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Friedenskarawane USA

News vom 07.09.2012
Roland Bangerter

  Die mexikanische Friedenskarawane gegen den Antidrogenkrieg erreichte New York und geht am Montag in Washington zu Ende. Es sollte ihr auch in unseren Medien mehr Aufmerksamkeit beschieden sein!
 
Daher einige Infos und ein von mir übersetzter Redeauszug auf Deutsch: 
Dokumente und Zeugnisse auf englisch und spanisch:
www.caravanforpeace.org
www.movimientoporlapaz.org

Liebe Grüße  
Roland Bangerter
www.versoehnungsbund.at
 

Seit 12. August ist die Karawane mit Javier Sicilia und dutzenden weiterer AktivistInnen und Angehöriger von in Mexiko im Antidrogenkrieg Ermordeten und Verschwundenen in den USA unterwegs. Auf ihrem Weg nach Washington zunächst entlang der gemeinsamen Grenze und in mehr als 25 Städten in den USA bringt sie auf eindringliche Weise die verheerenden Auswirkungen des von Präsident Felipe Calderón vor sechs Jahren begonnenen Kriegs gegen die Drogenkartelle zur Sprache. Immer unfassbarer wird die Zahl der Opfer, die dieser sinnlose Krieg fordert: Über 30.000 Tote zwischen 2007 und 2011, und heuer bereits weit über 20.000 weitere Todesopfer und 200.000 intern Vertriebene. Durch Finanzierung der militärischen Strategie im Kampf gegen die Drogen und durch private Waffenverkäufe ohne jegliche Schranken gießen die USA ständig weiteres Öl ins Feuer. Dies ist die folgenschwerste Verstrickung der USA in die Gewalt in Mexiko, wenn auch bei weitem nicht die einzige.
 
Was in Houston geschah – Kauf und Zerstörung von Waffen
 
Eine Frau mit ausländischem Pass betritt ein Waffengeschäft und kauft ein Sturmgewehr. Der Deal dauert fünf Minuten – alles legal und in bester Ordnung. Ein Mann in einem anderen Geschäft braucht zehn Minuten, um ein Sturmgewehr zu erstehen. Die Probe aufs Exempel zeigt, der Kauf von automatischen Waffen ist kaum anders als eine Schachtel Pralinen zu erstehen.

Diese beiden Waffen wurden nicht zu Instrumenten des Todes – TeilnehmerInnen der Karawane, deren Angehörige ermordet wurden, machten sie auf dem Weg der Karawane in einer symbolischen Aktion (zu sehen auf youtube) in Houston zunichte und vergruben sie in Beton.

Im April vergangenen Jahres hat der mexikanische Dichter Javier Sicilia die Bewegung für Friede in Gerechtigkeit und Würde ins Leben gerufen, nachdem einer seiner Söhne zusammen mit mehreren anderen jungen Männern in Cuernavaca ermordet wurde. In zwei Karawanen in den Norden nach Ciudad Juarez und in den Süden bis Chiapas machten er und eine wachsende Zahl an MitstreiterInnen, die sich um ihn sammelten, die Folgen des Antidrogenkrieges für die Zivilgesellschaft sichtbar.
 
Trost zu spenden und das Leid und den Schmerz zehntausender Menschen zu benennen, war die erste Funktion dieser Kampagnen. Die zweite war es, Präsident Calderón mit der von ihm geschaffenen Realität zu konfrontieren. Gespräche mit dem Präsidenten fanden statt und wurden vom Fernsehen übertragen. Ein Opfergesetz wurde auf den Weg gebracht und von den Abgeordneten verabschiedet, scheiterte jedoch bisher am Veto von Calderón, dessen Amtsszeit in wenigen Wochen zu Ende geht.

Seine Reden während der einmonatigen Karawane in den USA beginnt Javier Sicilia des öfteren mit Gedichtzeilen z.B. von Bob Dilan oder Kenneth Rexroth, wie vor wenigen Tagen in Atlanta, gefolgt von der Bitte um eine Gedenkminute für die zehntausenden Toten und Verschwundenen.

In Atlanta ruft er Sara Parks in Erinnerung, die Afroamerikanerin, die in einem Bus ihren Platz nicht wie damals vorgeschrieben einem Weißen überließ und dadurch die von Martin Luther King angeführte Bewegung gegen die Rassentrennung in den USA auslöste.
 
Auszug aus der Rede in Atlanta:
 
»Unglücklicherweise dauert der von Präsident Nixon vor 40 Jahren ausgerufene und von den Regierungen seither, einschließlich jener von Präsident Obama, fortgesetzte Antidrogenkrieg weiterhin an und verschärft sich immer mehr, was neuerlich zu einer Krise der Rechte führt und zur Zerstörung der Demokratie in den USA und Lateinamerika beiträgt.

Dieser Krieg, der weder Drogenkonsum noch Drogenhandel in irgendeiner Weise verringerte, säte nicht nur den Tod in Mexiko, Kolumbien und Zentralamerika, sondern vernichtete hundertausende junge Menschen, die nicht süchtig waren und es auch nie sein würden. Er führte zu einer Zunahme des illegalen Handels mit hochgefährlichen Schusswaffen von den USA nach Mexiko. Er hatte einen Multiplikatoreneffekt auf Verbrechen zur Folge, eine Zunahme von Entführung, Erpressung und Menschenhandel.

Geldwäscher, Erbauer von Gefängnissen und Waffenproduzenten machte er reich. Er korrumpierte das politische System und schuf in Mexiko einen Prozess der Militarisierung und Menschenrechtsverletzungen. Er ist eine Kampfansage an die großen Triumphe der Bürgerrechte.

Er führte zur Kriminalisierung und Aussonderung der afroamerikanischen, Latino- und asiatischen Bevölkerung, mit denen die Gefängnisse der USA vollgestopft sind. Obwohl der Drogenkonsum bei Weißen, Afroamerikanern und Latinos ähnlich ist, ist von den 700.000 Menschen, die in den USA jedes Jahr aufgrund von Drogenbesitz inhaftiert werden, die große Mehrheit afroamerikanisch und latino.

Hinter diesem absurden Krieg, der mit einer Sache der öffentlichen Gesundheit umgeht, als handle es sich um eine Frage der Staatssicherheit, und Drogenkonsumenten verfolgt, wobei fundamentale Rechte auf Privatsphäre und persönliche Autonomie angegriffen werden, die die Verfassung der USA garantiert, wurde eine subtile Rassentrennung und Kriminalisierung betrieben.«
 
Javier Sicilia ruft die Menschen jeglicher Herukunft auf, sich gegen diesen Krieg zu stellen, der derzeit eines seiner schrecklichsten Gesichter in Mexiko zeigt.
 
Dokumente und Zeugnisse zur Friedenskarawane auf Englisch und Spanisch unter folgenden Links:  
 
www.caravanforpeace.org
www.movimientoporlapaz.org

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