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Brasilien: Wirtschaftswunder versus Menschenrechte?

 

VertreterInnen Sozialer Bewegungen aus Brasilien berichten /Veranstaltung am 7.4.11 in Berlin

FDCL vom 31.03.2011

  Einladung zur Podiumsdiskussion in Berlin

Brasilien: Wirtschaftswunder versus Menschenrechte?
VertreterInnen Sozialer Bewegungen aus Brasilien berichten

Zeit: Donnerstag, 07. April 2011, 18:00 bis 20:00 Uhr
Ort: Haus der EKD, Charlottenstr. 53/54, 10117 Berlin
(Ecke Charlottenstraße /Jägerstraße; U2 Stadtmitte/U6 Französische Straße)

Lageplan − Übersicht
Lageplan − Detail


Mit:

  • Carmen Lorenzoni, Theologin und Menschenrechtsaktivistin, Mitglied der Koordination der Bewegung von Kleinbäuerinnen aus dem Bundesstaat Rio Grande do Sul.
  • Renata Castelondo, Guarani-Indianerin aus dem Bundesstaat Mato Grosso do Sul (Zentrum-Westen Brasiliens).
  • Ricardo Montagner, Kleinbauer aus Xarrua (Süden Brasiliens), Mitglied der Koordination der Nationalen Bewegung der Staudammbetroffenen;
  • Aton Fon, Rechtsanwalt aus S. Paulo, Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation „Rede Social“, die u. a. der Landlosenbewegung MST  juristischen Beistand leistet.
  • Moderation: Michael Windfuhr, stellvertretender Direktor des Instituts für Menschenrechte.


Hintergrund:

In Brasilien haben die politischen Veränderungen, die in den 90-er Jahren begannen, erst in den letzten 10 Jahren eine erkennbare Verbesserung der sozialen Indikatoren nach sich gezogen. Seitdem sich das demokratische politische System konsolidiert hat und gesellschaftlich bisher benachteiligten Bevölkerungsgruppen mehr Chancen ermöglicht, um an politischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken, sind die öffentlichen Ausgaben zugunsten ärmerer Schichten leicht gestiegen. Allerdings werden die notwendigen strukturellen Reformen in Staat und Gesellschaft weiterhin auch durch Besitzstandsdenken blockiert. Die jüngsten ökonomischen Erfolge Brasiliens beruhen vornehmlich auf der großflächig strukturierten Landwirtschaft, deren Ergebnisse erheblich zum Überschuss der Handelsbilanz beitrugen. Neue Staudammgroßprojekte, Expansion gigantischer Monokulturen, Freigabe von Ökosystemen wie die des Regenwaldes und des Cerrado, sind einige Beispiele für die gegenwärtige Energie- und Agrarpolitik, mit teilweise verheerenden Folgen für Bevölkerung und Umwelt. Besonders betroffen sind indigene Völker und Quilombos (die afro-brasilianische Gemeinschaften) sowie traditionelle Gemeinschaften wie Fischer und Flussanrainer.

Die Fortschritte der Agrarreform bei der Enteignung unproduktiver Ländereien und bei der Ansiedlung von landlosen Familien erreichten bei weitem nicht die in Aussicht gestellten Zahlen. Die Landlosenbewegung hat deshalb ihre Kritik an der Regierung verschärft und wieder verstärkt Landbesetzungen organisiert. Landkonflikte mit Todesopfern und Vertreibung gingen auch unter der Regierung Lula weiter.

Im Rahmen der Zuspitzung dieser Auseinandersetzungen hat die brasilianische Elite auch neue Einschüchterungsmethoden entwickelt: Wurden früher Demonstrationen, Land- und Hausbesetzungen und der Kampf gegen die Gewalt der Sicherheitskräfte mit dem polizeilichen Repressionsapparat beantwortet, so wird heute zunehmend das von erzkonservativen Richtern beherrschte Rechtssystem missbraucht, um soziale Bewegungen und NRO zu kriminalisieren. Außerdem werden administrative Hürden bei der Verwendung öffentlicher Mittel geschaffen, um nichtstaatlichen Organisationen und sozialen Bewegungen Geldmissbrauch vorwerfen zu können. Selbst parlamentarische Untersuchungsausschüsse werden gebildet, um z. B. die politische Einstellung der sozialen Bewegungen zur Landfrage zu diskreditieren oder die Nutzung von öffentlichen Mitteln durch NRO in Frage zu stellen. Menschenrechtsaktivisten werden heute wieder öfter als Kriminelle hingestellt. Damit wird leider an öffentlich geschürte Vorurteile aus der Zeit der Militärdiktatur angeknüpft.

Vor diesem Hintergrund sollen auf der Veranstaltung auch die Handlungsspielräume von Nichtregierungsorganisationen (NRO) und sozialen Bewegungen diskutiert werden.

Die Veranstaltung richtet sich sowohl an die breite Öffentlichkeit als auch an die entwicklungspolitische (Fach)Öffentlichkeit.

Die Podiumsteilnehmenden werden auf Portugiesisch referieren, Übersetzung auf Deutsch wird gewährleistet.

Veranstalter: Evangelischer Entwicklungsdienst / EED, Brot für die Welt, FDCL e.V.

FDCL-Brot-eed

FDCL
Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.
Centro de Investigación y Documentación Chile-América Latina
Centro de Pesquisa e Documentação Chile-América Latina
Center for Research and Documentation Chile-Latin America
Gneisenaustraße 2a
D-10961 Berlin
Fon: ++49-(0)30-693 40 29
Fax: ++49-(0)30-692 65 90
email: info[at]fdcl.org

Weitere Informationen unter:
http://www.fdcl-berlin.de

FDCL e.V.:
Vereinsregister-Nr. 5010 Nz · Amtsgericht Charlottenburg
Vorstandsvorsitzende Petra Schlagenhauf

Hinweis: chiapas.eu garantiert nicht für die Richtigkeit der Karten.

 Quelle:  
  http://www.fdcl.org 
 

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