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Zapatistas besetzen Finca in Ocosingo

 

Regierung will den Konflikt auf dem Verhandlungsweg lösen

News vom 01.03.2003

  (Chiapas, Mexiko). Nach Angaben der Regierung von Chiapas besetzten am 28. Februar 2003 ca. 100 Unterstützerinnen und Unterstützer der Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN aus dem Landkreis Ocosingo die Finca ’Rancho Esmeralda’, die Eigentum des us-amerikanischen Ehepaars Ellen Jones und Glen Wersch ist. Das Ehepaar besaß das Anwesen von etwa 10 Hektar Größe seit sieben Jahren, um dort Touristen zu beherbergen. Die Finca liegt in der Nähe der Maya-Ruinen von Toniná und einem gigantischen Militärstützpunkt der Mexikanischen Bundesarmee. Der Sekretär der chiapanekischen Regierung, Emilio Zebadúa, erklärte, dass 80 Personen am vergangenen Freitag in den Besitz eingedrungen seien und sich weitere 50 im Umland aufhielten. Die zwei Arbeiter, die sich zur Zeit des Eindringens auf der Finca aufhielten, verließen das Gelände ohne Androhung von Gewalt freiwillig. Die Zapatistas, die aus dem benachbarten autonomen Landkreis ’Primero de Enero’ stammen sollen, hätten deutlich gemacht, dass sie die Finca besetzen wollten, woraufhin die Regierung einen Vermittler geschickt habe, um einen Dialog anzufangen, damit es zu einem freiwilligen Rückzug kommen könne. Das Ehepaar hatte die Ranch vor zwei Wochen beunruhigt verlassen und fordert nun eine Entschädigung von der Regierung. Die Region um die besetzte Finca wird nun intensiv von Militär und Polizei patrouilliert. Zebadúa war sich nicht sicher, ob die Aktion von der lokalen pro-zapatistischen Bevölkerung ausgegangen war, oder ob es sich um eine Strategie der EZLN-Führung handelte. Er betonte, dass die chiapanekische Regierung den Fall auf dem Wege des Dialogs — unter Einbeziehung des nationalen Friedensbeauftragten Luis H. Alvarez — lösen wolle. Auch die Parlamentarische Versöhnungskommission Cocopa solle an möglichen Gesprächen teilnehmen.

Die Probleme um die Finca begannen Ende 2002, als einige der Gäste des Ehepaars — mutmaßliche Angehörige eines Ökotourismus- Unternehmens — mit Militärkleidung manöverartige Übungen durchführten und damit die im Umland lebende indigene Bevölkerung in große Unruhe versetzten. Die Indígenas werfen Wersch und Jones vor, dass sie derartigen Personengruppen ermöglicht hätten, in der Region aggressiv aufzutreten und so das Alltagsleben der örtlichen Bevölkerung zu verletzen.

Bisher gibt es keine offizielle Stellungsnahme der EZLN oder der Indígenas vor Ort, doch der Journalist Hermann Bellinghausen konnte erfahren, dass das Land der Finca nach der zapatistischen Erhebung von 1994 von den Indígenas "zurückerobert" worden war, ebenso wie die heutige Siedlung ’Nueva Jerusalén’ und weitere private Besitztümer. Doch wenig später kam die mexikanische Bundesarmee nach Toniná und installierte dort eine große Kaserne, woraufhin sich die zapatistischen Aktivisten zurückzogen. Die Armee bewachte nun das Land, das später von Wersch und Jones erworben wurde, die dort eine "alternative" Herberge für Touristen einrichteten. Mehrere Nachrichtenagenturen hatten zunächst berichtet, das Ehepaar habe bereits seit 1993 dort gelebt.

Die gespannte Lage in Chiapas, wo verschiedene indigene, u.a. zapatistische Gemeinden im Naturschutzgebiet Montes Azules aus angeblichen "Umweltschutzgründen" akut räumungsbedroht sind, setzt sich so weiter fort.

Luz Kerkeling, Gruppe B.A.S.T.A.
http://www.gruppe-basta.de/

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