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APRIL: Tlaxcala, die vierte Stele

La Jornada vom 05.02.2003
Subcomandante Marcos
übersetzt von Dana

  (Die ewigen Rebellen)

Dieses Mal bewegt die Geschichte die Hand und den Wind, um zum nächsten Monat im Kalender weiterzublättern. APRIL heißt es oben, und dann, immer rebellisch, erscheint ein Wort: TLAXCALA.

Tlaxcala. INEGI Angaben zufolge hatte Tlaxcala im Jahr 2000 etwas unter eine Million Bewohner, und fast 30.000 über einem Alter von fünf Jahren sprachen eine indigene Sprache. Unter dem Himmel von Tlaxcala leben Nahua, Otomíe-Hñañúe und Totonaco Indigenas.

April: wieder einmal ist der Adler eine blaue Wolke, die über den Ländern von Tlaxcala fliegt. Über den Matlaleueyetl Vulkan (auch bekannt als "Malinche"), reist die Wolke über den Apizaco-Xalostloc- Huamantla Industriekorridor, sie senkt sich über die Industriestadt Xicohténcatl, und dreht dann am Atlonga See nach Süden ab, zum Malintzi Industriekorridor, und den Panzacola Industriekorridor passierend erreicht sie Cacaxtla. Dort legt sich die Wolke auf einen Hügel nieder, und, die Augen halbgeschlossen, öffnet sie ihr Herz für eine Geschichte in der Rebellion und Würde mit den Kalendern von gestern und heute verwoben sind.

April. Tlaxcala. Cacaxtla.

In dem Kalender von 1975, führten die Einwohner der Stadt San Miguel del Milagro eine Ausgrabung in den Ruinen von Cacaxtla durch, und sie entdeckten das Bild eines menschlichen Gesichtes, von dunkler Farbe und stark Maya beeinflusst, so etwas wie ein Maya Indigena mit einer Skimaske. Die Zukunft ist somit mit der Vergangenheit verwoben.

In dem Kalender der Spanischen Eroberung, warnte der Indigena Xicohténcatl Axayacatzin, dass die Spanier nicht die Rückkehr von Quetzalcóatl darstellten, dass "die schwimmenden Festungen das Ergebnis menschlicher Arbeit sind, und sie nur erstaunen, weil sie noch nie zuvor gesehen worden sind," und er schlug den vier Herrschern von Tlaxcala vor "die Fremden als Tyrannen der Patria und der Götter zu sehen." Die Entscheidung der Anführer setzte sich letztendlich gegen Xicohténcatls Vision durch. Kurze Zeit später versuchte er die anderen zu überzeugen, sich mit Cuitláhuac zu verbünden, der gerade nach Moctezumas Tod den Thron bestiegen hatte. Hernán Cortés versuchte Xicohténcatl auf seine Seite zu ziehen, aber der indigene Rebell lehnte dies ab. Er wurde gefangengenommen und aufgehängt.

Kalender zuvor, mitten im Krieg, zog es der Tlaxcala Krieger Tlahuicole, ein mächtiger Otomí von Tocoac, eher vor zu sterben, als die Begnadigung derer zu akzeptieren, die sein Volk unterdrückten.

Kalender später, in 1847, wurde eine der Militäreinheiten, die in der Chapultepec Festung stationiert war, das "Aktive Bataillon von San Blas" genannt, und stand unter dem Kommando von Felipe Santiago Xicohténcatl von Tlaxcala. Am 13. 1847, fielen Xicohténcatl und fast sein gesamtes Bataillon im Kampf gegen nordamerikanische Truppen.

"Tlaxcala", sagen einige, bedeutet "Land aus Maisbrot". Aber für den Neoliberalismus bedeutet es — wie die Wolke auf ihren Reisen erfahren hat — "Land der Maquilas". In Tlaxcala, arbeiten 62% der Bevölkerung des Bundesstaaten in Gegenden, in denen sich Maquilas befinden.

Die Einrichtung riesiger Maquilas, die kleinere "schlucken" oder übernehmen hat hier zugenommen. Ein Unternehmen lässt sich in der Stadt nieder und "spaltet" sich dann, und weist seine Vorarbeiter an ihre eigenen inoffiziellen Maquilas in den Gemeinden einzurichten. Sie suchen sich Gemeinden von zwei bis drei Tausend Bewohner aus, zahlen Gehälter die niedriger sind als in den Städten, benutzen Gebäude, die nur für einige Monate gemietet sind, um von einem Ort zum nächsten ziehen zu können. Eine Variante dieses Phänomens ist, wenn die große oder offizielle Maquila, das was diese kleinen inoffiziellen Maquilas produzieren kauft oder lagert.

In Orte wie Hueyotlipan und Zapata, liefern Unternehmen die Maschinen, während die Einwohner ihre Menschen beisteuern, und Eltern sogar zulassen, dass ihre Kinder ab dem achten Lebensjahr angestellt werden. Investoren verhandeln direkt mit den Familien, die Raum und Arbeiter anbieten, während der Hersteller Gehälter, Werkzeuge und Materialien liefert. Wie im 19. Jahrhundert werden die Eltern selbst zu Vorarbeiter, die die Arbeit ihrer Kinder beaufsichtigen. Kinder erhalten 70 Pesos die Woche um von ein Uhr Nachmittags (vorgeblich nach Schulschluss) bis sieben Uhr Abends Fasern zu rupfen. Infolgedessen sind die Kinder unterernährt und verlassen die Schule nach der Grundstufe. Da diese Region Unmengen von Migranten produziert, müssen sich die Mütter und Kinder den Launen der Maquilas unterordnen, um irgendein Auskommen zu haben. Als Ergebnis der Zerstörung des Gemeinde- und Familienwesens, haben Drogen und Prostitution zugenommen.

Das Land von Tlaxcala bedeckt sich immer schneller mit Maquilas . und mit dem Widerstand gegen sie. Denn die Maquilas sind nicht von alleine gekommen.

Während die Kinderarbeit zugenommen hat, haben soziale Organisationen eine zunehmend größere Anzahl Gemischter Operationsbasen (BOM), Kontrollpunkte, verschiedene Polizeibaracken usw. feststellen können. Es gibt Bezirke wie Panotla und Santa Apolonia, in denen es offene Konfrontationen zwischen der Bevölkerung und der Polizei oder Bundesarmee gegeben hat. Es gibt Basen wie diese in ganz Tlaxcala: in Zacatelco, Ixtacuixtla, Calpulalpan, Tlaxco, Coapiaztla und besonders in San Pablo Apetatitlán und auf dem Autobahnring von Xostla nach Tlaxcala. Sie operieren offen gegen die Menschen, die gegen die Maquilas sind.

In San Pablo del Monte versperrten die Menschen die Autobahn, die ihnen die Ankunft der Polizei gebracht und die Repression ausgelöst hatte. In dem Arcomex Unternehmen , auf der Bundesautobahn — genau an der Einfahrt des Bundesstaates Tlaxcala, wo VW Autoteile hergestellt werden — versuchten die Arbeiter, die es sat hatten der pro- management Gewerkschaft CROC anzugehören, eine unabhängige Gewerkschaft zu bilden, um deren Anerkennung sie kämpften. Natürlich schickte die pro-management Gewerkschaft Handanger von der CROC, die letzten Endes die Polizisten verfolgte — die darauf aufpassen sollten, dass es keine Konflikte gibt — und freie Hand hatten die Arbeiter zusammenzuschlagen, die die Gewerkschaft wechseln wollten.

Das "Wunder" der Maquilas, die von rechten Regierungen und Intellektuellen so heißgeliebt werden, bedeutet keine Schaffung von Arbeitsplätze, sondern den Alptraum eines Teufelskreises, der Arbeitsbedingungen gestattet, die die spanischen Ritter in Verlegenheit gebracht hätten. "Wenn du nicht einverstanden bist zu meinen Bedingungen und für mein Gehalt zu arbeiten, dann gehe ich woanders hin," sagen die Maquilabesitzer. Und so gibt es in den Bezirken von Lázaro Cárdenas und Emiliano Zapata, halbkoloniale Maquilas, die unter einem System der Superausbeutung produzieren.

Nicht alles jedoch ist Ausbeutung und Herrschaft.

Der größte Teil des bewässerten landwirtschaftlichen Landes konzentriert sich entlang der Autobahnstrecke zwischen Xostla (Puebla) und Tlaxcala Stadt. Die Campesinos die dort leben und arbeiten widersetzen sich kategorisch der Einrichtung von Maquilas. Die Fälle von Santa Apolonia Teacalco und der Lehrer der landwirtschaftlichen Schule von Panotla sind besonders bekannt. Diese Städte haben gewarnt, dass sie bis zum äußersten Widerstand leisten würden, um ihr bewässertes Land zu verteidigen. In Panotla kämpften Studenten der landwirtschaftlichen Schule um die Schließung ihrer Schule zu verhindern — was der Staat tun möchte — und gegen die alarmierende Militarisierung des gesamten Bezirkes, der seit 1994 von der Armee als eine Militärzone übernommen worden ist.

Im Bezirk Apizaco sind die Einwohner in einen gerichtlichen Streit und einen friedlichen, zivilen Widerstand gegen die geplante Autobahnschutzverordnung getreten, die wie jene in Los Angeles, Kalifornien, ein diktatorisches Model der "Verkehrsaufsicht" aufzwingen wird. Transportarbeiter und Bürger haben einen acht Stunden langen Streik dagegen ausgeführt. Als Ergebnis eröffnete die PGR eine Untersuchung, durch die sie einen Schlag gegen die Bewegung zu liefern hoffen.

Und die Regierung? Da er sich aus dem Plan Puebla Panama (und dessen Budget) ausgeschlossen fühlte, lancierte Señor Sánchez Anaya das Projekt "Große Vision" um zu versuchen im "Zug der Modernität" aufgenommen zu werden. Sieben Autobahnknoten durchsetzen den gesamten Bundesstaat, von Norden nach Süden und von Osten nach Westen, eingebettet in der neuen Dynamic. Mit ihrem Zentrum in Apizaco, verbinden die Autobahne der Großen Vision das gesamte Gebiet von Tlaxcala mit der Industrieachse der Mexico- Puebla Autobahn und Puebla Stadt. Neoliberale Augen und Hände haben die feste Absicht sich die Puebla-Tlaxcala Achse anzueignen, der viertwichtigste Bevölkerungskorridor des Landes. Es ist nur natürlich: er ist reich an Konsumenten und Arbeiter.

Aber auch reich an Rebellion.

Nun, im Kalender des Jahres 2003, bringt der Monat April Tlaxcala die Umarmung Emiliano Zapatas. Und die Umarmung, Zuneigung und Respekt sind besonders fest, wenn sie die alten Tlaxcala Landarbeiter betreffen, die sich nun mobilisieren um zu fordern was ihnen zusteht.

Mitte Januar dieses Jahres, traf sich eine Gruppe Männer aus Tlaxcala (220 Delegierte aus den Gemeinden dieses Staates), von der Tlaxcala Landarbeitergewerkschaft, in Mexiko Stadt für das Nationale Encuentro der Landarbeiter. Sie teiltn ihre Gedanken in einem Interview mit Militanten der Zapatistischen Front der Nationalen Befreiung mit.

Hier spricht eine Rebellion, die vom Kalender des Alters nicht beeinflusst wird .

"Was fordern Sie?"

Hermenegildo: "Die 10% der bi-nationalen Vereinbarung, die in den Regierungen von 1942 gemacht wurde — Präsident Manuel Avila Camacho, und der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Truman, der 1942 eine bi-nationale Vereinbarung mit Landarbeiter, und 1943 mit der Eisenbahn geschlossen hat, und in der beide Regierungen vereinbarten 10% der Gehälter der Landarbeiter einzubehalten.

Wir konnten bisher nichts über diese 10% herausfinden. Wir wissen, ohne genaue Informationen zu haben, dass die West Fargo Bank der Vereinigten Staaten und die Farmunternehmen dort sich um dieses Geld kümmern sollten, um das Geld an die West Fargo Bank zu überweisen. Die Hauptniederlassung der West Fargo Bank befindet sich in San Francisco, Kalifornien. Und später sollte dieses Geld an die Landwirtschaftliche Kreditbank (Banco de Crédito Agrícola) überwiesen werden. Dann verschwand die Bank und sie nannten es Ländliche Kreditbank (Banco de Crédito Rural). Deshalb wissen wir, dass das Geld angekommen ist, aber bisher sagte uns die Regierung, obwohl wir zu einer Bankfiliale in Puebla gegangen sind — dass es unsere Schuld wäre. Dass sie uns unser Geld nicht gegeben haben, weil wir nicht rechtzeitig dort gewesen wären, aber für die Zeit als es gültig war, ist es der Regierung nicht eine Minute lang eingefallen es im Radio oder Fernsehen zu berichten. Jetzt protestieren wir. Jetzt bitten wir Bundesregierung und die Legislativregierung über dieses Geld Augen und Ohren aufzusperren. Sie sollen uns Gerechtigkeit geben, und uns das Sparkonto geben, auf dem wir seit 1942 bis 1964 die 10% eingezahlt haben. Und dann nicht so zu tun, als ob es nichts mit ihnen zu tun hätte. Fox glaubt irgendwie, wie alle anderen Präsidenten, dass alles unter Inventur steht, und er wüsste was in diesem Land existiert und nicht existiert. Wir wollen, dass sie sich nicht dumm stellen und unsere Forderungen erfüllen. Sie sollen uns so bald wie möglich die 10% des Ersparten geben, das wir eingezahlt haben."

Pedro: "Wir wollen, dass die Gerechtigkeit respektiert wird. Wir fordern was jedem Landarbeiter rechtmäßig zusteht. Wir fordern, dass dem Arbeiter, der sich in der Hitze kaputtgeschuftet hat Gerechtigkeit widerfährt, und uns ein Teil unseres Leben erstattet wird, damit wir für die Bedürfnisse unserer Familien sorgen zu können. Wenn sie die Firmen bezahlen, die Geld eingestrichen haben, wieso bezahlen sie uns nicht? Sie haben einige wenige Menschen ausbezahlt, und uns, die viele sind, bezahlen sie nicht. Was wir fordern ist gerecht."

Ignacio: "Als Angehöriger des Komitee der Dreizehn, streben wir die nationale Vereinigung aller Landarbeiter an. Alle von uns, die in dem Bilateralen Abkommen unserer beider Regierungen, den Vereinigten Staaten unsere Dienste angeboten haben, fordern das was uns gehört, nämlich die 10%. Und wir sind nicht bereit sie uns vergessen zu lassen, unsere Rechte zu vergessen oder zu streichen. Wir fordern Geld das uns rechtmäßig zusteht, das zum Erbe der Familien gehört. Und wir glauben nicht mehr, dass es richtig ist wenn die Politiker ihre Taschen auf unsere Kosten füllen. Wir wollen nicht länger von einer Partei abhängig sein. Wir wollen einen fairen Kampf, und wir haben die Basis um das zu fordern was uns gehört. Muchas gracias."

"Was halten Sie von der Regierungspolitik?"

Alejandro: "Ich bin einer der Repräsentanten, die die Gruppe der Landarbeiter von Tlaxcala bilden, und unser Anliegen heute, am 18. Januar, war sich mit Gruppen aus andere Bundesstaaten zu treffen, um eine Einigung über einige Mobilisierungen zu treffen, die wir in Tlaxcala veranstalten wollen. Ich bin einer der ehemaligen Landarbeiter. Ich kenne die Misshandlung und alle Probleme die wir damals hatten. Auch die Tatsache, dass unsere Anführer hier jahrelang wie Könige gelebt haben und das Land ausgebeutet haben, während wir dieses Land mit unsere Arbeit in den Vereinigten Staaten hochgebracht haben.

Aber das Geld, sie zahlten 25 Dollars an jeden Landarbeiter, der in die Vereinigten Staaten ging, aber davon abgesehen, hatten sie bereits 10% abgezogen, um sie uns später auszuzahlen, vielleicht als eine Art Rente oder so etwas. Der Vertrag der Landarbeiter und die Vorkehrungen der Regierungen liefen aus, und sie schulden uns für unsere Arbeit die 10%, die wir von 1942 bis 1964 hier eingezahlt haben, abgesehen von den Zinsen. Was wir Señor Fox oder die Regierung oder die zuständigen Institutionen bitten, ist fair mit uns zu sein, und uns das zu geben was uns gehört. Wir wollen kein Geschenk von ihnen haben, und wir wollen ihnen nichts wegnehmen. Wir wollen nur das zurückhaben was uns gehört, zu sehen, dass uns Gerechtigkeit zuteil wird, de nn wir sind 5000 Landarbeiter in Tlaxcala die bereits registriert sind, wir haben die Dokumente die beweisen, dass wir in den Vereinigten Staaten gearbeitet haben. Wir haben Verträge, wir haben Micas und andere Dokumente die unseren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten beweisen. Ab heute fangen wir mit den Mobilisierungen an. Sie haben uns getäuscht, zuallererst Señor Sergio Acosta, ein PRD Bundesabgeordneter, der Ende des letzten Dezembers dafür sorgen wollte, dass Gerechtigkeit geschieht. Er war es, der vor zwei, drei Jahre von Señor Fox beauftragt wurde. Er sagte er sei beauftragt worden sich mit unser Problem zu befassen. Er hätte uns daran gehindert uns zu mobilisieren, wenn wir nicht bereits schon seit so langer Zeit auf die Strassen gegangen wären. Aber er sagte uns, dass er bereits ein Treffen mit Señor Santiago Creel für dieses Dezember ausgemacht hätte, bei dem er bitten würde, dass das Budget uns das zurückgibt was uns zusteht. Dieser Señor Sergio Acosta hat uns angelogen, er hat uns betrogen, und deshalb, wie die Compañeros sagen, glauben wir nicht mehr an Politiker oder Parteien. Wir sind nicht am Parteien interessiert, ganz gleich welcher Farbe. Was wir wollen ist Gerechtigkeit, und ab heute werden wir ein nationales Abkommen mit ehemalige Landarbeiter treffen, und wir werden unsere Mobilisierungen abhalten. Wir sind bereit bis an die letzten Konsequenzen zu gehen. Wir haben keine Zeit mehr. Wir sind bereits alt und krank. Einige leben schon nicht mehr, andere Compañeros sind krank, und was wir wollen, ist dass unsere Regierung fair zu uns ist. Was sie uns geben werden, auch wenn es nur ein einziges Mal geschieht, aber es muss jetzt sein. Wir sind bereit auf die Strasse zu gehen. Nicht damit sie uns etwas schenken, oder etwas geben, sondern damit sie uns das geben was uns gehört."

"Wie organisieren Sie all die Erfahrung die Sie haben, all die Jahre die Sie gekämpft haben um diese Unterdrückung gegen Sie als alte Menschen zu überwinden?"

Alejandro: "Ich sehe, dass Mexikos Problem nicht seine Anführer ist: wir sind die Mexikaner, die niemals wussten wie man etwas fordert. Das ist leider unser Erbe, seitdem wir von den Spaniern 450 Jahre lang versklavt worden sind. Unsere Vorfahren wurden so erzogen, dass sie die Regierung immer respektierten, wir mussten die Bosse respektieren, und das war ein Fehler. Wir können nicht lesen, wir wissen nicht wie man Bücher kauft, auch weil wir nicht genug Geld haben. Wir wollen, dass unsere Kinder studieren, nicht wir. Und ehrlich gesagt, wurden weder wir noch unsere Kinder in den Schulen mit Informationen versorgt, außer ein Paar Bücher von einige Autoren. Einige von ihnen sind sogar tot, weil sie die Wahrheit über das gesagt haben, was die Regierungen tun. Aber wenn man sie liest begreift man, dass unsere Regierungen uns ausgeplündert haben, zum Beispiel Señor Echeverría, Señor López Portillo, Señor Carlos Salinas de Gortari, Señor de la Madrid. Es gibt Bücher, die geschrieben worden sind, die durch meine Hände gegangen sind. Ich kann mich jetzt nicht an die Autoren erinnern, aber sie erwähnen, dass nach 450 Jahre spanischer Sklaverei, nur vier Beamte spanischer Herkunft nötig waren um das zu plündern, was die Spanier in 450 Jahren nicht geschafft haben. Diese vier spanische Nachfahren brauchten nur 24 Jahre um das ganze Land auszuplündern und uns völlig zu ruinieren.

Deshalb glaube ich nicht an die Parteien, und wir sind bereit zu bitten und zu fordern, dass die Regierung uns gibt was uns zusteht. Unsere 10% plus Zinsen. Und wir werden wie alte Personen kämpfen, gemeinsam mit unsere anderen, noch älteren Compañeros. Wir werden unseren Kindern beibringen, genug mit dem Schweigen, genug mit den Entschuldigungen weil wir sprechen. Auch wenn sie uns im Würgegriff haben. Das hätten unsere Großeltern getan, unsere Vorfahren, und wir, in unsere Jugend. Aber wir haben begriffen, dass wir immer noch leben, und dass noch Zeit haben, in den kommenden Tagen etwas für unsere Kinder und Enkel zu tun. Wir sind bereit alles zu tun."

Felipe: "Ich habe mit großer Trauer die Situation gesehen, Señorita, in der die meisten von uns Landarbeiter, die in den Vereinigten Staaten waren, gelebt haben. Wegen unserer Unkenntnis oder unseres Unwissens, haben uns die Beamten immer ausgenutzt, immer ignoriert. Wir haben gelitten, wie sie es selten gesehen haben. Sie haben unser Leben auf eine andere Weise gesehen, und sie haben unsere Unkenntnis, unserer geringen Bildung ausgenutzt. Zu der Zeit sagten wir, dass sie nur ein bisschen Mitgefühl hätten, ein kleines bisschen Mitgefühl für die leidenden Menschen, für die Menschen die weinen und die mit der Hoffnung sterben eine gute Regierung zu finden, die die tiefen Sehnsüchte und Leiden der Menschen kennen würde. Vor langer Zeit gab es eine Inquisition: 400 Jahre seitdem die Spanier unsere Vorfahren beherrschten und wie Könige lebten. Leider sind neuerdings die Zeiten der Inquisition zurückgekehrt, in der nur einige Wenige das Glück haben als Könige zu leben, alles zu genießen und zu besitzen, während die Armen weiterhin unter großen Schwierigkeiten leben und leiden, und mit der Hoffnung sterben, dass die Zukunft etwas bringen wird, nicht für sie: für ihre Kinder. Aber während die Jahre vergehen geschieht genau das Gegenteil. Die Beamte sind gierig und nutzen aus, und die von uns die keine Bildung haben, denn die meisten von uns, die damals in die Vereinigten Staaten gegangen sind, hatten keine Schulbildung, wie waren ungebildet. Die meisten von uns waren nur auf die Grundschule gegangen. Wir hatten keine weitere Bildung. Gebildete Leute, die Menschen, die unsere Unkenntnis ausnutzen. Und das macht traurig, dass unser Mexiko, das alles hat, so erniedrigt, so ausgeraubt werden sollte, von nur ein Paar Menschen, die mehr wissen als wir. Wenn heute ein Kampf geführt wird, ist es das was wir uns in unserem hohen Alter wünschen — denn die meisten von uns sind schon zwischen 70 bis 100 Jahre alt: dass die Regierung sich dieses hohen Alters bewusst wird, sich dieser Männer bewusst wird, die leisten. Wir sehen die Last, die wir unseren Kindern auferlegen, weil wir alt sind. Unsere Kraft ist weg. Die Chance auf eine Anstellung ist geschlossen, weil wir nicht mehr die Kraft haben zu arbeiten. Das ist die Bewegung, auf die wir die Regierung aufmerksam machen möchten. Wir wissen wie man Respekt zeigt. Wir lieben Respekt, Dialog, Verständnis, und wir wissen wie man Liebe für die Patria empfindet, die unsere Geburt gesehen hat. Wir wünschten, dass alle die oben sind das fühlen würden: Liebe für die Patria in der sie geboren wurden, und dass sie die Patria in der sie geboren wurden nicht missbrauchen. Möge Gott auf jede Person scheinen, die morgen kommt und sie dazu bringt zu fühlen, zu sehen was ihre Brüder erleiden, und nicht zu glauben, dass sie ewig leben werden, weil wir alle sterblich sind, und früher oder später sind wir alle gleich. Aber es gibt die Gier vieler Leute, die obwohl sie von unten, aus dem Nichts kommen, es weit gebracht haben und ihre Wurzeln vergessen haben. Möge Gott auf uns alle scheinen und uns schützen, um diesen Kampf den ich erwähnt habe zu gewinnen, in dem wir uns im hohen Alter zusammenschließen, und möge er dazu dienen, dass unsere Kinder morgen das gleiche tun, und sich zusammenschließen, und sehen werden, dass sie morgen ein besseres leben haben werden als wir."

"Möchten Sie noch irgendetwas über ihre Bewegung anmerken?"

Hermenegildo: "Ganz am Anfang, in 1999, wurde diese Bewegung, dieser Kampf, in Tlaxcala geboren, weil wir in 1999 von einem Herren benachrichtigt wurden, einer unserer Compañeros, die nach Kalifornien gegangen ist, und ein Junge ging dort auf die Straße, und als er zurückkam kaufte er zufällig eine Zeitung in der etwas über die 10% stand, und dass das Geld bereits überwiesen worden wäre, dass die Bank die das Geld behalten hatte, die West Fargo Bank, das Geld nach Mexiko überwiesen hätte. Das wir dieses Geld holen würden. Das war der erste Schritt den wir begonnen hatten. Wir fingen an das publik zu machen. In 2000 hatten wir im Bundesstaat Tlaxcala eine öffentliche Anhörung mit dem Gouverneur. Wir waren dort zuvor mit einem PRD Abgeordneten gewesen, aber das brachte nichts. Schließlich, in 2002, fingen wir an mit der Compañera Luz María zu arbeiten, und so haben wir drei Jahre lang unermüdlich gekämpft. Und durch unsere Pressekonferenzen haben wir das publik gemacht. Wir fingen mit sechs Menschen an, und dann wurden wir 60. Heute gibt es 5000 von uns, dank unseres Kampfes und unserer Beharrlichkeit, und der Geduld, die wir hatten. In 2002 hatte und der Bundesabgeordnete Sergio Acosta vorgeschlagen, jedem von uns 5000 Pesos auszuzahlen, und dann sagte er uns schließlich, dass die 500 Bundesbeamten in Dezember ihre Sitzungen beginnen würden, und er dann mit uns in Verbindung treten müsste, um zu sehen, ob wir mit dem was vereinbart wurde einverstanden waren. Das war eine völlige Lüge, denn wir haben niemals irgendwelche Informationen von ihm erhalten. Er ging am 15. November nach San Juan, und die Compañeros waren sehr aufgebracht, so sehr, dass er das Mikrophon behalten wollte, und als meine Compañeros das Mikrophon nahmen, damit eine Compañera Landarbeiterin sprechen konnte, wurde er wütend und ging einfach weg, mitten im Gespräch. Er schenkte uns keine Aufmerksamkeit mehr. Er hörte uns nicht mehr zu. Ja, er ist sehr wütend auf uns, weil er ein Bundesabgeordnete ist, ein Repräsentant auf Nationalebene und nicht sprechen konnte. Wir möchten, dass uns gegenüber mehr Ernsthaftigkeit, mehr Formalität und mehr Respekt gezeigt wird. Deshalb sind wir bereit zu kämpfen, und wir hoffen, dass das nicht hinausgezögert wird. Dazu haben sie kein Recht, da sie wissen, dass die Gelder existieren. Sie sollten jedem von uns geben was uns gehört, gemäss des Gesetzes und des Vertrages jedes Compañeros. Das sollte nicht länger hinausgezögert werden, nicht mehr als dieses Jahr. Sie sagen nämlich, dass Sergio Acosta den Vorschlag zur Bildung eines Komitee von 18 Bundesbeamten gemacht habe, um den Verbleib des Geldes zu untersuchen. Er machte diesen Vorschlag in 1999. Das Komitee wurde in 2000 gebildet. Nun haben wir schon 2003, und sie haben nichts getan. Wir bitten um Hilfe, und wir klopfen an Türen, und sie verschließen sie vor uns. Sie verschließen uns die Türen. Wir möchten, dass sie mit uns mit Wahrheit sprechen, und mit nichts als die Wahrheit.

"Es reicht mit ihrem Würgegriff." Das ist so etwas wie ein "Ya basta!" dieser Tlaxcalaner, die marschieren werden, und an diesem 6. Februar 2003 durch die Strassen von Mexiko Stadt tragen werden.

Mit ihnen werden Xicohténcatl, Tlahuicole und Zapata marschieren, denn in Tlaxcala sind Geschichte und Kalender natürlich verwoben, aber sie bedeuten immer Rebellion .

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens.

Subcomandante Insurgente Marcos

Mexiko, Januar 2003.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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