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Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe: Wiege des Mais darf nicht kippen

Poonal vom 25.02.2010
Bettina Hoyer, Mexiko-Stadt

  (Berlin, 25. Februar 2010, npl).- »Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe« appelliert in einem offenen Brief an die mexikanische Kommission für Biosicherheit (CIBIOGEM), dem Schutz der Vielfalt Priorität einzuräumen und Import, Verwendung und Produktion von gentechnisch veränderten Pflanzen zu unterbinden. Eine Delegation aus Hohenlohe war im Februar durch Mexiko gereist und dabei auch mit Dr. Sol Ortiz (CIBIOGEM) zu einem Gespräch zusammengekommen.

An 24 Standorten hat die mexikanische Regierung bisher den experimentellen Anbau von Genmais genehmigt. Dies bestätigte Dr. Sol Ortiz von der staatlichen Kommission zur Biosicherheit (CIBIOGEM) im Gespräch mit einer Delegation vom »Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe« am 12. Februar in Mexiko-Stadt. Eine Gefahr für einheimische Maissorten gehe davon jedoch nicht aus, betonte die promovierte Ökologin. »Wir setzen auf Koexistenz und erlauben den Anbau von Genmais nur dort, wo sich keine Ursprungsgebiete des Mais befinden« Nach offizieller Lesart sei dies im Norden des Landes der Fall, wo die industrielle Landwirtschaft bereits Einzug gehalten hat.

Diese Haltung der mexikanischen Regierung beobachten GegnerInnen der Gentechnik sowohl in Deutschland als auch in Mexiko mit größter Sorge. »Koexistenz ist schlichtweg nicht möglich. Einmal ausgekreuzt, würde die Artenvielfalt verschwinden«, mahnt Jochen Fritz, Koordinator des Bündnis gentechnikfreies Hohenlohe. Auskreuzungen kämen durch den Verlust von Maiskörnern bei Transport, Lagerung, Aussaat, Ernte und auf dem Acker verbleibende Maiskörner zustande, erläuterte die Delegation.

Während Ortiz im Gespräch einerseits unterstrich, dass von staatlicher Seite gegen aus den USA nach Mexiko herüberwehenden Pollen nichts unternommen werden könne, versicherte sie andererseits, dass die Behörden eine Koexistenz von Genmais und einheimischen Maissorten – dem so genannten Mais »Criollo« – innerhalb Mexikos sicherstellen könnten. In einem offenen Brief der deutschen Delegation heißt es dazu: »Warum sollte der Pollenflug eine Gemeindegrenze respektieren, wenn er über Staatsgrenzen geweht wird? Die von Ihnen angesprochene Begrenzung der Agro-Gentechnik auf ausgewiesene Anbaugebiete wird die Auskreuzung nicht verhindern. Auch im Norden Mexikos befinden sich wichtige Ursprungsgebiete des Mais und die Kontamination der von Ihnen erwähnten Schutzgebiete (Maisursprungsgebiete) wird auf Dauer nicht zu verhindern sein. Dies wissen wir aus den Erfahrungen unseres eigenen Landes, in dem wir bei nur sehr kleinen Genmais-Anbauflächen inzwischen jedes Jahr unbeabsichtigte Aussaaten mit gentechnisch verunreinigtem Saatgut vorfinden«.

Der Schweinezüchter Christoph Zimmer und Jochen Fritz warnten außerdem davor, große Hoffnungen auf eigene transgene Entwicklungen zu setzen. Eine Selbstvermarktung, wie laut Ortiz von Mexiko anvisiert, sei aufgrund des internationalen Patentrechts fast unmöglich. Zur Vermarktung sei ein Aufkauf der Ergebnisse durch transnationale Unternehmen wie Monsanto praktisch nicht zu umgehen.

Mexiko sehe in der Gentechnik eine Chance, die Produktivität zu erhöhen und den Hunger zu besiegen, so Ortiz. Das Land habe außerdem Probleme mit der Wasserversorgung im Land. 75 Prozent der mexikanischen Agrarflächen seien trockene Gebiete und Mexiko sei daher an transgenen Sorten interessiert, die gegen Dürre resistent sind. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen würden außerdem nur einen minimalen Anteil am in Mexiko konsumierten Mais produzieren. Auch könne man Bauern und Bäuerinnen, die Genmais anbauen möchten, das Recht darauf ebenso wenig verbieten, wie jenen, die dagegen seien. »Diese ganze Argumentation erinnert mich an Termine in Stuttgart beim Ministerium Ländlicher Raum, Abteilung Gentechnik«, war nach dem Gespräch aus den Reihen der deutschen Delegation zu vernehmen. Ortiz verwies auf die lediglich beratende Rolle der Kommission und riet, politische EntscheidungsträgerInnen aufzusuchen, um der mexikanischen Politik die Besorgnis über die Entwicklungen in Mexiko mitzuteilen

Nach Ansicht der deutschen Delegation führe der von Mexiko eingeschlagene Weg jedoch zu keiner befriedigenden Lösung, sondern in die Abhängigkeit von transnationalen Unternehmen, die dann Bauern zu Gebührenzahlungen an die Konzerne verpflichten würden. Daher müsse auch künftig ein Anbau ohne die Zahlung von Patentgebühren an transnationale Konzerne gewährleistet werden, heißt es im Appell: »Nur so können, wie im Weltagrarbericht erläutert, die kleinbäuerliche Wirtschaftsweise nachhaltig gestärkt und die Ernährungssouveränität gewährleistet werden. Gleichzeitig würde Mexiko mit dieser Politik einen wichtigen Teil seiner eigenen Kultur – der Kultur der indigenen Völker Mexikos – stärken« Import, Verwendung und Produktion aller gentechnisch veränderten Pflanzen und ihrer Bestandteile sollten künftig verhindert werden, heißt es im Appell, der auch an weitere mexikanische EntscheidungsträgerInnen gesandt werden soll.

Die AktivistInnen aus Hohenlohe waren auf Einladung der Vereinigung indigener Organisationen der Sierra Juárez (UNOSJO) nach Mexiko gekommen, mit der das Hohenloher Bündnis im vergangenen Jahr eine Partnerschaft eingegangen war. Initiiert wurde diese Zusammenarbeit von der Initiative »Entre Campos – Zwischen Land und Leuten« mit dem Ziel, AktivistInnen und Bauern und Bäuerinnen direkt miteinander in Kontakt zu bringen, so Jochen Fritz. Bei Feldbegehungen an den Steilhängen der Sierra Juárez, in Gesprächen mit Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, bei Besuchen in Dörfern und in Versammlungen mit indigenen Organisationen in Oaxaca hatten die HohenloherInnen Gelegenheit, sich über die zentrale Bedeutung des Mais für die soziale Struktur und die Subsistenzwirtschaft in den indigenen Gemeinden der Sierra Juárez zu informieren, kritische Nachfragen zu stellen sowie ihre eigenen Erfahrungen aus Deutschland bezüglich Patenten auf Schweinerassen, Feldbesetzungen oder Saatgutgesetzen weiterzugeben.

(Der Appell kann unter http://gvofrei.wordpress.com nachgelesen werden)


Quelle: poonal
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 Quelle:  
  http://www.npla.de/poonal/archiv/2721-poonal-nr-884 
 

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