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Frühere mexikanische Gastarbeiter in den USA klagen auf Entschädigung

 

Arbeitsmigration als Spielball von Unternehmen und Außenpolitik

Poonal vom 08.08.2001
Von John Ross

  (Michoacan, 8. August 2001, na-poonal). — Marcelino Velasquez ist einer der Helden aus dem 2. Weltkrieg, einer jener drei Millionen Mexikaner, die die US-amerikanischen Arbeiter, die an die Front verlegt wurden, ersetzten. Gerade 19 Jahre alt, arbeitete Velasquez im Westen der USA bei der Eisenbahn, erneuerte Gleise und reinigte Waggons. Ohne diese Gastarbeiter — viele von ihnen verließen ihre eigenen Felder, um in den USA die Ernte einzubringen — wäre das US-Engagement im Krieg nicht in solchem Ausmaß möglich gewesen.

Seit 150 Jahren emigrieren Menschen aus dem mexikanischen Bundesstaat Michoacan, aus dem auch Velasquez stammt, gen Norden. Inzwischen leben in Texas und Kalifornien genauso viele Menschen aus Michoacan wie in dem Bundesstatt selbst. Derzeit ist diese Migration jedoch unerwünscht: Nur illegal gelangen die Menschen in die USA, die wenigstens schaffen es, die Grenze zu überwinden. Allein im vergangenen Jahr kehrten 46 junge Menschen in Särgen nach Michoacan zurück, rund 20 gelten aus vermisst — wahrscheinlich haben auch sie die Fahrt gen Norden nicht überlebt.

Nur zu Kriegszeiten waren die billigen Arbeitskräfte aus dem Süden erwünscht. Erstmals kamen im 1. Weltkrieg 20.000 Mexikaner in die USA. Der Höhepunkt der kriegsbedingten Arbeitsmigration war Anfang der 40-er Jahre. Das Migrationsprogramm, das das US- Arbeitsministerium mit dem mexikanischen Außenministerium abschloss, dauerte bis 1964 — es schloss den Koreakrieg ebenso ein wie den Wirtschaftsaufschwung nach dem Weltkrieg.

Velasquez verdiente damals 65 Cents pro Stunde, zuzüglich diverser Sozialleistungen, darunter eine Rente und Sparanlagen, die ihm nach seiner Rückkehr ausgezahlt werden sollten. Doch als er 1946 nach Michoacan zurückkehrte, wusste keine Bank noch ein Ministerium etwas von seinem angesparten Geld. Wie die meisten seiner Kollegen bekam er keinen Pfennig Rente oder Spatguthaben ausgezahlt. Anwälte schätzen, dass die damals versprochenen Sozialleistungen heute einen Wert von 500 Millionen US-Dollar haben. Velasquez hörte davon, dass einige Betroffene wegen des verlorenen Geldes klagen wollten und suchte seine vergilbten Verträge hervor. Zu spät: Vor kurzem verstarb er, völlig verarmt, im Alter von 77 Jahren.

Doch die Angehörigen der einstigen "Kriegshelden" geben nicht auf. "Mein Großvater war im Krieg Schienenarbeiter in den USA und sprach immer von seinen damaligen Sozialleistungen," berichtet der Landarbeiter und Gewerkschaftsführer Ventura Gutierrez, der inzwischen in Kalifornien lebt. Gemeinsam mit anderen Angehörigen in den USA und in Mexiko haben sie sich auf die Suche nach den Renten und Sparguthaben gemacht. Sie fanden Dokumente im US- Arbeitsministerium und verfolgten den Geldfluss von der Wells Fargo Bank in Kalifornien über die Agrarbank in Mexiko bis hin zu einem ominösen "Agrarfonds", wo sich die Spur verliert.

Die Bewegung wuchs, organisierte Demonstrationen und zog schließlich vor Gericht. Stellvertretend für die drei Millionen Gastarbeiter oder ihre Nachkommen reichte Rechtsanwalt Jonathan Rothschild in Kalifornien Klage zur Entschädigung seiner Mandanten ein. Viel Hoffnung machen sich die Betroffenen nicht, aber sie erregen Aufsehen, da ihr Fall die Zweideutigkeit der US- Migrationspolitik auf den Punkt bringt. Was den Präsidenten der beiden Nachbarländer, George Bush und Vicente Fox, höchst ungelegen kommt, da sie gerade ein neues Arbeitsmigrationsprojekt planen.

Offiziell stoppten die USA 1964 das Gastarbeiterprogramm, weil die Gewerkschaften um die eigenen Arbeitsplätze bangten. Neuere Studien belegen hingegen, dass die Arbeitgeber in den USA zunehmend illegale Arbeitsmigranten bevorzugten, da diese billiger waren und für sie keine Sozialleistungen gezahlt werden mussten. Eine Ohrfeige also für die legalen Einwanderer, während die illegalen zu Niedrigstlöhnen schuften dürfen, sofern sie überhaupt in den USA ankommen. Beim Versuch, die militärisch gesicherten Grenzanlagen zu umgehen, starben seit 1994 mindesten 600 Mexikaner.

Jetzt planen Bush und Fox ein neues Programm, mit dem pro Jahr 200.000 Mexikaner in den USA einen Job finden sollen. Keine Lösung für die knapp drei Millionen papierlosen Mexikaner im Nachbarland, kritisiert die Opposition in beiden Ländern. Juan Sandoval, Migrationsexperte am mexikanischen Anthropologie-Institut, bringt die Nachteile für die mexikanische Seite auf den Punkt: "Die Löhne werden im Sinne der US-Unternehmen sinken und die kurzfristigen Verträge verhindern eine gewerkschaftliche Organisierung, während sich die Lage der Papierlosen in den USA weiter verschlechtert."


Quelle: poonal
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