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Das Kaffeekollektiv »Aroma Zapatista eG« stellt sich vor

 

Selbstverwaltet, kollektiv, solidarisch

News vom 17.10.2012
Interview mit CONTRASTE

  Etiketten von Aroma-Zapatista-Kaffee
Etiketten von Aroma-Zapatista-Kaffee


Seit Mai diesen Jahres gibt es uns als neue selbstverwaltete Genossenschaft in Hamburg, die im solidarischen Handel aktiv ist und zapatistischen Kaffee anbietet.

Wir sind ein selbstverwaltetes Arbeitskollektiv (3 Frauen und 1 Mann). Seit Ende Februar 2012 haben wir begonnen, die Kaffeekollektiv »Aroma Zapatista«-Genossenschaft aufzubauen und haben Anfang Mai mit dem Verkauf von zapatistischem Kaffee begonnen. Unsere Motivation, das Kollektiv zu gründen, ist zum einen, durch den solidarischen Handel mit Kaffee von zapatistischen Kooperativen die Selbstverwaltungs-strukturen in Chiapas/Mexiko direkt zu unterstützen.

Zum anderen möchten wir mit dem Kollektiv selbstverwaltete Arbeitsstrukturen hier schaffen. Wir alle haben vorher mehrere Jahre lang bei Café Libertad in Hamburg gearbeitet. Dort gab es leider interne Konflikte, die trotz zahlreicher Versuche nicht gelöst werden konnten. Letztendlich blieb nur die Trennung im Februar diesen Jahres. Sechs von neun Personen sind von Café Libertad weggegangen. Zu viert haben wir das neue Kollektiv aufgebaut. Es gibt immer noch viel zu tun, solch eine Gründung bringt viel Arbeit mit sich, es ist aber auch schon ein großer Berg geschafft.

Interne Organisation

Wir arbeiten gleichberechtigt im Kollektiv zusammen. Alle haben die gleichen Rechte und Pflichten. Ein Mal pro Woche haben wir ein ausgiebiges Plenum, wo wir alle anstehenden Entscheidungen und to do’s besprechen und im Konsens entscheiden. Eine offene Kommunikation und ein respektvoller Umgang miteinander sind für uns äußerst wichtig und unserer Einschätzung eine Voraussetzung für die Arbeit im Kollektiv.

Hierarchien möchten wir so gut es geht vermeiden, wobei informelle Hierarchien und insbesondere Wissenshierarchien wohl immer vorhanden sein werden. Da es erfahrungsgemäß in Gruppen und Kollektiven durch informelle Hierarchien zu Problemen kommen kann, versuchen wir dem entgegenzuwirken, in dem z.B. die anstehenden Arbeiten von möglichst allen erlernt werden sollen. Wir arbeiten zur Zeit überwiegend ehrenamtlich. Unser Ziel ist schon eine Bezahlung unserer Arbeit, aber das wird wohl noch seine Zeit brauchen. Wenn es dann soweit ist, werden wir alle Arbeiten gleich bezahlen; alle bekommen den gleichen Stundenlohn. Wichtig ist hierbei zu betonen, dass wir nicht gewinnorientiert arbeiten. Mögliche Gewinne werden wir den gesetzlichen Rücklagen zukommen lassen, in den Aufbau des Betriebs investieren, als Unterstützungsgelder an die zapatistischen Gemeinden im Widerstand übergeben oder auch spenden.


Interview Mit »Aroma Zapatista«: Unterstützung der Zapatistischen Bewegung konkret
Solidarischer Handel mit zapatistischem Kaffee


CONTRASTE: Warum kauft ihr Kaffee von zapatistischen Kooperativen?

Aroma Zapatista: Einige von uns begleiten den Aufstand der Zapatistas schon seit vielen Jahren oder sogar von Beginn an. Zwei von uns waren mehrfach als Menschenrechtsbeobachterinnen in Chiapas und haben dort mit Organisationen zusammengearbeitet. Sie sind hier in Soligruppen, Netzwerken und in einem alternativen Bildungsverein aktiv und sind an Publikationen wie Zeitungen, Ausstellungen oder Dokumentarfilmen sowie Infoveranstaltungen beteiligt. Es besteht daher schon seit langem ein direkter Bezug zu Chiapas. Wir finden die Unterstützung der zapatistischen Bewegung, die sich am1. Januar 1994 gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Rassismus erhoben haben, nach wie vor sehr wichtig. Es ist eine Bewegung, von der auch wir hier vieles lernen können. Die Zapatistas nehmen den Aufbau von selbstverwalteten Strukturen seit 1994 konkret selbst in die Hand. Hierzu zählen ein eigenes Rechtssystem, Verwaltungsstrukturen, Bildungs- und Gesundheitsstrukturen, Medienprojekte sowie Produktivprojekte (wie z.B. Kaffeekooperativen).

Viele Zapatistas mussten früher für Großgrundbesitzer unter miserablen Bedingungen Kaffee ernten – nun haben sie ihre eigenen Kaffeefelder und sind in Kooperativen organisiert. Oft liegen die die Kaffeefelder auf ehemaligen Ländereien der Großgrundbesitzer, welche die Zapatistas im Zuge des Aufstands vertrieben haben.

Wie viele Kaffeekooperativen gibt es?

Es gibt mittlerweile drei zapatistische Kaffeekooperativen, die eine Exportgenehmigung haben: Ssit Lequil Lum, Yachil Xojobal Chulchán und Yochin Tayel K’inal. Alle drei Kooperativen kennen wir persönlich und von allen dreien bekommen wir Rohkaffee. Die Zapatistas verkaufen den Rohkaffee direkt an die solidarischen Gruppen – ohne den Umweg über die Zwischenhändler, die sogenannten Coyotes, welche die KaffeebäuerInnen oft betrogen und ihnen nur einen geringen Preis gezahlt haben.

Was ist Euch im Sinne des solidarischen Handels besonders wichtig?

Für uns ist ein gleichberechtigtes Miteinander und eine regelmäßige Kommunikation auf Augenhöhe mit den Kooperativen elementar. Die Idee ist, dass die Kooperativen durch den solidarischen Handel mit einem jährlichen sicheren Kaffeepreis rechnen können, was ihnen mehr Sicherheit und Planungsmöglichkeiten geben soll. Im Gegensatz zur klassischen Entwicklungshilfearbeit ist es uns wichtig, dass die Kooperativen ihre Belange und Anforderungen formulieren und in Zusammenarbeit umzusetzen. Wir kritisieren an der klassischen Entwicklungspolitik und vielen gut gemeinten Projekten, dass Personen von außen kommen und sagen, was zu tun und zu lassen sei und meinen ihnen etwas beibringen zu müssen. Eurozentrismus kommt sogar auch im alternativ-solidarischen Handel vor. Und das wollen wir vermeiden. Wir möchten ein voneinander lernen, austauschen und gegenseitiges Zuhören.

Für uns ist auch wichtig, die Kooperativen persönlich zu kennen, zu besuchen, den Kontakt zu halten und weiter auszubauen. Bezüglich des konkreten Handels ist für uns z.B. von Bedeutung, dass wir uns zusammen mit den Kooperativen auf einen Kaffeepreis einigen und den Kooperativen eine Vorfinanzierung für den Kaffee zahlen, damit die anstehende Ausgaben von der Ernte bis zur Verschiffung des Kaffees nach Hamburg bezahlt werden können.

Auch ist uns wichtig, nicht nur diejenigen Zapatistas zu unterstützen, welche die Möglichkeit haben, Kaffee anzubauen. Daher sammeln wir mit dem Verkauf jedes Päckchens Röstkaffee zusätzlich 0,45 Euro pro Kilo. Dieses Geld übergeben wir den Räten der Guten Regierung, die dann entscheiden, in welchem Bereich, in welcher Gemeinde finanzielle Unterstützung am notwendigsten ist.

Darüber hinaus ist uns auch Infoarbeit hier vor Ort wichtig: Wir bieten im Rahmen von »Aroma Zapatista« oder den Soligruppen, in denen wir mitmachen, Veranstaltungen an, laden ReferentInnen ein und informieren über die aktuelle Situation in Chiapas.

Welche Schwierigkeiten gibt es im solidarischen Handel?

Der solidarische Handel ist natürlich nicht nur einfach und alles läuft perfekt. Wir können noch vieles voneinander lernen. Die Sprache, die unterschiedlichen Lebensrealitäten und Sozialisationen können zu Missverständnissen führen. Die weiten Entfernungen und Kosten – sowohl von Deutschland nach Mexiko, aber auch in Chiapas selbst – tragen dazu bei, dass mensch sich nicht mal eben treffen kann, um dieses oder jenes zu besprechen. Veränderungen brauchen daher seine Zeit. In Mexiko läuft nicht alles so, wie wir es von hier vielleicht gewohnt sind. Und anders herum läuft hier nicht alles so, wie die Compas in Mexiko es gewohnt sind.

Wichtig für die Soliarbeit mit den Zapatistas ist unserer Meinung, die Funktionsweise der autonomen zapatistischen Gemeinden zu kennen und anzuerkennen, eine Offenheit fürs Vorwärtsgehen und der Wille, die europäische Brille abzusetzen und sich in andere Lebensrealitäten versuchen hinein zu versetzen.

Was unterscheidet euch von anderen »fairen« Kaffeeanbietern?

Es gibt mehrere Unterschiede. Ein Beispiel ist der politische Anspruch: Für die meisten »fairen« KaffeeanbieterInnen ist die politische Ausrichtung der Kaffeekooperativen nicht von Bedeutung; wichtig ist es, einen faireren Kaffeepreis zu zahlen. Das ist natürlich schon mal gut, aber unserer Meinung nach zu wenig. »Fair Trade« steht im Ruf strukturerhaltend zu wirken, während wir mit Kooperativen zusammenarbeiten wollen, die das jetzige Wirtschaftssystem in Frage stellen und uns politisch nahe stehen. In Bezug auf Chiapas kann es nicht unproblematisch sein, Kaffee von Fair Trade arbeitenden Kooperativen zu beziehen: Es kann passieren, dass mensch beim Kauf diesen Kaffees auch Zapatista-GegnerInnen und sogar Paramilitärs unterstützt.

Eine weitere Differenz ist der Kaffeepreis: Wir zahlen einen höheren Kaffeepreis als der klassische »faire« Handel. Ein anderer wichtiger Unterschied liegt in der Organisationsform hier: die meisten »fairen« Anbieter sind als klassische Unternehmen organisiert.

Sie haben einen Chef, sind gewinnorientiert, es gibt Hierarchien, keine Mitbestimmung der Angestellten, gehen respektlos miteinander um, usw. Aroma Zapatista hat andere Ansprüche und kritisiert das jetzige, kapitalistische Wirtschaftssystem bzw. lehnt es ab. Wir arbeiten kollektiv und gleichberechtigt zusammen.

Warum heißt ihr »Aroma Zapatista«?

Wir haben uns für den Namen entschieden, weil er für uns mehreres beinhaltet. Zum einen spiegelt er unsere Solidarität mit der zapatistischen Bewegung wieder. Zum anderen steht »Aroma« für uns für Genuss und beschreibt den qualitativ sehr guten und ökologisch angebauten zapatistischen Arabica-Kaffee. Und als drittes steht »Aroma Zapatista« auch für eine Art des Politikmachens und der politischen Ausrichtung.

Was habt ihr für Zukunftspläne?

Wir haben viele Ideen für die Zukunft. So wollen wir zukünftig gerne weitere Produkte ins Sortiment aufnehmen. Neben Kaffee gibt es jetzt schon Bücher und Filme über Lateinamerika. Zukünftig möchten wir zapatistischen Zitronengrastee aufnehmen. Wir sind auch sehr an einer Vernetzung mit Kollektiven aus Deutschland und Europa interessiert, ebenso wie an der Aufnahme von Produkten ins Sortiment aus umweltfreundlicher und alternativer Produktion.

Wir geben auch gerne unsere Erfahrungen an Gruppen und Interessierte weiter, die überlegen, ein selbstverwaltetes Arbeitskollektiv oder auch eine Genossenschaft zu gründen. Wir halten den Aufbau von selbstverwalteten Arbeitsstrukturen für eine gute konkrete Alternative zum bestehenden Wirtschaftssystem. Wir glauben nicht daran, dass Politik oder Wirtschaft an den bestehenden Verhältnissen etwas ändern wollen oder werden. Wir meinen, dass wir den Aufbau von Alternativen selbst in die Hand nehmen sollten.

Wenn es uns finanziell möglich ist, möchten wir zukünftig emanzipatorische, linke Projekte und Aktionen hier unterstützen. Politische Arbeit, Widerstand und der Aufbau von Alternativen ist bekannterweise oft auf Geld angewiesen. Und es ist schade, wenn Engagement am Geld scheitert. Daher ist es unser Ziel, möglichst schnell viel Kaffee zu verkaufen, damit auch andere Kämpfe vom zapatistischen Aroma der Rebellion unterstützt werden können.

Wie und wo kann mensch Euren Kaffee bekommen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten: Ihr könnt gerne bei uns persönlich in Hamburg vorbei kommen, Kaffee trinken und kaufen. Ebenso könnt ihr uns eine Mail schicken oder anrufen,um Eure Kaffeewünsche aufzugeben.

Die Fragen für CONTRASTE stellte Lucia Thiemann.


Info
Nähere Informationen zum Kollektiv findet ihr auf unserer Internetseite:
www.aroma-zapatista.de
oder ihr kommt vorbei und wir tauschen uns persönlich bei einem rebellischen Kaffee aus, in unserem Raum in Hamburg-Wilhelmsburg.

Kaffeeshop im Internet: https://www.aroma-zapatista.de/shop.html

Kaffeekollektiv Aroma Zapatista eG, Am Veringhof 11 (Gewerbehof), 21107 Hamburg

Lageplan − Übersicht
Lageplan − Detail


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Aroma Zapatista

Hinweis: chiapas.eu garantiert nicht für die Richtigkeit der Karten.

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