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Kommunique der EZLN: »Sie und Wir« - Teil 1

Kommunique vom 23.01.2013
übersetzt von KaRa

  SIE UND WIR.
I.- Die (Nicht-) Argumente von oben.


Januar 2013.

Die von oben sprechen:

»Wir sind diejenigen, die befehlen. Wir haben mehr Macht, auch wenn wir weniger sind. Uns ist es egal, was du sagst-hörst-denkst-tust, solange du stumm, taub, reglos bist.

Als Regierung könnten wir Leute einsetzen, die mittelmäßig intelligent sind (auch wenn das schon schwer in der politischen Klasse zu finden ist), aber wir haben einen ausgesucht, der nicht einmal so tun kann, als habe er eine Ahnung von der Sache.

Warum? Weil wir das tun können.

Uns steht der Polizei- und Militärapparat zur Verfügung, mit dem wir wahre Verbrecher verfolgen und einsperren könnten, aber diese Kriminellen sind ein unentbehrlicher Teil von uns. Stattdessen haben wir uns dafür entschieden, dich zu verfolgen, zu schlagen, festzunehmen, zu foltern, einzusperren, umzubringen.

Warum? Weil wir das tun können.

Unschuldig oder schuldig? Wen interessiert es schon, ob du das eine oder das andere bist? Die Gerechtigkeit ist nur eine Hure von vielen in unserem Adressbuch, und glaub uns, es ist nicht einmal die teuerste.

Und selbst wenn du dich an die Form, die wir vorgeben, ganz genau anpasst, auch wenn du nichts unternimmst, auch wenn du unschuldig bist – wir werden dich zermalmen.

Und wenn du darauf bestehst, zu fragen, warum wir das tun, antworten wir dir: weil wir das tun können.

Das bedeutet es, an der Macht zu sein. Oft ist die Rede von Geld, Reichtum und diesen Dingen. Aber glaub uns, das Aufregende ist dieses Gefühl der Macht, über das Leben, die Freiheit und das Gut eines jeden entscheiden zu können. Nein, Macht ist nicht Geld, es ist das, was du damit bekommen kannst. Macht bedeutet nicht nur, sie ungestraft ausüben zu können, sondern und vor allem, es unvernünftig zu tun. Denn die Macht zu haben bedeutet, etwas zu tun und zu lassen, ohne einen anderen Grund dafür zu haben als den, die Macht dazu zu haben.
Und es ist ganz egal, wer das Gesicht zeigt und uns hinter sich versteckt. Rechts und links – das sind nur Bezugspunkte, damit der Fahrer das Auto an der richtigen Stelle parkt. Die Maschine funktioniert für sich allein. Wir müssen nicht einmal anordnen, dass die Unverschämtheit, uns herauszufordern, bestraft wird. Große, mittlere und kleine Regierungen aus dem ganzen politischen Spektrum streiten sich um das Privileg, uns zu gefallen, ganz abgesehen von den Intellektuellen, Künstlern, Journalisten, Politikern und religiösen Würdenträgern.

Also verpiss dich, fick dich, verrecke, stirb, vergiss deine Träume, gib auf.

Für den Rest der Welt existierst du nicht, du bist niemand.

Ja, wir haben Hass, Zynismus, Groll, Verzweiflung, die theoretische und praktische Scheißegal-Haltung, die Anpassung an das »kleinere Übel«, die Angst als Resignation gesät.

Und trotzdem fürchten wir, dass das in organisierte, rebellische, preislose Wut umschlägt.

Denn das Chaos, das wir euch aufzwingen, kontrollieren wir, verwalten wir, dosieren wir, nähren wir. Unsere »Sicherheitskräfte« sind unsere Kräfte, die unser Chaos verhängen.

Aber das Kaos, das von unten kommt …

Ach, das… wir verstehen nicht einmal, was sie sagen, wer sie sind, was sie kosten.

Und dann sind sie auch noch so frech und betteln, erhoffen, erbitten, erflehen nicht mehr ihre Freiheit, sondern sie fordern sie ein. Hat man eine solche Obszönität denn schon erlebt!

Das ist die wahre Gefahr. Leute, die auf die andere Seite schauen, die aus der Form herausfallen oder sie zerstören oder sie ignorieren.

Weißt du, womit wir sehr gute Erfolge erzielt haben? Mit diesem Mythos der Einheit um jeden Preis. Sich nur mit dem Chef, Dirigenten, Leiter, Oberhaupt – oder wie auch immer er sich nennt – zu verstehen. Es ist einfacher, einen einigen Menschen zu kontrollieren, verwalten, zurückzuhalten als viele. Ja, und es ist billiger. Das und die individuellen Rebellionen. Sie sind so herzzerreißend unnütz.

Was aber wiederum wirklich eine Gefahr darstellt, ein wahres Chaos, ist, wenn sich alle zu Kollektiven, Gruppen, Cliquen, Freundeskreisen, Organisationen zusammentun und ihrerseits lernen, »nein« und »ja« zu sagen, und wenn sie sich untereinander einig werden. Denn das »nein« ist an uns Befehlende gerichtet. Und das »ja« … uff … das ist eine wahre Katastrophe, stell dir doch nur mal vor, wie es wäre, wenn jeder sein eigenes Schicksal bestimmt und entscheidet, was er sein und tun will. Das würde ja für uns ein Zeichen sein, dass wir die Entbehrlichen wären, die Überflüssigen, die Störenden, die Unnötigen, diejenigen, die eigentlich eingesperrt sein mussten, diejenigen, die verschwinden müssen.

Ja, ein Alptraum. Ja, natürlich, nur jetzt für uns. Kannst du dir vorstellen, wie geschmacklos dann diese Welt wäre? Voll von Indios, Schwarzen, Braunen, Gelben, Roten, Rastas, Tätowierten, Gepiercten, Nietenverzierten, Punks, Grufties, Chol@s, Skater_innen, Leuten mit dieser Fahne mit dem »A«, die so wenig eine Nation vertritt, dass sie nicht käuflich ist, Jugendlichen, Frauen, Hur_innen, Kindern, alten Menschen, Pachucos, Fahrern, Campesinos, Arbeitern, Armseligen, Proleten, Armen, Anonymen, … Anderen. Es gäbe keinen privilegierten Raum für uns, »the beautiful people« … die »Besseren«, damit du verstehst, was wir meinen … denn man sieht schon von weitem, dass du nicht in Harvard studiert hast.

Ja, dieser Tag würde für uns die Nacht bedeuten … Ja, alles würde kaputtgehen. Was sollten wir dann tun?

Mmh… das hatten wir nicht bedacht. Wir haben uns unsere Handlungen überlegt, sie so geplant und ausgeführt, um zu verhindern, dass das geschieht, aber … nein, das war uns nicht in den Sinn gekommen.

Nun, gesetzt den Fall, dass … mmh … ich weiß nicht … könnte sein, dass wir Schuldige suchen würden und dann, ich weiß nicht, vielleicht einen Plan »B” suchen würden. Natürlich wäre das dann alles unnütz. Ich denke, wir würden uns dann an den Satz von diesem verdammten linken Juden erinnern … nein, nicht Marx … Einstein, Albert Einstein. Ich glaube, er war es, der gesagt hat: »Theorie ist, wenn alles bekannt ist und nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert und keiner weiß, warum. In diesem Fall haben wir Theorie und Praxis miteinander kombiniert: Nichts funktioniert … und keiner weiß, warum.«

Nein, du hast Recht, wir könnten nicht einmal lächeln. Der Sinn für Humor war schon immer ein Besitz, der sich nicht enteignen ließ. Ist das nicht schade?

Ja, es besteht kein Zweifel: Es herrschen Krisenzeiten.

Hör mal, willst du denn nicht fotografieren? Ich meine, damit wir uns ein bisschen zurechtmachen und uns etwas besser in Position bringen. Nein, dieses kleine Modell haben wir schon in der »Hola« verwendet … aber was erzählen wir dir da, man sieht ganz deutlich, dass du über das »Libro Vaquero« nicht hinausgekommen bist.

Ah, wir können es kaum erwarten, unseren Freund_innen zu erzählen, dass uns so ein … ein … so ein ganz anderer interviewt hat. Sie werden begeistert sein. Naja, und wir werden so kosmopolitisch wirken …

Nein, natürlich haben wir keine Angst vor dir. Was diese Prophezeiung angeht … ach, das ist doch nur Aberglauben, so was von … von … von … autochthon … Ja, so von Region 4 … hahahaha … was für ein guter Witz, warte mal, den schreiben wir für später auf, wenn wir die Jungs und Mädels treffen …

Was? … Das ist keine Prophezeiung?

Oh, es ist also ein Versprechen.


(…) (Es erklingt das titutata-tatatatá des Smartphones)

Hallo, Polizei? Ja, hier ist jemand bei uns gewesen. Ja, wir dachten, es wäre ein Journalist oder so. Er sah so … so … so anders aus, ja. Nein, er hat uns nichts getan. Nein, er hat auch nichts mitgenommen. Nur, als wir jetzt gerade zum Club wollten, um unsere Freund_innen zu treffen, sehen wir, dass etwas an das Gartentor geschrieben wurde. Nein, die Wachleute haben nicht gesehen, wer es war. Natürlich nicht! Gespenster gibt es nicht. Nun, es sind sehr viele Farben … nein, wir haben keinen Farbtopf hier in der Nähe gesehen … Nun, wie wir gesagt haben, es ist in vielen Farben gemalt, so, sehr bunt, sehr einfach, sehr anders, nicht zu vergleichen mit den Galerien, wo … was? Nein, wir wollen nicht, dass Sie einen Einsatzwagen herschicken. Ja, das wissen wir schon. Aber wir haben Sie angerufen, um zu fragen, ob Sie vielleicht herausfinden können, was das heißen soll, was da gemalt ist. Wir wissen nicht, ob es ein Code ist oder eine dieser komischen Sprachen, die die Proleten sprechen. Ja, es ist nur ein einziges Wort, aber wir haben keine Ahnung, warum wir davon eine Gänsehaut bekommen. Da steht:

¡MARICHIWEU!”

(Fortsetzung folgt…)

Aus irgendeinem Winkel irgendeiner der Welten.

SupMarcos.
Planet Erde

Januar 2013.


Dazu werden drei Videos empfohlen:

1) Pachuco, mit Maldita Vencidad:



2) Más por tu dinero, Yordi Capó:



3) Trickfilm »Von Mäusen und Katzen«:




aus dem mexikanischen Spanisch von KaRa

 Quelle:  
  http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2013/01/20/ellos-y-nosotros-i-las-sin-razones-de-arriba/?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter 
 

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