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CHIAPAS: Die 13. Stele - Teil fünf

 

Eine Geschichte

Kommunique vom 28.07.2003
Subcomandante Marcos
übersetzt von Dana

  Die Geschichte der zapatistischen Autonomen Bezirke in Rebellion ist relativ jung, sie ist etwa sieben Jahre alt und geht auf die acht zu. Obwohl sie zu der Zeit ausgerufen worden sind, als die Belagerung von Dezember 1994 gebrochen wurde, brauchten die zapatistischen Autonomen Bezirke in Rebellion (MAREZ) noch eine Weile bis zu ihrer Verwirklichung.

Heute ist die Ausübung der indigenen Autonomie auf zapatistischem Gebiet Realität, und wir sind stolz darauf sagen zu können, dass dies von den Gemeinden selbst bewerkstelligt worden ist. Die EZLN war an diesem Prozess nur insoweit beteiligt, um zu begleiten, und bei Konflikte und Abweichungen zu intervenieren. Deshalb hatten die EZLN und die Autonomen Bezirke auch verschiedene Sprecher. Die Autonomen Bezirke selbst kommunizierten ihre Denuncias, Gesuche, Abkommen, "Partnerschaften" (nicht wenige zapatistischen Autonomen Bezirke unterhalten Beziehungen zu Bezirke in andere Länder, vor allem in Italien) direkt. Wenn die Autonomen nun die EZLN ersucht haben, die Pflichten eines Sprechers zu erfüllen, dann deshalb, weil sie eine höhere Stufe der Entwicklung erreicht haben, und aufgrund ihrer Erweiterung, Ankündigungen nicht mehr nur im Wirkungsbereich eines einzigen oder mehrerer Bezirke fallen. Das ist der Grund für die Einigung, dass die EZLN diese aktuellen Änderungen bekannt machen würde.

Die Probleme der autonomen Autoritäten in der vergangenen Periode, können in zwei Kategorien geteilt werden: jene, die ihre Beziehung zur nationalen und internationalen Zivilgesellschaft betreffen, und jene, die mit der Selbstregierung zu tun haben, das heißt mit ihren Beziehungen zu zapatistischen und nicht-zapatistischen Gemeinden.

In der Beziehung mit der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft, war das primäre Problem eine ungleiche Entwicklung der Autonomen Bezirke, oder der dazugehörigen Gemeinden, und sogar der dort wohnenden zapatistischen Familien. Die bekanntesten Autonomen Bezirke (wie die Sitze der nun toten "Aguascalientes" oder die zentral gelegensten (näher an urbane Zentren oder mit Verkehrsverbindungen) erhielten mehr Projekte und Unterstützung. Das gleiche passierte mit den Gemeinden. Die bekanntesten und die nahe der Autobahn erhalten mehr Aufmerksamkeit seitens der "Zivilgesellschaften".

Was die zapatistischen Familien angeht, geschieht es wenn Angehörige der Zivilgesellschaft die Gemeinde besuchen oder an Projekte arbeiten, oder Friedenscamps aufstellen, dass sie normalerweise besondere Beziehungen zu eine oder mehreren Familien in der Gemeinde aufbauen. Diese Familien haben dann natürlich mehr Vorteile — Aufträge, Geschenke oder besondere Aufmerksamkeit — als die anderen, auch wenn sie alle Zapatisten sind. Auch für diejenigen, die wegen der Position, die sie in der Gemeinde, dem Autonomen Bezirk, der Region oder der Gegend einnehmen, mit der Zivilgesellschaft interagieren, ist es nicht ungewöhnlich besondere Aufmerksamkeit und Geschenke zu erhalten, was dann in der übrigen Gemeinde zu Gerede führt, und nicht dem zapatistischen Grundsatz von "jedem nach seinen Bedürfnissen" folgen.

Ich sollte klarmachen, dass dies keine schlechte Beziehung ist, auch nicht das was jemand stolz als "gutgemeinte Aufstandsbekämpfung" bezeichnen würde, sondern etwas völlig natürliches in zwischenmenschliche Beziehungen. Es kann jedoch zu Ungleichgewichte im Leben der Gemeinde führen wenn diese privilegierte Aufmerksamkeit nicht ausbalanciert wird.

Was die Beziehung mit den zapatistischen Gemeinden angeht, wurde das "gehorchende Regieren" ohne Unterschied angewendet. Die Autoritäten müssen dafür sorgen, dass die Entscheidungen der Gemeinde ausgeführt werden, ihre Beschlüsse müssen regelmäßig berichtet werden, und das kollektive "Gewicht", zusammen mit der "Mundpropaganda", die in allen Gemeinden funktioniert, wird zu einer Art Kontrolle, die nur schwer zu umgehen ist. Doch auch so ist es vorgekommen, dass Personen es schafften dies zu umgehen und korrupt wurden, aber das geht nicht sehr weit. Es ist unmöglich in den Gemeinden unrechtmäßige Bereicherung zu verbergen. Der Schuldige wird mit Gemeindearbeit bestraft und muß der Gemeinde wiedererstatten, was er unrechtmäßig entwendet hat.

Wenn eine Autorität falsch läuft, korrupt wird, oder wie wir es lokal ausdrücken "ein Drückeberger ist", werden sie abgesetzt und durch eine neue Autorität ersetzt. In den zapatistischen Gemeinden wird die Position einer Autorität nicht entlohnt (in der Zeit, in der man als Autorität dient, hilft die Gemeinde dabei einen zu unterstützen). Sie wird als Arbeit im kollektiven Interesse betrachtet und rotiert. Sie wird einem nicht selten von der Gemeinde aufgedrückt, als Strafe für die Laxheit oder Gleichgültigkeit eines Gemeindemitglieds, wie zum Beispiel, wenn jemand viele Gemeindetreffen verpasst, dann werden sie bestraft indem man ihnen die Position des Bezirks- oder Ejidobeauftragten überträgt.

Diese "Form" der Selbstregierung (von der ich nur eine skizzenhafte Zusammenfassung wiedergebe) ist nicht eine Erfindung oder ein Beitrag der EZLN. Sie kommt aus viel älteren Zeiten. Als die EZLN geboren wurde, war sie schon seit längerer Zeit in Betrieb, auch wenn nur auf der Ebene der einzelnen Gemeinden.

Erst wegen dem enormen Zuwachs der EZLN (wie ich bereits erklärte, geschah dies Ende der 80er Jahren), ging diese Praktik von der lokalen zur regionalen Ebene über. Sie funktionierte mit Verantwortlichen für das Lokale (das heißt, die Verantwortlichen für die Organisation in jeder Gemeinde), Regionale (eine Gruppe von Gemeinden) und für eine Zone (eine Gruppe von Regionen), und die EZLN sorgte dafür, dass jene, die ihren Pflichten nicht nachkamen, naturgemäß durch andere ersetzt wurden. Obwohl hierbei, da es sich um eine politisch-militärischen Organisation handelt, das Kommando die endgültige Entscheidung trifft.

Was ich damit meine, ist dass die Militärstruktur der EZLN irgendwie eine Tradition von Demokratie und Selbstregierung "kontaminiert" hat. Die EZLN war gewissermaßen eins der "undemokratischen" Elemente in einer Beziehung der direkten Gemeindedemokratie (ein weiteres anti-demokratisches Element ist die Kirche, aber das ist Stoff für einen anderen Text).

Als die Autonomen Bezirke ihre Arbeit aufnahmen, bewegte sich die Selbstregierung nicht nur von lokaler zur regionaler Ebene, sie erhob sich auch aus dem "Schatten" der Militärstruktur. Die EZLN interveniert überhaupt nicht bei der Ernennung oder Absetzung autonomer Autoritäten, und hat sich damit begnügt darauf hinzuweisen, dass da die EZLN aus Prinzip nicht für die Machtergreifung kämpft, kein Angehöriger des Militärkommando oder Mitglied des Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees eine Autoritätsstellung in den Gemeinden oder Autonome Bezirke einnehmen kann. Wenn sich jemand entschließt sich an den autonomen Regierungen zu beteiligen, müssen sie von ihrer organisatorischen Position in der EZLN zurücktreten.

Ich werde nicht ausführlich auf die Arbeit der Autonomen Räte eingehen. Sie haben ihre eigenen Methoden vorzugehen ("ihre Art" wie wir das sagen) und es gibt nicht wenige Zeugen (nationale und internationale, die sie bei der Arbeit gesehen haben und mit ihnen direkt zusammenarbeiten).

Ich möchte jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass es etwas vollkommenes wäre, oder das es idealisiert werden sollte. Das "gehorchend regieren" in den zapatistischen Gebieten ist eine Tendenz, und nicht von Aufs und Abs, Widersprüche und Irrtümer ausgenommen, aber es ist eine dominante Tendenz. Ihre Fähigkeit in Bedingungen von Verfolgung, Zusetzung und Armut wie selten zuvor in der Geschichte der Welt zu überleben, spricht dafür, dass sie den Gemeinden genützt hat. Zusätzlich dazu, schafften es die autonomen Räte mit der fundamentalen Unterstützung der Zivilgesellschaft eine kolossale Arbeit voranzubringen: der Aufbau der materiellen Voraussetzungen für den Widerstand.

Mit der Regierung eines Gebietes in Rebellion beauftragt, das heißt, ohne jede institutionelle Unterstützung und ständiger Verfolgung und Zusetzungen ausgesetzt, konzentrierten die autonomen Räte ihre Bemühungen auf zwei fundamentale Aspekte: Gesundheitsfürsorge und Schulbildung.

Bei der Gesundheitsfürsorge haben sie sich nicht darauf beschränkt Kliniken und Apotheken zu bauen (immer mit der Hilfe der Zivilgesellschaften, nicht zu vergessen). Sie bildeten auch Gesundheitsarbeiter aus und führen Kampagnen für Gesundheit in den Gemeinden und der Vorbeugung von Krankheiten.

.Wegen eine dieser Kampagnen stand ich einmal kurz davor in der Versammlung gerügt zu werden (ich weiß nicht ob Sie wissen wie es ist in einer Versammlung gerügt zu werden, aber wenn nicht, dann reicht es wenn ich Ihnen sage, dass es so ähnlich in der Hölle zugehen muss) und in der Gemeinde "angesehen" zu werden (die Leute "sehen" einen an, aber mit diesem Blick, der einen zum Zittern bringt, kurzum, ein Purgatorium). Ich kam zufällig durch La Realidad durch und verbrachte die Nacht in eine der Hütten, die die Compas für solche Fälle bereithalten. Das "Gesundheitskomitee" der Gemeinde machte gerade die Runde und überprüfte die Latrinen in jedem Haus (es war beschlossen worden, dass die Latrinen regelmäßig mit Kalk oder Asche zugedeckt werden mussten, um der Verbreitung von Krankheiten vorzubeugen). Unsere Latrine hatte natürlich weder Kalk noch Asche. Das "Gesundheitskomitee" sagte mit freundlich "Compañero Subcomandante Insurgente Marcos, wir überprüfen die Latrinen, gemäß des Beschlusses unserer Gemeinde, und Ihre Latrine hat weder Kalk noch Asche, also werden Sie es nachfüllen, und wir kommen morgen wieder vorbei um zu sehen ob das ausgeführt wurde." Ich fing an etwas über die Reise zu stammeln, mein lahmes Pferd, die Kommuniques, Militärmanöver, die Paramilitärs und ich weiß nicht was noch alles. Das "Gesundheitskomitee" hörte geduldig zu bis ich aufgehört hatte zu sprechen, und sagte dann nur "Das wäre alles Compañero Subcomandante Insurgente Marcos." Als das "Gesundheitskomitee" am nächsten Tag vorbeikam, hatte die Latrine natürlich Asche, Kalk und Sand, bloß kein Zement, aber das nur weil ich keinen auftreiben konnte um die Latrine für immer zu versiegeln...

Was die Schulbildung betrifft — in Gebiete, wo es weder Schulen, geschweige denn Lehrer gegeben hat — bauten die Autonomen Räte (mit der Hilfe der Zivilgesellschaft, wie ich es nie müde werde zu erinnern) Schulen, bildeten Bildungspromotoren aus, und in einigen Fällen entwarfen sie ihren eigenen Lehrplan . Alphabetisierungs- und Textbücher werden von "Schulkomitees" zusammengestellt, und Promotoren, begleitet von der "Zivilgesellschaft", die sich auf diesem Gebiet auskennen. In einigen Gegenden (nicht in allen, das stimmt), haben sie es geschafft, das Mädchen — denen Schulbildung traditionell vorenthalten wurde — die Schule besuchen. Obwohl sie inzwischen durchgesetzt haben, dass Frauen nicht mehr verkauft werden, sondern sich ihren Lebensgefährten selbst aussuchen können, existiert das, was Feministen als "Geschlechterdiskriminierung" bezeichnen, weiterhin auf zapatistischen Gebiet. Die "Revolutionäre Frauengesetze" haben noch einen langen Weg vor sich bis zu ihrer völligen Umsetzung.

Um weiter über die Schulbildung zu reden, an einigen Orten haben die zapatistischen Basen Abmachungen mit Lehrer der demokratischen Sektion der Lehrergewerkschaft (das sind die, die nicht zu Gordillo gehören) geschlossen, dass sie keine Aufstandsbekämpfungsarbeit mehr betreiben, und den Lehrplan, der von den Autonomen Räte empfohlen wird, respektieren werden. Im Grunde Zapatisten, haben diese demokratischen Lehrer die Abmachung akzeptiert, und sie völlig eingehalten.

Weder die Gesundheits- noch die Bildungsdienste erfassen alle zapatistischen Gemeinden, das stimmt, aber eine große Anzahl davon, die Mehrzahl, haben nun eine Möglichkeit um an Medikamente zu kommen, oder wegen einer Krankheit behandelt zu werden, oder im Krankheitsfall oder im Falle eines schweren Unfalls ein Fahrzeug zur Verfügung zu haben, das sie in die Stadt fährt. Die Alphabetisierung und die Grundschulbildung sind nicht gerade weit verbreitet, aber eine Region hat bereits eine autonome weiterführende Schule, auf der zufällig gerade eine neue Generation "absolviert" hat, die aus Männer und, oho, indigene Frauen besteht.

.Vor einige Tage zeigten sie mir ihre Diplome und Abschlusszeugnisse der Autonomen Zapatistischen Weiterführenden Schule in Rebellion. Meiner bescheidenen Meinung nach, hätten sie aus Kaugummi gemacht werden sollen, denn ganz obenauf steht "EZLN. Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung", und darunter (auf Spanisch und Tzotzil) "Das Rebellische Autonome Zapatistische Schulsystem der Nationalen Befreiung (das bezieht sich auf ihre Arbeit im Hochland, denn es gibt andere Schulsysteme in andere Gegenden) bestätigt hiermit, dass der/die Student/in so-und-so die drei Stufen der Autonomen Weiterführenden Schule zufriedenstellend abgeschlossen hat, gemäß der zapatistischen Pläne und Programme der ESRAZ, Escuela Secundaria Rebelde Autónoma Zapatista (Rebellische Autonome Zapatistische Weiterführende Schule) "Primero de Enero de 1994", mit einem Durchschnitt von __ . Daher erkennt unser Schulsystem seine/ihre Bemühungen und Beiträge im Widerstandskampf an, und lädt ihn/sie ein, mit unsere Völker zu teilen, was das Volk ihm/ihr vermittelt hat". Und dann heißt es weiter "Für eine befreiende Schulbildung! Für eine wissenschaftliche und populäre Schulbildung! Ich stelle mich im Dienst meines Volkes." Und so wird der Student im Fall einer Verfolgung nicht nur nicht in der Lage sein dieses Zeugnis vorzuzeigen, er wird ihn sogar aufessen müssen, deshalb sollte es besser aus Kaugummi sein. Dann gibt es da auch noch den Notenbericht (der unter "Anerkennung" geführt wird), und da kann man die einzelnen Fächer nachlesen (in Wirklichkeit sind es keine Fächer, sondern "áreas" — "Studiengebiete"), die abgeschlossen wurden: Humanismus, Sport, Kunst, Realitätsbetrachtung, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Studium der Muttersprache, Kommunikation, Mathematik und Gemeindedienste und Produktion. Es gibt nur zwei Bewertungen: "A" ("área aprobada" — "Studiengebiet bestanden") und "ANA" ("área no aprobada" — "Studiengebiet nicht bestanden"). Ich weiß, dass alle "Anas" der Welt jetzt beleidigt sein werden, aber da kann ich nichts machen, denn wie ich das schon sagte, Autonomien sind Autonomien .

Schulbildung ist gebührenfrei, und die "Schulkomitees" nehmen große Anstrengungen auf sich (ich wiederhole: mit Hilfe der Zivilgesellschaft) damit jeder Student sein eigenes Notizblock und seinen eigenen Kugelschreiber hat, ohne dafür zahlen zu müssen.

Bei der Gesundheitsfürsorge bemüht man sich sie ebenfalls gebührenfrei zu halten. In einige zapatistische Kliniken müssen die Compañeros nichts mehr zahlen, weder für die Untersuchung, noch für die Medikamente, noch für die Operation (wenn sie notwendig ist, und in unseren Bedingungen durchgeführt werden kann), und in den anderen werden nur Medikamentkosten erhoben, aber nicht für die Untersuchung oder die medizinische Behandlung. Unsere Kliniken funktionieren mit der Hilfe und der direkten Beteiligung von Spezialisten, Chirurgen, Doktoren und Krankenschwester aus der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft, sowie Medizin- und Odontologiestudenten und Assistenten der UNAM, der UAM und anderer Institutionen der höheren Bildung. Sie verlangen kein Peso, und nicht selten zahlen sie die Gebühren aus eigener Tasche.

Ich weiß, dass einige von Ihnen denken werden, das hier hört sich langsam wie ein Regierungsbericht an, und das einzige das noch fehlt, ist dass ich sage "die Zahl der Armen ist gesunken" oder irgendein anderer "Foxismus", aber nein, die Zahl der Armen hier ist gewachsen, da die Zahl der Zapatisten gewachsen ist, und das eine geht mit dem anderen einher.

Deshalb möchte ich betonen, dass all dies in Bedingungen extremer Armut, Kürzungen und technische und informelle Beschränkungen stattfindet, zusätzlich zu der Tatsache, dass die Regierung alles in ihre Macht stehende tun um diese Projekte, die aus andere Länder kommen zu blockieren.

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einige Angehörige der Zivilgesellschaft, über das was sie durchmachen mussten um einen Kühler zu beschaffen, der mit Solarenergie betrieben wurde. Bei dem Projekt ging es um die Impfung von Kinder, aber die meisten Gemeinden haben kein Strom, oder wenn sie es tun, dann haben sie kein Kühlschrank. Mit diesem Kühler konnte das Serum für die Impfungen bis zu derer Verabreichung aufbewahrt werden. Schön, aber um den Kühler bringen zu können, mussten sie eine Unzahl bürokratischer Prozeduren durchlaufen, und wie sie herausfanden, war die einzige Organisation die das Benötigte schnell aus dem Ausland beschaffen konnte, die "Vamos Mexico Stiftung" von Martha Sahagún de Fox. Natürlich ließen sie sich auf diese Werbeagentur nicht ein. Sie erledigten alle Prozeduren und der Kühler wird installiert werden, auch wenn das später als geplant sein wird, und es wird Impfungen geben.

Neben Schulbildung und Gesundheitsfürsorge, kümmern sich die Autonomen Räte auch um Probleme um Land, Arbeit und Handel, wo sie kleine Fortschritte machen. Sie kümmern sich auch um Wohn- und Ernährungsfragen. Wir stecken noch in den Kinderschuhen. Am besten läuft es im Bereich von Kultur und Information. Im Kulturbereich werden vor allem die Verteidigung der Sprache und die kulturellen Traditionen gefördert. Im Bereich der Information, werden Nachrichten in den Lokalsprachen durch verschiedene zapatistische Radiostationen übertragen. Regelmäßig werden, in Abwechslung mit Musik aller Art, Botschaften gesendet, die empfehlen, dass Männer Frauen respektieren, und die Frauen aufruft sich zu organisiert und Respekt für ihre Rechte zu fordern. Und auch wenn das nicht viel ist, aber unsere Berichterstattung über den Irakkrieg war der von CNN haushoch überlegen (was strenggenommen nicht allzu viel zu sagen hat).

Die Autonomen Räte sorgen auch für Rechtsprechung. Die Ergebnisse sind erratisch. An einige Orte (in San Andres Sacamch’en de los Pobres, zum Beispiel) wenden sich sogar die PRIistas an die autonomen Autoritäten, denn wie sie sagen "Sie kümmern sich um das Problem und lösen es". Anderswo gibt es, wie ich jetzt darlegen werde, Probleme.

Wenn die Beziehung zwischen den Autonomen Räte und die Gemeinden voller Widersprüche steckt, dann wurde die Beziehung zu den nicht-zapatistischen Gemeinden von ständigen Reibungen und Konfrontationen beherrscht.

In den Büros der Nichtregierungs- Menschenrechtsorganisationen (und der Comandancia der EZLN) gibt es eine staatliche Anzahl von Denuncias gegen Zapatisten wegen vermeintliche Menschenrechtsverletzungen, Ungerechtigkeiten und Akte der Willkür. Die Denuncias, die an die Comandancia gehen, werden den Gemeinden in der Region übergeben, um den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, und wenn die Ergebnisse positiv sind, das Problem zu lösen, die Konfliktparteien zusammenzubringen um eine Einigung zu erzielen.

Aber bei den Menschenrechtsorganisationen herrschen Zweifel und Verwirrung, da niemals genau definiert worden ist, an wen sie sich richten sollen. An die EZLN oder an die Autonomen Räte?

Und sie haben recht (die Menschenrechtverteidiger), weil es in dieser Hinsicht keine Klarheit gibt. Es gibt auch das Problem der Unterscheidung zwischen dem offiziellen Gesetz und den "Sitten und Gebräuchen" (wie die Juristen das nennen), oder dem "Pfad des guten Denkens" (wie wir das nennen). Die Lösung des letzteren Problems obliegt jenen, die die Verteidigung der Menschenrechte zu ihrem Leben gemacht haben. Oder, wie im Fall von Digna Ochoa (die von der Sonderbeauftragten der Staatsanwaltschaft lediglich als Büroangestellte betrachtet wurde — als ob eine Büroangestellte weniger wert wäre — aber die eine Verteidigerin der politisch Verfolgten war und ist), zu ihrem Tod. Was die Definition der Frage, an wen man die Denuncias adressieren muss angeht, dafür sind die Zapatisten verantwortlich. Es wird bald bekannt gegeben werden wie sie versuchen werden das zu lösen.

Kurzum, die indigene Autonomie in den zapatistischen Gebieten steht nicht wenigen Problemen gegenüber. Im Versuch einige davon zu lösen, wurden wichtige Änderungen in ihrer Struktur und Arbeitsweise vorgenommen. Aber davon werde ich Ihnen später erzählen. Jetzt möchte ich Ihnen einem kurzen Überblick davon vermitteln was wir im Augenblick tun.

Diese lange Erklärung ist deswegen nötig, weil die indigene Autonomie nicht das Werk von Zapatisten alleine gewesen ist. Wenn der Prozess von den Gemeinden selbst geführt worden ist, so erfolgte seine Realisierung mit der Unterstützung vieler anderen Männer und Frauen.

Wenn der Aufstand von 1. Januar 1994 wegen der verschwörerischen Mittäterschaft Tausender Indigenas möglich war, so wurde der Aufbau der Autonomie in den Rebellengebieten durch die Mittäterschaft Hunderttausender Personen verschiedener Hautfarben, Nationalitäten, Kulturen und Sprachen, kurzum, verschiedener Welten ermöglicht.

Mit ihrer Hilfe ermöglichten sie (das Gute — für das Schlechte sind wir allein verantwortlich), nicht die Resolution der Forderungen der zapatistischen Indigenas in Rebellion, sondern dass sie ihre Lebensbedingungen ein bisschen verbessern konnten, und vor allem, dass sie überleben und eine weitere, vielleicht die kleinste, Alternative erstehen lassen konnten, gegenüber einer Welt, die alle "Anderen" ausschließt, das heißt, Indigenas, Jugendliche, Frauen, Kinder, Migranten, Arbeiter, Campesinos, Taxifahrer, Ladenbesitzer, Arbeitslose, Homosexuelle, Lesbierinnen, Transsexuelle, engagierte und ehrliche religiöse Personen, Künstler und progressive Intellektuelle und ___ (Fehlendes bitte eintragen)

Es sollte auch für sie alle ein Diplom geben (und für jene, die nicht sie sind), auf dem steht: "die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung und die Zapatistischen Indigenen Gemeinden in Rebellion bestätigen, dass ___ (Name des besagten Komplizen) unser/e Bruder/Schwester ist, und er/sie in diesem Land und mit uns, ein Herz von der Farbe der Dämmerung als Heim, Würde als Nahrung, Rebellion als Fahne hat, und für morgen, eine Welt in der viele Welten passen. Erstellt auf zapatistischem Gebiet und unter zapatistischem Himmel, an dem und dem Tag, und in dem und dem Monat des Jahres, etcetera." Und es wäre von allen Zapatisten unterzeichnet, die wissen wie es geht, und die die es nicht wissen, würden ihr Zeichen darunter setzen. Und ich würde in eine Ecke schreiben:

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens.

Subcomandante Insurgente Marcos

Mexiko, Juli 2003.

(Fortsetzung folgt.)

 Quelle:  
  http://palabra.ezln.org.mx/comunicados/2003/2003_07_e.htm 
 

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