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Erneutes Attentat auf Aktivistin Norma Andrade

Poonal vom 04.02.2012
Dieser Artikel ist erschienen in Poonal Nr. 982

  Mexiko-Norma Andrade Amnesty-International(Mexiko-Stadt, 03. Februar 2012, cimac/poonal).- Norma Andrade, Gründerin der in Ciudad Juárez gegen Frauenmorde kämpfenden Organisation Unsere Töchter sollen nach Hause zurückkehren NHRC (Nuestras Hijas de regreso a Casa), ist am 3. Februar erneut Opfer eines Attentats worden. Der Angriff ereignete sich in der mexikanischen Hauptstadt, wo Andrade beim Betreten ihres Hauses von einem Mann mit einem Messer angegriffen wurde. Andrade habe sich mit Faustschlägen gewehrt, woraufhin der Attentäter floh.

Derzeit befindet sich die Aktivistin im Krankenhaus. Sie sei bei Bewusstsein, könne sprechen und habe Wunden am Hals, so die Sprecherin der Organisation NHRC, Adazahira Chávez.

Erst am 2. Dezember 2011 war die Aktivistin in der Stadt Ciudad Juárez Opfer eines Mordversuchs geworden, bei dem sie von fünf Kugeln getroffen wurde, das Attentat jedoch schwer verletzt überlebte. Aufgrund dieses Vorfalls nahmen die Aktivistinnen Norma Andrade und Malú García das Angebot der Generalstaatsanwaltschaft der mexikanischen Hauptstadt an, nach Mexiko-Stadt überzusiedeln. Noch am 12. Dezember 2011 hatte, César Duarte, Gouverneur des an der Grenze zu den USA gelegenen Bundesstaates Chihuahua, versprochen, angesichts der anhaltenden Drohungen gegen Andrade, für einen sicheren Wegzug der Aktivistin und ihrer Familie aus Ciudad Juárez zu garantieren.

Fehlende Schutzmaßnahmen trotz Morddrohungen

Laut Chávez habe Andrade bis zum derzeitigen Zeitpunkt allerdings keinerlei Polizeischutz erhalten. Die Behörden der Hauptstadt würden auf eine entsprechende Anforderung aus dem Bundesstaat Chihuahua warten, die jedoch bisher nicht erfolgt sei. Auch das Innenministerium habe angeboten, die Aktivistin zu schützen, der Vorgang sei aber noch in Bearbeitung gewesen, heißt es in mexikanischen Presseberichten.

Die Anwältin von Andrade, Karla Michel Salas, unterstrich im Interview, dass diese Messerattacke nicht der einzige derartige Vorfall sie. Am vergangenen 6. Dezember, nur vier Stunden nach dem ersten Attentat und nur wenige Stunden, bevor das Krankenhaus, in dem Andrade behandelt wurde, anonyme Drohungen gegen das Personal erhielt, war in der Grundschule, in der Andrade arbeitete, ein Transparent mit einer Drohung gegen die Aktivistin aufgetaucht.

Mexiko missachtet Anordnung der Menschenrechtskommission

Im Jahr 2008 hatte die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte CIDH (Comisión Interamericana de Derechos Humanos) Schutzmaßnahmen für María Luisa (Malú) García Andrade und Marisela Ortiz angeordnet, die ebenfalls Mitglieder der Organisation NHRC sind. Der mexikanische Staat ist diesen Anordnungen jedoch bisher nicht nachgekommen.

Andrade hatte 2001 die Organisation NHRC gegründet, nachdem ihre Tochter im selben Jahr entführt, fünf Tage lang sexuell gefoltert und später ermordet worden war. Seither hat die Organisation Hunderte Fälle von verschwundenen und ermordeten Frauen dokumentiert und angezeigt, die in der nordmexikanischen Stadt Ciudad Juárez erstmal 1993 angezeigt wurden.


Quelle: poonal
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