mesa, Tijuana, wo japanische und koreanische Unternehmen wie Panasonic, Sony und Samsung Millionen von Fernsehern zusammenbauen ließen, sieht man überall in der Maquila-Zone Schilder mit der Aufschrift "zu vermieten". Der Grund: Ganze Produktionslinien sind nach Asien zurückgekehrt. Im grenznahen Ciudad Juárez, dem zweiten Maquila-Zentrum des Landes, verloren in den ersten beiden Juliwochen 5.000 ArbeiterInnen ihre Stelle, während ein Duzend Montagefabriken Schichten strichen oder ihre Tore schlossen. Die US-Firma Scientific Atlanta entließ 1.300 Arbeiter und zog nach China um.

Nach den Worten den Nationalen Rates der Maquilaindustrie CNIME (Consejo Nacional de la Industria Maquiladora de Exportación) befindet sich diese inmitten der "schlimmsten Krise unserer Geschichte". Zwischen Januar 2001 und vergangenem Juli verlor Mexiko fast 600 seiner 3.200 Montagefabriken und 250.000 Arbeitsplätze, und somit 15 Prozent der Arbeitskräfte in den Maquilas. Während der ersten vier Monate dieses Jahres gingen allein in Ciudad Juárez täglich 141 Arbeitsplätze verloren.

Die Mehrheit der Unternehmen verlagerten ihre Produktion nach China, wo sie Steueranreize, billige Materialien für die Produktion und kostenlosen Strom angeboten bekommen. Einige andere wandten sich nach Zentralamerika oder in die Karibik. Der mexikanische Wirtschaftsminister Luis Derbez drohte damit, China vor die Welthandelsorganisation (WTO) zu bringen, eine fast sicher zum Scheitern verurteilte Strategie, denn gerade die Aufnahme Chinas in die WTO hat die Flucht nach Asien ausgelöst. China bezahlt 0,40 US-Dollar pro Arbeitsstunde, in Tijuana betragen die Stundenlöhne etwa 1,20 US-Dollar. Mit dem miserablen Monatseinkommen von weniger als 200 US-Dollar ist Mexiko in einer gnadenlosen globalisierten Wirtschaft nicht konkurrenzfähig.

Die Löhne sind nicht der einzige Faktor für den Weggang der Maquilas. Mexiko wird schwer erschüttert von einer Welle der Kriminalität, und die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen sind enorm gestiegen. Ausländische Manager sind ein häufiges Ziel von Entführungen, und ständig werden Lastwagen geraubt. Die Firma Guess, die 20 Maquilas im Zentrum des Landes betreibt, drohte damit, in die Dominikanische Republik abzuwandern, nachdem ein Lastwagen mit 20.000 Hosen am helllichten Tag auf einer Landstraße im Bundesstaat Mexiko überfallen wurde.

Der Export von Handarbeit hat vor Jahren das Öl als Motor der mexikanischen Wirtschaft abgelöst. Fast die Hälfte der Produkte — allein im vergangenen Jahr wurden sie für 77 Milliarden US-Dollar an die Vereinigten Staaten exportiert — werden in Maquilas hergestellt. Präsident Fox will das Problem jetzt angehen, indem er den Fabriken Steuererleichterungen für die nächsten zehn Jahre verspricht. Zudem bietet er eine freie Einfuhr von Gütern und Materialien an, die zur Produktion gebraucht werden.

Im Zuge seines großartigen Entwicklungsprojekt Plan Puebla-Panama versucht Fox außerdem die Ansiedlung von Maquilas in Indígena-Regionen im Süden Mexikos voranzutreiben, wo Arbeitskraft billig ist. Die Perspektiven dafür sind allerdings nicht besonders gut. In der Fabrik TransTextil in Chiapas, gelegen an einer gefährlichen Bergstraße weit entfernt von den US-Märkten, verdienen 300 Frauen der indigenen Chamulas 60 Cent in der Stunde — 20 Cent mehr als chinesische Arbeitnehmerinnen.

Durch das Abwandern der Maquilas beginnen Wirtschaftswissenschaftler die zukünftige Rolle von Montagefabriken als Instrument der Entwicklung zu hinterfragen. Obwohl die Produktion der Montage in Mexiko in der absoluten Zahl der Exporte aufgeht, "sind dies keine mexikanischen Exporte an sich", so Huberto Juarez von der Universität Puebla. Der Technologietransfer, den man immer für einen Vorteil bei der Vermehrung von Maquilas gehalten hatte, hat nie stattgefunden, und auch aus den möglichen positiven Folgen für die mexikanische Wirtschaft ist nicht viel geworden: 98 Prozent der Materialien für die Produktion werden außerhalb von Mexiko eingekauft. Und da die Industrie von der Nachfrage der US-amerikanischen Konsumenten abhängt, ist sie auch extrem empfänglich für wirtschaftliche Einbrüche auf der anderen Seite der Grenze.

Letztlich könnte das Abwandern der Maquilas noch einen Segen bedeuten, vor allem für die zerstörten 3000 Grenzkilometer mit den USA. Die unfruchtbare Wüste kann nicht länger 600 000 Arbeitsmigranten jedes Jahr aufnehmen, und der Industriemüll, der unkontrolliert in die Umwelt abgeht, stört das empfindliche biologische Gleichgewicht der Region. Eine Reduzierung der Maquilas würde es der Gegend zumindest ermöglichen, sich zu erholen.


Quelle: poonal
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