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Einheimischer Mais in Oaxaca

 

Gesetzesinitiativen für einen legalisierten Raubzug

Poonal vom 16.10.2011
von Luis Hernández Navarro, Mexiko-Stadt (Poonal Nr. 967)

  Benito Juárez (Oaxaca): Bauer-mit-Mais /archivo de proyectos, flickr
Benito Juárez (Oaxaca): Bauer-mit-Mais /archivo de proyectos, flickr


(Mexiko-Stadt, 4. Oktober 2011, La Jornada).- Vor zehn Jahren entdeckte man in der Sierra Norte im Bundesstaat Oaxaca Genmais. Seither kämpfen dort indigene Gemeinden gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Die letzte Episode dieser Schlacht ist eine Erklärung von 35 Organisationen, mit der sie sich gegen zwei Vorschläge verwehren, die vorgeblich den einheimischen Mais schützen sollen, Aussaat und Lagerung gentechnisch veränderten Maises jedoch nicht verbieten. Im Gegenteil, sie regeln und legalisieren dessen Eintritt auf den Feldern Oaxacas.

2001 finden Wissenschaftler genveränderten Mais in Oaxaca

Steilhang mit Maisfeld in Oaxaca /Foto: Entre Campos - Entre PueblosSteilhang mit Maisfeld in Oaxaca /Foto: Entre Campos - Entre Pueblos
Obwohl weniger als vier Prozent des Maises, der insgesamt in Mexiko geerntet wird, aus Oaxaca kommen, ist er doch einer von sieben Bundesstaaten, in denen dieses Getreide besonders häufig angebaut wird. In 567 der insgesamt 570 Verwaltungsbezirke wird Mais gesät. Diejenigen, die ihn ausbringen, gehören meistens einem der 15 indigenen Völker an, die im Bundesstaat Oaxaca leben. Mais stellt die Basis ihrer Ernährung dar und ist tief in ihrer Kultur verankert. Die indigenen Maisbauern und -bäuerinnen gehören zu den ärmsten Bewohnern der Region. Ihre Felder sind meist nicht einmal fünf Hektar groß, die Böden schlecht und die physischen Gegebenheiten ungünstig.

Im November 2001 fanden die beiden Wissenschaftler Ignacio Chapela und David Quist (Universität Berekeley) in den Gemeinden der Sierra Norte einheimischen Mais, der gentechnisch kontaminiert war. Trotz der Rufmordkampagne, die daraufhin von Saatgutfirmen initiiert und mit der erreicht wurde, dass die Zeitschrift Nature die Veröffentlichung des Artikels von Chapela und Quist zurücknahm, bestätigten das Nationale Institut für Ökologie INE (Instituto Nacional de Ecología) und die Nationale Kommission zur Biologischen Vielfalt Conabio (Comisión Nacional de Biodiversidad) schließlich die Kontaminierung. Im entsprechenden Bericht wird dokumentiert, dass im Lager der Diconsa in der Ortschaft Ixtlán gentechnisch veränderter Mais gefunden wurde, der für den menschlichen Verzehr vorgesehen war [1].

Widerstand gegen die Verunreinigung einheimischer Maissorten

Diese Entdeckung war eine Initialzündung dafür, dass unterschiedliche Kämpfe in den Regionen, Gemeinden und Organisationen zusammenfanden und eine soziale Antwort auf das Problem organisierten. Seither bildeten die Gemeinden und die Bauern und Bäuerinnen aus Oaxaca die Avantgarde im Widerstand gegen die Verunreinigung einheimischer Maissorten.

Als Teil dieses Widerstandes unterzeichneten am vergangenen 25. August 35 Organisationen eine Erklärung, in der sie zwei Gesetzesvorhaben zurückweisen, die vorgeben, das Grundnahrungsmittel der Bevölkerung Oaxacas zu schützen, die aber – so versichern die Unterzeichnenden – die Ausbeutung des einheimischen Maises durch transnationale Unternehmen befördern.

Schöne Schlagworte

Die Gesetzesvorschläge wurden von der Partei der Institutionellen Revolution PRI (Partido Revolucionario Institucional) und der Partei der Nationalen Aktion PAN (Partido Acción Nacional) ins Landesparlament eingebracht. Der Antrag der PRI wurde von der Abgeordneten Carolina Aparicio Sánchez erarbeitet und erhielt den Namen „Gesetz zur Nachhaltigkeit nativer Maissorten des Bundesstaates Oaxaca“ (Ley de Sustentabilidad de los Maíces Nativos del Estado de Oaxaca). Der Vorschlag der PAN, mit dem Namen „Gesetz zur Förderung und zum Schutz des Einheimischen Maises als Kulturerbe der Ernährung im Bundesstaat Oaxaca“ (Ley de Fomento y Protección del Maíz Criollo como Patrimonio Alimentario del Estado de Oaxaca) wurde von der Abgeordneten Marlene Aldeco Reyes Retana präsentiert, auf Vorschlag von Maricela Silva von der Stiftung für die Soziale Entwicklung Coatlicue (Fundación para el Desarrollo Social Coatlicue).

»Beleidigung der Intelligenz der Völker Oaxacas«

Die indigenen Gemeinden erklären, dass »die beiden Initiativen die Intelligenz der Bevölkerung Oaxacas beleidigen«. Sie unterstreichen, dass »auf unverschämte Weise die Rechte unserer indigenen und bäuerlichen Gemeinden und Völker auf freie Entscheidung und auf Ernährungssouveränität verletzt werden«.

Die Initiative der PAN ist eine Kopie der Gesetze von Tlaxcala und Michoacán, die national wie international stark in die Kritik geraten waren. Der Gesetzesvorschlag der PRI geht völlig an der Realität der ländlichen Regionen Oaxacas vorbei. Beide Initiativen räumen eine gewisse juristische Sicherheit nur den registrierten ProduzentInnen ein – damit werden indigene Bauern und Bäuerinnen, die für die Selbstversorgung produzieren, ausgeschlossen. Die Vorschläge orientieren sich an Regionen, in denen intensive Landwirtschaft betrieben wird, die mit Herbiziden und Pestiziden arbeiten und der Agroindustrie und den Hochleistungsbetrieben Vorrang einräumen.

Saatgut der ProduzentInnen soll in Saatgut-Genbank

Gendatenbank für Mais / CIMMYT, flickrGendatenbank für Mais / CIMMYT, flickr
Nach Angaben der Organisationen sehen beide Vorschläge die Schaffung einer zentralen Stelle vor, die alle Aktivitäten rund um den Mais kontrollieren würde. Damit wäre diese Stelle die einzige Verbindungsstelle zwischen Staat und ProduzentInnen. Den Bauern und Bäuerinnen bliebe somit die Möglichkeit verwehrt, über auch nur irgendeinen Sachverhalt, der mit ihrem Saatgut zu tun hat, zu entscheiden. Die Initiativen fördern außerdem die Schaffung eines ProduzentInnenregisters. Nur wer dort registriert ist, könnte dann künftig noch Unterstützung erhalten und von Produktionsprogrammen profitieren.

Zudem werden die Bauern und Bäuerinnen dazu verpflichtet, ihr Saatgut und ihre Kenntnisse mittels Saatgut-Banken für Züchtungen zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise, so mahnen die Gemeinden, ebne man den transnationalen Unternehmen den Zugang zu diesem Saatgut.

Ebenso wie in den kürzlich verabschiedeten Mais-Gesetzen in Tlaxcala und Michoacán, verbieten die Gesetzesinitiativen nicht die Aussaat oder die Lagerung gentechnisch veränderter Pflanzen. Im Gegenteil, sie regeln und legalisieren deren Eintritt. Rückendeckung gibt ihnen dabei das Bundesgesetz über die Biosicherheit und Genveränderte Organismen (Bioseguridad y Organismos Genéticamente Modificados), das von seinen KritikerInnen schlichtweg als "Ley de Monsanto" (Gesetz von Monsanto) bezeichnet wird.

Einfallstor für Patentierung einheimischer Maissorten

Nach Ansicht der Völker Oaxacas im Widerstand gegen die Gentechnik bestärken die Gesetzesinitiativen zudem den Konflikt zwischen der Verwaltung des Gemeindezirks und deren Außenstellen an, indem einzig den VertreterInnen des Gemeindebezirks die Entscheidungsbefugnis eingeräumt wird. Damit werden bäuerliche und indigene Organisationsstrukturen auf Gemeindeebene ignoriert, so etwa die Gemeindeversammlung und das Gremium für Gemeindegüter bzw. das Leitungsgremium für die Verwaltung des gemeinschaftlichen Landbesitzes (Ejido).

Wie auch schon andere Gesetze, in denen geschrieben steht, sie würden den autochthonen Mais schützen, so simulieren auch die Gesetzesinitiativen von Oaxaca, einen Beitrag zum Erhalt dieses Getreides zu leisten, während sie tatsächlich ein erster Schritt dahin sind, dass die KleinproduzentInnen die Kontrolle über ihr Saatgut verlieren. Die Regierungen erhalten auf diese Weise die Lizenz, die Enteignung des traditionellen Wissens der Bauern und Bäuerinnen zu betreiben, damit Privatunternehmen sie sich aneignen und dieses Saatgut patentieren. Es ist also nicht verwunderlich, dass diejenigen, die bereits seit zehn Jahren dagegen genveränderten Mais in Landwirtschaft Oaxacas ankämpfen, sich gegen diese Initiativen stellen.

Anmerkung:

[1] vgl. Ana de Ita, Reporte de los ciudadanos del mundo. México: maíz transgénico en el centro de origen.

Der Originalartikel erschien am 4. Oktober in der mexikanischen Tageszeitung »La Jornada«


Quelle: poonal
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