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Lohnstreik bei VW könnte ein langer Arbeitskampf werden

 

Unternehmensführung und Gewerkschaft liegen in ihren Vorstellungen weit auseinander

Poonal vom 21.08.2001
Von Gerold Schmidt

  (Mexiko-Stadt, 21. August 2001, npl).− Arbeitskämpfe im mexikanischen Volkswagenwerk in der Stadt Pübla sind immer etwas Besonderes. Was in der größten Autofabrik des Landes passiert, hat Auswirkungen auf die gesamte Branche. So findet der Lohnstreik, den über 12.000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und 4.000 weitere Beschäftigte des Werkes am vergangenen Samstag um 11 Uhr morgens begannen, viel Aufmerksamkeit. Am Montag wurden die Verhandlungen zum wiederholten Mal ohne größere Annäherung abgebrochen. Falls das mexikanische Arbeitsministerium dem Wunsch von Volkswagen widersteht, den Streik für "inexistent" zu erklären und damit zu beenden, könnte sich die Auseinandersetzung in die Länge ziehen.

Die Gewerkschaftsführung mit ihrem Vorsitzenden Jose Luis Rodriguez forderte ursprünglich eine Lohnerhöhung von 21 Prozent, die sie jedoch selbst als "verhandelbar" einstufte. Seit Montag steht den 19 Prozent auf Gewerkschaftsseite das Angebot von 7 Prozent der VW-Spitze gegenüber — eine scheinbar unüberbrückbare Kluft. Rodriguez und andere Gewerkschafter verweisen auf bisherige Abschlüsse in der Autoindustrie in diesem Jahr. Die Ford-Arbeiter handelten 13 Prozent mehr Lohn aus, bei Nissan betrug die Steigerung sogar 16 Prozent. Dabei haben Ford und Nissan nicht unbedingt eine bessere Marktposition als Volkswagen. Die im Branchenvergleich recht gut bezahlten Arbeiter bei VW Puebla werden sich auch deshalb kaum auf einen Tarifabschluss unterhalb dieser Vorgaben einlassen. Ein möglicher Vorwurf von Gewerkschaften anderer Industriezweige, mit einem niedrigen Abschluss eine negative Signalwirkung auszuüben, kann ihnen auch nicht recht sein.

Dagegen sieht der Volkswagen-Repräsentant Francisco Bada das Angebot der Unternehmerseite als geradezu generös an. Es läge immerhin anderthalb Prozent über der erwarteten Inflationsrate in den kommenden zwölf Monaten. Dabei finden die Reallohnverluste, den die Arbeiter in den vergangenen Jahren hinnehmen mussten, keine Erwähnung. Am Wochenende drohte Bada mit der Gefährdung von Milliardeninvestionen für die kommenden Jahre, falls die Gewerkschaft auf einer harten Linie verharre. Wenn die Räder still stehen, laufe alle 24 Stunden ein Verlust von 30 Millionen Dollar an, so ist aus der Konzernführung zu hören.

Das dürfte die Angeschuldigten aber nicht schrecken. Nicht ohne Grund kontert Gewerkschafter Rodriguez damit, dass der VW-Geschäftsführung in Mexiko ein Streik mit begrenzter Dauer durchaus gelegen käme. Angesichts einer internationalen Absatzflaute und schwächelndem mexikanischen Binnenmarkt könnte so die Halde von 12.000 fertig produzierten Autos bei gleichzeitiger Einsparung von Lohnzahlungen abgebaut werden, meint er. Normalerweise verlassen im Durchschnitt täglich 1.550 Autos das Fliessband in Puebla. Außerdem werden Motoren und Achsen für andere VW-Fabriken hergestellt. Nach etwa zwei Wochen Streik wären die Lagerbestände leer. Dann könnte die Nachfrage nicht mehr befriedigt werden. Im Ausland käme es zu Engpässen beim Beetle. Denn nur in Puebla wird die neue Luxusversion des altehrwürdigen Käfers produziert.

Auch die Gewerkschaft droht. In Mexiko zählt sie auf die Unterstützung des Dachverbandes UNT. VW-Gewerkschaften aus anderen Ländern sowie Gewerkschaftsverbände aus den USA und Brasilien sollen ihre Bereitschaft zu Solidaritätsaktionen erklärt haben. Eine Internationalisierung des Konfliktes dürfte nicht im Interesse des Volkswagenkonzerns sein, dass wissen die Gewerkschafter um Rodriguez.

Bei früheren Gelegenheiten konnten sich in- und ausländische Grossunternehmen meistens auf die mexikanische Regierung verlassen, die spezielle Rechtsfiguren schuf, um bei Streik zu intervenieren. Zwar gilt der aus dem Unternehmerlager stammende Arbeitsminister Carlos Abascal als eines der konservativsten Regierungsmitglieder. Doch sorgte er vor wenigen Monaten beim Streik des Bordpersonals der staatlichen Fluggesellschaft Aeromexico fuer einen Präzedenzfall. Entgegen vieler Erwartungen griff das seinem Ministerium zugeordnete Schiedsgericht nicht direkt in den Konflikt ein und die Gewerkschaft setzte sich in den Tarifverhandlungen weitgehend durch. Sollte diese Linie fortgeführt werden, ist der weitere Streikverlauf bei VW Mexiko völlig offen.

Verlängert sich der Arbeitskampf, hat das einen Nebeneffekt. Der für den 26. bis 28. August vorgesehene Besuch des Bundeskanzlers Gerhard Schröder in Mexiko, der vor allem den Charakter einer Pflichtvisite hat, bekäme eine pikante Note.


Quelle: poonal
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