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EZLN-Kommuniqué - Sie und wir - VII. Die Allerkleinsten 2.

 

2. Wie wird es gemacht?

Kommunique vom 22.02.2013
übersetzt von RedmycZ, Christine, und ¡Alerta!, MaMa

  Februar 2013

Anmerkung: Compas, ein anderes Mal (falls es dazu kommt) werden wir Euch erklären, wie unsere EZLN organisiert ist. Jetzt wollen wir Eure Aufmerksamkeit nicht vom ´Austausch´ ablenken. Wir wollen nur vorweg nehmen, dass Ihr etwas über eine ´Informationskommission´ hören werdet. Diese Kommission besteht aus Compañeras und Compañeros, Kommandanten und Kommandantinnen (Das CCRI oder Geheimes Indigenes Revolutions-Komitee), die sich um die Arbeiten zur Autonomie kümmern, die Räte der Guten Regierungen unterstützen und die zapatistischen Basisgruppen über alles auf dem Laufenden halten.

Nachstehend als dann, weitere Fragmente des zapatistischen ´Austausches´:
*
(....)

Das ist die Art, wie wir arbeiten. Wie hier beim letzten Mal jemand sagte: Wie werden die Probleme gelöst? Ja, es hat Probleme in der Landkreisen gegeben. Probleme wegen des Bodens, Probleme mit Bedrohungen, Probleme mit dem Strom, ja die gibt es, und ich glaube, diese Probleme gibt es in allen Dörfern, denn hier leben nicht nur wir, die wir Basisgruppen sind, schlimmer wird es noch, wenn wir in den regierungs-offiziellen Dörfern wohnen, wo die Feinde sind, wo die sind, die regieren, wo die Paramilitärs sind, daher gibt es diese Probleme. Aber wir müssen sehen, auf welche Art wir regieren, obwohl es wirklich schwierig ist das zu erlernen denn, wie einige andere Compañeros bereits gesagt haben, es gibt kein Lehrbuch. Es gibt nichts, wonach wir uns richten können, es gibt kein Schriftstück als Richtschnur, wir müssen uns erinnern, wie unsere Vorfahren dienten, wenn sie nicht von den offiziellen Stellen ernannt wurden sondern von den einfachen Leuten, und sie dienten diesen Leuten, es gab dafür keine Bezahlung. Da beginnt die Korruption, der schlechte Dienst, wenn ein Gehalt ins Spiel kommt.

Daher, auf diese Weise, das Wenige, das ich in meinem Dorf war, in meinem Landkreis, war, als ich dienlich sein konnte, obwohl, wie ich sagte, wir weiterhin lernen müssen, wir sind nicht zu alt dafür. Wir lernen weiter von und mit allen Männern und Frauen. Ich glaube, das ist die Aufgabe der diversen Ebenen, so wie die Kommissare, die Vertreter, auch ihre Funktion haben, aber auch ihnen fehlt oft das ´Wie´ zur Lösung der Probleme. Lernen ist nötig, denn wir sind nicht vorbereitet, wir als Bauern haben uns nur auf die Feldarbeit konzentriert, unser Gesetz ist die Machete und die Feile und der Pozol, den wir aufs Feld mitnehmen. Ich weiß nicht, ob ich mich irre, Compañeros, aber das ist es, was ich Euch mitteilen wollte.

(......)
*
(......)
Wir hatten viele Meetings, haben viele Übereinkommen getroffen, nicht nur ein Mal haben wir Übereinkommen getroffen, wir haben gesehen, dass es eine schwere Aufgabe ist, sie ist nicht leicht, die Durchführung. Warum? Weil wir, wie ich bereits vor Kurzem erwähnt habe, keinen Leitfaden haben, kein Buch, wo wir nachsehen können, dem wir folgen können, wir haben mit unserer Bevölkerung zusammen gearbeitet.
*
(......)

Compañeros, das ist es, was wir besprechen, und ich habe dem nicht mehr viel hinzuzufügen. So wie wir über die Form gesprochen haben, wie wir die Aufgaben erledigen wollen. Oft kann es die Junta allein nicht machen, obwohl wir darüber nachdenken, unsere Gedanken dahin gehen, es muss auf Koordination basieren, mit den Räten, Komitees (CCRI), damit wir verwirklichen können, was wir uns vorstellen, so haben wir es in einigen Fällen gesehen.

Zum Beispiel, wenn wir von den Ämtern sprechen, den Verantwortlichkeiten, da sehen wir die Schwierigkeiten die es gibt, viel Aufgaben sind es, die zu erledigen sind. Als ich die Stelle bekleidete, da haben wir gesehen, dass die Junta manchmal nicht alles schaffte, die Arbeiten sind da, zum Beispiel gab es damals keine Fahrer für die Klinik, die Leute der Junta mussten Fahrer sein, sie mussten Koch sein, sie mussten das Holz holen, es gab viel Arbeit und auch die Arbeit im Büro muss gemacht werden, wir müssen die anstehenden Fälle studieren, die Fälle, die noch nicht gelöst sind, oder Arbeiten die für den Landkreis zu machen sind und noch unerledigt, also die Zeit ist uns immer zu kurz geworden. Jetzt sehe ich es, und auch damals merkten wir das, dass wir Unterstützung brauchten, ein anderer Fahrer, manchmal mussten wir um Mitternacht dringend einen Kranken holen, die Junta musste das machen, sie kommen um 3 oder 4 Uhr früh zurück. Wir dachten daran, dass wir Unterstützung brauchten, aber wir konnten dieses Problem damals nicht lösen.

Ein Beispiel: in meiner Amtszeit, da hatten wir die Aufgabe festzustellen, welche Krankheiten in den Landkreisen am häufigsten vorkommen und das konnte die Junta nicht feststellen, denn es fehlte die Information. Wir mussten die Leitung um Hilfe bitten damit wir das machen konnten, und die Frage erging an alle Landkreise und einige dieser Landkreise reagierten nicht, andere befragten die Bevölkerung, was die häufigsten Krankheiten sind, denn es gab Paratyphus-Epidemien, aber einige befolgten die Ratschläge nicht. Das heißt, die Arbeit kann erledigt werden, wenn alles gut funktioniert, es ist wie eine Maschine. Wenn bei einer Maschine ein Kolben nicht funktioniert, oder bei einem Auto ein Zylinder defekt ist, dann schafft das Auto die Steigung nicht, dann hat es keine Kraft. Dasselbe passiert mit unserer Autorität, obwohl die Junta nachdenkt und vorschlägt, wird das dann oft, sehr oft in der Versammlung nicht bewilligt und dann bleiben die Dinge unerledigt.

Aber es ist nötig. Ich habe in diesem Jahr gesehen, dass es viel Arbeit gab weil ein Fahrer fehlte. Jetzt sehe ich, dass bereits Fahrer abwechselnd für die Kliniken eingesetzt werden, neben seiner/ihrer Arbeit, er/sie arbeitet in dieser Zeit nicht in der Junta, sondern wäscht das Auto, prüft die Reifen und kümmert sich um den Benzin.
Es wird immer etwas besser und ich glaube, langsam wird es immer besser werden, wenn wir darüber nachdenken und schauen, was nötig ist, was laufend zu machen ist, denn die Arbeit in der Zone oder im Landkreis wird immer mehr. Langsam nehmen mehr Compañeras teil und die Arbeit wird gemacht. Wir sehen, dass die Koordination zwischen allen sehr wichtig ist, die gegenseitige Rücksichtnahme um die Vorschläge und neuen Ideen, wie wir arbeiten sollen, zur Durchführung zu bringen.

Das Wichtigste ist, den Kontakt zu den Gemeinden nicht zu verlieren. Denn in dieser Zeit der Arbeit habe ich gehört, dass es Dinge gäbe, die man mit Hilfe der Analyse der Bevölkerung gemacht hat, und jetzt könne man das auch tun, ohne dass man die Basis befragt. Man könne einig Worte ändern, ohne dass die Basis davon wissen müsse. Das ist aber ein Problem, denn wir haben den Menschen erklärt, wir haben sie unterrichtet und wenn wir sie plötzlich nicht mehr beachten, dann reden und diskutieren sie.

Das kann Ablehnung auslösen, oder sie sprechen schlecht über die Autoritäten und oft muss man der Bevölkerung gegenüber Erklärungen abgeben, und wie wir heute sagen, die Junta muss sich klar an die sieben Prinzipien halten
[Er nimmt Bezug auf die 7 Prinzipien des ´gehorchend regieren´, der Leitfaden der Junta der Guten Regierung, die wie folgt lauten: Dienen und nicht sich bedienen, vertreten und nicht niedertreten, aufbauen und nicht zerstören, gehorchen und nicht befehlen, vorschlagen und nicht aufdrängen, überzeugen und nicht besiegen, hinuntergehen und nicht hinaufklettern].

Es ist nötig, die Bevölkerung zu überzeugen und nicht mit Gewalt aufzudrängen, was die Autorität will, sie müssen den Grund erklären, warum gewisse Regeln und Abkommen geändert gehören, das muss der Basis erklärt werden, denn wenn ich Autorität bin und nicht fähig bin zu erklären, also ich weiß nicht. Aber kommt das bis zur Bevölkerung durch, dieser Punkt? Es kann zur Ablehnung kommen, obwohl das Volk es versteht, aber mit den Erklärungen muss man versuchen, zu überzeugen und nicht zu siegen, weil man die Macht hat, damit die Menschen nicht mutlos werden, nicht wütend werden. Das ist, worüber ich ein wenig sprechen wollte, denn daher kommen Streitigkeiten und dann werden die Menschen entmutigt, deshalb sage ich das, denn so sehe ich das Problem.

Immer mit der Bevölkerung, wir müssen ganz dicht an ihrer Seite stehen.

Es gibt auch Menschen, die wollen etwas machen, ohne dass die Mehrheit dafür ist, auch diesen Menschen müssen wir erklären, dass es so nicht geht, bei uns ist genau so ein Fall vorgekommen. Es gibt Leute, die kommen ins Büro und sie fangen sogar zu schreien an, gegen die Autoritäten, aber wir können das nicht akzeptieren, denn alles hängt von der Mehrheit ab. Das muss ganz klar herausgestrichen werden, aber wir müssen erklären, versuchen zu überzeugen, die Gründe darlegen, warum etwas so gemacht wird. Das ist meine Meinung, Compañeros, und das versuche ich über die 7 Prinzipien zu erklären, das ist es, was ich verstanden habe, was ich ein wenig gelernt habe. Ich habe nicht viel gelernt, denn ich habe nur drei Jahre gearbeitet und allmählich habe ich gemerkt, wenn es darauf ankommt, dann ist die Arbeit nicht leicht, denn wir kamen alle ganz neu hinzu, ohne Unterstützung, aber jetzt ist es nicht mehr so, es gibt Compañeros, die noch ein Jahr bleiben um die neuen Autoritäten zu begleiten und das ist natürlich eine Hilfe.

Aber als wir begonnen haben, da war das nicht so. Nur mit Hilfe des Komitees [CCRI], sie waren wirklich da, das war unsere Unterstützung und langsam haben wir die Dinge mitbekommen. Ich habe ein wenig verstanden, und dieses Wenige kann ich Euch erklären, Compañeros.

(....)

Wie wurden sie gewählt?

Sie wurden in der Versammlung gewählt, das ist ein Beispiel, wie wir jetzt funktionieren. In jeder Landkreis wurde eine Versammlung der gesamten Basis einberufen und da wurde in direkter Wahl die Personengruppe gewählt, die die Autonomie-Arbeiten machen sollten.

Welche Arbeiten waren zu erledigen? Welche Arbeiten müssen diese Compañeros machen? Wir hatten praktisch keine Vorkenntnisse, ja, vielleicht, einige, aber die Mehrheit hatte keine Vorkenntnisse. Was werden wir tun? Wir werden autonom arbeiten, wir werden uns selbst verwalten, die Frage die auftauchte war das ´Wie´ und ´Was werden wir machen?´ Also wir wussten wirklich nicht, das wird nicht gehen dachten wir, niemand wusste die Antwort, aber im Lauf der Zeit, als diese Autoritäten bereits eingesetzt waren, da kamen die Probleme ans Licht. Und Probleme gab es wirklich in all unseren Dörfern, in den Landkreisen.

Was sind die Probleme, mit denen sich die Autoritäten in jener Zeit konfrontiert sahen?

Das Hauptproblem war in jenen Tagen der Alkohol, Familienprobleme, Konflikte zwischen Nachbarn und Probleme im Zusammenhang mit der Landwirtschaft.

Was hat dann diese Gruppe von Compañeros gemacht, wenn sie mit einem Problem konfrontiert wurden?

Sie haben diskutiert, zuerst kommt der Kläger und dann wird er angehört, wenn sie ihn angehört haben, dann wird die Gegenpartei geladen, das heißt, beide Seiten werden angehört. Das heißt, was diese Gruppe von Compañeros machte, war zuhören, der Bruder, der ein Problem hat, hat zuerst erzählt, was sein Problem ist, und es wurde gehört, wer Recht hat. Wenn sie gesehen haben, dass der Kläger Recht hat, dann muss mit dem anderen Bruder, der der Verursacher dieses Problems ist, gesprochen werden.

Was die Autoritäten damals machten war, dass sie Vorschläge machten, das heißt, sie versuchten die zwei Parteien zu überzeugen, dass sie zu einer friedlichen Lösung kommen mögen, ohne viele Umschweife.

Das haben die Autoritäten gemacht, ebenso bei anderen Problemen, bei der Landwirtschaftsfrage haben sie es so gemacht, dass sie die Brüder auch überzeugt haben, dass sie nicht um ein Stück Boden streiten sollen, wenn sie wirklich dem Bruder sein Land wegnehmen, dann muss auch der überzeugt werden, der das Land nimmt, dass das nicht geht, denn es ist so wie es ist.

(......)
*
(.....)

Ja schon, aber meine Frage ist die, wenn eine Vorschrift gemacht werden muss. Wer schlägt vor? Wo wird darüber nachgedacht, wie diese Vorschrift sein sollte? Wer ist es der sagt: ´ich schlage folgendes vor?´ Woher kommen die Einfälle?Und dann, wie machen sie es, damit die Stimme der Basis eingebracht wird, denn wenn das schon bei der Junta ist, übernehmen sie die Verantwortung oder muss es noch von den Compañeros der Informationskommission unterstützt werden? Oder wer ist es, der sagt, dass hier eine Vorschrift gemacht werden muss?


Antwort eines anderen Compañero: Dass es eine Initiative nur von den Compañeros Autorität gäbe, dass die Initiative für eine Vorschrift ergeht, nur von Compañeros die in Funktion der Autorität tätig sind, das gibt es noch nicht. Es geschieht zwischen Compañeras und Compañeros.

Nein Compa, meine Frage ist folgende: Junta der Guten Regierung, nicht als Compañeras. Es ist nur ein Beispiel, als Junta de Buen Gobierno, es geht nicht speziell um Vorschriften oder Gesetze. Wenn sie sehen, dass eine Aktion nötig ist, oder wenn sie ein Problem orten, ich habe das von der Vorschrift nur als Beispiel erwähnt, denn das verlangt eine Beziehung, denn die Junta de Buen Gobierno wird kein Gesetz aufzwingen, daher möchten wir, dass Ihr uns erzählt, wie das funktioniert. Denn hier geht es um Demokratie, das möchten wir verstehen, denn wie Ihr uns gesagt habt, werden die Führungskräfte der Insurgentes[1] nicht immer anwesend sein und auch – so haben wir es verstanden – wird das Informationskomitee, das heißt das CCRI [Geheimes Indigenes Revolutions-Komitees], nicht immer da sein. Daher, wie macht Ihr es als Junta de Buen Gobierno, dass eine Sache die nötig ist, zu funktionieren beginnt, sei das nun ein Gesetz, sei das die Lösung eines Problems, irgendeine Angelegenheit, die weiter gebracht werden muss, ein Projekt, was immer. Wie verständigen sich Junta de Buen Gobierno, MAREZ [Autonome zapatistische Landkreise in Rebellion], die Autoritäten und die Basis?

Zusammenfassend gesagt, wie macht man Demokratie.
(....)
*

(Fortsetzung folgt...)
Ich bezeuge das.

Aus den Bergen des Südostens von Mexiko
Subcomandante Insurgente Marcos
Mexiko, Februar 2013



Hört und seht die Videos, die diesen Text begleiten:
Alfredo Zitarrosa, Meister – vielleicht ungewollt – einer Generation, Morgenländer [2], der noch mit Coplas, Vidalitas und Milongas [3] kämpft. Hier singt er ´Adagio en mi pais´, und unter ´Pais = Land´ versteht er jeden Winkel in den vielen Welten die im Überfluss vorhanden sind

http://www.youtube.com/watch?v=K7p2OcJVItA

Arturo Meza mit dem Song »La Rebeldía de la Luz«. In einer Strophe des Liedes erwähnt Maestro Meza alle Indigenas, die in Mexiko leben und kämpfen.



Daniel Viglietti, unser Bruder und Compa, er liest die Erzählung »Die Geschichte über den Lärm und über das Schweigen«, die versucht – ohne Erfolg – das Schweigen und die Blicke der ZapatistInnen zu erklären.




Anm. d. Übers.:

  1. Als Insurgentes wird der Kern der Guerilla-Armee der EZLN bezeichnet, die dauerhaft in den Bergen mobilisierten Guerrilla-Kämpferinnen und -Kämpfer.
  2. Urugayer.
  3. Dies sind verschiedene Typen volkstümliche, lateinamerikanischer Lieder.


 Quelle:  
  http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2013/02/22/ellos-y-nosotros-vii-ls-mas-pequens-2-como-se-hace/ 
 

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