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Zapatisten positionieren sich mit zahlreichen Kommuniques

Poonal vom 05.08.2003
Von Gerold Schmidt, Poonal 584 vom 05.08.2003

  (Mexiko-Stadt, 31. Juli 2003, npl). - Kein Tag ohne eine Botschaft der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN). Das ist seit dem 22. Juli in Mexiko die Regel. Mittels ihres charismatischen Sprechers und Strategen Subcomandante Marcos nehmen die Zapatisten erstmals seit langem wieder ausführlich zum eigenen Organisationsprozess, der Situation in ihrem Aktionsgebiet im Bundesstaat Chiapas und ihrem Verhältnis zu Staat, Zivilgesellschaft sowie nationaler und internationaler Solidarität Stellung.

Zu den interessantesten Punkten gehört dabei die detaillierte Beschreibung der Selbstverwaltung in den von ihnen aufgebauten 30 "autonomen Landkreisen" in Chiapas. Eine neue Etappe dieser Autonomie und ein neues Verhältnis zur Zivilgesellschaft sollen vom 8. bis 10. August mit einem großen Fest in der Ortschaft Oventik, einem der fünf sichtbaren Zentren der Zapatisten, gefeiert werden.

Leicht hatte es die EZLN ihren Anhängern im eigenen Land und auf internationaler Ebene zuletzt nicht gemacht. Nach der im April 2001 vom mexikanischen Kongress völlig verwässert verabschiedeten Reform der Indígena-Gesetzgebung hüllte sich die Führung der Zapatisten etwa anderthalb Jahre in absolutes Schweigen. Dann beschäftigte sich Subcomandante Marcos plötzlich ausführlich mit Problemen der spanischen Innenpolitik, scheinbar ohne Interesse für die Vorgänge in Mexiko.

In den vergangenen Monaten folgten in unregelmäßigen Abständen als "Stelen" betitelte Analysen der Situation in den verschiedenen mexikanischen Bundesstaaten. Dabei fehlte jedoch Chiapas. "Mehr als einen lassen sie verzweifeln... Diese Indígenas verärgern selbst die, die mit ihnen sympathisieren", hat Marcos die verbreitete Reaktionen auf dieses Gebaren vor wenigen Tagen selbst treffend zusammen gefasst.

Die ersten Kommuniques vor zwei Wochen deuteten auf eine weitere Abkapselung der EZLN und ihrer Basis hin. Die erneuerte Absage an jeglichen Kontakt mit der mexikanischen Bundesregierung und damit an die Wiederaufnahme der seit langem suspendierten Verhandlungen sowie ein kategorisches Nein zum Gespräch mit den politischen Parteien kam nicht überraschend. Doch die gleichzeitige Ankündigung, Marcos werde "vorübergehend" auch Sprecher für die autonomen Landkreise, nicht nur für die EZLN sein, klang nach einer Rückkehr zu stark zentralisierten und hierarchischen Strukturen, die von den Zapatisten öffentlich immer kritisiert wurden.

Wenig später folgte eine harsche Kritik an einem Großteil der Solidaritätsbewegung und sympathisierenden Nicht-Regierungsorganisationen. Marcos wirft ihr das "Aschenputtelsyndrom" vor. Oft seien Mitleid und Paternalismus gegenüber den zapatistischen Gemeinden vorherrschend. Viele hätten bis heute nicht verstanden, dass die Zapatisten statt Almosen Respekt brauchten. Projekte würden aufgezwungen — "stellt Euch die Verzweiflung einer Gemeinde vor, die Trinkwasser braucht und der eine Bibliothek aufgedrängt wird" — oder es würden Abfallprodukte geschickt — "ein rosafarbener Stöckelschuh... ohne sein Paar". Marcos kündigte den "Tod" der fünf als "Aguascalientes" bekannten regionalen Zentren an, die als Anlaufstelle für viele Solidaritätsbewegte funktionierten.

Die Marcos-Kommuniques der letzten Tage revidieren den ersten Eindruck. Offen werden Widersprüche und Konflikte im zapatistischen Einflussgebiet genannt. Die extreme Armut als Preis für die Autonomie wird nicht verheimlicht. In der für Marcos und die EZLN so typischen Verknüpfung von der Maya-Mythologie entlehnten Geschichten und politischer Analyse findet der Subcomandante zu Humor und Selbstironie zurück, die der Bewegung so viel Sympathie einbrachten.

Der von vielen nach den ersten Botschaften kommentierte Bruch mit der Unterstützerbewegung wird stark relativiert. Die "Aguascalientes" sollen in der Zapatistensprache am 9. August als "Seemuscheln" (Caracoles), die nach innen und nach außen hören, wieder auferstehen. Konkret: Sie werden zu einer Art autonomer Regionalräte umfunktioniert. Die Räte sollen einerseits inner- und zwischengemeindliche Probleme in den autonomen Landkreisen lösen, in denen auch viele Nicht-Zapatisten leben.

Eindeutig und so offen wie noch nie machen die Regionalräte den offiziellen Verwaltungs- und Regierungseinrichtungen die Kompetenz streitig. Marcos betont die zapatistische Position, dass es in keiner Weise darum gehe, das Projekt einer Indígena-Nation zu verwirklichen. Als Mexikaner und Indígenas würden die Zapatisten in ihrem Einflussgebiet aber die 1996 mit der Regierung unterschriebenen Abkommen von San Andres und die Regelungen des ursprünglichen Reformentwurfes für das Indígena-Gesetz umsetzen.

Insgesamt sind die Reaktionen auf die Flut von EZLN-Kommuniques bisher aus allen Gesellschaftsbereichen relativ spärlich. Abgeordnete aus Chiapas sehen den "Rechtsstaat" gefährdet. Die Anwaltsvereinigung des Bundesstaates fordert das Eingreifen der Zentralregierung, weil sie eine Parallelverwaltung für nicht hinnehmbar hält. Vielen organisierten Gruppen der Zivilgesellschaft hat die tägliche Marcos-Portion offenbar noch die Sprache verschlagen. Die Regierung in Mexiko-Stadt hält sich bedeckt und scheint ihre Strategie beibehalten zu wollen, das Thema Zapatisten und Chiapas totzuschweigen. Auf eine entsprechende Frage antwortete Innenminister Santiago Creel vor kurzem, er habe keine Reise in das Gebiet vorgesehen, "aber das könnte eine gute Idee sein". Auf das Fest der EZLN wird er wohl nicht kommen.


Quelle: poonal
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