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Der argentinische Folterer Cavallo wurde ausgeliefert

Poonal vom 01.07.2003
Von Gerold Schmidt, Poonal 579 vom 01.07.2003

  (Mexiko-Stadt, 30. Juni 2003, npl-poonal).- Am vergangenen Wochenende (28. 6.) war es nun definitiv soweit: Der argentinische Folterer Ricardo Cavallos wurde nach Spanien ausgeliefert. Dort erwartet ihn ein Verfahren für die Verbrechen, die er während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 verübt hat. Nach dem Auslieferungsurteil des mexikanischen Obersten Gerichtshofes vor drei Wochen war die Überführung tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit. In Mexiko wurden am Dienstag und Mittwoch letzter Woche die letzten Formalitäten geregelt, die dem Transport Cavallos zum Flughafen noch im Wege standen. Seine letzten Momente in Mexiko verbrachte der Erfüllungsgehilfe der argentinischen Militärdiktatur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.

Zwanzig Jahre nach dem Ende der argentinischen Diktatur wird dem heute 51-jährigen Cavallo in Spanien ein Prozess wegen Terrorismus und Völkermord gemacht. Seine Verbrechen als Entführer, Geheimdienstler und Folterer im Sold der ESMA, der berüchtigten Mechanikerschule der argentinischen Marine, sind ausführlich dokumentiert.

In der internationalen Rechtswelt wird der Fall Cavallo aufmerksam registriert. Anders als beim chilenischen Diktator Augusto Pinochet ist diesmal damit zu rechnen, dass am Ende die Verurteilung des Angeklagten stehen und ein wirklicher Präzedenzfall vorliegen wird. Die Bedeutung für die Behandlung vergangener und aktuell verübter Menschenrechtsverletzungen ist schwer abzuschätzen. Mit der Sicherheit vor Strafverfolgung der Verantwortlichen, in der sich auch Cavallo wähnte, dürfte es aber vorbei sein.

In Spanien sind im "Fall ESMA" 98 Personen angeklagt. Doch außer dem bei der ESMA für die so genannten Todesflüge mitverantwortlichen Adolfo Scilingo, der sich mit einem später widerrufenen Geständnis selbst in Spanien stellte, befindet sich nur Cavallo in den Händen der Justiz. Sollte er auspacken, könnten vielleicht noch weitere Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Menschenrechtsorganisationen hoffen dabei auf die aktive Mithilfe der neuen argentinischen Regierung.

Cavallos Lebenslauf nach 1983 lässt erahnen, wie leicht es die Schergen der Diktatur hatten, sich unerkannt ins zivile Leben zu integrieren. Cavallo beispielsweise nutzte die in der ESMA erworbenen Kenntnisse, seine Identität durch falsche Dokumente zu verbergen. Doch damit nicht genug. Mit den Fälschungen von Pass- und Autopapieren machte er Geschäfte. Auch Geld soll er gedruckt haben. Gleichzeitig erwarb er sich den Ruf eines angesehenen und international erfolgreichen Geschäftsmannes.

Dass sein Unternehmen 1999 den lukrativen Auftrag für den Aufbau eines fälschungssicheren landesweiten Autoregisters in Mexiko bekam, wurde Cavallos Verhängnis. Ohne die Enthüllung seiner wahren Identität zu fürchten, trat er in der mexikanischen Öffentlichkeit auf. Doch überlebende Opfer in Argentinien erkannten ihn. Die mexikanische Tageszeitung "La Reforma" berichtete als erste über die Person, die als "Serpico" oder "Marcelo" in der ESMA über Menschenleben richtete. Seine Flucht nach Argentinien wurde im August 2000 im letzten Moment vereitelt.

In den vergangenen drei Jahren versuchte Cavallo mit allen juristischen Möglichkeiten, seine Auslieferung nach Spanien zu verhindern. Auf der anderen Seite übte die mexikanische Öffentlichkeit bis zuletzt Druck auf Regierung und Justiz aus, die im Prinzip schon Anfang 2001 getroffene Auslieferungsentscheidung nicht zu revidieren.

Für überlebende Opfer und die Familienangehörigen der "Verschwundenen" ist die wahrscheinliche Verurteilung des Folterers in gewisser Weise eine Chance, die Vergangenheit aufzuarbeiten, Cavallo dagegen ist endgültig von ihr eingeholt worden.


Quelle: poonal
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