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Der Fall des Reservats Montes Azules im Lacandonischen Urwald, Chiapas

 

Ein Beispiel wiederholten Scheiterns der Umweltschutzpolitik in Mexiko

News vom 05.06.2003
übersetzt von Gabriele

  Das Biosphärenreservat Montes Azules (REBIMA) (331.200 ha) liegt im Herzen der Selva Lacandona (Lakandonischer Urwald) (1.800.000 ha). Das heißt, es bildet einen Teil davon, schließt sie aber nicht komplett ein, denn die Lacandona besteht außer aus Montes Azules aus 4 weiteren Regionen:

Cañadas (Ocosingo und Margaritas) (im Westen)
Marqués de Comillas (im Süden)
"Zona Lacandona" (im eigentlichen Sinne) (im Osten) sowie
"Norte" (im Norden)

Für REBIMA gab es im März 1978 einen Erlaß, wobei dieser einem komplexen und heiklen Agrarkonflikt übergestülpt wurde, der von der Bundesregierung vorsätzlich ignoriert wurde. Seltsamerweise läßt das Reservat das Gebiet der Cañadas außen vor, das durch seine Topographie und sein Mikroklima das Gebiet der größten Biodiversität der gesamten Lacandona ist (siehe Karte 1).

75% der Fläche des REBIMA befindet sich da, wo 1972 die sogenannte "Comunidad Lacandona" (Lakandonengemeinde) gegründet wurde. In diesem Gebiet befinden sich heute weitere nationale 6 Áreas Naturales Protegidas (ANP’S) (Naturschutzgebiete), für die 20 Jahre (oder noch) später nach REBIMA ein Dekret erlassen wurde, alle "Zona Lacandona":

Parque Natural de Bonampak (1991)
Parque Natural de Yaxchilán (1991)
Refugio de Flora y Fauna Chan Kin (1991)
Reserva de Biosfera Lacan-Tún (1991)
Refugio de Flora y Fauna Nahá (1998)
Refugio de Flora y Fauna Metzabok (1991)
(siehe Karte 1)


Die sogenannte "Comunidad Lacandona" (C.L.) (614.321 ha) wird im März 1972 per Präsidentenbeschluß gegründet, und zwar auf der Grundlage eines riesigen Landbetruges, der von Luis Echeverría (Präsident) und Manuel Velasco Suárez (Gouverneur) begangen wurde. Dadurch wird vorsätzlich ein kommunaler Großgrundbesitz zugunsten dreier Siedlungen (von denen zwei noch nicht einmal dort existierten) und nur 66 Caribes-Maya-Familien (die fälschlicherweise "Lakandonen" genannt werden) geschaffen, womit das vorhergehende Landrecht 47 indigener Siedlungen (4.000 Familien) von Tzeltales, Tzotziles, Ch’oles und Tojolabales (sowohl Mayas als auch Caribes), die in diesem Gebiet seit den 50er und 60er Jahren ansässig waren und von denen sogar 17 schon über einen Präsidentenbeschluß verfügten, verletzt wurde. (siehe Karte 2)

Seit damals (1972) wurden die genannten Tzeltal-, Tzotzil-, Ch’ol- und Tojolabaldörfer regelmäßig mit Vertreibung bedroht. Zunächst wurden sie als "Eindringlinge" (aus dem angeblichen Eigentumsgebiet der "Lakandonen") und dann als "Plünderer" (des Biosphärenreservats) beschuldigt. (siehe Anlage 2 und 3)

Ziel dieses Landbetruges, genannt "Comunidad Lacandona", war damals (1972 — 1980) die Ausbeutung von Edelhölzern: 1974 entsteht per Präsidentenerlaß die halbstaatliche Holzfirma COFOLASA, die mit den Caribes sofort einen Vertrag zur Ausbeutung von 35.000 m? Holz jährlich gegen 5.000 $ pro Halbjahr für "Bergrechte" an jede der 66 Caribes-Familien unterzeichnet.

Das REBIMA-Dekret (1987) bot weder der Holzausbeutung durch COFOLASA noch der Ausbreitung der extensiven Viehwirtschaft im gesamten Gebiet Einhalt oder verhinderte diese. Da es das erste Biosphärenreservat Mexikos war, dauerte es 22 Jahre, bis es einen Handlungsplan gab (2000), der erneut die in diesem Gebiet existierende soziopolitische Realität ignorierte. Selbst die offiziellen landwirtschaftlichen Maßnahmen der Schenkung von Ejidos über die "C.L." und REBIMA selbst gingen systematisch weiter (siehe Karte 2) und unterstützten dabei eine Kolonialisierungspolitik des Urwaldes mit direkter und indirekter Unterstützung für die extensive Viehwirtschaft. (Siehe "Epilog")

Die Erlasse zur "Comunidad Lacandona" (1972) und zu REBIMA (1978) waren zusammen mit dem Fall der Kaffeepreise und der Gegenreform des Artikels 27 der Verfassung (1992) direkte Gründe für die Bildung der EZLN (1983) und deren bewaffneten Aufstand (1994).

1989 erkannte Präsident Salinas, zur Legitimierung und von Bündnissen mit Bauernvereinigungen gedrängt, per Präsidentenbeschlüsse 26 Ejidos rechtlich an, die zu ARICs Unión de Uniones gehörten und alle innerhalb der sogenannten "Comunidad Lacandona" und die Mehrheit innerhalb des REBIMA lagen (siehe Karte 3).

Der Druck und die Einschüchterung, die durch die massive Präsenz der Bundesarmee (1994 bis heute) und durch das straflose Agieren paramilitärischer Gruppen in der Selva Lacandona und anderen Gebieten in Chiapas hervorgerufen wurden, zwang eine unbestimmte Anzahl indigener Siedlungen und Siedler (zapatistische Basis) dazu, im Gebiet des REBIMA Zuflucht zu suchen, um überleben zu können; Sie wurden so zu Kriegsflüchtlingen (siehe Karte 4).

Im Mai/Juni 2000 versuchten nationale und internationale Naturschutzorganisationen (Conservación Internacional und Worldwildlife Fund) unter der Schirmherrschaft von SEMARNAP, die öffentliche Meinung durch Zeitungsberichte zu manipulieren, die "170 Brände in Montes Azules" glauben machen wollten, die "10.000 ha Bergwald zerstören würden", "verursacht von den eingedrungenen indigenen Gemeinden", die daraufhin aufgefordert wurden, "zum Wohl der Nation zu verschwinden". In Wirklichkeit und in Übereinstimmung mit den definitiven offiziellen Zahlen, die von SEMARNAP veröffentlicht wurden (August 2000), brannten in jenem Jahr in der gesamten Selva Lacandona (5 Regionen) nur 398 ha (!!!).

In diesem selben Jahr 2000 berichtete die Regierung Zedillo (Präsident) / Albores (Gouverneur) von der "Neuansiedlung" von vier der 32 Siedlungen, die damals im REBIMA und im Gebiet der Comunidad Lacandona (außerhalb des Reservats) ansässig gewesen waren, als "einen großen Erfolg". Die angeblich "umgesiedelten" Niederlassungen waren:

Sol Paraíso
Nueva Argentina (erweitert)
Santa Cruz
Indio Pedro (Campo Cedro)

Danach geschah mit diesen Siedlungen folgendes:

Die Mehrheit der umgesiedelten Menschen von Nueva Argentina und Santa Cruz siedelten sich im Jahr 2001 erneut im REBIMA an aufgrund der schlechten Bodenqualität und des Wassermangels auf den Grundstücken, die die Regierung ihnen in den Gemeinden Independencia und Trinitaria zugewiesen hatte.
Sol Paraíso wurde sofort nach der Umsiedlung von Tzotziles (zapatistische Basis) aus der Gemeinde Chenalhó besetzt.
Im Fall Indio Pedro handelte es sich in Wirklichkeit um eine private Familienfarm mit rechtlich anerkannten Dokumenten, die nicht komplett umgesiedelt worden war. Die indigene Familie, die geblieben war, verfügt über ausreichende rechtliche Mittel, um zu beweisen, daß der Landkauf von SEMARNAP (siehe Punkt 23) illegal war.

Ab August / September 2001 begannen CONAP, SEMARNAT und PROFEPA (über die Direktion des Reservats und die entsprechenden staatlichen Stellen) mit der offenen Unterstützung des Instituts für Naturgeschichte und Staatliche Ökologie (IHN y E), der nordamerikanischen NGO Conservación Internacional und, verdeckt, der Gruppe Julia Carabias/Javier de la Meza ("Espacios Naturales y Desarrollo Sustentable, A.C." und "CEIBA, A.C."), mit den Caribes als Vorwand, erneut auf die Vertreibung der Tzeltal-, Tzotzil-, Ch‘ol- und Tojolabalsiedlungen im REBIMA zu drängen, — "selbst mit Gewalt, falls es nötig sein sollte" — , um angeblich "den Naturschutz zu gewährleisten".

Am 25. Dezember 2001 erklärt Ignacio Campillo, Bundesminister für Umweltschutz (PROFEPA), in einem Interview mit der landesweiten Zeitung "El Universal" zynisch: "Die Armee wird das organisierte Verbrechen bekämpfen und möglichen Investoren Schutz bieten. PROFEPA hat neun Zentren entdeckt, die schwer regierbar sind... Chimalapas (Oaxaca und Chiapas), Vizcaíno (Baja California Sur) und Montes Azules (Chiapas) wurden als Gebiete erster Priorität ausgewählt, in denen der Rechtsstaat wieder hergestellt werden soll... Wenn in diesen Gebieten großen Naturreichtums keine Ordnung hergestellt wird, wird keine Privatinitiative kommen und investieren... Wir werden alles Notwendige unternehmen, denn wir können bei Präsident Fox und auch den Bürgern keinen schlechten Eindruck hinterlassen, die wirklich auf eine sichtbare Aktion zugunsten der Umwelt warten". (Siehe Anhang 1)

Das vorher Gesagte zeigt klar die Art von Interessen und die Eile, die sie haben, um die indigenen Siedler in Montes Azules zu vertreiben.

Währenddessen (Oktober 2001 — Mai 2002) stellte eine parteiische Feldstudie, koordiniert vom staatlichen Innenministerium, dar, daß z.B. von den angeblichen "7 neuen Siedlungen, geschaffen zwischen Januar — Juni 2001" (laut der Direktion des Reservats und Conservación Internacional):

eine (Nuevo San Andrés) nicht existierte
eine andere (Nuevo Pichucalco) keine neue Siedlung war, sondern ein Teil der ehemaligen Siedlung Pichucalco, gelegen innerhalb des Gebietes, das per Präsidentenbeschluß 1989 geschaffen wurde
eine andere (Ruinas Sol Paraíso) keine Siedlung war, sondern die Viehfarm eines Kaziken des Ejidos San Mateo, das REBIMA gegenüber liegt (siehe Punkt 23)
eine weitere (Sol Paraíso) eine Neubesiedlung durch Tzotziles, zapatistische Basis, war, die von Chenalhó vertrieben worden waren und die 2001 wieder in die verlassene Siedlung gingen.

Im Gegensatz dazu kehrten 2 weitere der im Jahre 2000 umgesiedelten Ortschaften (Santa Cruz und die Erweiterung Nueva Argentina) ins REBIMA zurück, da sie sich von den unerfüllten Versprechungen der Regierungen betrogen fühlten.

Ende 2001 und Anfang 2002 wurden 4 neue Siedlungen innerhalb REBIMA von Ch’oles und Tzotziles gegründet, die von paramilitärischen Gruppen vertrieben worden waren (8 de Febrero, Nuevo San Rafael, 12 de Diciembre und Nuevo Salvador Allende). Im Oktober 2002 kam Nuevo San Pablo (Lucio Cabañas) hinzu. 4 dieser 5 Siedlungen lagen im Süden von Montes Azules. Sie berührten die Interessen der Gruppe Carabias — de la Maza, da einige von ihnen in der Nähe der Hotels "Ecoturismo und Turismo Científico von "Espacios Naturales, A.C." an der Chajulmündung (in Betrieb) und der Mündung des Río Tzendales (im Bau) lagen, abgesehen von einem weiteren Projekt in der Laguna Jalisco-Lacanjá Chansayab. Dies sind Einrichtungen, die der multinationalen Bioprospektion als Stützpunkt dienen (siehe Karte 5 und Anhang 5). Diese neuen Siedlungen liegen zudem innerhalb des Gebietes, das im Zuge des Stausees Quetzali, Teil des Planes Puebla-Panama, überflutet werden wird.

Im März 2002 wird die Entscheidung der Bundesregierung, die Vertreibung auszuführen, immer dringlicher. Dank der günstigen nationalen und internationalen Darstellung und des Druckes, den diese auslöst, scheitert sie aber. Innerhalb der Regierung des Staates gibt es keine einheitliche Position, da einige staatliche Institutionen (IHN y E und SDR / Sedefor) kooperieren und den Vorschlag der Vertreibung seitens der Bundesregierung unterstützen.

Im August / September traten im Norden des REBIMA wieder paramilitärische Gruppen und Aktionen in Erscheinung (OPDIC und "Los Aguilares" — die Adler), die vom örtlichen PRI-Abgeordneten, dem Tzeltal Pedro Chulín angeführt werden (von dem berichtet wird, daß er der Verräter während der Repression unter Albores gegen die Autonome Gemeinde Ricardo Flores Magón in der Siedlung Taniperla war). Diese paramilitärischen Aktionen forderten 5 Menschenleben bei der Zapatistischen Basis und machen ihre Absicht, die Basis der EZLN einzuschüchtern und zu provozieren, offensichtlich.

Ende November zeigt ARIC-ID (= ARIC-Indepediente) zwei seltsame Konvois an, die aus gelben Jeeps bestanden und die REBIMA-Grenzen passierten. In den Jeeps befinden sich Ausländer ("Gringos"), die mit hoch entwickelten Funkanlagen ausgerüstet sind. Ihnen folgt ein Kleinbus, der "Computerausrüstung" geladen hat. Die Führung hat eine Person "mit militärischer Kleidung und Haarschnitt sowie militärischem Benehmen". Auf dem Wege durch einige Gemeinden boten Mitfahrer des Konvois an, Land zu kaufen (Plácido Flores, Sibal) und überall fragten sie nach Flüssen und Lagunen mit der Bitte, sie dorthin zu bringen, um Fotoaufnahmen zu machen und Daten zu gewinnen (mit Hilfe von GPS).

Die besagten Konvois (jeweils mit 22 bzw. 16 numerierten Jeeps) starteten in Ocosingo. Im Festzentrum von Toniná fand ein Willkommensfest für sie statt, das von der örtlichen Vereinigung der Viehzüchter unterstützt wurde. Auf der "Ökotouristik-" Ranch La Esmeralda übernachteten sie, um sich danach in 2 Gruppen zu teilen.

Die erste Gruppe schlug sich eine Bresche im nördlichen Grenzbereich von Montes Azules über Plácido Flores und Monte Líbano, von wo sie nach Süden Richtung Santa Elena / El Censo / Taniperla (NW-Grenze des REBIMA) fuhr und dann nach Monte Líbano zurückkehrte, um danach am Nordrand des Reservats entlang weiterzufahren, durch El Jardín mit einem Halt in Sibal, wo sie nach Zeugenaussagen Apparate wie Computer benutzten, um den Grund der Lagune zu "sehen", wobei sie anscheinend archäologische Ruinen fanden. Dieser erste Konvoi fuhr dann von Sibal aus Richtung Santo Domingo hinunter in den Süden (NO-Grenze des REBIMA), um die Nacht in Lacanjá Chansayab zu verbringen. Nachdem er in Yaxchilán war, fuhr er weiter Richtung Ejido Reforma Agraria (SO-Grenze des REBIMA) und man nimmt an, daß er in den SW weiterfuhr nach Poza Rica — Guadalupe Tepeyac — La Realidad — Euseba — San Quintín — Miramar (siehe Karte 6).

Der zweite Konvoi fuhr durch die Cañada Patiwitz, erreichte San Quintín (eine Siedlung, wo sich die größte Militärkaserne der Gegend befindet) und fuhr in das Gebiet der Lagune Miramar (siehe Karte 6).

Kurz darauf wußte man, daß diese Konvois "angeblich" auf einer Abenteuerrally, genannt "Isuzu Challenge", waren, die an verschiedenen Orten der Welt stattfindet, und die von der japanischen Jeepfirma Isuzu unter der Schirmherrschaft von 6 hebräischen und einer weiteren japanischen Firma organisiert wurde. 80% der Mitfahrer waren israelischer Nationalität und alle Fahrzeuge trugen die israelische Flagge. Für diese Tour mit dem Namen "Ruta Maya 2002" hatten sie die Unterstützung des damaligen Tourismusministers von Chiapas (dessen Familie direkte Interessen am Hotelgewerbe in Chiapas hat). Außerdem hatten sie einen lokalen Organisator / Manager (Herbert Castellanos, Besitzer eines Juweliergeschäfts und Restaurants in San Cristóbal sowie eines Ökotourismusprojektes im Grenzgebiet der Untergemeinde Nueva Palestina, die mit ihr im Konflikt steht).

Nachfolgende Untersuchungen von NGO’s ergaben, daß der Anführer der Rally der israelische General Avihu Ben Nun (ehemaliger Oberkommandant von Systemen zur Verteidigung israelischen Gebiets 91 — 93) war, der von einem Geograph begleitet wurde, der Experte in Informationssystemen im Bereich Geographie und Satellitenkommunikation ist.

Im Dezember (2002) organisiert und initiiert die Bundesregierung die Instrumentation einer Überraschungsoperation zur gewaltsamen Vertreibung, die die Armada de México und PFP, koordiniert mit PROFEPA und der Direktion des Reservats, durchführen sollten. Die in dieser Etappe zu vertreibenden Siedlungen sollten sein (siehe Karte 7):

Nuevo San Pablo (Lucio Cabañas) (Süden des REBIMA)
Nuevo San Rafael (Süden des REBIMA)
8 de Febrero (Süden des REBIMA)
Sol Paraíso (Süden des REBIMA)
Nuevo Limar (Süden des REBIMA)
Nuevo San Andrés (Süden des REBIMA)
Ruinas (Rancho) (Süden des REBIMA)
Buen Samaritano (Zentrum des REBIMA)
Nuevo Salvador Allende (Zentrum des REBIMA)
(siehe Anhang 6)

Der Vorwand der Bundesregierung war, daß diese Siedlungen angeblich sehr jung waren, gegründet nach November 2002. Die Regierung von Chiapas ihrerseits unterstützte sehr wohl diese Aktion , wenn sie schon nicht akzeptiert hatte, direkt daran teilzunehmen, mit dem "Argument" der "jüngst erfolgten Gründung der Siedlungen".

Doch die nationale und internationale Öffentlichkeit deckte erneut diese Überraschungsoperation, die "vor dem 22. (Jahrestag des Massakers von Acteal), zu Beginn der Feriensaison und am Wochenende" stattfinden sollte, auf. Und sie schlug wieder fehl. Die einzige Aktion, die damals durchgeführt wurde, war die ausgehandelte und "friedliche" Vertreibung von 6 Familien, die in der Siedlung Lucio Cabañas ansässig waren. Sie wurden in einer Herberge in Comitán mit dem Versprechen, daß jede Familie 20 ha kultivierbares Land erhalten sollte, untergebracht. Danach wurden sie in ein Lager von PROFEPA in Amatenango gebracht, wo sie angeblich bei Wiederaufforstungsarbeiten zeitweilig eine Anstellung haben sollten. Von diesem Ort wurden sie (einmal mehr) durch Drohungen der Ortsansässigen vertrieben und flohen erneut in die Herberge von Comitán. Dort verspricht ihnen José Campillo (PROFEPA) persönlich, daß vor dem 10. April ihr Land gekauft werden würde. Mitte April unterrichtet sie der Abgesandte von PROFEPA auf Staatsebene über den Kauf zweier Farmen in der Gemeinde Palenque und teilt ihnen mit, daß sie am 6. Mai zu ihrer neuen Bleibe gebracht werden würden. Am 10. Mai wird ihnen mitgeteilt, daß der Landkauf nicht realisiert werden konnte, da PROFEPA kein Geld hat. Daraufhin entscheiden die 6 Familien, die Herberge zu verlassen. Sie sind der Versprechen müde und gehen nach Zamora Pico de Oro. Ende Mai kündigt PROFEPA an, daß "dank Spenden von Personen aus Umweltkreisen, die lieber anonym bleiben möchten (C.I.? Espacios Naturales? Ford Motors Company?) 400.000 Pesos für die erste Teilzahlung des Geländes zusammengekommen sind". PROFEPA bittet dann die Medien, daß sie der Bundesregierung dabei helfen sollen, diese vertriebenen Familien ausfindig zu machen, um ihnen die Nachricht zu überbringen und zu vermeiden, daß sie erneut ins REBIMA eindringen. Doch die vertriebenen Familien von Lucio Cabañas veröffentlichten Anfang Juni eine Botschaft, in der sie kundgeben:" ...angesichts des nicht vorhandenen politischen Willens, uns neu anzusiedeln und nachdem wir von drei verschiedenen Gemeinschaften in den letzten zwei Jahren vertrieben worden sind, mangels Handlung der schlechten sogenannten mexikanischen Justiz und da wir außerdem nicht das nötige Geld haben, um Land zu kaufen, läßt uns die Regierung keinen anderen Weg als nach Montes Azules zurückzukehren..."

Am 29. Dezember 2002 gibt Subkommandante Marcos als Sprecher der EZLN ein Kommuniqué heraus, in dem er mitteilt, daß "die EZLN die Vertreibung keiner der Siedlungen in Montes Azules erlauben wird" (siehe Anhang 4). Diese zapatistische Position wird klar manifestiert in der friedlichen Einnahme von San Cristóbal durch 20.000 Zapatisten am 1. Januar 2003, als durch die Stimme von Kommandante Esther diese Haltung bestätigt wird.

Als Ergebnis der Reaktion, die durch die Konvois Isuzu bei der EZLN hervorgerufen wurde, verbietet die zapatistische Gemeinschaft Nuevo Jerusalén (Nachbargemeinde zur Militärkaserne von Toniná) den Nordamerikanern Glenn Wersch und seiner Frau Ellen Jones, daß sie weiterhin ihre Ranch la Esmeralda als Zentrum des "Ökotourismus" benutzen. Ab Dezember 2002 und den ganzen Januar und Februar 2003 beginnen eine Reihe von Provokationen und Gerüchten seitens "Mr. Wersch" gegen die zapatistische Basis, die dazu führen, daß der nordamerikanische Konsul den Ort besucht und das US-Außenministerium sofort eine öffentliche Bekanntmachung verlautbaren läßt, daß "Chiapas kein empfehlenswerter Ort für nordamerikanische Touristen ist, da für die Sicherheit der Besucher, Bewohner und Investoren dieses Landes nicht garantiert wird". Schließlich wird Anfang März 2003 die Ranch Esmeralda von der zapatistischen Basis umzingelt. "Mr. Wersch" fordert von der staatlichen Regierung die unverzügliche Vertreibung der Zapatisten oder eine Entschädigung von mindestens 5 Millionen Pesos (1995 erwarb Wersch das Gelände "La Esmeralda" zu einem Preis von 21.000 Pesos, wobei er davon profitierte, daß die Farmen aufgrund der EZLN verlassen worden waren). Aufgrund dieser Tatsache verbreitet die Touristikagentur World Twitch, Förderer von "rustikalen" Hotels und solchen, die auf der "Suche nach seltenen Vögeln auf der Welt" sind, per Internet eine Nachricht, gemäß der "das Hotel Ecotúristico La Esmeralda, Teil unseres weltweiten Netzes, von zapatistischen Terroristen überfallen wurde".

Am 20. Februar 2003 erklärt der Umweltbevollmächtigte Ignacio Campillo in einem Interview mit der Zeitung La Jornada erneut, daß "die Vertreibungen in den Montes Azules weitergehen werden... Es gibt Fälle von Viehzüchtern , die sich dort niedergelassen und Urwaldgebiete zerstört haben, was ihnen einen Rechtsprozeß einbringen wird... es gibt noch immer Gemeinschaften, die "neu angesiedelt werden müssen" und es gibt einige andere, die dauerhaft im Reservat bleiben werden, da sie schon seit über 20 Jahren in der Region ansässig sind... In anderen Fällen muß man verhandeln, da einige bereit sind, das Reservat zu räumen, sofern die Vereinbarungen, die mit ihnen getroffen worden sind, in Sachen Landkauf, Infrastruktur und Produktivprojekte, erfüllt werden... Es wird einen geeigneten Zeitpunkt geben, dies zu tun (die Vertreibungen), denn die Waldzerstörung wird immer größer".
Zu diesen offiziellen Erklärungen sind einige Anmerkungen am Rande notwendig:

Was Viehfarmen anbelangt, so gibt es drei innerhalb des REBIMA (siehe Karte 8)
Ruinas Sol Paraíso: Im Süden des Reservats, innerhalb der Zone "Cordón Chaquistero", 2 km östlich der Tzotzil-Siedlung, zapatistische Basis, "Sol Paraíso". Die Farm befindet sich in der Hand von Sr. Manuel Gómez Castellanos, der in der Siedlung San Mateo (gegenüber REBIMA) Ejidatario ist sowie Besitzer des besten Ladens und des 3-Tonnen-Leichttransporters in dem genannten Dorf. Als Zahlung für seine Umsiedlung erhielt Sr. Gómez Castellanos im Jahr 2000 von der Mesa Agraria Ambiental unter Albores (Umwelt- und Agrarrunde) 10.000 Pesos. Er besitzt 30 — 40 Stück Vieh und 30 ha Weideland.
El Buen Samaritano: Im Zentrum des Reservats, nordöstlich der Lagune Miramar und 5 km nördlich von Nuevo San Gregorio. Die Farm befindet sich in der Hand von Sr. Elmer Roblero und zwei volljährigen Söhnen mit ihren eigenen Familien. Sr. Elmer kommt aus dem Ejido Nueva Galilea, war bei ARIC-ID und man vermutet, daß er Sympathisant der Zapatisten war. ARIC-ID versucht, ihn davon zu überzeugen, in eine der ARIC-Siedlungen (San Gregorio, Salvador Allende) umzusiedeln, aber er lehnt ab, da er vorgibt, seine Farm weiterhin als Familienbesitz zu betreiben. Er verfügt über 10 ha Weide- und 10 Agrarland mit 10 Stück Vieh.
Indio Pedro (Campo Cedro): Im Osten des REBIMA, südlich von Lacanjá Chansayab. Die Farm gehört Sr. Pedro Sánchez (Tzeltal) und zwei älteren Söhnen mit Familie. In den 60er Jahren kaufte der Vater von Pedro Sánchez der Bundesregierung 300 ha nationales Land ab und erhielt eine legale Besitzeintragung als nationaler Besitzer. Er vererbte die 300 ha an 6 Söhne, von denen 5 den Ort verließen. Diese betrieben, aufgehetzt und beraten von der Mesa Agraria Ambiental Alborista, einen Prozeß zur Aufsplittung des Besitzes und verkauften die Anteile (5 à 50 ha jeweils) im Jahre 2000 an die SEMARNAP. Sr. Pedro Sánchez bringt vor, daß der Aufsplittungsprozeß illegal war, da er nicht zugestimmt hatte und seine Unterschrift gefälscht worden war. Aus diesem Grunde erkennt er diesen Akt sowie den nachfolgenden Verkauf der Anteile seiner Geschwister an die SEMARNAP (heute SEMARNAT) nicht an und weigert sich, den ererbten Besitz abzugeben.
Dann gibt es noch den Fall von San Antonio Miramar im Zentrum des REBIMA, nordöstlich der Lagune Miramar und südöstlich von Nuevo San Gregorio, außerhalb des Gebietes mit der Verfügung "Comunidad Lacandona". Das Land befand sich in der Hand von Sr. Diego Lorenzo Jímenez und 2 älteren Söhnen mit Familie. Sr. Diego Lorenzo kommt aus dem Ejido Amador Hernández, gehört der ARIC-ID an und rechnet mit einem Gerichtsverfahren vor dem Sekretariat für Agrarreformen zur Zuteilung von nationalem Land zugunsten von 10 Familienoberhäuptern.

Was die Gemeinschaften "von über 20 Jahren" anbelangt, so sind dies nur: Nuevo San Gregorio und Salvador Allende, ARIC-ID zugehörig, die durch den Präsidentenbeschluß 1989 hätten begünstigt werden müssen (zusammen mit den anderen 26 Ejidos, die tatsächlich begünstigt worden sind). Nuevo San Gregorio, mit Tzotzil-Ursprung, ist durch seine Aktionen zum Umgang mit bzw. Erhalt der natürlichen Ressourcen (Agroökologie, Plan zum Umgang mit bzw. zur Regelung der Ökologie sowie Jagdverbot) herausgefallen.
Diejenigen, die laut Vorstand von ARIC-ID "dazu bereit wären, über ihre Umsiedlung zu verhandeln", sind el Jardín (Erweiterung) (im Flora- und Faunaschutzgebiet von Nahá gelegen und nicht in Montes Azules), Villa las Rosas (Erweiterung), Laguna Ocotal, Laguna El Suspiro und Nuevo Guadalupe Tepeyac, alle ARIC-ID-zugehörig und im Norden des Reservats (Gebiet der Lagunen) gelegen.

Auch wenn der Vorstand von ARIC-ID seit 2000 bereit ist, über die Abwanderung dieser Siedlungen zu verhandeln (im Gegenzug sollen die anderen Siedlungen im Zentrum des REBIMA Salvador Allende, Nuevo San Gregorio, Nuevo Israel, Corozal, San Antonio Miramar und Buen Samaritano respektiert werden, bei einer Konzentration ihrer Bevölkerung auf die beiden ersten Siedlungen — die ältesten), so ist nicht sicher, daß die Basis der Dörfer die Umsiedlung akzeptiert.

Bleibt zu erwähnen, daß es im südlichen Bereich des REBIMA einen Landstreifen gibt, der diagonal verläuft und an die Bresche Lacandona (von Nord nach Süd), östlich der Lagune Miramar angrenzt und nationales Gebiet ist. In diesem Landstreifen liegen die Siedlungen Ojo de Agua la Pimienta, Nuevo Villaflores, Nuevo Agua Dulce, Nuevo Limar, Nueva Argentina (Erweiterung) und San Antonio Miramar (siehe Karte 10). Deswegen können diese Siedlungen von den Caribes nicht wegen "Landraub" verklagt werden und auch aus diesem Grunde rechtlich nicht vertrieben werden. Aber dafür könnten sie Verfahren zum Gewohnheitsrecht an diesen Grundstücken in Gang bringen.
In seinen Plänen schließt Sr. Campillo (PROFEPA) völlig die Siedlungen aus, die im REBIMA von 94 bis 2002 aufgetaucht sind, die Mehrheit davon zapatistische Basis, die von ihren Ursprungsorten durch militärische und/oder paramilitärische Gewalt vertrieben worden sind. Dies würde folglich ihre Vertreibung in "einem geeigneten Moment, dies zu tun" beinhalten.

Im März 2003 verließen die Bewohner von 8 de Febrero ihr Dorf auf der Suche nach einem anderen Ort mit besserem Zugang zu Wasserquellen. Als sie begannen, ihre Habseligkeiten an den neuen Ort zu bringen, wurden ihre Häuser und ihr Hab und Gut von "Unbekannten" in Brand gesteckt. Dies verursachte einen Waldbrand im REBIMA, der 150 ha Bergwald in Mitleidenschaft zog. (Die Direktion des Reservats und die Spezialeinheit für Walddelikte beschuldigen offiziell die Tzotziles von 8 de Febrero dieses Brandes).Wenn dieses Jahr 2003 ebenso extrem trocken gewesen wäre wie 1998, wäre es sehr gut möglich gewesen, daß im Mai eine bedeutende Anzahl von Bränden "aus der Luft" verursacht worden wäre, um die indigenen Siedler zu beschuldigen und ihre gewaltsame Vertreibung "zum Wohl der Menschheit" zu rechtfertigen.

Im April (10., 14. und 27.) kam eine Gruppe von Mitgliedern kommunaler Behörden der Caribes, Ch’oles von Frontera Corozal und Tzeltales von Nueva Palestina, in "Begleitung" von PROFEPA auf Booten der Mexikanischen Marine mit einer Eskorte bewaffneter Matrosen in die Siedlungen Nuevo San Rafael und San Isidro (Name der neuen Siedlung, den die Tzotziles aus 8 de Febrero bildeten) und bedrohten sie, daß sie sie selbst als Mitglieder der Gemeinde, als "Herren" dieses Landes, diesen Monat vertreiben würden, da die Regierung dies nicht tut (siehe Anlage 8). Diese "kommunalen" Aktionen von Drohung und Einschüchterung des harten Kerns der Bundesregierung nutzen die Caribes erneut als Erpressung. Und die staatliche Regierung durch die Stimme Pablo Salazars selbst verlangt und vereinbart mit ihnen einen "Waffenstillstand", der im Gegenzug die sogenannte "Mesa de San Javier" wiederbelebt. Hier versprechen sie den Caribes und den untergeordneten Gemeinschaften Nueva Palestina und Frontera Corozal erneut eine Unmenge von "Bauarbeiten" und "Produktivprojekten" sowie diverse Unterstützung dafür, daß "sie nicht eigenhändig vertreiben" (siehe Anhang 6). Ermutigt und beraten von Felipe Villagrán, Präsident der NGO "Merolek, A.C." (eine Vereinigung, die von Pablo Muench, Direktor von UHNyE und ehemaliger Weltbankfunktionär, gegründet wurde), beginnen die Caribes, eine Entschädigung in vielfacher Millionenhöhe für das "Land ihrer Vorfahren", das "sie verloren haben", zu fordern.

Ende Mai erscheint "eigenartigerweise" im Gebiet Amardor Hernández / Salvador Allende (REBIMA-Zentrum) eine seltsame bewaffnete Gruppe von Mestizen, die eine Uniform "nach Art des Militärs" sowie großkalibrige Waffen trugen. Laut ARIC-ID-Bauern, die sie sahen, scheinen sie über eine Spazialausbildung für den Urwald zu verfügen. Die lokale PRI-Presse ortet sie als EPR; diese Guerrillagruppe distanziert sich allerdings durch ein Kommuniqué von diesen Aktionen.

Schließlich, Anfang Juni, nach einer Reihe von Versammlungen "höchsten Ranges" zwischen der Bundesregierung und der Regierung des Staates Chiapas, kommt man darin überein, eine erste Investition in Höhe von 150 Millionen Pesos für den Kauf von Land außerhalb REBIMA zu tätigen und ein Programm zur "freiwilligen" Umsiedlung zu starten, wobei die Leitung dieses Prozesses SEMARNAT — PROFEPA abgenommen wird und nun SRA übertragen wird (siehe Anhang 7).


EPILOG

Während die Regierung Interessen multinationaler Unternehmen (Biotechnologie, Wasser, Erdöl, "Ökotourismus") gehorcht und eine "umweltfreundliche" Rede schwingt, die ihr die weltweit agierenden Umweltorganisationen (Conservación Internacional, WWF) und ihre örtlichen Verbündeten (Espacios Naturales, AC, CEIBA, AC) liefern, wobei sie die Maya-Caribes als Vorwand benutzt (ein Indio-Volk ohne eigene Identität heute, in der Vergangenheit im Tausch gegen Brotkrumen manipuliert), bedroht sie die Siedlungen armer Tzeltales, Tzotziles, Ch‘Oles und Tojolabales — "zum Wohl der Menschheit" — permanent mit gewaltsamer Vertreibung. Diese Indigenen sind im REBIMA ansässig, um überleben zu können (wirtschaftlich und politisch). Im Reservat gibt es zumindest zwei modellhafte Fälle von Waldzerstörung und Umweltverschmutzung, die mit der vollen Unterstützung der Behörden stattgefunden haben (siehe Karte 9):
Der Fall von Nueva Palestina, eine Siedlung an der Nordostgrenze des REBIMA, östlich der Laguna Suspiro. Diese Siedlung, die größte der gesamten Region Montes Azules, war das Ergebnis der ersten Zwangsumsiedlung von Indigenen im Jahre 1976 aus 15 Tzeltalsiedlungen. Diese hatten damals unter Drohungen die Umsiedlung akzeptiert (insgesamt waren 21 Siedlungen umgesiedelt worden. Die ursprünglichen Ch’ol-Siedlungen konzentrierten sich in Frontera Corozal, südostlich von Yaxchilán an der Grenze zu Guatemala). 26 weitere Siedlungen lehnten die Umsiedlung ab und bildeten einen Teil der Unión de Ejidos Quiptic ta lecubtesel. Nueva Palestina besteht aus 15 Vierteln jeweils entsprechend dem ursprünglichen Volk (mit Namen etc.). Trotz der Versprechen seitens der Regierung über soziale und Produktivunterstützung, kam diese nie an und die Menschen von Nueva Palestina begannen, ins REBIMA zurückzugehen (1977). Durch diese Situation erläßt die Bundesregierung 1978 einen Präsidentenbeschluß, in dem sie (Nueva Palestina und Frontera Corozal) als "Untergemeinschaften" der lakandonischen Gemeinschaft anerkannt werden. Ein abgegrenztes Gebiet (wofür eine Bresche geschlagen wurde) wird ihnen zuerkannt. Der größte Teil dieses Geländes blieb innerhalb des REBIMA. Sofort wurde das Gebiet für alle Bewohner der Untergemeinschaften ("subcomuneros") (je 50 ha) aufgeteilt, was 1979 — 80 den Umwandlungsprozeß von Urwald (Reservat) in Weidegebiete mit offizieller Zustimmung (und nicht wenig Unterstützung) in Gang setzte. Ein Satellitenbild von diesem Teil des REBIMA genügt heute, um die ökologische Auswirkung dieser unheilvollen offiziellen Politik zu sehen (siehe Karte 9).

Heute leidet die Untergemeinschaft Nueva Palestina (deren Bewohner mehrheitlich schon den Begriff "Lakandone" als "Besitzer" des gesamten Territoriums von REBIMA und der Lakandonzone "seit der Zeit der Vorfahren" verinnerlicht haben und ständig verwenden) an zwei schweren sozialen Konflikten: ein externer mit den Caribes bezüglich Grenzen und Machtkontrolle (die "subcomuneros" haben kein Recht, zu wählen oder als Beauftragter oder Überwachungsrat gewählt zu werden), so daß schon innerhalb der Untergemeinschaft eine "Unabhängigkeitsbewegung" existiert, die danach strebt, daß sich Nueva Palestina legal von der Lakandonengemeinschaft trennt. Der andere Konflikt ist interner Art und besteht darin, daß etwa 1.000 volljährige Söhne / Töchter der "subcomuneros" kein Land haben (Nueva Palestina befolgt, obwohl sie ein Teil der "Comunidad Lacandona" bildet, nicht die Logik der echten indigenen Gemeinschaften. Seit ihrem Entstehen wurden Individualparzellen geschaffen und die "Besitzer" — "subcomuneros" — Gründer teilen ihr Land mit ihren eigenen Nachfahren nicht). Diese jungen Tzeltales werden als Druckmittel mit dem Argument, "wie ist es möglich, daß die Eindringlinge Land im REBIMA haben, aber unsere Kinder nicht", benutzt.

b) Den zweiten Fall stellen die ökologischen Auswirkung der Militärkaserne in San Quintín, der größten der gesamten Region, dar. Sie liegt am Westrand vom REBIMA, und hat einen (ökologisch und sozial gesprochen) schädlichen Einfluß auf das gesamte Gebiet, das an die Laguna de Miramar angrenzt. Ihre Auswirkungen auf die Waldzerstörung kann man erkennen, wenn man eine Reihe historischer Satellitenbilder betrachtet (1990 — 1995 — 2000) (siehe Karte 9). In der Tat zeigte die autonome Gemeinde Ricardo Flores Magón 1998, einem der trockensten Jahre, das der Südosten Mexikos je erlebt hat, an, daß Brände in unzugänglichen Urwaldgebieten unmittelbar nach nächtlichen Überflügen von Militärhelikoptern innerhalb und im Grenzgebiet vom REBIMA zu sehen waren (Ähnliches geschah damals in der Selva de Los Chimalapas). Ergebnis dieser Brände von 98 war, daß insgesamt über 25.000 ha im REBIMA brannten, ohne daß weder die weltweit agierenden "NGO’s" (CI — WWF) noch deren örtliche Verbündete (Julia Carabias, seinerzeit Umweltsekretärin, und Javier de la Maza, Nationaldirektor für Naturschutzgebiete) damals diese schwerwiegende Tatsache der Öffentlichkeit kundgetan hätten. Im Gegenteil, diese schrecklichen Brände dienten der SEMARNAP 1999 (Julia Carabias / Javier de la Maza) als Vorwand, die Präsenz von 7.000 Soldaten im REBIMA (Rückzugsgebiet der EZLN) mit dem Ziel, das verbrannte Land "wieder aufzuforsten", zu fordern. Dies war zweifellos eine klare Einschüchterungs- / Provokationsaktion.
Bleibt zu erwähnen, daß es in dieser selben Zone "Miramar" mindestens ein Dutzend reguläre Ejidos gibt, von denen zwei (San Quintín und Zapata) über einen Präsidentenbeschluss Ende der 60er Jahre und die anderen 10 über einen Präsidentenbeschluß der 80er Jahre, nach dem Reservatserlaß verfügen (siehe Karte 3). In diesen Ejidos ist der Prozeß der ökologischen Zerstörung hauptsächlich durch Viehzucht sehr schnell vorangegangen und war von der Bundes- und Staatsregierung vorangetrieben worden (siehe Karte 9).


Recherche: Gonzalo Guerrero
Karten: Genaro Vázquez

ANHANG

Interview mit José Campillo, Bundesminsiter für Umweltschutz (PROFEPA) (Zeitung El Universal, 25. Dezember 2002)
Kommuniqué der ARIC Unión de Uniones Independiente y Democrática zu Montes Azules (30. November 2001)
Kommuniqué der Autonomen Gemeinde Ricardo Flores Magón zu Montes Azules (26. Februar 2002)
Erklärung der EZLN zu den Drohungen der Vertreibung aus REBIMA (29. Dezember 2002)
Fotos von Bauarbeiten für das Hotel "Turismo científico" von "Espacios Naturales y Desarrollo Sustentable, AC" sowie Ford Motors Company in Río Tzendales (Süden des REBIMA)
"Salazar fordert Waffenstillstand..." und "Die Regierung von Chiapas schließt einen Pakt mit den Lakandonen" (Notizen von La Jornada, 6. Mai 2003, und la Foja, 2. Mai 2003)
"Es wird Vertreibung in Montes Azules geben, aber ohne Gewalt: SRA" (Notiz von La Jornada, 6. Juni 2003)
Fotos zur Bedrohung von Nuevo San Rafael durch Caribes und "Corozales", begleitet von PROFEPA und eskortiert von bewaffneten Matrosen (27. April 2003)
Charakterisierung von Siedlungen (48) und Farmen (4) im Gebiet der sogenannten "Comunidad Lacandona" und / oder in Naturschutzgebieten der Region Selva Lacandona, die von Vertreibung, Umsiedlung oder "Kauf" ihrer Ländereien bedroht sind.


 Quelle:  
  http://chiapas.mediosindependientes.org/display.php3?article_id=105357&key word=&phrase= 
 

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