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Signal aus Cherán

 

Es geht auch anders: Bewohner einer mexikanischen Kleinstadt jagen Holzmafia und korrupte Staatsdiener zum Teufel

junge welt vom 07.06.2012
Rainer Rupp

 

Vorbemerkung:

Alternative Modelle zu den korrupten, durch Menschenrechtsverletzungen schwer belasteten Polizeistrukturen in Mexiko sind außerordentlich wichtig, auch in der Diskussion mit offiziellen Stellen
(vgl. http://www.mexiko-koordination.de/component/docman/doc_view/120-positionspapier-polizeizusammenarbeit.html?Itemid=53)

Zu Cheran ging ja bereits zuvor eine Meldung mit Bezug auf http://www.nzz.ch/aktuell/international/wie-ein-mexikanisches-staedtchen-die-boesewichte-vertrieb-1.17091747 über den Verteiler.

Zugleich sei darauf verwiesen, dass dies nicht das einzige alternative Modell in Mexiko ist. Länger existierende, auf größerer Fläche praktiziert wird dies (a) mit der Rechtssprechung der Zapatisten in den autonomen Gemeinden und die Policia Comunitaria in Teilen von Guerrero siehe Seite 46-51 im PBI-bericht von 2007 (http://www.pbi-mexico.org/fileadmin/user_files/projects/mexico/files/Verteidiger_Guerrero_PBI_Mexico_DEU.pdf.

P.


jw-logoVon Cherán geht ein Signal der Hoffnung aus. Die Einwohner des kleinen, etwa acht Autostunden westlich von Mexiko-Stadt gelegenen Ortes haben gezeigt, wie dem zur Zeit alles beherrschenden Desaster-Kapitalismus beizukommen ist. In Deutschland hat bislang kaum jemand von der Geschichte gehört. Vielleicht, weil die hiesigen »Qualitätsmedien«, erfolgreiche basisdemokratische Entwicklungen nur zu gerne im großen Informationsloch verschwinden lassen? Dem kann abgeholfen werden.

Cherán galt als einer jener Orte, wo die Jagd nach dem schnellen Profit alles dominierte. Jedes Mittel war den Akteuren recht, soziale Standards gab es nicht mehr. Der Reichtum des Städtchens war dessen etwa 27000 Hektar großes Waldgebiet. Das wurde – obwohl offiziell geschützt – Stück für Stück abgeholzt. Bis zu 250 Schwertransporter donnerten täglich durch die Straßen und transportierten die Beute ab. Erfahrungsgemäß gelten solche Orte als ebenso verloren wie das ganze Land. Nicht so Cherán.

Heute kann jeder Bürger wieder die Straße überqueren, ohne Angst haben zu müssen, überfahren oder erschossen zu werden. Nur noch die lange Reihe ausgebrannter Transporter am Ortsausgang, oder die Einschußlöcher an den Hauswänden erinnert daran, daß auch hier der traurige Zivilisationsstandard des »modernen« Mexiko Einzug gehalten hatte. Entführungen, Schutzgeld­erpressungen, Morde und Vergewaltigungen gehörten zum Alltag.

Unter dem Schutz des damaligen Bürgermeisters schlugen kriminelle Banden seit 2008 etwa 13000 Hektar des Waldes kahl. Wann immer es zu Handgreiflichkeiten zwischen Bürgern und Holzfällern kam, schickte der Ortsvorsteher die Polizei – um die Diebe zu schützen. Abholzungen dieses Ausmaßes ließen sich nur mit Hilfe eines Drogenkartells organisieren. Das wiederum erhob für jeden Transporter, der Cherán durchquerte, umgerechnet rund 40 Dollar Gebühr. Im Gegenzug stellte die mafiose Organisation Weitertransport und Vermarktung sicher. Das Holz wurde schließlich als vermeintlich rechtmäßig erworbenes Eigentum verkauft, alle notwendigen Papieren inklusive. Wer sich wehrte, wurde ermordet oder verschwand spurlos. 20 Bürger starben in drei Jahren nach 2008 auf diese Weise. In keinem dieser Fälle hat die Justiz bisher ermittelt, auch nicht gegen den damaligen Bürgermeister, der sich inzwischen mit unbekanntem Ziel abgesetzt hat.

Irgendwann 2011 jedoch kochte die Volkswut über. Kirchenglocken wurden geläutet, die Einwohner versammelten sich. Erst flogen Feuerwerkskörper, dann brannten die Holztransporter. Es folgten chaotische Tage und Wochen. Straßensperren wurden errichtet, Mahnwachen abgehalten und eine Bürgerwehr improvisiert. Die Menschen konnten sich zwar nur mit Macheten und Schaufeln bewaffnen, doch gegen den Zorn der Bürger, die stets solidarisch zusammenhielten und in Massen auftraten, war am Ende selbst die organisierte Kriminalität machtlos. Die Banditen zogen ab und haben sich seither nicht mehr sehen lassen. Danach verschwanden die illegalen Holzfäller, dann die Gemeindepolizei und schließlich auch der Bürgermeister. Seither herrscht Friede, und damit das so bleibt, wurde auch das politische System reformiert.

Jetzt fällt ein zwölfköpfiges, von den Bürgern direkt gewähltes Grem­ium, alle wichtigen Entscheidungen – selbstverständlich unter den Augen der Öffentlichkeit. Strittige oder heikle Punkte legt der Ältestenrat den Einwohnern zur Debatte und Abstimmung vor. Mindestens einmal monatlich findet eine Gemeindeversammlung auf dem zentralen Platz statt. Dieses System mache Korruption unmöglich, betonte ein Mitglied des Ältestenrates, der von Beruf Lehrer ist. Um Bestechungsversuche auszuschließen, gibt es in Cherán auch keinen Bürgermeister, keinen Finanzdirektor und erst recht keinen Polizeichef mehr. Alle Geschäfte werden vom Ältestenrat oder von den ihm untergeordneten sechs Fachräten geführt. Deren Mitglieder sind allgemein bekannt und müssen in den Versammlungen Rede und Antwort stehen.

Institutionalisiert wurde auch die Bürgerwehr. Aus der anfänglich bunten Truppe, die zumeist in ausgedienten Uniformen der US-Armee auftrat, wurde eine legale Miliz. Inzwischen sind rund hundert junge Männer und Frauen als neue Volkspolizei anerkannt. Sie stehen unter der Kontrolle des Sicherheitsrates der Bürger. Es gibt kaum noch Kriminalität. Wer dennoch mit Drogen, Waffen oder betrunken in der Öffentlichkeit erwischt wird, geht in die 24-Stunden-Arrestzelle, wird zur Strafe zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert. Doch das kommt selten vor. Seit die organisierte Kriminalität verschwunden ist, wirke wieder die soziale Kontrolle einer gewachsenen und intakten Gemeinde, wird seitens Schweizer Beobachter betont, die den basisdemokratischen Aufstand in Cherán mit großem Interesse verfolgen. Der könnte durchaus beispielhaft sein, nicht nur für Mexiko.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2012/06-07/033.php?sstr=Cheran 
 

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