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CIEPAC: Chiapas al Día No. 362

CIEPAC vom 06.07.2003
übersetzt von Gabriele Jahn

  Chiapas al Día No. 362

Änderungen bei der EZLN

Während der zweiten Julihälfte 2003 gab die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) durch die Stimme von Subcomandante Insurgente "Marcos" zehn Kommuniqués heraus, die Änderungen und neue Strategien der EZLN ankündigte (www.ezlnaldf.org; www.ezln.org). Die mexikanische Armee hat sofort und unüberlegt mit Truppenbewegungen, der Stationierung größerer Reservetruppen an Straßenkreuzungen sowie mit Besuchen von Mitgliedern des militärischen Geheimdienstes in zapatistischen Gemeinden reagiert. Diese boten den Kindern Süßigkeiten an, um Informationen über die Vorbereitungen der EZLN zu erhalten, sie verkleideten sich als Straßenverkäufer, um in die weniger zugänglichen Gebiete zu kommen, sie lungerten in der Nähe der Büros von Enlace Civil und verschiedenen NGOs herum, arbeiteten als Taxifahrer, um durch Funk Zugang zu einem ganzen Informationsnetz in San Cristóbal, Comitán und Ocosingo zu haben, immer auf der Suche nach Informationen über die Vorbereitungen der EZLN und über die Ankunft der nationalen und internationalen Solidarität. Mit Sicherheit haben die Paramilitärs bei der Ankündigung der EZLN zu zittern begonnen. Aber gleichermaßen sehen einige politische Parteien in der neuen Strategie eine Bedrohung. Aus diesem Grund erklärten sie das, was die EZLN angekündigt hat, für illegitim, und sagen, daß die autonomen Gemeinden nicht verfassungskonform sind und forderten, man müsse die Aufständischen erledigen. Während der Erzbischof von San Cristóbal ihnen Recht gibt, fordern die entsetzten Unternehmer und Transnationalen Gesellschaften von Vicente Fox, daß er Ordnung schafft. Die staatliche Regierung rechnet damit, daß das, was ihr an Regierung bleibt, und es bleibt ihr wenig, und daß ihr Plan Puebla-Panamá, dem sie einen Großteil ihrer Verwaltungskapazität widmet, nicht für das Rebellengebiet gilt. Und wie immer schweigt das monopolistische Fernsehen, solange es keinen Startschuß zur Veröffentlichung erhält. Wenn der Inhalt auch breitgefächert und wichtig ist, so werden wir doch versuchen, die wichtigsten Aspekte der neuen Position der EZLN zusammenzufassen:

1) Die "Globalisierung der Macht ist in ihre aggressivste Phase getreten, als sie den militärischen Krieg zur Hauptwaffe der Herrschaft machte. Allerdings hat die Aggression gegen das irakische Volk nicht nur die echte zerstörerische Bestimmung der Globalisierung gezeigt. Sie hat auch weltweit die größte Abscheu in der Geschichte der Menschheit hervorgerufen. Trotz der gefallenen Statuen halten sich weltweiter Widerstand und Rebellion und wachsen. Die zapatistische Rebellion ist nur ein kleiner Teil davon (...). Die Zapatisten erneuern ihre Solidarität mit dem gerechten Kampf der Völker Mexikos und der Welt, um die venezolanische Souveränität, mit dem irakischen Volk etc.

2) Die politische Klasse Mexikos (politische Parteien und die Exekutive, Legislative und Judikative) hat "die Hoffnung von Millionen von Mexikanern und Tausender Menschen aus anderen Ländern" verraten, als sie die Erfüllung der Abkommen von San Andrés über die Rechte und Kultur der Indigenen leugnete, die zwischen der Bundesregierung und der EZLN im Februar 1996 unterzeichnet wurden. "Die EZLN hat beschlossen, jeglichen Kontakt mit der mexikanischen Bundesregierung und den politischen Parteien auszusetzen". Zwei fundamentale Elemente treten hervor: es wurde beschlossen, daß die Hauptform des Kampfes nicht mehr die Verhandlung, der Dialog mit der Regierung noch jemals die Wahlbeteiligung sein wird, sondern "es wurde beschlossen, aus dem Widerstand die Hauptform ihres Kampfes zu machen". Außerdem werden die Abkommen von San Andrés "auf rebellischem Gebiet zur Anwendung kommen".

3) Der Plan Puebla-Panamá (PPP) als "separatistisches Projekt für den Südosten Mexikos" wird nicht durch zapatistisches Rebellengebiet gehen, die Zapatisten verfügen über die notwendigen und ausreichenden Mittel und die Organisation, um die Realisierung des genannten Planes zu verhindern". Für die EZLN ist der PPP aus mindestens 3 Gründen schon erledigt: a) "Er ist untergraben und die bloße Absicht, ihn zu realisieren, wird die sozialen Unruhen nur verschärfen", b) "Der Plan behauptet, daß wir akzeptieren, daß die Dinge im Norden und Zentrum des Landes schon entschieden sind und niemand Widerstand leistet. Das ist falsch. Die Wege des Widerstandes und der Rebellion ziehen sich durch das ganze nationale Territorium und treten auch da zu Tage, wo die Moderne völlig triumphiert zu haben scheint", c) "In den Bergen des mexikanischen Südostens wird seine Realisierung unter keinen Umständen erlaubt werden". Deswegen "muß" für die EZLN jeder Plan "simpel und einfach sein". Sie schlägt einen einzigen Plan für die fünf Kontinente vor: "Gegen den Neoliberalismus und für die Menschlichkeit kämpfen". Dieser Plan "zählt allein auf die Menschen, die an ihrem Ort, zu ihrer Zeit und auf ihre Art dem Landraub Widerstand leisten; und erinnert daran, dass das Vaterland kein Unternehmen mit Niederlassungen ist, sondern eine [Region mit] gemeinsame[r] Geschichte. Und die Geschichte ist nicht nur Vergangenheit. Sie ist auch, und vor allem, Zukunft". Gegen den PPP schlägt die EZLN den Plan La Realidad — Tijuana vor; für den Norden des amerikanischen Kontinents den Plan Morelia — Nordpol, der die Vereinigten Staaten und Kanada einschließt; für Mittelamerika, den Karibikraum und Südamerika schlägt sie den Plan La Garrucha — Feuerland vor; für Europa und Afrika den Plan Oventic — Moskau, der nach Osten und im September über Cancún geht; für Asien und Ozeanien den Plan Roberto Barrios — Neu Delhi Richtung Westen.

4) Die EZLN geht nach Cancún. Die Woche der Mobilisierungen gegen die Ministerversammlung der Welthandelsorganisation (WTO) wird zwischen dem 9. und 16. September stattfinden.

5) Die Generalkommandantur der EZLN schickt eine Botschaft an die Paramilitärischen Gruppen in dem Sinne, daß deren Aktionen nicht unbestraft bleiben werden. "Besonders im Gebiet Altos de Chiapas, in den Gemeinden Chenalhó, Pantelhó und Cancuc befinden sich die Paramilitärs in einer fieberhaften Aktivität, die von Plänen unmittelbar bevorstehender Aggression spricht. Die Paramilitärs haben auf die Vertriebenencamps von San Pedro Polhó, dem sogenannten "Camp Acht" und Acteal als vorrangige Ziele ihrer zukünftigen Angriffe hingewiesen. Seit einigen Nächten versammeln sie sich, um sich zu betrinken und in die Luft zu schießen und sich gleichzeitig selbst Mut zu machen. Die Garnisonen der Armee und der Staatspolizei in diesem Gebiet haben sich fest eingeschlossen, sicherlich, um später vorzubringen, daß ?wir nichts gehört haben’. So ist die Atmosphäre nun sehr ähnlich der, die in den Tagen vor dem Gemetzel in Acteal, Chenalhó, Chiapas, erlebt wurde, bei dem 45 Männer, Frauen und Kinder auf grausamste Art durch die Paramilitärs ermordet wurden."

6) Am 9. August wird "Radio Insurgente, Stimme der EZLN" auf Kurzwelle 49 Meterband, 5,8 Megahertz eingeweiht werden.

7) 30 Autonome Zapatistische Gemeinden im Widerstand (MAREZ) haben das Geheime Indigene Revolutionskommittee — Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (CCRI — EZLN) darum gebeten, daß Subcomandante Insurgente Marcos als Sprecher der EZLN und zeitweilig als Sprachrohr der Zapatistischen Autonomen Gemeinden agiert.

8) Nachdem die EZLN den Ursprung, die Geschichte und eine lange kritische und selbstkritische Analyse über die Funktionsweise und die Probleme, mit denen die MAREZ und "Aguascalientes" konfrontiert sind, sowie die Beziehung zur nationalen und internationalen Zivilgesellschaft neu ausgewertet hat, "beschloß" sie das Ende der sogenannten ?Aguascalientes’ von La Realidad, Oventic, La Garrucha, Morelia und Roberto Barrios" (siehe Karte unter www.ciepac.org/mapas). Nun wird jedes "Caracol" (Schnecke) heißen, wo die sogenannten Häuser Juntas der Guten Regierung eingerichtet werden. "So werden die Caracoles wie Eingangspforten in die Gemeinden und Ausgangspforten sein; wie Fenster, damit man uns drinnen sieht und wir nach draußen sehen; wie ein Sprachrohr, um unser Wort weit verbreiten zu können und um das Wort dessen, der fern ist, zu hören. Aber vor allem, um uns selbst daran zu erinnern, daß wir wachsam sein müssen und abhängig sind von allen Welten, die diese Welt bevölkern". Jede Junta der Guten Regierung wird aus einem oder zwei Delegierten der einzelnen Autonomen Räte des genannten Gebietes gebildet werden, "um eine direktere Verbindung zwischen ihnen und der Welt herzustellen". Das Geheime Indigene Revolutionskommittée wird ihr Funktionieren überwachen, um Akte der Korruption, Intoleranz, Willkürlichkeit, Ungerechtigkeit sowie Abweichungen von dem zapatistischen Prinzip "gehorchend befehlen" zu vermeiden. Diese Juntas der Guten Regierung werden u.a. folgende Ziele haben:

a) "Versuchen, das Ungleichgewicht in der Entwicklung der autonomen Gemeinden und Gemeinschaften abzubauen".

b) "In den Konflikten vermitteln, die unter autonomen Gemeinden oder zwischen autonomen und regierungstreuen Gemeinden auftreten können".

c) "Anzeigen gegen die Autonomen Räte aufgrund von Menschenrechtsverletzungen, Protesten und Abweichungen bearbeiten, deren Wahrheitsgehalt verifizieren, den Autonomen Räten die Korrektur dieser Fehler anordnen und deren Erfüllung überwachen".

d) "Die Realisierung der Gemeindeprojekte und -aufgaben in den Zapatistischen Autonomen Gemeinden in Rebellion überwachen und dafür Sorge tragen, daß die von den Gemeinden vereinbarte Zeit und Form eingehalten werden; die Unterstützung für Gemeindeprojekte in den Zapatistischen Autonomen Gemeinden in Rebellion fördern".

e) "Die Einhaltung der Gesetze überwachen, die nach gemeinsamer Abstimmung mit den Gemeinden in den Zapatistischen Autonomen Gemeinden in Rebellion gelten".

f) "Die nationale und internationale Zivilgesellschaft beim Besuch von Gemeinden begleiten und führen, Produktivprojekte fördern, Friedenscamps einrichten, Untersuchungen durchführen (Vorsicht, daß den Gemeinden ein Nutzen bleibt) sowie jegliche Aktivität, die in rebellischen Gemeinden erlaubt ist".

g) "Nach gemeinsamem Übereinkommen mit dem CCRI — CG der EZLN die Teilnahme von Compañeros und Compañeras der Zapatistischen Autonomen Gemeinden in Rebellion an Aktivitäten oder Aktionen außerhalb der Gemeinden in Rebellion fördern und bewilligen und diese Compañeros und Compañeras aussuchen und vorbereiten".

h) "Zusammenfassend: Um dafür Sorge zu tragen, daß auf zapatistischem Territorium in Rebellion derjenige, der befiehlt, gehorchend befiehlt, werden am 9. August 2003 die sogenannten Juntas der Guten Regierung eingerichtet".

So wird jedes der 5 Caracoles so etwas wie die regionale Verwaltung einer Gruppe von MAREZ sein. Allerdings "sind Recht, Gesundheit in den Gemeinden, Bildung, Wohnung, Land, Arbeit, Ernährung, Handel, Information und Kultur, lokaler Verkehr weiterhin ausschließliche Funktionen der Regierung der Zapatistischen Autonomen Gemeinden in Rebellion:". Gut, sehen wir uns jetzt die Bildung der Caracoles und ihre Juntas der Guten Regierung an:

1) Das Caracol von La Realidad, aus zapatistischen Tojolabales, Tzeltales und Mames, wird MADRE DE LOS CARACOLES DEL MAR DE NUESTROS SUEÑOS (Mutter der Caracoles aus dem Meer unserer Träume), d.h. S-NAN XOCH BAJ PAMAN JA TEZ WAYCHIMEL KU’UNTIC heißen. Die Junta der Guten Regierung Selva Fronteriza wird "Hacia la Esperanza" (Zur Hoffnung) heißen. Es reicht von Marqués de Comillas, Region Montes Azules und allen Grenzgemeinden mit Guatemala bis nach Tapachula. Es schließt die autonomen Gemeinden General Emiliano Zapata, San Pedro de Michoacán, Libertad de los Pueblos Mayas, Tierra y Libertad ein.

2) Das Caracol von Morelia, aus zapatistischen Tzeltales, Tzotziles und Tojolabales wird TORBELLINO DE NUESTRAS PALABRAS (Wirbelwind unserer Worte) bzw. MUC’UL PUY ZUTU’IK JU’UN JC’OPTIC heißen. Die Junta der Guten Regierung Tzots Choj heißt Corazón del Arcoiris de la Esperanza (Herz des Regenbogens der Hoffnung) (Yot’an te xojobil yu’un te smaliyel). Es schließt einen Teil der Gebiete ein, in denen sich die Regierungsgemeinden von Ocosingo. Altamirano, Chanal, Oxchuc, Huixtán, Chilón, Teopisca, Amatenango del Valle befinden und beinhaltet die autonomen Gemeinden 17 de Noviembre, Primero de Enero, Ernesto Che Guevara, Olga Isabel, Lucio Cabañas, Miguel Hidalgo Vicente Guerrero.

3) Das Caracol von La Garrucha, aus zapatistischen Tzeltales, wird RESISTENCIA HACIA UN NUEVO AMANECER (Widerstand für einen neuen Tagesanbruch) bzw. TE PUY TAS MALIYEL YAS PAS YACH’IL SACAL QUINAL heißen. Die Junta der Guten Regierung Selva Tzeltal heißt El Camino del Futuro (Der Weg der Zukunft) (Te s’belal lixambael). Es beinhaltet einen Teil der Gebiete, wo sich die Regierungsgemeinde Ocosingo befindet und schließt die autonomen Gemeinden Francisco Gómez, San Manuel, Francisco Villa und Ricardo Flores Magón ein.

4) Das Caracol von Roberto Barrios aus zapatistischen Choles, Zoques und Tzeltales, wird EL CARACOL QUE HABLA PARA TODOS (Das Caracol, das für alle redet), bzw. TE PUY YAX SCO’OPJ YU’UN PISILTIC auf tzeltal und PUY MUI TI T’AN CHA ¢AN TI LAK PEJTEL auf chol heißen. Die Junta der Guten Regierung Zona Norte de Chiapas heißt Nueva Semilla que va a Producir (Neuer Samen, der hervorbringen wird) auf tzeltal: Yach’il ts’unibel te yax bat’p’oluc, und auf chol Tsi Jiba Pakabal Micajel Polel. Es schließt einen Teil der Gebiete ein, wo sich die Regierungsgemeinden von Nordchiapas befinden, von Palenque bis Amatán und beinhaltet die autonomen Gemeinden Vicente Guerrero, Del Trabajo, La Montaña, San José en Rebeldía, La Paz, Benito Juárez, Francisco Villa.

5) Das Caracol von Oventic aus Tzotziles und Tzeltales wird RESISTENCIA Y REBELDIA POR LA HUMANIDAD (Widerstand und Rebellion für die Menschheit) bzw. TA TZIKEL VOCOLIL XCHIUC JTOYBAILTIC SVENTA SLEKILAL SJUNUL BALUMIL heißen. Die Junta der guten Regierung Altos de Chiapas heißt Corazón Céntrico de los Zapatistas delante del Mundo (Zentrales Herz der Zapatisten im Angesicht der Welt) (Ta olol yoon zapatista tas tuk’il sat yelob sjunul balumil). Es beinhaltet einen Teil der Gebiete, wo sich die Regierungsgemeinden von Altos de Chiapas befinden und dehnt sich bis Chiapa de Corzo, Tuxtla Gutiérrez, Berriozábal, Ocozocuautla und Cintalapa aus. Es schließt die autonomen Gemeinden San Andrés Sakamchén de los Pobres, San Juan de la Libertad, San Pedro Polhó, Santa Catarina, Magdalena de la Paz, 16 de Febrero und San Juan Apóstol Cancuc ein.

Unter den ersten Verfügungen der Juntas der Guten Regierung befinden sich die folgenden:

"Eins: Es ist nicht mehr zulässig, daß Spenden und Unterstützungen der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft an eine bestimmte Person oder eine bestimmte autonome Gemeinschaft oder Gemeinde gehen. Die Junta der Guten Regierung wird nach einer Bewertung der Situation der Gemeinschaften entscheiden, wohin diese Unterstützung am dringendsten geschickt werden muß. Die Junta der Guten Regierung erlegt allen Projekten die sogenannte "Brudersteuer" auf, die sich auf 10% des Gesamtbetrages des Projektes beläuft. Das heißt, wenn eine Gemeinschaft, eine Gemeinde oder Kollektiv eine wirtschaftliche Unterstützung für ein Projekt erhält, wird sie 10% an die Junta der Guten Regierung abgeben müssen, damit diese den Betrag an eine andere Gemeinschaft, gibt, die keine Unterstützung erhält. Das Ziel ist, die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinden im Widerstand etwas auszugleichen. Natürlich werden keine Reste, Almosen etc. akzeptiert".

"Zwei: Es werden nur die Personen, Gemeinschaften, Produktions- und Handelskooperativen und -gesellschaften als zapatistisch anerkannt werden, die in einer Junta der Guten Regierung registriert sind. So wird verhindert werden, daß Personen als Zapatisten gelten, die nicht nur keine sind, sondern sogar antizapatistisch sind (dies ist der Fall bei einigen Produktions- und Handelskooperativen von biologischem Kaffee). Überschuß und Vergütung durch den Handel mit Produkten zapatistischer Kooperativen und Gesellschaften werden an die Juntas der Guten Regierung abgegeben, damit die Compañeros und Compañeras unterstützt werden, die ihre Produkte nicht vertreiben können oder keinerlei Unterstützung erhalten".

"Drei: Es ist üblich, daß unseriöse Leute die nationale oder internationale Zivilgesellschaft hintergehen, indem sie sich in den Städten als "Zapatisten" vorstellen, die angeblich in "geheimer oder spezieller Mission" geschickt werden, um Geld für Kranke, Projekte, Reisen oder ähnliches zu erbitten. Manchmal bieten sie sogar Schulungen in angeblichen und falschen "sicheren Häusern" der EZLN in Mexiko Stadt an. Im ersteren Fall werden Intellektuelle, Künstler, Akademiker und nicht wenige Beamte der örtlichen Regierung betrogen. Im zweiten Fall werden junge Studenten Opfer der Lüge. Die EZLN erklärt, daß sie keinerlei "sicheres Haus" in Mexiko Stadt hat und keinerlei Schulung anbietet. Diese schlechten Personen sind nach unseren Berichten mit Straßenräuberbanden verflochten und mit dem Geld, das sie erhalten, und das sie angeblich für die Gemeinden erbitten, bereichern sie sich persönlich. Die EZLN hat schon Nachforschungen begonnen, um diejenigen haftbar zu machen, die ihren Namen mißbrauchen und die guten und ehrenhaften Leute betrügen. Da es schwierig ist, die Generalkommandantur der EZLN zwecks Bestätigung, ob eine bestimmte Person zur EZLN oder Unterstützungsbasis gehört, und ob das, was sie sagt, stimmt oder nicht, zu kontaktieren, wird es nun genügen, mit einer der Juntas der Guten Regierung in Kontakt zu treten (mit der Junta in dem Gebiet, aus dem der "Betrüger" kommen soll) und in wenigen Minuten wird sie sagen, ob das stimmt oder nicht, ob diese Person zapatistisch ist oder nicht. Dafür werden die Juntas der Guten Regierung Bestätigungen oder Beglaubigungen ausstellen, die allerdings noch gegengezeichnet werden müssen.

Die EZLN lädt am 9. August zur Einweihung der Caracoles im Caracol von Oventic zum 9. Jahrestag der Einrichtung der abgeschafften Aguascalientes ein. "Es wird wenige Ansprachen und viel Gesang geben (das hartnäckige Gerücht geht um, daß zapatistische Musikgruppen aus den verschiedenen Gebieten kommen werden und ein Hyper-Mega-Magna-Super-Duper-Konzert veranstalten werden ohne mehr Gründe dafür zu haben als die Freude, weiterhin lebendig und rebellisch zu sein — verglichen damit wird jedes Tecnokonzert wie eine Merienda mit Piñatas (Spiel mit Naschereien) und Taschen voller Süßigkeiten sein)".

Mit dieser neuen Struktur gibt die EZLN ihrer internen Form und den klaren Beziehungskanälen mit der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft Festigkeit: "Derart, daß die "Zivilgesellschaft" nun weiß, mit wem sie sich wegen Projekten, Friedenscamps, Besuchen, Spenden usw. absprechen muß. Die Menschenrechtsverteidiger wissen, an wen sie die Anzeigen richten müssen und von wem sie Antwort erwarten können. Armee und Polizei wissen, wen sie angreifen müssen (wobei sie nur berücksichtigen müssen, daß auch wir da sind, d.h. die EZLN). Die Kommunikationsmedien, die das sagen, wofür sie Geld bekommen, wissen, wen sie verleumden und / oder ignorieren müssen. Die ehrenwerten Kommunikationsmedien wissen, an wen sie sich wenden müssen, um Interviews oder Reportagen in den Gemeinden zu beantragen. Und die Bundesregierung und ihr "Beauftragter" wissen, was ihre Aufgabe ist, um so zu tun, wie wenn es sie nicht gäbe. Und die Macht des Geldes weiß, wen sie sonst fürchten muß.

Wenn der Weg über Friedensverhandlungen keine Glaubwürdigkeit mehr besitzt und der politische Weg über Wahlen nicht dazu geführt hat, daß die Regierenden nach unten schauen und gehorchend befehlen anstatt noch oben zu schauen und das Vaterland an die großen transnationalen Unternehmen zu verkaufen, dann ist der Weg über Taten die Alternative, die bleibt, um das Eigene zu verteidigen. Weder das Gesetz noch das Bewußtsein, daß wir Menschenrechte haben, werden uns diese garantieren; die Erde ist zum letzten Schützengraben geworden, um gentechnik- und giftfreie Lebensmittel, Wasser, Biodiversität, Gesundheit, Bildung und die elementarste Gerechtigkeit zu verteidigen. Es geht nicht darum, "den Neoliberalismus oder die Freihandelsabkommen zu humanisieren", sondern um aktiven und entschlossenen Widerstand. Es geht nicht darum, nur zu versuchen, die Politik zu beeinflussen, sondern sie tatsächlich zu realisieren.

Dieses Modell zerrüttet die Interessen des Großkapitals, das noch immer darauf hofft, das indigene Land in Chiapas auszupressen. Deswegen sieht man eine stärkere Militarisierung und Gewalt der paramilitärischen Gruppen vorher, um die Stärkung der MAREZ zu unterminieren.

Endlich hört man die EZLN mit größerer Klarheit zur regionalen, kontinentalen und weltweiten sozialen Agenda. Ihr Schweigen zu vielen Themen hat zu Verwirrung geführt, während ihr politisches Fingerspitzengefühl und ihre Analyse eine Quelle der Inspiration für die Mobilisierung Tausender auf der ganzen Welt gewesen waren. Einige Organisationen, Bürger- oder Solidaritätsgruppen haben schließlich gedacht, an anderen sozialen Prozessen nicht teilzunehmen, sich nicht gegen den PPP, ALCA, WTO oder andere indigene und soziale Konflikte anderer Länder zu mobilisieren oder dagegen zu demonstrieren aus Angst, "den Zapatisten nicht zu gehorchen". Auch der Mangel an Kritik war schwerwiegend. Die Furcht, die Fehler der EZLN zu kritisieren, war Grund für viel Schweigen oder hat Desillusionen geschaffen. Aber nun hat die EZLN Selbstkritik in die Bewertung und Entwicklung der autonomen Gemeinden, in ihre Beziehungen mit der Gesellschaft, integriert, was ihr dabei helfen wird, sich mit vielen sozialen Kräften politisch neue Impulse zu geben. Außerdem wird das, was ihr viel organisatorische und strukturierende Kraft in ihren Gemeinden geben wird, in den grundlegenden demokratischen Prozeß eingebaut, den die indigenen Gemeinden aus Tradition haben und was auf eine bestimmte Art das Bild des Caracols (Schnecke) ausdrückt.

Erneut überraschen sie. Und das wissen sie. Wie sagt der Sub: "Diese Indigenen verärgern selbst die, die mit ihrer Sache sympathisieren. Und sie gehorchen nicht. Wenn man darauf wartet, daß sie reden, schweigen sie. Wenn man ihr Schweigen erwartet, reden sie. Wenn man darauf wartet, daß sie in Führung gehen, stellen sie sich hinten an. Wenn man erwartet, daß sie von hinten nachfolgen, gehen sie in eine andere Richtung. Wenn man erwartet, daß sie nur von sich sprechen, sprechen sie über andere Dinge. Wenn man darauf wartet, daß sie sich mit ihrem Land zufrieden geben, machen sie sich auf in die Welt und den Kampf (...) Wie dem auch sei, sicher ist, daß das, was sie tun oder sagen, nicht vielen gefallen wird. Außerdem, wie der Sub sagt, ist es eine Spezialität der Zapatisten, Probleme zu schaffen und dann zu sehen, wer sie löst. So ist von diesen Juntas nichts anderes als Probleme zu erwarten (...) Vielleicht könnten wir erraten, um was es geht, wenn wir aufmerksam hinschauen. Die Zapatisten sind ganz anders, ich weiß nicht, ob ich es dir schon gesagt habe, sie erfinden Dinge, bevor sie existieren und glauben, daß sie zu leben und zu laufen beginnen, wenn sie sie beim Namen nennen... und, ja natürlich, Probleme schaffen. Und so haben sie sich sicherlich schon etwas vorgestellt und werden anfangen so zu tun, wie wenn dieses Etwas schon existieren würde und niemand wird etwas verstehen bis eine gewisse Zeit vergangen ist, denn, in der Tat, beginnen die Dinge, die genannt worden sind, einen Körper, ein Leben, ein Morgen zu haben""

Gustavo Castro Soto und Onésimo
Hidalgo CIEPAC, A.C.

 Quelle:  
  http://www.ciepac.org/ 
 

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