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20 Jahre zapatistischer Aufstand in Mexiko

Reflexion statt Manifestation zum Jubiläum: Zapatisten setzen auf Bildungsarbeit und langfristigen Aufbau alternativer Projekte

amerika21.de vom 04.01.2014
Von Peter Clausing

  Mexiko-Stadt. Mit öffentlichen Reflexionen zu ihrem politischen Projekt und der Fortführung ihres Escuelita-Projekts haben Mexikos Zapatisten den 20. Jahrestag des Beginns ihrer bewaffneten Erhebung am 1. Januar 1994 in diesen Tagen begangen. Anders als zuletzt im Dezember 2012 verzichteten sie darauf, die Straßen der Städte im Bundesstaat Chiapas mit zehntausenden Anhängern des Zapatistischen Heeres zur Nationalen Befreiung (EZLN) zu überfluten, um ihre ungebrochene Stärke zu demonstrieren.

Zahlreiche Kommuniqués, Interviews und Betrachtungen von Kommandeuren der EZLN sowie von Intellektuellen und Journalisten mit intimer Kenntnis der Bewegung demonstrierten in den vergangenen Tagen noch einmal einer breiten Öffentlichkeit, dass die »Zapatistas« es wie kaum eine andere Strömung verstanden haben, aus Fehlern zu lernen und sich wandelnden Gegebenheiten anzupassen. Ein Detail, für die zapatistische Bewegung selbstverständlich, aber den Unterschied zu anderen revolutionären Bewegungen erhellend: Ein Anführer der Bewegung, der seinen Posten abgibt, jedoch nicht still in der »Versenkung« verschwindet – Subcomandante Marcos.

Zur Absolvierung der zapatistischen Escuelita (dt.: kleine Schule) sind seit dem Spätsommer 2013 rund 1.500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Mexiko und aus aller Welt eingetroffen. Während einer Woche hatten sie die Gelegenheit, das Leben und die Sichtweisen der Zapatistas hautnah kennenzulernen. Zum Jahreswechsel startete der zweite Unterrichtsblock dieses Programms. Die hohe Teilnehmerzahl wie auch die Tatsache, dass viele der Lehrer bereits Zapatistas der zweiten Generation im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sind, legen Zeugnis von der Vitalität des politischen Projekts ab. Der Erfolg der Escuelita straft jene Lüge, welche die zapatistische Bewegung klein- oder totzureden versuchen.

Der bekannte kritische mexikanische Intellektuelle Gustavo Esteva ist sich mit Köpfen der Linken wie Noam Chomsky und Immanuel Wallerstein darin einig, dass ein Grund dafür, warum viele den Zapatismus vergessen machen möchte, »die Tiefe seiner Radikalität« ist. In den zwei Jahrzehnten des Aufbegehrens konnte damit konkret messbare, dauernde Erfolge erzielt werden, wie die Umverteilung von etwa 700.000 Hektar Land. Davon profitierten im Jahr 1994 auch viele Kleinbauern in Chiapas, die selbst gar nicht zu den Rebellen und ihren Unterstützergemeinden gehörten. Ein Markenzeichen der zapatistischen Bewegung ist auch der kontinuierliche Aufbau autonomer gesellschaftlicher Strukturen – im Gesundheitswesen, bei Schule und Ausbildung, in der Rechtsprechung – und nicht zuletzt einer alternativen Ökonomie.

 Quelle:  
  https://amerika21.de/2014/01/96129/reflexion-statt-manifestation 
 

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