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»Wir zogen der Gen-Industrie den Boden unter den Füßen weg«

Poonal vom 07.06.2012
von Angélica Enciso und Blanche Petrich

 

Ignacio-Chapela / Foto: Steve Rhodes, CC BY-NC-SA 2.0, FlickrIgnacio-Chapela / Foto: Steve Rhodes, CC BY-NC-SA 2.0, Flickr
(Mexico-Stadt, 12. Februar 2012, la jornada-poonal).- Vor zehn Jahren machten Ignacio Chapela, Mikrobiologe der Universität von Kalifornien (Berkely), und sein Schüler David Quist eine Entdeckung, die eine der wichtigsten Annahmen der Gentechnologie beim Mais widerlegte. »Wir zogen der Genindustrie den Boden unter den Füßen weg«, kommentierte Chapela selbst diese Entdeckung.

Die internationale wissenschaftliche Zeitschrift »Nature« veröffentlichte im Dezember 2001 die Untersuchung der beiden Forscher. Chapela und Quist wiesen das Vorhandensein von Genmais auf Feldern in der Sierra Norte, dem nördlichen Bergland des Bundesstaates Oaxaca nach. Die Sierra Norte gilt als eines der Ursprungszentren des Maisgetreides in Mexiko. Sie befindet sich weit weg von jenen Orten, an denen mit Genmais experimentiert wurde.

Blick hinter die Kulissen

Chapela widerfuhr, was auch viele anderen ExpertInnen erlebten, als sie die Alarmglocken hinsichtlich der Gefahren der Biotechnologie läuteten. Er und Quist wurden Opfer einer aggressiven Verleumdungskampagne, sowohl innerhalb als auch und außerhalb des universitären Campus. Heute gibt Chapela, dem damals vorübergehend die Professur entzogen wurde, im Interview zu: »Meiner Karriere hat dies geschadet, das muss ich akzeptieren. Gleichzeitig war das sehr erhellend und verdeutlichte den Hintergrund der Situation.«

Mit zehn Jahren Abstand erinnert sich der nach wie vor in Berkely forschende Ignacio Chapela: »In diesem Moment hatten wir die Gelegenheit, unter die Kutte der Gentechnik-Religion zu schauen. Wir widerlegten ihre Versprechen, vor allem das einer durchführbaren Kontrolle. Wir bekamen den Einfluss korrupter Kräfte zu spüren. Die Gentechnik gibt es inzwischen seit 40 Jahren und sie hat uns nichts gebracht. Trotzdem bringen sie ihre Produkte weiterhin auf irreführende Weise unter die Leute.«

Diffamierung im Auftrag der Multis

»Das Ausmaß der Koordination und des Einflusses der Unternehmen – nicht nur in Mexiko sondern auch in den USA bzw. der englischsprachigen Welt – war beeindruckend«, erinnert sich der Wissenschaftler an die damalige Hetze. Damals verfolgte der englische Journalist Jonathan Matthews den Weg der E-Mails in denen Chapela diffamiert wurde, bis zu ihrem Ursprung zurück. Dabei fand er heraus, dass zwei angebliche Forscherinnen, Mary Murphy und Andura Smetacek, die Initiatorinnen der Kampagne, vom Multi Monsanto für Öffentlichkeitsarbeit bezahlt wurden.

Chapela kommentierte das 2002 gegenüber der mexikanischen Tageszeitung La Jornada mit folgenden Worten: »Die Autoren der in Nature gegen mich veröffentlichten Briefe befinden sich in einem direkten Interessenkonflikt. Sie sind in einen weiteren Skandal in Berkely aus dem Jahr 1998 verwickelt, in dessen Kontext Novartis (ein weiterer Großkonzern der Gentechnik) 25 Millionen US-Dollar in die Forschung investierte. Damit wollten sie den ganzen Lehrkörper kaufen.«

Kontrollierbarkeit der Gentechnik in Frage gestellt

Foto: Archivo de Proyectos CC BY-NC-SA 2.0, FlickrFoto: Archivo de Proyectos CC BY-NC-SA 2.0, Flickr
Der Artikel in der Zeitschrift Nature, dessen Ergebnisse in den vergangenen Jahren durch neuere Untersuchungen, in denen die Kontaminierung mit Genmais in Mexiko bestätigt wurde, Rückendeckung erhielt, hatte eine enorme Wirkung, wie Elena Álvarez Buylla vom Ökologie-Institut der Autonomen Universität Mexikos UNAM erklärt. Denn die »Konzerne argumentierten stets, dass die genveränderten Organismen auf einer präzisen und kontrollierbaren Technologie beruhten.« Der Fund hinterfragte eines dieser grundlegenden Postulate der Industrie und er belegte, dass die Technologie alles andere als beherrschbar war. Diese Fakten sind nicht unerheblich angesichts der Notwendigkeit, unabhängige genaue Forschungen über Langzeitwirkungen der Gentechnik zu finanzieren, was auf einen erheblichen Gegendruck trifft – die Unternehmen sehen ein solches Vorgehen als »Zeitverschwendung« und damit als Geldverschwendung an.

[Der Originalartikel erschien am 13. Februar 2012 in der mexikanischen Tageszeitung »La Jornada«. Der Text ist der vierte von sieben Artikeln der AutorInnen zum Thema Gentechnik in Mexiko, die wir in den kommenden Wochen hier wiedergeben werden.]

Übersetzung: »Entre Campos & Entre Pueblos – Zwischen Land und Leuten«


Quelle: poonal
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 Quelle:  
  http://www.npla.de/de/poonal/3835-qwir-zogen-der-genindustrie-den-boden-unter-den-fuessen-wegq 
 

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