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Umweltverbrechen und Widerstand in Mexiko

 

Besprechung von »Wer beton sät ...«

junge welt vom 28.01.2013
Gerd Bedszent

  Umweltverbrechen und Widerstand in Mexiko
»Wer Beton sät, wird Zorn ernten. Mexikos Umweltbewegung von unten« · Bild von c98 eingefügt


Der Titel des Werkes von Luis Hernández Navarro »Wer Beton sät, wird Zorn ernten. Mexikos Umweltbewegung von unten« mag manche Leser zunächst abschrecken. Schließlich genießt die grüne Partei Mexikos (Partido Verde de Ecologista de Méxiko) nicht zu Unrecht den Ruf, eine Hilfstruppe der autoritären Staatspartei PRI zu sein, und steht wegen Befürwortung der Todesstrafe international in der Kritik. Tatsächlich wird, wie im Buch auch deutlich beschrieben, der Widerstand gegen diverse Umweltverbrechen eben nicht von dieser Partei, sondern in erster Linie von Landarbeitergewerkschaften, lokalen Initiativen und Vertretern indigener Gemeinden getragen. Und denen geht es nicht in erster Linie um eine abstrakte Bewahrung der Natur, sondern um ihre ganz konkreten Lebensinteressen.

Der Autor geht gleich am Anfang des Buches schonungslos mit der neoliberalen Umstrukturierung der mexikanischen Wirtschaft ins Gericht. Durch die wirtschaftliche Öffnung in Richtung USA, die durch den Beitritt Mexikos zur Welthandelsorganisation WTO gefestigt wurde, wurde das Land zur Billiglohnregion der US-Wirtschaft. Ohne Rücksicht auf soziale und ökologische Folgen zogen US-Firmen in den Grenzregionen Teilfertigungsfabriken hoch, die sie oft nach wenigen Jahren wieder stilllegten, weil sie irgendwo noch günstigere Verwertungsbedingungen fanden. Ihre Hinterlassenschaft: eine zunehmende Verschmutzung der Flüsse sowie die rapide Ausbreitung von legalen oder illegal betriebenen Giftmülldeponien, die Agrarflächen und Wälder verseuchten, Trinkwasser vergifteten. Der Autor spricht in diesem Zusammenhang von einer Umweltkatastrophe.

Navarro dokumentiert erbitterte Kämpfe um die knapp gewordene Naturressource Wasser. Sie wurde kommerzialisiert, und sogenannte Modernisierungseliten konnten immer mehr Vorräte unter ihre Kontrolle bringen. Durch Privatisierung von zuvor in Gemeinbesitz befindlichen Ländereien veröden ganze Regionen, werden immer mehr Weideflächen zu Wüsten. Ohne Wasser ist Grundbesitz wertlos und kann von Immobilienhaien für einen Pappenstiel aufgekauft werden. Als katastrophal beschreibt der Autor auch die Auswirkungen der zunehmenden Abholzung von Bergwäldern auf den Wasserhaushalt der betreffenden Regionen.

Ein besonders bezeichnendes Beispiel für die Auswirkungen der massiven Umweltzerstörung auf die Lebensmittelproduktion sei hier wiedergegeben: Beim »Goldcup« des Fußballverbandes von Nord- und Mittelamerika 2011 wurden gegen fünf mexikanische Nationalspieler Dopingvorwürfe erhoben. Es stellte sich heraus, daß sie unberechtigt waren. Die Fußballer hatten Rindfleisch gegessen, das ein Kälbermastmittel enthielt.

Kampf gegen Umweltverschmutzung ist in Mexiko lebensgefährlich. Die Aktivisten haben es nicht nur mit Polizei und Justiz zu tun, sondern auch mit kriminellen Banden, die im Auftrag internationaler Konzerne oder lokaler Machthaber jeden Protest unterdrücken. Der Autor nennt verschiedene Morde oder Mordversuche an Umweltschützen, würdigt aber auch den umfänglichen Widerstand, den Gemeinden, Bürgerinitiativen und Umweltgruppen dem neoliberalen Raubzug an den natürlichen Ressourcen des Landes entgegensetzen.

Luis Hernández Navarro ist einer der bekanntesten kritischen Journalisten seines Landes. Er nahm 1995 in San Andrés als Berater der Zapatistischen Befreiungsfront EZNL an deren Verhandlungen mit der mexikanischen Regierung teil.

Luis Hernández Navarro: Wer Beton sät, wird Zorn ernten - Mexikos Umweltbewegung von unten. Unrast Verlag, Münster 2012, 199 Seiten, 14 Euro


 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2013/01-28/008.php 
 

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