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Unerwartete Gegner

 

Mexiko: Einen Monat vor der Wahl bringen Studentenproteste den Favoriten in Bedrängnis

junge welt vom 29.05.2012
Andreas Knobloch

  jw-logoWährend in Mexiko die am 1. Juli stattfindenden Präsidentschaftswahlen ihre Schatten vorauswerfen, haben in der vergangenen Woche in mindestens 14 Bundesstaaten des Landes Tausende Studenten gegen Korruption, die politischen Parteien und die etablierten Medien demonstriert. Allein in Mexiko-Stadt versammelten sich über 15000 Menschen und forderten eine Demokratisierung der Medien sowie eine ausgewogenere und bessere Berichterstattung. »Wir wollen Schulen, keine Seifenopern«, kritisierten sie das seichte Programm der kommerziellen Kanäle und forderten: »Der (Impf-)Stoff gegen die Medienmanipulation ist Bildung«. In Mexiko hat ein Duopol der beiden großen Medienkonzerne Televisa und TV Azteca den Fernsehmarkt unter sich aufgeteilt.

Auslöser der Mobilisierungen war der Auftritt des Präsidentschaftskandidaten der Revolutionären Institutionellen Partei (PRI), Enrique Peña Nieto, an der Iberoamerikanischen Universität (kurz Ibero oder UIA). Peña Nieto führt derzeit in allen Umfragen und soll die PRI nach zwölf Jahren Unterbrechung zurück an die Macht führen, die sie mehr als siebzig Jahre ununterbrochen innehatte. Die Studenten der von Jesuiten gegründeten privaten Universität, die in einer der exklusivsten Gegenden der Hauptstadt beheimatet ist, werden in der Regel nicht verdächtigt, besonders sozialkritisch zu sein. Doch Peña Nieto strapazierte mit vagen Aussagen ihre Nerven; Dutzende Studenten begannen, ihn auszubuhen, und ihm seine Haltung als Gouverneur des Bundesstaates Estado de México vorzuhalten. Schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als das Weite zu suchen, begleitet von Sprechchören wie »Raus! Raus!« und »Mörder!«. Die PRI beschuldigte die Studenten daraufhin, durch eine Gruppe von Provokateuren und Infiltrierten manipuliert worden zu sein. In dem Bericht von Televisa, der Fernsehanstalt mit der größten Reichweite, der immer wieder vorgeworfen wird, den PRI-Kandidaten zu unterstützen, wurde Peña Nietos Besuch der Ibero dagegen als Erfolg verkauft.

Daraufhin begannen die Studenten, sich im Internet über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter zu organisieren. Studenten weiterer Hochschulen, öffentlicher wie privater, solidarisierten sich. Die erste Demonstration führte zum Sitz von Televisa; in einer weiteren versammelten sich Zehntausende auf dem Zócalo, dem zentralen Platz, in Mexiko-Stadt.

Der etablierte Politikbetrieb wurde von Form und Ausmaß des Protestes überrascht. Erstmals spielen das Internet und soziale Medien eine größere Rolle im Wahlkampf. »Die PRI ist sehr geschickt gewesen, wenn es um die Kampagne in konventionellen Mitteln ging, aber die sozialen Netzwerke sind ein neues Feld, das sie nicht kennt und erst sehr spät entdeckt hat. Die Linke ist dort viel besser positioniert, zum Teil wegen des Mißtrauens von Andrés Manuel López Obrador gegenüber den traditionellen Medien«, zitierte die spanische Tageszeitung El País den Soziologen und Journalisten Jorge Zepeda.

Die Bewegung versteht sich jedoch keineswegs als nur gegen die PRI gerichtet. Vielmehr versucht man Distanz zu allen Parteien zu halten. Ob die Proteste anhalten werden, hängt wohl entscheidend davon ab, ob es ihr gelingt, sich thematisch zu vertiefen und auch andere Gesellschaftsschichten wie Arbeitslose, Jugendliche mit geringer oder ohne Ausbildung und Arbeiter einzubeziehen.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2012/05-29/038.php 
 

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