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Mario Perez, indigener Theologe: "Es war ein Rückgriff auf meine Wurzeln"

Poonal vom 13.07.2001
Poonal Nr. 486 vom 13. Juli 2001

  Das IV Treffen zum Thema "Indianische Theologie" trägt das Motto "Eine Welt ohne Schlechtes aufbauen". Es findet vom 5. Bis 9. November in Paraguay statt. Ein herausragender Vertreter dieser Theologie ist der katholische Geistliche und mexikanischer Indigena Mario Pérez. Das folgende Interview zur Entwicklung indigener Theologie erschien in der uruguayischen Zeitschrift Umbrales.

Wie ist Ihre Verbindung zur indigenen Kultur und Theologie entstanden?

Meine Verbindung entstand aus meiner eigenen Herkunft. Ich bin ein Kind des Volkes der Nahuac, komme aus dem Norden des mexikanischen Bundesstaates Puebla. Ich fühle mich der Erde, der ich entstamme und denen, deren Kind ich bin, verbunden. Als ich mich in Seminaren für die Geistlichkeit vorbereitete und studierte, ging das verloren. Später, im Kontakt mit meinem Volk, kam das wieder mit größerer Kraft in mir auf.

Es war ein Rückgriff auf meine Wurzeln, auf die Werte, die wir als Indigenas besitzen. Zwei Dinge waren dabei wichtig: einerseits meine eigenen indigenen Wurzeln und andererseits die Kämpfe der indigenen Völker, die ich in der achtziger Jahren in der Region, aus der ich komme, kennen lernte.

Wie drangen sie tiefer in die althergebrachten Traditionen ein und wie kamen sie dazu, eine "neue" indigene Theologie zu formulieren?

Zuerst mußte ich eine Etappe des Dienens durchlaufen. Bei indigenen Völkern werden Menschen durch die Dienstaufgaben geformt, die ihnen übertragen werden. Jeder einzelne muß zeigen, dass er würdig ist und konkrete Vereinbarungen mit seinem Volk einhält. Auch ich mußte diese Erfahrungen machen, bei denen ich indem ich gewandert bin, gearbeitet und gekämpft habe, zeigen konnte, dafür würdig zu sein, diese Kenntnisse zu erhalten.

Dann gab es eine anderer Zeit, in der die Älteren mich in eine Versammlung setzten und mir sagten: "Du bist eine der Unseren und jetzt werden wir beginnen, die die ältesten Traditionen beizubringen." Diese Zeit war dazu da, zuzuhören — dem Volk und den Ältesten zuzuhören.

Ein weiterer Schritt bestand darin, die alten Gesetze und Bücher wieder zu lesen. In Mexiko war es möglich, mehr als Tausend alte Gesetzbücher zu katalogisieren (obwohl sich die Mehrzahl im Ausland befindet), und das erlaubte es uns, die Wurzeln zu vertiefen und zu bestätigen, was uns unsere Vorfahren hinterlassen haben.

Wie hat sich das wiedererweckte Interesse an diesem indigenen Bewußtsein ergeben?

Einen Impuls hat dieses Wiederaufleben 1992 erhalten. Von Seiten der Kirche wie auch von Seiten der Gesellschaft waren es die Vorbereitungen dessen, was manche das "Zusammentreffen zweier Welten" nannten: die "Entdeckung Amerikas". Für die Indigenas bot sich dabei die Gelegenheit, sich bewußt darüber zu werden, dass es uns bereits vor Eintreffen der östlichen Zivilisation gab, dass wir bereits eine Theologie hatten, Medizin hatten, Wissen von Architektur, Astronomie und Spezialwissen auf vielen anderen Gebieten besaßen. Wir hatten Geistliche, Lehrer, Bildungszentren Universitäten.

Welches sind die wichtigsten Prinzipien indigener Theologie?

Das erste Prinzip ist, dass wir an Mutter und Vater glauben. Das ist die göttliche Konzeption von Mutter und Vater, eingebettet in Monoteismus. Wir haben dafür einen Begriff: Ometeotzin. Das bedeutet Mama und Papa als ein höheres Wesen, eine göttliche und mysteriöse Dualität, die davon spricht, wer unsere ehrwürdige Mutter, Tonantzin, und wer unser ehrwürdiger Vater, Totatzin, ist.

Ein anderes Konzept, das sehr wichtig für die indigene Theologie ist, ist die Art, in der Ometeotzin die Welt erschaffen hat. Der Mythos der Erschaffung der Welt, wie Osten und Westen, Norden und Süden gemacht wurden. Das drücken wir traditionell mit einem Kreuz aus. Ein Kreuz, das ein Zentrum hat, in dem sich Göttlichkeit und Menschlichkeit vereinen.

Wie sehen Sie als katholischer Geistlicher den Beitrag, den eine indigene Theologie zum traditionellen katholischen Glauben leisten kann?

Vor allem kann das die Form sein, in der gebetet wird. Die Gebete der Älteren sind einschließend, das heißt, Gebete, in denen alle ihren Platz finden: die Kinder, die Alten und die Jungen, die religiösen und zivilen Autoritäten, die Sänger und diejenigen, die die Messe vorbereiten.

Außerdem, wenn wir unser Gebet ost- oder westwärts richten, erinner wir uns an alle Völker im Osten und im Westen, Norden und Süden, damit alle eingeschlossen sind. Es sind theologische Orte, in die die anderen eingeschlossen, in der Gott und die ganze Menschheit eingeschlossen werden.

Die indigene Liturgie und Geistlichkeit richtet sich wirklich auf die Katholizität (im Sinne von Gesamtheit). Außerdem ist sie integrativ gegenüber der ganzen Symbolik des Körpers, der Tiere und der gesamtenGenesis.

Welche hoffnungsvolle Botschaft kann das für Lateinamerika bedeuten?

Wir glauben, dass angesichts der schwierigen Lage dieser Zeiten hat uns das gezeigt, dass wenn wir nicht sehen, woher wir kommen und unsere Wurzeln nicht anerkennen, werden wir unsere Mission in dieser Welt nicht erkennen. Wenn wir nicht wissen, wie wir erschaffen wurden, werden wir den Sinn in unserem Leben kaum finden. Wenn wir unsere Wurzeln sehen, können wie die Träume der Menschheit und die Utopien, die all den Kämpfen unserer Völker Sinn geben, wiederherstellen.


Quelle: poonal
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