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Der tote Che Guevara verfolgt den bolivianischen Botschafter - General Gary Prado in Bedrängnis

Poonal vom 03.08.2001
Von Gerold Schmidt, Poonal Nr. 487 vom 3. August 2001

  (Mexiko-Stadt, 3. August 2001, Poonal).- Der Kunstkritiker Alberto Híjar überlegte nicht lange, als er nach einer Buchvorstellung unter den Gästen den Mann im Rollstuhl wieder erkannte. "Auf die Gesundheit des Che-Mörder" schleuderte er ihm ins Gesicht — samt eines vollen Glases Rotwein. "Ich bin Militär und erfülle Befehle", soll der Geschmähte geantwortet haben. Das war vor einer Woche, am 26. Juli. Seitdem wird der bolivianische General Gary Prado, seit März dieses Jahres Botschafter in Mexiko, von der Vergangenheit eingeholt. Und die mexikanische Regierung muss sich unangenehme Fragen stellen lassen.

Prado war als Captain der Armee für das Kommando verantwortlich, dass am 8. Oktober 1967 den berühmten argentinisch-kubanischen Guerillero Ernsto "Che" Guevara in Bolivien nahe des Ortes La Higuera stellte und ihn gefangen nahm. Der Soldat identifizierte das Idol mehrerer Generationen und gab die Erfolgsmeldung an die Generäle weiter. Auf "Befehl von oben" wurde der verwundete und wehrlose "Che" wenig später erschossen, besser gesagt, illegal hingerichtet. Gary Prado war zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend, doch für viele gilt er aufgrund seiner Rolle bei der Festnahme von Guevara als einer der Mörder des neben Fidel Castro bekanntesten Helden der kubanischen Revolution. Prados Person wurde nicht dadurch sympathischer, dass er die Uhr des toten Che Guevara als Andenken an sich nahm.

Die Vergangenheit des bis zum Divisionsgeneral aufgestiegenen Militärs war der mexikanischen Regierung durchaus bekannt, als ihr das Akkreditierungsgesuch vorlag. Zudem hatte Prado vor dem bolivianischen Senat im November 2000 seinen Arbeitsplan vorgelegt und es unter anderem als seine zukünftige Aufgabe betrachtet, in Mexiko "das Handeln aufständischer und irregulärer Gruppen zu analysieren" und zwar "wegen des Einflusses, den diese aufgrund des Imitationsphänomens in unseren eigenen Gemeinden ausüben könnten".

Auf vereinzelte Kritik — darunter die von Alberto Híjar und aus Senatskreisen — reagierte Mexiko vor Prados Einreise nicht. Präsident Fox empfing am 19. März in seiner Residenz das Beglaubigungsschreiben des Botschafters. Die Öffentlichkeit nahm damals kaum von dem Vorgang Notiz. Das hat sich nun geändert. In Leserbriefen an die Zeitungen äußern sich viele Menschen zu der Aktion von Híjar. Die meisten zustimmend. Menschenrechtsorganisationen und Oppositionspolitiker fordern bereits, dass die bolivianische Regierung ihren Botschafter zurückzieht. Die Ratsversammlung von Mexiko-Stadt sagte ein geplantes Treffen mit Prado kurzfristig ab. Möglicherweise kommt im Parlament eine Mehrheit für eine Erklärung zustande, in der der mexikanische Außenminister Jorge Castañeda gedrängt wird, den "Verbleib" des Botschafters zu überprüfen.

Castañeda schließt bisher kategorisch ein solches Vorgehen seiner Regierung aus. Der Minister selbst, Autor einer umstrittenen Che Guevara-Biografie und vom Verehrer der kubanischen Revolution zu einem ihrer scharfen Kritiker geworden, steht nicht außerhalb jeden Verdachtes. War es nur fehlende Sensibilität oder gezielte Absicht, im Vorfeld keine Bedenken gegen die Ernennung des Botschafters geäußert zu haben? Mehrfach hat Castañeda die traditionell guten Beziehungen zum sozialistischen Kuba in den vergangenen Monaten mit kleineren und größeren Nadelstichen strapaziert. Dass in dem Land, von dem aus einst Fidel Castro und Che Guevara die Revolution vorbereiteten, heute einer der Henker des "Che" als Diplomat agiert, kann von dem Karibikstaat durchaus als Affront aufgefasst werden.

Alberto Híjar bereut sein Rotwein-Attentat nicht. Es täte ihm nur leid, "keinen Kuchen zur Hand gehabt zu haben", meint er. Das wichtige sei jedoch nicht die Aktion als solche, sondern ihr Echo. Der Ruf "gegen das Vergessen und die Straflosigkeit" dürfe nicht verstummen. Stumm blieb in den zurück liegenden Tagen General Gary Prado. Auch wenn er wohl keine förmliche Einladung zum Verlassen des Landes erhalten wird: Es wäre keine Überraschung, sollte er demnächst sein Botschafteramt aufgeben und die Heimreise antreten. Es wäre auch ein später Sieg des "Che".


Quelle: poonal
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