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Mexiko: Die Geschichten der Leute von unten

 

Wie unabhängige Medien - inspiriert vom Kampf der Zapatistas - die Stimmen der Stimmlosen hörbar machen

Indymedia vom 18.04.2011

 

Gespräch mit Nicolas Défossé, unabhängiger Medienaktivist und Regisseur des Dokumentarfilms »Viva México«

Euer Film dokumentiert eine Rundreise von Subcomandante Marcos, Sprecher und Militärchef der Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN, aus Chiapas, den Bergen des mexikanischen Südostens bis an die Nordgrenze mit den USA. Während dieser Reise im Jahr 2006 wurden zahlreiche Kontakte zu verschiedensten sozialen Aktivist_innen geknüpft, um eine landesweite Bewegung aufzubauen, die sich die »Andere Kampagne« nennt und friedlich eine neue, antikapitalistische Verfassung für Mexiko durchsetzen will. Welches Ziel verfolgt die Dokumentation?

Nicolas Défossé: Der Film versucht, das Ziel der Reise abzubilden: einen Spiegel der Leute von ganz unten zu schaffen. Es ging vor allem darum, klarzumachen, dass die Menschen mit ihren sozialen Kämpfen nicht allein sind, dass es viele andere Widerstände in ganz Mexiko gibt. In sechs Monaten habe ich 450 Stunden Filmmaterial erstellt. Es wurden diverse Kurzfilme produziert, aber an einem bestimmten Punkt fiel die Entscheidung, einen langen Film zu machen, der sich nicht auf einen einzelnen Fall bezieht, sondern die Breite der Widerstandsbewegungen in Mexiko abbildet. Zentrales Anliegen des Films ist, einen Teil der kollektiven Widerstandsgeschichte darzustellen, die viele von uns überhaupt nicht erreicht oder nur auf manipulierte Weise.

Die Aufnahmen stammen von 2006...

...aber die Inhalte des Films gehen weit über den Kontext von 2006 hinaus. Er bietet quasi ein kollektives Portrait von Gesichtern und Geschichten, eine Hommage an die Würde der sogenannten einfachen Bevölkerung, an ihre Intelligenz, ihren Sinn für Humor, ihre Aktionsfähigkeit und ihre rebellische Ader. Die Massenmedien in Mexiko schauen von oben herab. Demgegenüber zelebriert »Viva México« gewissermaßen die rebellische Kultur der Leute selbst. Der Film will nicht paternalistisch sein, deswegen gibt es auch keine Kommentator_innenstimme oder Interviews mit Expert_innen. Die Leute haben das Wort. Das Unsichtbare soll sichtbar gemacht werden.

In der »Anderen Kampagne« sind so unterschiedliche Gesellschaftssektoren wie Indigene, Kleinbäuer_innen, Arbeiter_innen, Akademiker_innen, Landbesetzer_innen, Homosexuelle, Sexarbeiter_innen oder Umweltschützer_innen dabei, sich langfristig zu organisieren. Was sind die gemeinsamen Interessen eines derart breiten Spektrums?

Es geht um essentielle Dinge wie Land, Würde, Freiheit und Gerechtigkeit für die Menschen, die in Mexiko unten sind. Darum, dass die Menschen sich in ihrem Kampf gegen die kapitalistische Zerstörung kennenlernen und gegenseitig stärken.

Welchen Beitrag können die alternativen Medien in diesem Kontext leisten?

In der aktuellen Krise des Kapitalismus sind die Massenmedien seine beste Waffe. Sie können die öffentliche Meinung manipulieren, ohne das die Menschen etwas entgegnen könnten. Hier treten die Alternativmedien auf den Plan, sie liefern vielfältige Perspektiven, klagen an und erheben Forderungen. Die Leute können dort auch ihre eigene Position publizieren. Die Alternativmedien sind dabei, Kräfte zu sammeln - die sie jetzt noch nicht haben -, um gegen die Manipulation und Entfremdung seitens der Massenmedien ein Gegengewicht aufzubauen.

Wie reagiert das Publikum bisher auf die Dokumentation - in Mexiko und in Europa?

In Mexiko haben wir den Film bisher mehr als 100 mal in 25 Städten persönlich präsentiert. Nach der Vorführung gab es immer viele Fragen. Durch die Fragen der Besucher_innen - in Europa und Mexiko - wurde deutlich, dass es extreme Leerstellen gibt, was die Information über den zapatistischen Kampf oder andere Widerstände in Mexiko gibt. Denn die Mehrheit der Leute nimmt ausschließlich die Massenmedien zur Kenntnis und wenn diese nicht darüber berichten, was passiert, denken viele, dass gar nichts passiert. Wir sprechen auf dieser Reise also immer wieder über die Alternativmedien, wir weisen darauf hin, dass sie offen und unabhängig sind. Und die Besucher_innen danken uns immer wieder, dass sie durch den Film Zugriff auf Informationen haben, die sie nie bekommen haben.

Eine ältere Dame aus Cuahuila sagte auch, dass sie vor vier Jahren von der Repression gegen die »Andere Kampagne« in Atenco gehört hatte, aber sofort wieder die Nachricht vergessen hatte - und dass sie diese Repression, nachdem sie den Film gesehen hat, nie wieder vergessen wird. Es geht also nicht nur um Zugang zu Information, sondern auch um die Schaffung eines kollektiven Gedächtnisses. Viele Zuschauer_innen fragen uns auch, ob sie den Film an anderen Orten zeigen dürfen, und solange damit keine Geschäfte gemacht werden, ist das ohne Probleme möglich. Immer wieder hören wir zudem Äußerungen wie, »was im Film passiert, passiert auch in unserem Viertel, unserem Dorf oder unserer Stadt«.

Welchen Zusammenhang sehen denn Zuschauer_innen aus Nordmexiko oder Frankreich zwischen der zapatistischen Vision einer basisdemokratischen Praxis und ihrer Lebensrealität?

Es gibt immer wieder Diskussion um das Thema »Was können wir von diesen Kämpfen lernen« Auffällig ist, dass viele Menschen sehr viel Interesse für den Vorschlag der »Anderen Kampagne« zeigen, sich abseits der politischen Parteien zu organisieren und unterschiedliche Kämpfe zu vereinen, wobei die Autonomie jedes einzelnen Kampfes respektiert werden soll. Diese Idee einer ganz anderen Form des Politikmachens kommt sowohl in Mexiko wie auch in Europa gut an - und wahrscheinlich wird sie wachsen.

Interview: Luz Kerkeling

Filmveranstaltungen mit Nicolas Défossé finden in Deutschland vom 19.-25. April in Köln, Münster, Oldenburg, Hamburg, Berlin, Leipzig und Frankfurt/M. statt. Begleitet werden die Filmvorführungen von der Ausstellung »Die Andere Perspektive« von Adolfo Lopez

=> genaue Infos über Veranstaltungsorte und -zeiten unter:
www.ya-basta-netz.de.vu

 Quelle:  
  http://de.indymedia.org/2011/04/305116.shtml 
 

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